Posts mit dem Label Bundesliga werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bundesliga werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Freitag, 31. August 2012
Preseason 2012-13 oder Vom Schauen und Lernen
Die Preseason der Meisterschaft 2012/13 hat begonnnen. Endlich, werden einige sagen. Denn so hat die eishockeyverrückte Seele endlich wieder Halt gefunden.
Die ersten Testspiele werden mit viel Begeisterung angenommen. Auch, weil sich die Südtiroler Mannschaften attraktive Gegner aus anderen Ligen ausgesucht haben. Aus Ligen, von denen man der Meinung ist, dass sie wesentlich stärker als die heimische Serie A1 sind.
Die Kräfteverhältnisse kann man bei diesen Testspielen freilich nicht feststellen. Das ist der berühmte Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Weil beide Mannschaften voll im Training sind und die Spieler, wenn sie ihren Job und Trainer ernst nehmen, schwere Beine haben müssen. Und weil man zu diesem frühen Saisonszeitpunkt unmöglich die neuen Linienpartner schon kennen kann. Und auf keinen Fall die Laufwege. Oder das System des neuen Trainers. Das gilt für die heimischen Mannschaften. Und das gilt für die Gegner aus der Bundesliga und der EBEL.
Trotzdem sind diese Freundschaftsspiele ein Quantensprung zu dem, was noch vor wenigen Jahren geboten worden ist. Man erinnert sich an die Testspiele gegen unterklassige italienische Mannschaften oder Gegner aus der eigenen Liga. Gegner also, die man bis zum Ende der Saison mindestens sechs Mal wird spielen sehen. Diese Testspiele waren alles andere als Werbung für den Sport: Weil wirklich nur getestet worden ist und weil man gegen die Ligakonkurrenten nicht alle Karten aufdecken wollte.
Bei den Internationalen Testspielen ist das ein klein wenig anders: Da können beide Mannschaften frei aufspielen. Die körperliche Komponente wird zwar nicht ausgespielt, weil man sich ja nicht selbst schon in der Preseason schwächen will, und auch die Passstaffetten laufen noch nicht so, wie sich das so manchen Verantwortlicher Übungsleiter wünschen würde. Das Niveau der Spiele ist objektiv gesehen nicht viel höher, als wenn ein Serie A1 Club gegen einen A2 Club antreten würde. Trotzdem sind die internationalen Tests ein großer Fortschritt: weil neue Namen auf den einheimischen Eisflächen auftreten und weil einmal Mannschaften hier antreten, die man aus Jahrbüchern oder Internetforen kennt. Und das erweitert den Horizont der Eishockeyfans. Bringt den Sport definitiv weiter. Und beweist, dass auch im Ausland nur mit Wasser gekocht wird.
Freitag, 17. August 2012
Südtiroler Hoffnung in DEL
Die Eishockeysaison 2012/13 beginnt mit den ersten Vorbereitungsspielen. In der Deutschen Eishockey Liga stehen die ersten Testspiele an, Testspiele für Mannschaften und Spielleiter. Die Chancen, dass ein Südtiroler in der kommenden Saison in der deutschen Profiliga mitmischt stehen gut. Mit David Tschirner wagt ein Südtiroler Schiedsrichter den Sprung in den Norden.
Ich habe mich mit David getroffen um mit ihm über diese Chance zu sprechen.
Steckbrief:
Name: David Tschirner
Alter: 29
Beruf: Tennislehrer - Eishockeyschiedsrichter
Herkunft: Leifers
Traube: Wie kommt man als junger Mensch zu der Entscheidung, Eishockeyschiedsrichter werden zu wollen?
