Posts mit dem Label Paul Adey werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Paul Adey werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 20. Februar 2013

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt

Ein wenig überraschend ist er verlaufen, der erste Spieltag der Meisterschaftsplayoffs in der Saison 2012/13: Da haben sich doch glatt zwei Teams aus der unteren Tabellenhälfte erdreistet, die Favoriten auswärts zu schlagen. Kein Beinbruch, das ist schon klar. Aber zumindest in Bozen sollten langsam, aber sicher, die Alarmglocken läuten.

Der Titelverteidiger wackelt

Und das wie. Nicht nur, weil der HC Bozen gestern den Viertelfinalauftakt mit 0:3 gegen Asiago verloren hat. Asiago ist eine gute Mannschaft, daran besteht kein Zweifel. Aber schön langsam sollte man sich Sorgen machen: In den letzten drei Spielen hat Bozen gerade einmal ein einziges Tor erzielt. Nicht genügend, so sollte das Urteil lauten.
Freilich: Mit Alexander Egger fehlte zwei Spiele lang der Quarterback. Sich alleine darauf hinaus zu reden, das wäre aber zu einfach. Weil die Verantwortung auf die Schultern eines einzigen Mannes gelegt werden würden.
Es ist bekannt, dass ich kein Delmore-Fan bin: Aber ist es jemanden aufgefallen, dass der HC Bozen seit dessen Ankunft in Bozen der Konkurrenz hinterherhechelt und keinen Stich mehr macht? Kann es daran liegen, dass durch diesen Neueinkauf Vertrauen verloren gegangen ist?
Es wäre unfair, einen einzigen Spieler an den Pranger zu stellen. Fakt ist aber, dass Coach Brian McCutcheon eine perfekt funktionierende Defensivabteilung braucht, um seine Taktik umsetzen zu können. Der Verteidiger Delmore mag viele Stärken haben (die mir leider verborgen geblieben sind) – Defensivverhalten gehört nicht dazu. So wenig, dass ein User in einem englischsprachigen Forum einmal geschrieben hat: „Aufgrund seines Defensivverhaltens verdient sich Any Elmore kein „D“ in seinem Namen.“
Es ist wohl wahr, dass Bozen den Preis zahlen muss, dass man praktisch die gesamte Saison nur vier Verteidiger eingesetzt hat. Alex Egger und Christian Borgatello waren immer darunter. Was bei einer durchschnittlichen Einsatzzeit von 30 Minuten pro Spiel einfach bedeuten muss, dass die Batterien so leer sind, dass sie nicht mehr aufladbar sind.
Und noch ein Fragezeichen: Die erste Bozner Linie spielt nicht mehr so, wie man es gewohnt ist. Kann es sein, dass der Spielmacher MacGregor Sharp seit seiner Verletzung nicht mehr der „Alte“ ist? Kann es sein, dass er von einer mentalen Blockade gehandicapt ist?
Jede Mannschaft erlebt im Laufe einer Meisterschaft eine Durststrecke. Diese genau jetzt zu erleben ist ein bisschen ungeschickt.
Noch ist nicht aller Tage Abend: Und bereits am Donnerstag abend könnte die Welt schon ganz anders aussehen. Weil die „Füchse“ alle diese Theorien und Vermutungen ad absurdum führen.

Wölfe vergeben sicheren Sieg

Die Pusterer Wölfe haben es bei ihrem ersten Playoff Auftritt in dieser Saison selbst verschenkt: Zu viele Torchancen blieben ungenützt. Wer überrascht von der Mailänder Mauertaktik war, der hat sich nicht ausreichend auf den Gegner vorbereitet. Und wer nach einem Rückstand die Nerven verliert und nur noch mit dem Kopf durch die Wand will, der hat seine Hausaufgaben nicht erledigt.
Genau das ist gestern Abend in der Leitner Solar Arena passiert: Nach dem 2:1 Führungstreffer durch Ryan Kinasevich wurden die Wölfe auf einmal zu Schafen, die konzeptlos agierten. Es war abzusehen, dass man gegen Mailand drei Dinge mitbringen muss: Geduld, Geduld und noch einmal Geduld. Immerhin steht mit Raycroft nicht irgendwer im Tor. Man muss sich die Zeit nehmen, nicht aus jeder sich bietenen Position zu feuern, sondern man muss auf den besten Slot warten. Vor allem auch, weil Mailand mit fünf Mann kompakt drinnen steht.
Während die erste Reihe es zumindest versuchte, kreativ auf den Defensivriegel zu reagieren, kam von der zweiten Linie erschreckend wenig: Ben Guitè, Pat Kavanagh und Pat Ianone: Drei absolute Totalausfälle.
Ein bisschen verwunderlich ist, dass der Trainer noch nicht auf die Idee gekommen ist, Pat Kavanagh an die Seite von Jensen und Cullen zu stellen. Nicht, weil Max Oberrauch seine Sache nicht gut machen würde. Aber weil ich überzeugt bin, dass so eingefahrene Mechnanismen, die in der Zwischenzeit die gesamte Liga kennt, aufgebrochen werden könnten. Und vielleicht Mr. Kavanagh endlich sein Potential ausspielen könnte.
Auch diese Niederlage noch keine Katastrophe: Vorausgesetzt, das Trainerduo hat die richtigen Schlüsse daraus gezogen und kann am Donnerstag in Mailand das Umsetzen, was man aus dem gestrigen Spiel gelernt hat.

