Posts mit dem Label Cortina werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Cortina werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 20. Februar 2013

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt

Ein wenig überraschend ist er verlaufen, der erste Spieltag der Meisterschaftsplayoffs in der Saison 2012/13: Da haben sich doch glatt zwei Teams aus der unteren Tabellenhälfte erdreistet, die Favoriten auswärts zu schlagen. Kein Beinbruch, das ist schon klar. Aber zumindest in Bozen sollten langsam, aber sicher, die Alarmglocken läuten.

Der Titelverteidiger wackelt

Und das wie. Nicht nur, weil der HC Bozen gestern den Viertelfinalauftakt mit 0:3 gegen Asiago verloren hat. Asiago ist eine gute Mannschaft, daran besteht kein Zweifel. Aber schön langsam sollte man sich Sorgen machen: In den letzten drei Spielen hat Bozen gerade einmal ein einziges Tor erzielt. Nicht genügend, so sollte das Urteil lauten.
Freilich: Mit Alexander Egger fehlte zwei Spiele lang der Quarterback. Sich alleine darauf hinaus zu reden, das wäre aber zu einfach. Weil die Verantwortung auf die Schultern eines einzigen Mannes gelegt werden würden.
Es ist bekannt, dass ich kein Delmore-Fan bin: Aber ist es jemanden aufgefallen, dass der HC Bozen seit dessen Ankunft in Bozen der Konkurrenz hinterherhechelt und keinen Stich mehr macht? Kann es daran liegen, dass durch diesen Neueinkauf Vertrauen verloren gegangen ist?
Es wäre unfair, einen einzigen Spieler an den Pranger zu stellen. Fakt ist aber, dass Coach Brian McCutcheon eine perfekt funktionierende Defensivabteilung braucht, um seine Taktik umsetzen zu können. Der Verteidiger Delmore mag viele Stärken haben (die mir leider verborgen geblieben sind) – Defensivverhalten gehört nicht dazu. So wenig, dass ein User in einem englischsprachigen Forum einmal geschrieben hat: „Aufgrund seines Defensivverhaltens verdient sich Any Elmore kein „D“ in seinem Namen.“
Es ist wohl wahr, dass Bozen den Preis zahlen muss, dass man praktisch die gesamte Saison nur vier Verteidiger eingesetzt hat. Alex Egger und Christian Borgatello waren immer darunter. Was bei einer durchschnittlichen Einsatzzeit von 30 Minuten pro Spiel einfach bedeuten muss, dass die Batterien so leer sind, dass sie nicht mehr aufladbar sind.
Und noch ein Fragezeichen: Die erste Bozner Linie spielt nicht mehr so, wie man es gewohnt ist. Kann es sein, dass der Spielmacher MacGregor Sharp seit seiner Verletzung nicht mehr der „Alte“ ist? Kann es sein, dass er von einer mentalen Blockade gehandicapt ist?
Jede Mannschaft erlebt im Laufe einer Meisterschaft eine Durststrecke. Diese genau jetzt zu erleben ist ein bisschen ungeschickt.
Noch ist nicht aller Tage Abend: Und bereits am Donnerstag abend könnte die Welt schon ganz anders aussehen. Weil die „Füchse“ alle diese Theorien und Vermutungen ad absurdum führen.