David Tschirner: In meiner Jugend habe ich Eishockey gespielt. Und neben Eishockey auch andere Sportarten aktiv ausgeübt: Tennis und Fußball. Ich war praktisch jeden Nachmittag auf den Sportplätzen und beim Training. Mit 19 hatte der HC Leifers dann keine Mannschaft mehr und ich hätte nach Auer ausweichen müssen, um weiter zu spielen. Ein großer Aufwand, vor allem für meine Eltern, die mich herumkutschieden mussten. Ein Freund von mir hatte zu dieser Zeit den Schiedsrichterlehrgang schon gemacht. Über ihn bin ich auf die Idee gekommen.
(lacht) Im nachhinein betrachtet: Ich hatte mir oft gewünscht, ich wäre Spieler geblieben!
Traube: Wie läuft eine Schiedsrichterkarriere ab?
David Tschirner: Nach dem Lehrgang, der drei Tage dauert, wirst du praktisch ins kalte Wasser geworfen: Man beginnt mit Jugendspielen, meist an der Seite von erfahrenen Schiedsrichtern. 2003 habe ich schon die ersten Spiele in der A2 gemacht, seit 2006 bin ich in der Serie A1 als Linesman. In der U18 und U20 war ich als Hauptschiedsrichter im Einsatz. Ich pfeife aber auch International beim Continentalcup oder war auch bei der U18 WM im Einsatz.
Traube: Was ist das Schwierigste daran, Schiedsrichter zu sein?
David Tschirner: Man muss lernen, nicht mehr hinzuhören und sowohl Fans als auch Spieler und Trainer zu überhören. Gleichzeitig sollte man sich aber auch in das Spiel hineindenken können, um gewisse Situationen einordnen zu können. Da tut man sich natürlich leichter, wenn man selbst aus diesem Sport kommt.
Dann, im Spiel, ist es das Schwerste, über 60 Minuten die Konzentration hoch zu halten. Denn eine einzige Entscheidung oder Nicht Entscheidung können ein Spiel kaputt machen. Spiele, die nicht so intensiv sind oder scheinbar leichte Spiele sind sind da oft die Schwersten. Bei Entscheidungsspielen oder intensiven und knappen Kisten ist es leichter, konzentriert zu bleiben.
Traube: Was macht einen guten Schiedsrichter aus?
David Tschirner: Ein guter Schiedsrichter muss vor allem fit sein. Er muss zu jeder Zeit die bestmögliche Position auf dem Feld haben, um jede Aktion genau verfolgen zu können.
Dann muss ein Schiedsrichter ruhig bleiben können, auch wenn die Situation noch so nervös wird.Er muss eine gute Körpersprache haben und Respekt den Spielern entgegenbringen, gleichzeitig aber auch respektiert werden.
Traube: Welche Probleme hat das Schiedsrichterwesen deiner Meinung nach in Italien?
David Tschirner: Die Vereine in der Serie A1 und A2 sind professionell geführt und sie verlangen diese Professionalität auch von den Schiedsrichtern. Man darf aber nicht vergessen, dass man vom Spiele pfeifen allein hier nicht leben kann. Weshalb die Schiedsrichterkollegen auch einem regulären Job nachgehen und dementsprechend doppelt belastet sind. Klar sollen keine Fehler passieren: aber durch die Doppelbelastung können solche passieren. Das sollte man verstehen und auch respektieren.
Insgesamt gesehen sollte man aber schon einmal anerkennen, dass das Niveau der nationalen Eishockeyschiedsrichter im Internationalen Vergleich gut ist. Wir passen uns in Italien nicht nur spielerisch, sondern auch von der Spielleitung von Saison zu Saison mehr dem Internationalen Niveau an - und ich meine da die Nationen, mit denen wir uns wirklich vergleichen können - von den Topligen sind wir noch weit entfernt.
Und ein ganz großes Problem ist, dass es keinen Nachwuchs gibt: es gibt zu wenig Alternativen. Wenn jemand wirklich einen kapitalen Fehler macht dann wird er trotzdem wieder eingesetzt, weil es einfach keinen Ersatz gibt.
