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Montag, 13. Januar 2014

Nach der EBEL Vorrunde: Das Bozner Semesterzeugnis


Nach der Vorrunde in der EBEL ist es an der Zeit, Zwischenbilanz zu ziehen. Dabei werde ich nicht auf den sportlichen Aspekt eingehen. Denn sportlich war das neue Abenteuer für den HC Bozen, oder HCB Südtirol, ein voller Erfolg. Als Einsteiger nach der Regular Season auf dem vierten Tabellenrang zu stehen, das ist ein Ergebnis, das man sich ganz sich nicht hat erwarten können.
Doch wurden die anderen Ziele, die sich der Verein gesteckt hat, erreicht?

Zuschauerzahl:

Der Schritt in die EBEL wurde vom Vereinsboss Dieter Knoll vor der Saison damit erklärt, dass man die Zuschauerzahlen bei den Heimspielen erhöhen will. Das Ziel wurde herausgegeben, 2.500 Zuschauer für Heimspiele zu gewinnen. Dieses Ziel wurde ganz klar verfehlt: Insgesamt kamen 43.480 Fans zu den Heimspielen des HCB – das sind im Schnitt 1.976 pro Spiel. Im Vergleich zum Vorjahr zwar eine Steigerung (Zuschauerschnitt 2012/13 Vorrunde: 1.125), aber nicht im erhofften Ausmaß. Der EBEL Spielplan hat sicherlich das Seine dazu beigetragen: Denn nach wochenlangen Auswärtstourneen mussten dann innerhalb von wenigen Tagen drei Heimspiele ausgetragen werden – das mag in Großstädten funktionieren, in Bozen funktioniert es nicht. Doch der Spielplan allein ist daran sicher nicht schuld: Auch in dieser Saison fehlte beim HCB gezielte PR Arbeit und Bewerbung des Produktes. Auf eine aktuelle Homepage mussten Fans und Liga bis zu Weihnachten warten, damit wurde viel wertvolle Zeit verloren – und der Schwung, der aus dem Neustart hätte gewonnen werden können, ging verloren.

Neugierde über Fanmentalität:

Viele der Zuschauer kommen zu aus Neugier den Heimspielen des HCB. Es wird ausgezeichnetes Eishockey geboten – Eishockey auf einem Niveau, das in Italien lange vermisst wurde. Aus diesem Grund kommen viele Eishockeyliebhaber nach Bozen, die Eishockeyfans, aber nicht Bozen Fans sind. Dieser Effekt wurde unterschätzt und man hat es die letzten 22 Heimspiele verabsäumt, Zuschauer - Bindungsmaßnahmen zu ergreifen und diese Neugier an den Verein zu binden. Weshalb Bozen sich kein Stammpublikum schaffen konnte, auf das er in Zukunft verlässlich bauen kann. Es wurde verabsäumt, Eishockey mit Emotionen und Überraschungen zu verbinden, das gute Grundprodukt wurde nicht mit einem Zusatzangebot verbunden.
Was vor allem im Pustertal geschaffen wurde, ist in der Landeshauptstadt noch nicht angekommen. Es geht nicht darum, das Erfolgskonzept aus Bruneck zu kopieren – Vielmehr geht es darum die Funktionsweise dahinter zu kapieren. Bindung entsteht nicht durch ein nahezu perfektes Grundprodukt – Emotionen entstehen durch einzigartige Zugaben – die sich ändern dürfen – und müssen.

Professionalität und Kommunikation:

Wer gehofft hat, durch den Einstieg in die EBEL würde sich beim HC Bozen grundlegendes ändern, der wurde eines besseren belehrt. Nach wie vor hat man den Eindruck, dass in Bozen viel improvisiert wird. Zwar wurde eine Management Position geschaffen, die sich bemüht, doch man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich bei dieser Position mehr um eine Feuerwehrstelle handelt, als um eine Stelle, von der aus gestaltet wird und die sich um die Kommunikation nach außen kümmert. Wie man Bozen und sein Umfeld kennt wird das für die nächste Zukunft auch grundsätzlich nicht geändert werden. Dadurch geht viel Energie und Enthusiasmus verloren. Eine große Chance ist vertan – Leider.
Grundsätzlich ist das EBEL Projekt in Bozen nach wie vor der einzig richtige Weg – von dem auch in den nächsten Jahren nicht abgegangen werden darf. Allerdings – wer im ersten Jahr sportlich so erfolgreich war, der darf muss sportlich erfolgreich bleiben. Und der darf sich ruhig auch Gedanken darüber machen, wie er mehr Freunde und echte Fans gewinnen kann.