Wölfe vergeben sicheren Sieg

Die Pusterer Wölfe haben es bei ihrem ersten Playoff Auftritt in dieser Saison selbst verschenkt: Zu viele Torchancen blieben ungenützt. Wer überrascht von der Mailänder Mauertaktik war, der hat sich nicht ausreichend auf den Gegner vorbereitet. Und wer nach einem Rückstand die Nerven verliert und nur noch mit dem Kopf durch die Wand will, der hat seine Hausaufgaben nicht erledigt.
Genau das ist gestern Abend in der Leitner Solar Arena passiert: Nach dem 2:1 Führungstreffer durch Ryan Kinasevich wurden die Wölfe auf einmal zu Schafen, die konzeptlos agierten. Es war abzusehen, dass man gegen Mailand drei Dinge mitbringen muss: Geduld, Geduld und noch einmal Geduld. Immerhin steht mit Raycroft nicht irgendwer im Tor. Man muss sich die Zeit nehmen, nicht aus jeder sich bietenen Position zu feuern, sondern man muss auf den besten Slot warten. Vor allem auch, weil Mailand mit fünf Mann kompakt drinnen steht.
Während die erste Reihe es zumindest versuchte, kreativ auf den Defensivriegel zu reagieren, kam von der zweiten Linie erschreckend wenig: Ben Guitè, Pat Kavanagh und Pat Ianone: Drei absolute Totalausfälle.
Ein bisschen verwunderlich ist, dass der Trainer noch nicht auf die Idee gekommen ist, Pat Kavanagh an die Seite von Jensen und Cullen zu stellen. Nicht, weil Max Oberrauch seine Sache nicht gut machen würde. Aber weil ich überzeugt bin, dass so eingefahrene Mechnanismen, die in der Zwischenzeit die gesamte Liga kennt, aufgebrochen werden könnten. Und vielleicht Mr. Kavanagh endlich sein Potential ausspielen könnte.
Auch diese Niederlage noch keine Katastrophe: Vorausgesetzt, das Trainerduo hat die richtigen Schlüsse daraus gezogen und kann am Donnerstag in Mailand das Umsetzen, was man aus dem gestrigen Spiel gelernt hat.

Bleibt noch Ritten.

Zumindest die Buam haben ihre Aufgabe gelöst. Ob schön und überzeugend oder nicht: Das fragt am Tag danach niemand mehr. Und, weil die Null steht, hat man genau das gemacht, was in den Playoffs wichtig ist: Defensiv überzeugt.
Nicht nur deswegen ist Ritten für mich ein Meisterschaftsfavorit. Und wird es immer mehr.
Auch, wenn sich auch das bereits am Donnerstag ändern kann.

Sonntag, 30. September 2012

Spieltag Numero vier oder Die Rache der Kleinen




Der vierte Spieltag in der Eishockey Serie A1 der Saison 2012/13 - Man hätte beim Wetten viel Geld verdienen können. Denn: Die von vielen - auch von mir - als zu schwach für die Liga bezeichneten Mannschaften haben eines bewiesen: Dass jedes Spiel erst einmal gespielt werden muss. Und dass es keine Selbstläufer gibt.

Größte Überraschung des Spieltages: Pontebba besiegt Mailand mit 4:2. Ich hatte das Vergnügen, die Fiulaner am Donnerstag in Bozen zu sehen. Und ich kam zum Schluss, dass Pontebba sich wohl schwer tun wird, überhaupt zu punkten, in diesem Jahr. Dass zwei Tage später ein relativ klarer Sieg gegen Mailand herausschaut, damit hätte wohl niemand gerechnet.
Mailand - Es war klar, dass es einige Zeit brauchen würde, bis sich die Spieler an das höhere Tempo der ersten Liga gewöhnen wird. Aber: Vor einer Woche hatte es gegen Bozen zu einem Sieg gereicht. Und das ist keine schlechte Leistung, da Bozen eine klasse Mannschaft ist.

Zweite Überraschung des Abends: Fassa überrollt Valpellice mit 4:1. Fassa, eine Mannschaft, die von vielen als zu jung und zu unerfahren bezeichnet wird. Valpellice hingegen, eine Truppe, die nach dem peinlichen Abschneiden im Vorjahr einiges gut zu machen hat und gut in die Saison gestartet ist, die sich am Donnerstag noch ebenbürtig mit dem Maß aller Dinge der Liga - zumindest zu diesem Zeitpunkt - einen Schlagabtausch auf Augenhöhe geboten hatte.