Man müsste sehen, wie man das Schiedsrichterwesen attraktiver macht - vor allem müsste man ehemalige Spieler dafür gewinnen, Spiele zu leiten. Die haben die notwendige Erfahrung, verstehen das Spiel, wissen, worauf sie achten müssen. Das sind Dinge, die jemand, der nicht aus diesem Sport kommt, nur sehr schwer lernen kann.
Traube: Die Chance Deutschland: Wie ist es dazu gekommen?
David Tschirner: Ich war bei der U18 WM in Sofia und habe den Obmann der Deutschen Schiedsrichter kennengelernt und bin mit ihm ins Gespräch gekommen. Über ihn habe ich die notwendigen Kontakte bekommen. Letzte Woche war ich in Deutschland auf dem Lehrgang der DEL Schiedsrichter und habe die Prüfung abgelegt und bestanden.
Ich bin eingeladen worden, das Spiel Rosenheim gegen Innsbruck zu pfeifen und dann am Sonntag das Spiel München gegen Linz. Sollte ich da eine gute Figur machen, werde ich in der DEL eingesetzt werden. Ansonsten pfeife ich in der Bundesliga.
Ich werde in Deutschland als Linesman eingesetzt - auf meinen eigenen Wunsch: ich möchte Erfahrung sammeln und ein oder zwei Jahre Assistent sein.
Traube: Welches Ziel möchtest Du als Schiedsrichter erreichen?
David Tschirner: Wie gesagt, ich möchte als Linesman in der DEL beginnen. Dann gibt es das System der Förderlizenzen, über welche junge Schiedsrichter zu Headschiedsrichtern ausgebildet werden. Es wäre eine tolle Sache, in ein solches Förderprogramm hineinzukommen.
Traube: Sind die Schiedsrichter in Deutschland Profis?
David Tschirner: Teilweise. Es gibt drei Vertragsschiedsrichter in der DEL.
Traube: Kennst Du die Deutschen Ligen schon?
David Tschirner: Ich keine einige Mannschaften, die ich bei Freundschaftsspielen und beim Dolomitencup gepfiffen habe. Was ich noch nicht kenne und wo ich schon gespannt bin ist die Atmosphäre in den Stadien, die mit italienischen Verhältnissen nicht zu vergleichen ist.
Traube: Angst vor den deutschen Fans?
David Tschirner: (lacht): Nein, kein bisschen. Ich bin seit zehn Jahren im Geschäft und weiß, wie man weghört.
Traube: Alles Gute für dein Abenteuer...
Traubes Hockeyblog bleibt natürlich dran und wird David Tschirner bei seiner Deutschland Karriere weiter verfolgen.
Und wir hoffen, dass wir nicht zu viel von David Tschirner hören: Denn ein Schiedsrichter ist dann wirklich gut, wenn er nicht auffällt und nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Ein Schiedsrichter ist dann gut, wenn man nicht über ihn zu diskutieren beginnt.
Ich habe mich mit David getroffen um mit ihm über diese Chance zu sprechen.
Steckbrief:
Name: David Tschirner
Alter: 29
Beruf: Tennislehrer - Eishockeyschiedsrichter
Herkunft: Leifers
Traube: Wie kommt man als junger Mensch zu der Entscheidung, Eishockeyschiedsrichter werden zu wollen?
David Tschirner: In meiner Jugend habe ich Eishockey gespielt. Und neben Eishockey auch andere Sportarten aktiv ausgeübt: Tennis und Fußball. Ich war praktisch jeden Nachmittag auf den Sportplätzen und beim Training. Mit 19 hatte der HC Leifers dann keine Mannschaft mehr und ich hätte nach Auer ausweichen müssen, um weiter zu spielen. Ein großer Aufwand, vor allem für meine Eltern, die mich herumkutschieden mussten. Ein Freund von mir hatte zu dieser Zeit den Schiedsrichterlehrgang schon gemacht. Über ihn bin ich auf die Idee gekommen.
