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Samstag, 13. Oktober 2012

Drei gute Gründe, stolzer Rittner zu sein

 Nicht ganz sooo ernst gemeinte Hymne an die Rittnerlichkeit

Das tut der geschundenen Rittner Seele gut: Zwischen Donnerstag, 11. Oktober und Freitag, 12. Oktober 2012 gab es gleich drei gute Gründe, um sich wieder einmal stolz als Rittner der Südtiroler Welt präsentieren zu können, nachdem die letzten Jahre eher mager waren, und die Gefahr bestand, dass das stolze Hochplateau in der Mittelmäßigkeit versinkt.

Grund Numero eins: der schon ausführlich besprochene Sieg im Eishockeyderby gegen den Erzrivalen aus der Landeshauptstadt.

Grund Numero zwei: ein weiteres Derby. Dieses Mal aber im Fußball. Und auch dieses Duell fällt unter die Klasse: Erzrivalität und echtes Derby, weil auch dieses Mal gegen einen direkten Gemeindenachbarn.
Den Ritten und Barbian verbindet mehr, als eine schmale Straße über Saubach, Rotwand und Lengstein. Rittner und Barbianer sind Konkurrenten. Um Wasser und um einen Horngipfel, der zwar auf Barbianer Gemeindegebiet liegen soll, aber eindeutig eine Rittner Sehenswürdigkeit ist.
Am Freitag Abend ein weiteres Kapitel im ewigen Konkurrenzstreit: Ein Kleinfeldfussballspiel der VSS Meisterschaft, auf Barbianer Terrain. Ritten setzt sich durch, mit 3:2, den entscheidenden Treffer erzielte Hanspeter Wieser :-) durch einen mehr oder weniger sehenswerten Freistoß. 

Grund Numero drei: Sigmund Freud formulierte es 1911 so: Am Ritten ist es wunderschön und behaglich. Hundertundein Jahr später wird er widerlegt. Richtig müsste es heißen: Die Rittner sind wunderschön und hier ist es behaglich. Denn jetzt ist es amtlich: Die schönste Frau Südtirols kommt aus Klobenstein und heißt Manuela Ramoser.
Glückwunsch!!! Und Danke: Denn nun kann jeder Einwohner dieser Gemeinde sich ein Jahr lang in den Strahlen der frischgebackenen Miss sonnen. Und ein klein wenig teilhaben am Glanz, der von einer Miss ausgeht. 

Ganz ehrlich: Während sich der Rest des Landes nur über den SEL-Skandal, politische Schmutzkampagnen und Eurokrise unterhalten kann, gibt es am Ritten wichtigere und schönere Gesprächsinhalte. Und die Rittner Seele hat es nun offiziell bestätigt, was sie insgeheim immer schon wusste: Dass es keine Schande ist, stolzer Rittner zu sein!



Donnerstag, 28. Juni 2012

Südtirol oder das Dilemma eines Fußballspiels


Ach, du mein schönes Südtirol! Irgendwie Paradies auf Erden, auf der anderen Seite dich selbst suchend, Probleme suchend, zweifelnd, dazwischen drinn. Die ganze Welt bewundert dich, für deine Schönheit, für deinen kulturellen Reichtum, der gerade daraus entsteht, dass Du sowohl deutsch als auch italienisch und ladinisch bist. Deine Autonomie ist sagenhaft, vor allem für jene, die weniger Rechte haben als Du. Und weniger Wohlstand: ein Wohlstand, der aus guter Verwaltung, einem Teil gesunder Konservativität, einer großen Portion Sturheit und trotzdem dem sich nicht Verschließen gegenüber dem Fortschritt.
Soweit, so gut.

Doch es gibt ein ganz großes Problem, das sich dir ergibt: Die Fußball EM - denn der Südtiroler ist es gewohnt, mit zu reden und große Klasse zu sein. Doch beim Fußball klappt das noch nicht ganz. Und wenn Deutschland gegen Italien spielt, dann ist hier der Teufel los:
Da werden die Schützen zu flammenden Verfechtern der so verhassten Tricolore, ewig gestige missbrauchen den Sport zu rein politischen Kundgebungen, die an Triumphmärsche einer unsäglichen und längst vergessen gehofften Zeit erinnern.
Die einen hoffen auf Deutschland, weil sie Italien den Sieg nicht gönnen, die anderen finden in sich selbst den Patrioten, den sie weder für möglich gehalten hätten, noch in die nächste Woche retten können. Es ist ein Dilemma, und nur die wenigsten entkommen ihm.
Und es gibt keinen Ausweg aus diesem Dilemma. Noch nicht einmal, wenn das Unwahrscheinliche passiert, und Österreich zu einer Fußballmacht werden sollte. Auch, wenn die Eva und der Sven uns wahrscheinlich erklären werden, dass im Grund Österreich die besten, schönsten und intelligentesten Fußballer sind. Da wird dann doch eher noch Italien Eishockeyweltmeister in der Gruppe A.

Ja, mein liebes Südtirol: heute ist wieder ein solcher Tag, an dem Du innerlich zerrissen wirst. Wo es doch nur um Fußball geht. Einerseits schön, wenn ein Ereignis heutzutage noch solche Emotionen entstehen lassen kann. Auf der anderen Seite wäre es schade, wenn durch ein solches Spiel das gemeinsam erreichte auf eben dieses gesetzt würde.
Wobei: es geht nicht um Krieg, es geht nur "nur" um ein Fußballspiel. Und wenn jeder dessen vernünftig und in Grenzen bewusst wird, dann wirst Du, geliebtes Südtirol, auch diese Krise unbeschadet überstehen.