Das Maß aller Dinge in dieser Saison ist der HC Pustertal: vier Spiele, vier Siege, alle Punkte gesammelt. Auch gegen der HC Bozen im zweiten Heimspiel - dem zweiten Derby - makellos. Zumindest, was die Punkteausbeute betrifft. Souveräner Tabellenführer. Eine Überraschung insofern, als die Vereinsverantwortlichen zum Saisonsstart, bewusst oder unbewusst, tiefgestapelt haben und die Fans schon im Vorfeld auf eine harte Saison eingestimmt haben. Aber: Im Pustertal ist eine Mannschaft zusammengewachsen, in der die Schlüsselelemente seit Jahren zusammenspielen und einander in- und auswendig kennen. Es gibt zwei Arten, Eishockeyspiele zu gewinnen: Durch individuelle Kabinettstückchen, oder durch mannschaftliche Kompaktheit. Pustertal gewinnt zur Zeit eindeutig durch die zweite Variante.
Eine Variante, die auch bei Bozen das Konzept ist: Denn auch beim Meister sticht kein Einzelspieler heraus, sondern die Mannschaft als Ganzes überzeugt durch Kompaktheit. Wenn es da nur das Problem nicht gäbe, dass die Verteidigung chronisch unterbesetzt ist. Die vier Defensivspieler müssen Überstunden leisten: Und es stellt sich die Frage, wie lange das gut gehen kann, wie lange sie das körperlich aushalten können.

Gepunktet hat auch wieder Ritten - den Altmeister Cortina in die Knie gezwungen, mit drei Siegen aus vier Spielen nun Tabellenzweiter. Das Spiel im Olympiastadion - zumindest den offiziellen Statistiken nach - ein harter Kampf, bei dem sich Cortina lange gewehrt hat.  Bei Ritten stechen zwei Spieler hervor: Ryan Ramsay und Justin Pogge. Der eine ein spielwitziger Angreifer, der andere ein Fels im Gehäuse. Die beiden sind die Garanten, dass es mit dem Punkten klappt - Der eine durch Genialität und Effizienz vorne, der andere durch Konstanz und Sicherheit hinten. Ein guter Start für Ritten, der beste seit einigen Jahren. Am Hochplateau geht es nun darum, die bisherigen Erfolge zu konsolidieren und zu beweisen, dass das Potential, vorne in der Meisterschaft mit zu spielen, auch tatsächlich umgesetzt werden kann.

Vier Spieltage, eine Meisterschaft, die überrascht - und hoffentlich weiterhin überraschen kann. Denn: Wenn jede Mannschaft jede schlagen kann, dann ist jedes einzelne Spiel eine Herausforderung. Und dann werden Ergebnisse wie die am vierten Spieltag nicht mit Überraschung wahrgenommen. Und der Kampf um die Playoffs beginnt nicht erst im Jänner, sondern schon jetzt.

Freitag, 21. September 2012

Ein Spieltag, zwei Überraschungen und einige Erkenntnisse.



Foto: Max Pattis
Die Meisterschaft ist jung. Gerade einmal 60 Minuten alt. Trotzdem: Es ging um Punkte. Und das Bluffen ist vorbei. Natürlich: die Aussagekraft ist begrenzt – und wenn man nach einem Spiel auf den Rest der Saison schließen könnte, dann wäre der Spielbetrieb der kommenden Monate umsonst. Dann wäre Eishockey wie Monopoly, wo die erste Runde bereits entscheidend sein kann.

Der erste Spieltag hat gezeigt, dass der Unterschied zwischen Serie A2 und A1 doch größer ist, als viele zugeben wollen. Ansonsten hätte Valpellice Mailand nicht so klar in die Grenzen weisen können. Immerhin war Mailand vor dem ersten Spieltag hoch gehandelt worden. Doch anscheinend müssen sich einige Spieler erst wieder an die höhere Intensität der ersten Liga gewöhnen.

Der erste Spieltag hat auch gezeigt, dass der Meister auch in diesem Jahr die Mannschaft sein wird, die besiegt werden muss. Weil der HCB mit seiner ökonomischen Spielweise überzeugt hat, bei seinem Auftritt gegen Alleghe den Gegner kontrolliert hat, und bei den sich bietenden Möglichkeiten zugeschlagen hat. Das einzige Problem beim amtierenden Meister ist die dünne Spielerdecke in der Defensive: Im Clubhaus täte man gut daran, sich noch nach zwei Verteidigern umzusehen. Denn nach den bisher gezeigten Leistungen muss Günther Hell nicht unbedingt die Backup Position einnehmen.