(lacht) Im nachhinein betrachtet: Ich hatte mir oft gewünscht, ich wäre Spieler geblieben!
Traube: Wie läuft eine Schiedsrichterkarriere ab?
David Tschirner: Nach dem Lehrgang, der drei Tage dauert, wirst du praktisch ins kalte Wasser geworfen: Man beginnt mit Jugendspielen, meist an der Seite von erfahrenen Schiedsrichtern. 2003 habe ich schon die ersten Spiele in der A2 gemacht, seit 2006 bin ich in der Serie A1 als Linesman. In der U18 und U20 war ich als Hauptschiedsrichter im Einsatz. Ich pfeife aber auch International beim Continentalcup oder war auch bei der U18 WM im Einsatz.
Traube: Was ist das Schwierigste daran, Schiedsrichter zu sein?
David Tschirner: Man muss lernen, nicht mehr hinzuhören und sowohl Fans als auch Spieler und Trainer zu überhören. Gleichzeitig sollte man sich aber auch in das Spiel hineindenken können, um gewisse Situationen einordnen zu können. Da tut man sich natürlich leichter, wenn man selbst aus diesem Sport kommt.
Dann, im Spiel, ist es das Schwerste, über 60 Minuten die Konzentration hoch zu halten. Denn eine einzige Entscheidung oder Nicht Entscheidung können ein Spiel kaputt machen. Spiele, die nicht so intensiv sind oder scheinbar leichte Spiele sind sind da oft die Schwersten. Bei Entscheidungsspielen oder intensiven und knappen Kisten ist es leichter, konzentriert zu bleiben.
Traube: Was macht einen guten Schiedsrichter aus?
David Tschirner: Ein guter Schiedsrichter muss vor allem fit sein. Er muss zu jeder Zeit die bestmögliche Position auf dem Feld haben, um jede Aktion genau verfolgen zu können.
Dann muss ein Schiedsrichter ruhig bleiben können, auch wenn die Situation noch so nervös wird.Er muss eine gute Körpersprache haben und Respekt den Spielern entgegenbringen, gleichzeitig aber auch respektiert werden.
Traube: Welche Probleme hat das Schiedsrichterwesen deiner Meinung nach in Italien?
David Tschirner: Die Vereine in der Serie A1 und A2 sind professionell geführt und sie verlangen diese Professionalität auch von den Schiedsrichtern. Man darf aber nicht vergessen, dass man vom Spiele pfeifen allein hier nicht leben kann. Weshalb die Schiedsrichterkollegen auch einem regulären Job nachgehen und dementsprechend doppelt belastet sind. Klar sollen keine Fehler passieren: aber durch die Doppelbelastung können solche passieren. Das sollte man verstehen und auch respektieren.
Insgesamt gesehen sollte man aber schon einmal anerkennen, dass das Niveau der nationalen Eishockeyschiedsrichter im Internationalen Vergleich gut ist. Wir passen uns in Italien nicht nur spielerisch, sondern auch von der Spielleitung von Saison zu Saison mehr dem Internationalen Niveau an - und ich meine da die Nationen, mit denen wir uns wirklich vergleichen können - von den Topligen sind wir noch weit entfernt.
Und ein ganz großes Problem ist, dass es keinen Nachwuchs gibt: es gibt zu wenig Alternativen. Wenn jemand wirklich einen kapitalen Fehler macht dann wird er trotzdem wieder eingesetzt, weil es einfach keinen Ersatz gibt.
Man müsste sehen, wie man das Schiedsrichterwesen attraktiver macht - vor allem müsste man ehemalige Spieler dafür gewinnen, Spiele zu leiten. Die haben die notwendige Erfahrung, verstehen das Spiel, wissen, worauf sie achten müssen. Das sind Dinge, die jemand, der nicht aus diesem Sport kommt, nur sehr schwer lernen kann.