Nachdem der Besitzer des abgebildeten Hauses sich bei mir gemeldet hat, und sich persönlich angegriffen und diffamiert fühlte, habe ich natürlich sofort das zum Bericht gehörende Foto entfernt. Weil es sich nicht auszahlt, über ein Bild zu diskutieren.
Das Bild sollte eigentlich dazu dienen zu unterstreichen, dass es in Südtirol nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern auch sowohl als auch funktioniert. Leider habe ich es nicht im Griff, was die Menschen verstehen, oder verstehen wollen. 



Freitag, 15. Juni 2012

Nachwuchsförderung: Selbstverständlich. Starstatus für Grünschnäbel: Nein Danke!


Jeder Gärtner weiß: es braucht seine Zeit, bis die Tomaten reif sind. Nein, ich will keine Sportler mit Nachtschattengewächsen vergleichen. Und doch: irgendwie hat der Vergleich etwas durchaus vergleichbares. Es würde keinem Gärtner einfallen, eine grüne Tomate in eine Ketchupflasche einzuarbeiten. Er wird sie weiterpflegen und hegen, bis sie den richtigen Reifegrad erreicht hat.





Wieso ist es aber im Sport so schwer zu verstehen, dass es nur gleich ist? Nein, es ist nicht so, dass die Nachwuchsspieler zu früh in die erste Mannschaft eingebaut werden. Im Gegenteil: sie müssen gar nicht in der ersten Mannschaft spielen, um schon den Status eines Stars zu haben. Leider ist das so. Und somit verlieren sie den Hunger, mehr erreichen zu wollen. Kaum ist ein Jugendturnier gewonnen, schon meint das Nachwuchspersonal, Autogramme geben zu müssen. Sie meinen, bildlich gesprochen, schon auf dem Teller eines Feinschmeckerlokals gelandet zu sein. Für reif befunden worden zu sein.

Schuld sind freilich in den seltensten Fällen die Spieler selbst. Es sind ja auch nicht die grünen Tomaten, die freiwillig in die Flasche springen: es sind die Stauden, die ihre Minderwertigkeitskomplexe auf den Schultern der grünen Kugeln abladen und es sind farbenblinde Gärtner, die nicht das große Ziel vor Augen haben, sondern die eigene Wichtigkeit über eine Medaille im Wohnzimmerschrank präsentieren wollen.

Das ist das wahre Grund, wieso Sportschulen im Mannschaftssportbereich in unserem Land nicht funktionieren. Weil das Hemd näher ist als die Jacke. Ob es genauso warm hält, müsste noch probiert werden.


Donnerstag, 24. Mai 2012

Geld allein macht nicht glücklich...

Und das gilt nicht nur für das Leben. Sondern auch für den Sport. Vor allem für den Sport. Denn dort, wo Emotionen den Hauptteil des Business ausmachen, da ist es zwar schön Geld zu haben, doch es kann nie verleugnet werden, woher man kommt. Und folglich, wohin man auf Dauer gehört.

Es gibt nur wenige große Vereine. Die sind erfolgreich. Haben aber kein Herz. Müssen sie auch nicht haben. Weil sie groß sind. Weil sie reich sind. Und weil sie erfolgreich sind. Eigentlich schon seit immer.

Es gibt immer wieder kleine Vereine, die versuchen, in diese Liga aufzusteigen. Dorfvereine. Die von Emotionen und der Nähe zu den Fans leben. Sich mit den Fans identifizieren müssen. Weil sie ansonsten baden gehen. Finanziell sowieso. Aber auch von der Daseinsberechtigung her. Das sind die Vereine, die es mit Herz schaffen, nach oben zu kommen. Und dann dem Irrglauben verfallen, dorthin zu gehören. Quasi ein Recht zu haben, dauerhaft am Tisch des Krösus sitzen zu dürfen. Und die ein, vielleicht auch zwei Jahre zu so viel Geld kommen, dass sie tatsächlich dem Größenwahnsinn verfallen, sich oben ansiedeln zu dürfen. Erst dann wird nachgerechnet. Und irgendjemand sagt: "Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt." Und alle fallen aus den Wolken. Obwohl sie es doch hätten wissen müssen.

Es helfen keine Beschwichtigungen und Pseudoansprachen den Fans gegenüber. Dass man kürzer treten muss, weil es so wirklich nicht weiter geht. Dass man einen Neuanfang starten wird, auf die einheimische Jugend baut (die meist schon auf die dreissig zugeht), langfristig planen will (mit mannschaftlichen Stützen, die schon weit über dreissig sind).
Man hat aber das Herz für zwei Jahre Himmel verschenkt. Und kommt nicht mehr zu ihm zurück. Wenn man auch noch so viel zu tun bereit wäre. Das Herz ist futsch. Zumindest für die Konstellation, die an den Himmel auf Erden geglaubt hat.

Konkrete Beispiele gefällig? Sie sind überall im Sport zu finden.
Meistens im Fußball.
Weniger oft im Eishockey.
Aber leider bestätigen Ausnahmen die generelle Regel. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen einlenken, wenn sie bemerken, auf dem falschen Weg zu sein. Denn ansonsten riskieren sie das erste Jahr einen Teil der Fangemeinde - auf lange Sicht aber das Herz, das so wesentlich im Sport ist.