Der erste Spieltag hat auch gezeigt, dass Ritten Sport noch siegen kann. Restlos überzeugt haben die Buam zwar nicht, aber wer möchte nach einem 5:0 schon das berühmte Haar in der Suppe suchen? Klar ist: Pontebba ist sicher nicht die Mannschaft, über die der Weg zum Titel führt. Dazu sind die Friulaner einfach zu schwach aufgestellt.

Der erste Spieltag hat auch gezeigt, dass Cortina die Entscheidungen im Penaltyschießen sucht, und dann verliert. Dass die Ampezzaner sich zwar frühe Führungen herausarbeiten können, aber, wie schon am Dienstag, diese nicht über die Zeit retten können. Ein Indiz, dass die Mannschaft über das notwendige Talent verfügt, aber defensiv noch eine Menge Arbeit vor sich hat.

Der erste Spieltag hat aber vor allem eines: Lust auf mehr Eishockey gemacht. Für alle, die den schnellen Sport so lieben ergibt sich am Samstag die Gelegenheit, eine der emotionalsten Partien mitzuerleben: Das Derby zwischen Pustertal und Ritten. Das zudem ein spannendes Spiel zu werden verspricht. Weil Ritten wieder hoch hinaus will. Und Pustertal den Teufel tun wird, freiwillig den Platz zu räumen. Und es die Heimprämiere für die Wölfe ist. Und Ritten einiges gut zu machen hat.

Es ist/bleibt also spannend…


Donnerstag, 7. Juni 2012

Von Kannibalen und Ratlosigkeit





Das größte Problem im italienischen Eishockey ist nicht das fehlende Geld. Natürlich: das spielt auch eine Rolle. Eine nicht unwesentliche. Doch es ist nicht die Wurzel allen Übels. Das Größte Problem ist der Kannibalismus der untereinander betrieben wird. Und damit meine ich nicht den gesunden Konkurrenzkampf zwischen den Vereinen, der ja zum Geschäft gehört und einen Gutteil der Rivalitäten und Emotionen ausmacht.








Das Problem ist der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Ligen, die nicht gemeinsam an einem Projekt arbeiten und an einem Strang ziehen, sondern die sich als isolierte Welten sehen, wo ligainterne Eigeninteressen im Vordergrund stehen. Und vor lauter Konzentration darauf, wie man den eigenen Axxxx retten kann, übersehen die Verantwortlichen, wie die Bewegung den Bach hinunter geht.

Nehmen wir das schlimmste aller möglichen Szenarien an:
Pontebba und Valpellice müssen in der Serie A1 aufgeben, weil sie es finanziell nicht mehr schaffen, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. (Und an dieser Stelle wird ausdrücklich nicht analysiert, wie es zu dieser Situation gekommen ist - weil es steht niemanden zu darüber zu entscheiden, wie Vereine ihr Geld ausgeben).
Bleiben Acht Mannschaften in der Höchsten Eishockeyliga.
In der zweiten Liga gibt Gröden auf, weil sich keine Leute mehr finden, die Verantwortung für den Verein übernehmen möchten. Bleiben also sieben Teams in dieser Liga übrig.

Keine Ahnung wie andere das sehen: ich finde es bedenklich, wenn drei Mannschaften der beiden höchsten Ligen in einem Jahr den Spielbetrieb einstellen, aus welchen Gründen auch immer.
Und dann ist da ja noch die Wirtschaftskrise. die wird vor allem das Eishockey treffen. Weil Eishockey nun einmal kein Massenphänomen ist, kann davon ausgegangen werden, dass weitere Vereine in finanzielle Schwierigkeiten kommen werden bzw. dass kleinere Brötchen gebacken werden müssen. Das wird vor allem auf die erste Liga zutreffen, weil hier unverhältnismäßig höhere Summen aufgebracht werden müssen, die sich aber auf der Einnahmenseite so nicht widerspiegeln lassen.