Traube: Die Chance Deutschland: Wie ist es dazu gekommen?
David Tschirner: Ich war bei der U18 WM in Sofia und habe den Obmann der Deutschen Schiedsrichter kennengelernt und bin mit ihm ins Gespräch gekommen. Über ihn habe ich die notwendigen Kontakte bekommen. Letzte Woche war ich in Deutschland auf dem Lehrgang der DEL Schiedsrichter und habe die Prüfung abgelegt und bestanden.
Ich bin eingeladen worden, das Spiel Rosenheim gegen Innsbruck zu pfeifen und dann am Sonntag das Spiel München gegen Linz. Sollte ich da eine gute Figur machen, werde ich in der DEL eingesetzt werden. Ansonsten pfeife ich in der Bundesliga.
Ich werde in Deutschland als Linesman eingesetzt - auf meinen eigenen Wunsch: ich möchte Erfahrung sammeln und ein oder zwei Jahre Assistent sein.
Traube: Welches Ziel möchtest Du als Schiedsrichter erreichen?
David Tschirner: Wie gesagt, ich möchte als Linesman in der DEL beginnen. Dann gibt es das System der Förderlizenzen, über welche junge Schiedsrichter zu Headschiedsrichtern ausgebildet werden. Es wäre eine tolle Sache, in ein solches Förderprogramm hineinzukommen.
Traube: Sind die Schiedsrichter in Deutschland Profis?
David Tschirner: Teilweise. Es gibt drei Vertragsschiedsrichter in der DEL.
Traube: Kennst Du die Deutschen Ligen schon?
David Tschirner: Ich keine einige Mannschaften, die ich bei Freundschaftsspielen und beim Dolomitencup gepfiffen habe. Was ich noch nicht kenne und wo ich schon gespannt bin ist die Atmosphäre in den Stadien, die mit italienischen Verhältnissen nicht zu vergleichen ist.
Traube: Angst vor den deutschen Fans?
David Tschirner: (lacht): Nein, kein bisschen. Ich bin seit zehn Jahren im Geschäft und weiß, wie man weghört.
Traube: Alles Gute für dein Abenteuer...
Traubes Hockeyblog bleibt natürlich dran und wird David Tschirner bei seiner Deutschland Karriere weiter verfolgen.
Und wir hoffen, dass wir nicht zu viel von David Tschirner hören: Denn ein Schiedsrichter ist dann wirklich gut, wenn er nicht auffällt und nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Ein Schiedsrichter ist dann gut, wenn man nicht über ihn zu diskutieren beginnt.
Donnerstag, 26. Juli 2012
Traube's Sommergespräch 2012: Heute mit Stefan Mair
Sommer in Bozen: 35° C im Schatten. Der Sommer von seiner schönsten Seite. Vor allem, wenn man die Gelegenheit bekommt, sich auf dem Waltherplatz zu einem Gespräch zu treffen, bei dem es um die schönste Sache der Welt geht: um Eishockey. Im Sommergespräch habe ich Stefan Mair zu verschiedenen Themen rund um dieses Thema befragen dürfen. Und dabei habe ich viel Wissenswertes erfahren.
Traube: Eishockey als Lebenseinstellung?
Stefan Mair: Ja, Eishockey ist mein Leben. Es ist meine Passion und treibt mich immer weiter. Bringt mich dazu, dass ich mich stets frage, was könnte ich besser machen. Diese Einstellung bringt mich dazu zu schauen, was andere machen, und ob das auch bei mir funktionieren könnte. Diese Passion bringt mich dazu, dass ich mich stets weiterentwickeln will.
Traube: Bist Du fanatisch?
Stefan Mair: Wenn das Wort einen positiv gemeint ist, dann Ja! Aber ich habe in den letzten Jahren viel dazu gelernt. lacht. Ich habe meine Emotionen besser im Griff.
Traube: Wobei Emotionen ja unser Geschäft sind.