Sonntag, 15. September 2013

HCB Südtirol: Was für ein Start

Noch vor einer Woche gab es mehr Fragezeichen als Gewissheiten: Wie wird sich der HC Bozen in der EBEL schlagen? Ist die Mannschaft schon so weit? Was ist mit dem Trainingsrückstand? Werden die Spieler die Schäden in Grenzen halten können? Und wird Bozen dem Ruf des italienischen Eishockeys Schaden zufügen, weil viel improvvisiert und zu wenig organisiert ist?

Eine Woche später: Bozen hat vier Auftritte hinter sich - und hat die Liga, die Fans und die Neider überrascht. Die Bilanz ist makellos. Der Auftakt ist gelungen. 
Mit einem Auftaktsieg in Innsbruck hatte man noch rechnen können. Innsbruck ist nicht das Maß der Dinge. Aber mit der Höhe des Einstandes hatten wohl nicht einmal die kühnsten Optimisten gerechnet.

Die Siege gegen Salzburg und Wien waren echte Überraschungen - weil die Red Bull Millionen Truppe zumindest finanziell und organisatorisch das Maß in der Liga ist, und weil Wien im Vorjahr bis ins Finale gekommen ist und sich heute entsprechend hohe Ziele gesteckt hat.

Vorsicht vor Übermut

Klar: Die Meisterschaft beginnt gerade erst. In Bozen herrscht Euphorie. Und eine Siegesserie sorgt für eine breite Brust. Die Gegner nehmen die Spiele noch nicht ganz so ernst und beobachten die Konkurrenz noch, wohl wissend, dass die Meisterschaft lang und die Kräfte dementsprechend eingeteilt werden müssen. Es ist noch viel Zeit, richtig Gas zu geben.
Doch das soll die Bozner Leistung nicht schmälern. Die Punkte, die zu Meisterschaftsbeginn geholt werden, sind gleich viel wert wie die Punkte am Ende der Regular Season. Und es könnte ja sein, dass am Ende jeder einzelne Punkt zählt, um in die Play Offs aufzusteigen. Das ist ja das erklärte Ziel der Vereinsführung.

Geschichte wiederholt sich

Irgendwie ist es ein Deja Vu: Als Tom Pokel in Pontebba die Mannschaft übernommen hat, hätte auch niemand auch nur einen Euro auf die Truppe gewettet, von der man zwei Wochen vor Meisterschaftsbeginn noch nicht einmal wusste, ob sie überhaupt an der Meisterschaft teilnehmen wird. Das Ergebnis dürfte noch in Erinnerung geblieben sein: Pontebba überraschte auf der ganzen Linie - und Pokel wurde praktisch über Nacht zu einem der gefragtesten Trainer in Italien. 

Weiter arbeiten, am Boden bleiben

Klar: Die Bäume werden nicht in den Himmel wachsen. Es gilt, diese gute Phase in vollen Zügen zu genießen. Denn es wird nicht ewig so weitergehen - und es werden auch Niederlagen kommen. Deshalb sollte weder Umfeld noch Mannschaft die Bodenhaftung verlieren. Denn Genießen ist in Ordnung, abheben sorgt nur für eines: eine schmerzhafte Landung.

Der Start: Nährboden für Hockeybegeisterung

Für eines hat diese ausgesprochen erfolgreiche erste EBEL Woche beim HCB jedoch gesorgt: für eine Eishockeybegeisterung, die man schon fast nicht mehr kannte. Und das nicht nur in Bozen. Deshalb kann die EBEL Teilnahme von Bozen eine Chance für alle sein, die die Chance nutzen, die Energie des fahrenden Zuges zu nutzen. Und sich nicht auf Neiddiskussionen beschränken. Denn natürlich führt Erfolg auch zu Neidern. Traurig ist allerdings, wenn die Heckenschützen aus der nächsten Umgebung kommen...





Mittwoch, 6. Juni 2012

Kompliment: Das erste Kompliment des Jahres geht ins Pustertal.

Komplimente an den HC Pustertal: J.S. Aubin, was für ein Name. Egal, was die prophetischen Spatzen von den Dächern pfeifen: Dieser Mann ist eine echte Nummer. Auch, wenn er im letzten Jahr ein weniger gutes hatte. Doch allein schon der Name und das Curriculum, das dahinter steht, ist seine Verpflichtung wert. Gibt dem italienischen Eishockey die Bühne, die es unbedingt braucht.