Was wäre naheliegender, als die beiden Ligen aufeinander zugehen zu lassen. Einen Kompromiss zu schließen, der für beide Ebenen bei ein wenig gutem Willen machbar sein müsste? Nämlich die Reduzierung der Ausländer? Vielleicht nach dem Motto: weniger aber dafür bessere?

Was dagegen spricht? Dass die einen nicht zurück gehen wollen, weil sie sich als das Oberhaus sehen und sich keinen positiven Effekt für die Eishockeybewegung im Ganzen vorstellen können, wenn auf einmal Mannschaften wie Eppan und Kaltern zu Gast sind.
Und dass die anderen ihre Wichtigkeit beweisen wollen, indem sie nein sagen und alles so belassen wollen, wie es schon seit Jahren war. Und mehr schlecht als recht ablief.
Klar: es würde wohl zwei bis drei Saisonen laufen, dass sich die Niveaus anpassen würden. Diese Zeit muss man dem italienischen Eishockey aber auf jeden Fall zum Gesunden lassen. Und unter uns: welche attraktivität besteht darin, wenn eine Meisterschaft mit sieben und die andere mit acht Mannschaften gespielt wird? Macht es dann wirklich noch Spass, vom September bis März ins Stadion zu gehen, um gefühlte 22 Mal die selben Gegner zu sehen?

Für dieses Jahr ist der Zug wohl schon abgefahren. Probleme sind keine gelöst worden. Im Gegenteil: es wird bis im August nicht feststehen, welche Mannschaften an welchen Meisterschaften teilnehmen werden. Weil es sich der Verband nicht leisten kann, Eishockeymannschaften zu verlieren. Und so wird sich das Eishockey wieder einmal ein Jahr weiterhangeln, ohne sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Und wir in einem Jahr wieder an dieser Stelle stehen und auf der Stelle treten. Wie schon vor einem Jahr. Und dem Jahr davor.

Mittwoch, 30. Mai 2012

Nemo profeta in patria oder Alles Gute Stefan!

Glückwunsch, lieber Stefan!

Damit hat sich dir endlich eine internationale Tür geöffnet. Vollkommen verdient. Denn Du hast die letzten Jahre sehr viel geleistet. Hast aus No Name Teams Gewinnertruppen geformt. Hast mit deinen Mannschaften überrascht. Regelmäßig. Und bewiesen, dass Du keine Eintagesfliege bist.
Ich bin überzeugt, dass der HC Pustertal nicht da stehen würde, wo er steht, wenn Du nicht die Zügel in die Hand genommen hättest.

Grund für einen Erfolg ist, dass Du ein harter Arbeiter bist. Der sich auf jeden Gegner vorbereitet. Minutiös. Kompromisslos. Den Gegner bis ins Letzte analysierst und die richtigen Schlüsse aus der Analyse ziehst. Meisterstück dieser Arbeit war der Italienpokal 2012, den Du mit Cortina gewonnen hast. Cortina war keine besonders gute Mannschaft. Trotzdem hast Du die zweifellos besten Mannschaften der Meisterschaft geschlagen. Es war klar, dass weder Bozen noch Pustertal in einer Best Of Seven Serie zu schlagen sein würden. Doch in einem Spiel hattest Du mit deiner durchstudierten Taktik eine Chance. Und die hast Du eiskalt genützt. Und mit deiner Mannschaft mehr erreicht, als man dir zugetraut hatte.

Jetzt kann ich mich ja outen: ich bin ein absoluter Fan von dir. Weil Du Eishockey lebst. Ich bin überzeugt, dass Du alles in deinem Leben dem Job unterordnest, der für dich weit mehr als eine Arbeit zum Geldverdienen ist. Eishockey ist deine Leidenschaft. Und das spürt man, wenn man mit dir über Eishockey spricht, wenn man dir auf dem Eis zusieht, wenn man dich während der Spiele beobachtet.

Ein einziges kleines Problem hast Du. Was nicht deine Schuld ist. Du bist ein Südtiroler. Und ein Südtiroler hat es im eigenen Land schwer. Der wird nur dann entsprechend gewürdigt, wenn er "Luis" oder "Durnwalder" heisst. Für jeden anderen gilt, dass man lieber die Weisen aus Übersee holt. Egal, ob er Leistung bringt oder nicht. Es reicht aus, ein Ahornblatt im Pass stehen zu haben, um ein guter Trainer zu sein.