Stefan Mair: Bis zu einem gewissen Punkt schon. Emotionen sind das Ventil unserer täglichen Arbeit. grinst. Wenn ich nur so starr dastehen würde, dann wäre das ja auch langweilig. Wer seinen Job ernst nimmt, der bringt dort auch seine Emotionen ein.
Traube: Du hast in den letzten Jahren als Trainer viel erreicht. Wirst Du hierzulande trotzdem unterschätzt?
Stefan Mair: Ich denke nicht, dass ich unterschätzt werde. Aber ich denke, dass man als einheimischer Trainer zu wenig respektiert wird. Mir wurden in Italien Fragen gestellt, die man einem ausländischen Trainer nie gestellt hätte. Das kommt einem dann ein bisschen komisch vor. Als Trainer sollte ich am Erfolg gemessen werden. Und nicht daran, woher ich komme.
Ich denke, das das generell ein Problem der einheimischen Trainer ist. Dazu kommt aber auch, dass man sich bewusst sein muss, dass man nie ausgelernt hat.
Fortbildung ist für einen Trainer das A und O. Ich habe es mir zum Ziel gemacht, mindestens einmal im Jahr ein Trainersymposium zu besuchen.
Dabei geht es noch nicht einmal darum, dass man taktisch so viel Neues sieht. Aber man trifft sich mit Trainern aus aller Welt, baut sich Kontakte und ein Netzwerk auf. Von diesem Netz zehrt man dann im Alltag.
Ich kann durch diese Erfahrungen nun hochdekorierte Trainer anrufen, mich nach Spielern informieren oder um Rat fragen. Das ist wirklich wichtig und wertvoll.
Traube: Was macht einen guten Trainer aus?
Stefan Mair: Ein Trainer muss kein Freund der Spieler sein. Ich muss mit keinem meiner Spieler gemeinsam in den Urlaub fahren. Ein Trainer muss in erster Linie erfolgreich sein. Und wissen, was er von seiner Mannschaft verlangen kann und muss.
Traube: Für die Mannschaft das richtige Spielsystem auswählen?
Stefan Mair: Das Spielsystem ist fundamental wichtig. Es dauert erfahrungsgemäß zwei Monate, dass man die Handschrift eines Trainers erkennt. Der Unterschied zwischen einer Mannschaft mit und ohne Spielsystem: ein System hilft dir vor allem bei Niederlagenserien weiter. Weil Du einen roten Faden hast, an dem Du dich halten kannst und jeder weiß genau, was verlangt wird. Über diese Struktur wird Sicherheit gegeben. Aufgrund der Statistiken kann belegt werden, welche Fehler gemacht worden sind und was man besser machen muss.
Wer keine Struktur hat, der verlässt sich auf Improvisation. Und da kann es bei Misserfolgen schwierig werden.
Traube: Dann ist ein Trainerwechsel während einer Spielzeit nicht sinnvoll?
Stefan Mair: Trainerwechsel sind nur dann ein probates Mittel, wenn ein Coach seine Mannschaft nicht mehr erreicht. Das ist aber nur ganz selten der Fall. Meistens kommt der Misserfolg daher, weil Mannschaften falsch zusammengestellt werden.
Ich halte überhaupt nichts davon, Spieler aufgrund von Statistiken zu holen. Das muss einfach schief gehen.
Wenn ich Mannschaften zusammenstellen kann, dann überlege ich mir bereits im Vorfeld, welche Stärken und Vorzüge ein Spieler haben muss.
Die Rechnung, dass, wenn ich einen linken Flügel mit 30 , einen Center mit 40 und einen rechten Flügel mit 50 Toren in der Vorsaison verpflichte, diese Linie 120 Tore schießt, die kann einfach nicht aufgehen.
Traube: Wie funktioniert es dann?
Stefan Mair: Über das angesprochene Netzwerk. Und die genau Idee, wie das System aussehen und die Mannschaft funktionieren kann.