Man sagt, J.S. Aubin habe Probleme, sich zu motivieren.


Ich bin überzeugt: Wenn er es nicht schafft, sich in Bruneck zu motivieren, dann klappt das sonst nirgendwo.

Denn im Pustertal hat man die letzten Jahre verdammt viel richtig gemacht. Hat sich eine Fangemeinde herauferzogen, die fanatisch hinter ihrer Mannschaft steht. Hoffentlich auch in der neuen Saison, auch wenn die letzte abrupt und enttäuschend zu Ende gegangen ist.

Im Pustertal hat man dafür gesorgt, dass sich der Sport entwickeln kann. Und man hat Eishockeykompetenz in der Verpflichtung der Mitarbeiter bewiesen:
Seit Jahren ist jeweils ein Spieler mit einem großem Namen fürs Volk geholt worden. Um Neugierge zu schaffen. Und Neugierige ins Stadion zu locken. der Rest des Personals wurde für die Spielkultur geholt. Genau so macht man eine Mannschaft erfolgreich. Nicht nur sportlich.

Da können sich einige Teams eine dicke scheibe abschneiden. Nicht nur -aber auch- in Italien.
Und im Pustertal hat man eines bewiesen: die richtigen Kontakte in der Eishockeywelt zu haben, und nicht immer wieder mit den gleichen, ausgelutschten Namen kommen zu müssen, die keinen hinter dem Ofen hervorlocken und kein Ohr mehr spitzen lassen. Ich glaube kaum, dass in Bruneck Eishockeyhexer am Werk sind. Wahrscheinlich sind dort die Macher demütig genug, um hin und wieder dort nach Rat zu fragen, wo man erfolgreich war.







Donnerstag, 24. Mai 2012

Geld allein macht nicht glücklich...

Und das gilt nicht nur für das Leben. Sondern auch für den Sport. Vor allem für den Sport. Denn dort, wo Emotionen den Hauptteil des Business ausmachen, da ist es zwar schön Geld zu haben, doch es kann nie verleugnet werden, woher man kommt. Und folglich, wohin man auf Dauer gehört.

Es gibt nur wenige große Vereine. Die sind erfolgreich. Haben aber kein Herz. Müssen sie auch nicht haben. Weil sie groß sind. Weil sie reich sind. Und weil sie erfolgreich sind. Eigentlich schon seit immer.

Es gibt immer wieder kleine Vereine, die versuchen, in diese Liga aufzusteigen. Dorfvereine. Die von Emotionen und der Nähe zu den Fans leben. Sich mit den Fans identifizieren müssen. Weil sie ansonsten baden gehen. Finanziell sowieso. Aber auch von der Daseinsberechtigung her. Das sind die Vereine, die es mit Herz schaffen, nach oben zu kommen. Und dann dem Irrglauben verfallen, dorthin zu gehören. Quasi ein Recht zu haben, dauerhaft am Tisch des Krösus sitzen zu dürfen. Und die ein, vielleicht auch zwei Jahre zu so viel Geld kommen, dass sie tatsächlich dem Größenwahnsinn verfallen, sich oben ansiedeln zu dürfen. Erst dann wird nachgerechnet. Und irgendjemand sagt: "Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt." Und alle fallen aus den Wolken. Obwohl sie es doch hätten wissen müssen.

Es helfen keine Beschwichtigungen und Pseudoansprachen den Fans gegenüber. Dass man kürzer treten muss, weil es so wirklich nicht weiter geht. Dass man einen Neuanfang starten wird, auf die einheimische Jugend baut (die meist schon auf die dreissig zugeht), langfristig planen will (mit mannschaftlichen Stützen, die schon weit über dreissig sind).
Man hat aber das Herz für zwei Jahre Himmel verschenkt. Und kommt nicht mehr zu ihm zurück. Wenn man auch noch so viel zu tun bereit wäre. Das Herz ist futsch. Zumindest für die Konstellation, die an den Himmel auf Erden geglaubt hat.

Konkrete Beispiele gefällig? Sie sind überall im Sport zu finden.
Meistens im Fußball.
Weniger oft im Eishockey.
Aber leider bestätigen Ausnahmen die generelle Regel. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen einlenken, wenn sie bemerken, auf dem falschen Weg zu sein. Denn ansonsten riskieren sie das erste Jahr einen Teil der Fangemeinde - auf lange Sicht aber das Herz, das so wesentlich im Sport ist.