Du hast das Problem, das schon von allen vier Evangelisten beschrieben wird: Nemo Profeta in Patria...
Deshalb war deine Entscheidung, den Sprung ins Ausland zu machen das absolut beste, was Du hättest tun können. Auch, wenn die Serie A einen Charakterkopf und eine große Chance verliert. Was mir persönlich leid tut.

Trotzdem wünsche ich dir von ganzem Herzen: Alles Gute!

Donnerstag, 3. Mai 2012

Das Trainerkarussel dreht sich oder Wie sich die DEL auf die Rittner Trainerfrage auswirkt


Am heutigen Donnerstag, 3. Mai 2012 wird in Deutschland eine wichtige Entscheidung erwartet – eine Entscheidung, die ihre Schatten auch auf die italienische Serie A1 im Allgemeinen und auf Ritten Sport Renault Trucks im Speziellen wirft. Richtungsweisende Schatten – denn eine Entscheidung steht an, die über die Zukunft zweier Traditionsvereine entscheiden wird.
Doch der Reihe nach: Der DEL Standort München steht schon wieder zur Diskussion. Obwohl von offizieller Seite noch darum gekämpft wird, eine Profimannschaft in München zu erhalten, zwitschern es die Spatzen schon längst von den Dächern, dass man nach Abnehmern für die Lizenz sucht. Interessenten dafür gibt es: sowohl in Schwenningen als auch in Landshut wollte man das Abenteuer DEL angehen.
Eine Meldung vom 02. Mai 2012 gibt bekannt, dass Schwennigen nun die besten Karten für den Kauf der Spielberechtigung vom EHC München hat – Landshut soll sich nämlich Indiskretionen zu Folge aus dem Millionenpoker zurückgezogen haben – in Schwenningen ist man nach wie vor an einer DEL Teilnahme interessiert. Die Entscheidung sollte am Donnerstag, 03. Mai fallen – damit Schwenningen noch ausreichend Zeit bleibt, die notwendigen Unterlagen innerhalb 24. Mai in Köln in der DEL Zentrale abzugeben.
Sollte Schwenningen, und davon kann zu heutigen Stand ausgegangen werden, den Zuschlag erhalten, werden aus München wohl Pat Cortina und einige Spieler übernommen werden – und damit würde sich das Deutschlandabenteuer eines Südtirolers zerschlagen. Denn Schwenningen steht in Kontakt mit Stefan Mair, der die letzten Jahren in Italien für herausragende Ergebnisse gesorgt hat. Und damit die Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte.

Es wird Deutschland - oder Ritten
Die DEL ist wohl eine Nummer zu groß für den Bozner Eishockeycoach, der seine Trainerkarriere in Bozen begann, erstmals in Fassa für Furore sorgte und dann den HC Pustertal von einem Dorfverein zum Meisterschaftsfavoriten entwickelte. Das Meisterstück gelang ihm 2012 in Cortina, wo er mit einer durchschnittlich schlechten Mannschaften den italienischen Cup gewann und seine Mannschaft bis ins Meisterschaftshalbfinale führte.
Sollte sich der Deutschlandtraum von Stefan Mair zerschlagen, so wird er in Italien bleiben. Und hier gibt es auch schon einen Verein, mit dem er so gut wie einig ist: Ritten Sport soll ihm bereits einen Vertragsvorschlag vorgelegt haben, Mair soll das Versprechen abgegeben haben, sollte nichts aus Deutschland werden, so sei Ritten seine erste Wahl.
Die Entscheidung, ob Stefan Mair nach Klobenstein kommt wird in den nächsten Stunden fallen. Und nicht allein vom Angebot des Serie A Teilnehmers abhängen. Die Vorstandssitzung in Klobenstein ist jedenfalls auf morgen Abend festgesetzt worden. Eine Bestätigung oder Dementi sollte sich also noch innerhalb dieser ergeben.