Traube: Auffällig bei den Spielern, die Du geholt hast war, dass Du selten Künstler, aber stets gute Arbeiter gefunden hast.
Stefan Mair: Naja, wichtig ist, dass das Kollektiv stimmt. Hauptkriterium bei Spielern, die ich hole ist, dass sie gute Eisläufer sind. Nur dann können sie die zugedachten Aufgaben erfüllen.
Traube: Zurück zu deiner Karriere in Italien, wo Du viel erreicht hast. Vor allem in Bruneck hast Du den Verein ja ganz nach oben gebracht. Im Nachhinein ein bitterer Abschied?
Stefan Mair: Die Art und Weise, wie der Abschied zu Stande gekommen ist, war schon ein bisschen enttäuschend für mich. Im nachhinein hat sich aber gezeigt, dass der Zeitpunkt der richtige war. In Cortina habe ich komplett andere Vorzeichen wie im Pustertal gefunden: wenig Budget, ein total anderes Umfeld, und damit die Chance, neues zu probieren. Diese Gelegenheit hatte ich in Bruneck ja nicht mehr. Weil das Stadion immer voll und die Erwartungshaltung enorm hoch war.
So hatte ich in Cortina die Gelegenheit, mich persönlich enorm weiter zu entwickeln.
Traube: Und nun suchst Du ein neues Abenteuer im Ausland...
Stefan Mair: Nach drei Jahren hat es endlich geklappt. Die letzten Jahre hatte ich auch schon immer Gespräche mit Vereinen aus dem Ausland geführt, doch aus verschiedenen Gründen war es zu keinem Vertrag gekommen.
Wir brauchen uns nix vorzumachen: wenn in Italien ein Jahr keine guten Ergebnisse liefere, aus welchen Gründen auch immer, dann interessiert sich niemand mehr für mich. Ich habe fünf Jahre in Italien gearbeitet, und mit meinen Mannschaften bin ich immer ins Halbfinale gekommen, auch mit Mannschaften, die nicht so hoch eingeschätzt worden sind.
Deshalb bin ich dankbar, dass sich nun diese Gelegenheit ergeben hat.
Traube: Was sind die größten Unterschiede?
Stefan Mair: Naja, in Deutschland ist alles viel professioneller. Es gibt Strukturen, die funktionieren. Ich brauche mich nicht mehr um die Waschmaschinen oder die nicht funktionierenden Fernsehgeräte der Ausländer zu kümmern.
Und auch bei der Mannschaftszusammenstellung habe ich Leute, die mir helfen und wichtige Vorarbeiten leisten, die bislang immer ich selbst erledigen musste.
Vom sportlichen her ist der größte Unterschied, dass man in der Bundesliga die tieferen Kader zur Verfügung hat. Man spielt mit vier Linien, dadurch wird das Spiel schneller und intensiver. Darauf freue ich mich, weil dadurch die aggessivere Taktik möglich wird.
Diese Kadertiefe ist der größte Unterschied. Ich denke, dass die Serie A1 vom Niveau der Spieler her nicht weit weg von der Bundesliga ist.
Traube: Kennst Du die Liga?
Stefan Mair: Ich hatte schon in den letzten Jahren Kontakt zu deutschen Vereinen, Trainern und Managern. Die Serie A1 und die BL fischen im selben Teich, wenn es um die Transfercardspieler geht. Deshalb fühle ich mich gut vorbereitet.
Im März bin ich dann auch nach Deutschland gefahren, um mir einige Spiele der Liga anzusehen und ein Gefühl für das Niveau zu bekommen.
Wo ich mich noch einarbeiten muss ist natürlich, die deutschen Spieler kennen zu lernen. Während ich die italienischen Spieler hier alle kenne, muss ich mir dieses Wissen in Deutschland noch aneignen.