Bleibt noch Ritten.

Zumindest die Buam haben ihre Aufgabe gelöst. Ob schön und überzeugend oder nicht: Das fragt am Tag danach niemand mehr. Und, weil die Null steht, hat man genau das gemacht, was in den Playoffs wichtig ist: Defensiv überzeugt.
Nicht nur deswegen ist Ritten für mich ein Meisterschaftsfavorit. Und wird es immer mehr.
Auch, wenn sich auch das bereits am Donnerstag ändern kann.

Freitag, 30. November 2012

Sportlichkeit und vergiftetes Klima

Es wird viel diskutiert, über as Derby Pustertal gegen Bozen.
Und: es gibt tatsächlich viel Diskussionsstoff.
Weil die Hausherren keine Sympathiepunkte gesammelt haben.

Der HCP war die letzten Jahre eine Mannschaft, die sich spielerisch in die Herzen vieler- auch neutraler- Eishockeyfans gespielt haben. Powereishockey, Einsatz und Herz, das waren die Attribute. Kampf mit fairen Mitteln.
Zweimal war man nahe am Ziel. Zweimal ist man am Schlussanstieg gescheitert.
Wut, Enttäuschung - aber auch Eingeständnisse und Sportsgeist im Anschluss.
Klar, dass man es nun endlich schaffen will. Vor allem, wenn man, so wie diese Saison, die frühe Phase der Meisterschaft nicht nur bestimmt, sondern dominiert.

Dann der Auftritt im Derby gegen Bozen. Freilich: Ein Spiel gegen den Erzrivalen ist ein besonderes Duell, in dem es, wie bereits öfter geschrieben, um mehr als um drei Punkte geht. Es geht darum, sein Revier zu markieren. Und zu verteidigen.
Das sollte im Sport aber über spielerische Mittel geschehen. Und nicht über rohe Gewalt.

Es scheint so, als hätten sich die Wölfe selbst einen Druck aufgebürdet, unter dem sie nun zusammenbrechen. Als brächte der Ehrgeiz im Moment der Niederlage Verzweiflung zum Ausdruck. Anders kann ich mir den Auftritt der Pusterer nach dem ersten Drittel nicht erklären. In jeder Aktion eine Provokation, versteckte Fouls, unnötige Checks, die ausgefahren werden, nachdem die Scheibe schon lange gespielt worden ist.
Körperlicher Einsatz gehört zum Eishockey - ohne Frage. Aber: Übertriebener körperlicher Einsatz gehört bestraft.

Die Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Joe Jensen war trauriger Höhepunkt. Nicht, dass Niklas Hjalmarsson besonders beschützt gehörte: Jeder Spieler gehört beschützt. Aktionen, die nur darauf hinzielen, den Gegner zu verletzten gehören aufs Härteste bestraft. So wie in diesem Fall. Die Scheibe bereits im Angriffsdrittel der Bozner, Jensen lässt das Bein gegen Hjalmarsson stehen - 30 Meter vom Spielgeschehen entfernt.

Gegen diesen HC Bozen zu verlieren ist keine Schande. Die Truppe von Brian McCutcheon ist das beste Gesamtpaket. Erfahrene Spieler und ein Trainer, der ein Spiel lesen kann. Der seiner Mannschaft klare Anweisungen geben kann, wie man die Gegner neutralisiert. Und so erfolgreich ist. Spieler, die diese Anweisungen punktgenau ausführen. Taktische Theorie und praktische Umsetzung greifen nahtlos ineinander. Dazu ökonomische Spielweise, um die Kräfte zu schonen und die kurze Spielerbank auszugleichen. Einfach perfektes Eishockey, bei dem die Mittel den Möglichkeiten angepasst werden.
Sein Gegenüber Paul Adey? Seine Anweisung war Härte. Übertriebene Härte. Ein Mittel, das gottseidank nicht gefruchtet hat. Mittel, die er schon am Ritten eingesetzt hat. Was damals schon den "Buam" eine Menge Sympathie gekostet hat.
Der HC Pustertal hat diese Mittel nicht nötig, wie die erste Saisonhälfte gezeigt hat. Vielleicht sieht das auch der Trainer ein. Hoffentlich zumindest.

Das Klima heute, am Tag danach: Vergiftet. Ausreden, Rechtfertigungen, Erklärungen. Von seiten vieler Fans.
Die Fanbrille verzerrt die Sichtweise.
Objektiv gesehen hatte der Pusterer Einsatz nix mehr mit Sport zu tun.
Und die Schiedsrichter? Waren milde. Haben in vielen Situationen Gnade vor Recht ergehen lassen.

Was bleibt von diesem Spiel?
Die Hoffnung, dass man im Pusterer Trainerstab zur Einsicht kommt, dass man sich mit einer solchen Spielweise nur selbst schadet. Sportlich sowieso. Aber auch von den Sympathiewerten. Die Zeiten sind vorbei, in denen man mit Ramboauftritten Fans ins Stadion locken konnte. Wie gesagt: Nix gegen gesunde Härte. Aber rohe Gewalt ist ein absolutes No Go.
Und der Grat dazwischen ist nicht einmal ein schmaler. Sondern wird über Sportlichkeit definiert.
Und Sportlichkeit lässt die Sympathiewerte wieder steigen. Sehr schnell.