Montag, 19. März 2012

Auf dem Papier eine klare Sache: die Halbfinalserie

Es gibt zwei haushohe Favoriten in den diesjährigen Halbfinalserien. Da nützt es nichts, tief zu stapeln. Denn sowohl Alleghe als auch Cortina sind ganz unerwartet in die Vorschlussrunde gerutscht. Für Pustertal und Bozen hingegen ist das Saisonsziel mit dem Erreichen der Halbfinals noch lange nicht erreicht.  Denn alles andere als das Endspiel ist für die verbliebenen Südtiroler Mannschaften eine herbe Enttäuschung. Auch wenn diese Erwartungshaltung am Vorabend zu den Semifinalis von beiden Seiten klar und deutlich dementiert werden wird.

Gleichzeitig muss aber auch mit einem anderen Vorurteil aufgeräumt werden: Denn die Aussage, dass sowohl Alleghe als auch Cortina locker aufspielen können, die gehört ins Reich der Fabeln. Wer so weit gekommen ist, der will noch weiter kommen. Der will nicht nur spielen, weil es schön ist, unter den besten vier zu sein. Wer so weit gekommen ist, der will noch weiter.

Ab morgen ist nix mehr mit locker und befreit spielen. Auch wenn das die Aussagen sind, die die Medien gerne aufnehmen und kolportieren. Das sind auch die Aussagen, zu denen die Trainer der Außenseiter gerne greifen. Doch in dem Fall dienen sie höchstens dazu, den Gegner unter Druck zu setzen.
Hand aufs Herz: wer Stefan Mair kennt, kann sich der vorstellen, dass der in der Kabine predigt, dass die Truppe Spaß haben soll? (Wohin die ganz Spaßphilosophie im Eishockey führt, haben wir heuer ja schon einmal gesehen - fragen Sie einfach bei Ritten nach!)


Fakt ist: Der HC Pustertal steht schon seit einem Jahr unter Druck. Schon letzte Saison hätten die Wölfe die Italienische Meisterschaft gewinnen müssen. Gestolpert ist man über sich selbst. Geblieben ist ein bitterer Nachgeschmack. Und ein Bild, mit dem man sich geschickt selbst als Märtyrer dargestellt hat. Noch einmal aber wird diese Masche nicht ziehen - und der Druck auf die Wölfe steigt.
Dabei ist Alleghe sicher ein dankbarer Gegner. Ein Gegner, den die Pusterer schlagen werden. Ohne Wenn und Aber.

Und für den HC Bozen gilt, dass man auch endlich wieder einmal etwas gewinnen muss. Immerhin sind die Bozner so etwas wie der FC Bayern München des italienischen Eishockeys. Zumindest im Selbstverständnis. Drei Saisonen ohne Meistertitel sind nach diesem Selbstverständnis schon eine verdammt lange Zeit. Vor allem, weil man weder Kosten noch Mühen scheut, um wieder erfolgreich sein zu können: So wurde mit Adolf Insam der erfolgreichste italienische Eishockeytrainer verpflichtet. Vom Spielerpotential her ist der HCB sowieso die beste Mannschaft, die in diesem Jahr aufgelaufen ist. Das einzige Problem: die exzellente besetzte Spielerbank ist ein bisschen zu kurz geraten.

Ich gehe jede Wette ein, dass Stefan Mair bereits schlaflose Nächte hat, wenn er an den HCB denkt.
Klar: im Italienpokal hatte er die weiß roten schlagen können. Aber damals hat ein einziges Spiel entscheiden müssen. In einer Serie von 7 Spielen wird die Mission Bozen ungleich schwieriger.

Die Rollen vor den beiden Halbfinalserien sind klar verteilt: alles andere, als ein Südtiroler Derby im Endspiel wäre eine faustdicke Überraschung.