Wobei das interessante bei der Deutschen Liga ist, dass man sieben Unter 23 Spieler einsetzen muss. Das macht die Angelegenheit sehr spannend und reizvoll.
Traube: Wie schätzt Du das Niveau der italienischen Liga generell ein?
Stefan Mair: Ich bin der Überzeugung, dass das italienische Eishockey nicht so schlecht wie sein Ruf ist. Man muss nur schauen, wie viele hochkarätige Spieler jedes Jahr kommen, um die Serie A als Sprungbrett zu nutzen.
Die Kehrseite dieser Medaille: ich bin überzeugt, dass alle Serie A1 Vereine finanziell weit über ihrem Niveau leben. Das kann nicht lange gut gehen.
Traube: Was wurde in Italien verschlafen?
Stefan Mair: Im Internationalen Vergleich hinkt Italien vor allem in der Jugendarbeit hinter her. Das liegt daran, dass zu wenig konsequent in die Jugendarbeit investiert wird. Vor allem hier verliert man den internationalen Anschluss. Es müsste endlich in eine gezielte Jugendförderung investiert werden.
Traube: Und was ist gut gemacht worden?
Stefan Mair: Das Umdenken in der Serie A2. Es war sicher der richtige Schritt, dort das Ausländerkontingent auf zwei Spieler zu limitieren. Die Serie A2 muss vor allem eines sein: die Ausblidungsliga für die erste Liga.
Und außerdem freut mich, dass immer mehr junge Spieler den Schritt ins Ausland wagen, um sich hier weiter zu bilden. Das ist der einzige Weg für junge Leute, die mit Eishockey groß werden wollen.
Traube: Dein Wunsch fürs italienische Eishockey?
Stefan Mair: Ich denke, dass es notwendig wird, dass sich von oben herab etwas ändert. Der Verband ist zu weit von der reellen Situation der Vereine weg. Von ihm müssen die Impulse für die Entwicklung des Sportes kommen. Es fehlt in der Planungssicherheit. Die Voraussetzung hierfür muss aber vom Verband kommen.
Konkret bin ich der Meinung, dass es auf Verbandsebene einen Sportdirektor braucht, der ein Programm ausarbeitet, so wie das International schon lang normal ist.
Funktionäre sind wichtig, aber für das Tagesgeschäft braucht es Profis, die im Geschäft verwurzelt sind.
Ich denke auch, dass eine Sportakademie notwendig ist. Die sportliche Ausbildung der Leute muss zentral gesteuert werden. Und in Einklang mit der Schule gebracht werden. Sport und Schule unter einen Hut zu bringen wird immer schwerer. Aber es ist auch eine Illusion, dass jeder, der sich für den Sport entscheidet, davon wird leben können.
Traube: Übersiedelst Du alleine nach Schwenningen?
Stefan Mair: Ja
Traube: Welches sportliche Ziel hast Du für diese Saison?
Stefan Mair: Das sportliche Ziel ist vom Verein klar definiert worden. Wir wollen mindestens ins Halbfinale.
Traube: Und dein persönliches Karriereziel?
Stefan Mair: Mein Traum wäre es, einmal in einem Trainerstab zu arbeiten, wo jeder Trainer eine spezielle Aufgabe zu erfüllen hat und wo man Teilbereiche des Spiels perfektionieren kann.
Traube: Danke Stefan für das Gespräch...
So endet das erste Sommergespräch mit einem Charakterkopf des italienischen Eishockeys, der weiß, was er will. Mit einem der Menschen, der in jeder Faser denkt und lebt, was er tut. Aus Überzeugung. Das ist der Grundstein für Erfolge. Und der Stoff, aus dem Legenden sind.
Traube's Hockeyblog wird dich aber nicht aus den Augen verlieren. Traube On Tour wird dich besuchen kommen und schauen, wie es dir im ersten Auslandsjahr geht.
Alles Gute!
Abonnieren
Posts (Atom)