Mein Tipp für die Serien:
Pustertal vs. Alleghe 4:1
Bozen vs. Cortina 4:2





Dienstag, 13. März 2012

Zukunft trifft Vergangenheit: Duell hinter der Bande

Das wohl interessanteste Duell der heurigen Viertelfinalserie:
Cortina gegen Valpellice.
Es ist das wohl spannenste Duell im diesjährigen Playoff: Das Duell Cortina gegen Valpellice. Auf der einen Seite eine Mannschaft, die vor Meisterschaftsbeginn irgendwo zwischen Rang 8 und 9 vermutet worden wäre. Auf der anderen Seite Valpellice, ein Team, das ausgesprochen teuer verstärkt worden ist und wo die Verantwortlichen den Erfolg regelrecht hatten kaufen wollen.
Doch nicht wegen der unterschiedlichen Ausgangslagen was die Mannschaftszusammenstellung und das Budget betrifft ist dieses Duell so interessant. Sondern vielmehr, wegen des Duells hinter der Bande: Stefan Mair trifft auf Ron Ivany. Und damit die Vergangenheit auf die Zukunft.

Der Name Ron Ivany ist im italienischen Eishockey legendär: Er steht für den kanadischen Erfolgstrainer, der mit Härte und Disziplin zum Erfolg kommt. Sein Schlüssel zum Erfolg: er hat den guten Überblick, kennt die Liga seit dreissig Jahren, hat die Entwicklung gesehen und mit gestaltet. Sein Netzwerk im Eishockey ist so gut, dass er zu guten Imports kommt. Aufgrund seiner Erfahrung werden seine Forderungen nicht in Frage gestellt. Denn Ron Ivany hat bewiesen, dass er weiss, wovon er spricht.

Sein Gegenüber ist Stefan Mair. Er steht für den modernen Eishockeycoach. Und obwohl er seit Jahren ausgezeichnete Arbeit als Übungsleiter leistet, ist er im Verständnis der italienischen Eishockeywelt noch immer eine Stufe unter Ron Ivany. Eigentlich unverständlich: denn Stefan Mair hat sowohl in Fassa, in Bruneck als auch in Cortina gezeigt, dass er erfolgreiche Mannschaften formen kann. Dabei hat er das Talent, Imports zu zu finden, die eine Bereicherung für die gesamte Liga sind. Er bringt neue und unbekannte Gesichter, die alle Erwartungen mehr als nur erfüllen.

Der Gewinn des diesjährigen Italiencups war das Meisterstück. Das bewiesen hat, dass Stefan Mair ein Erfolgscoach ist. Mit seiner Truppe hat er sowohl die beiden sehr viel stärker eingeschätzten Gegner aus Bozen und Bruneck geschlagen. Der Schlüssel zum Erfolg ist seine Vorbereitung auf die Spiele: die Gegner werden genau studiert und die Taktik wird gnadenlos auf die Schwachpunkte der Gegner aufgebaut. Voraussetzung: jeder Spieler muss die Aufgabe erfüllen, die ihm sein Coach zuteilt. Er muss nicht denken, keinen genialen Spielzug machen oder zaubern. Dann kommt der Mannschaftserfolg.

Und genau darin liegt der Hauptunterschied zwischen den Coachingsphilosophien: Ron Ivany vertraut auf eine starke Defensive, die das Spiel des Gegners zerstört. Und auf Genieblitze seiner Stars. Sobald seine Schlüsselspieler ausgeschaltet sind, wird seine Mannschaft keine Tore mehr erzielen.

Anders ist das bei Sefan Mair: dadurch, dass er die Schwäche des Gegners kennt, weiß er, wo seine Mannschaft zuschlagen muss. In seinem Konzept sind Ausfälle leichter kompensierbar, weil er für jeden seiner Spieler eine lösbare Aufgabe findet, die wiederum dem Mannschaftserfolg dient. Die Schwäche bei diesem System: der Trainer wird ungleich angreifbarer, weil er sich nicht in sein Konzept hineinreden lassen darf.

Wie auch immer das Duell zwischen diesen beiden Mannschaften und Coachingphilosophien enden wird: beide haben großes geleistet. Nur während beim einen die Erfolge in der Vergangenheit liegen, steht der zweite erst am Beginn einer großen Karriere. Wobei die eine Frage erlaubt sein muss: nämlich, wie lange es dauern wird, bis Stefan Mair als der große Coach anerkannt wird, der er schon heute ist.