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Montag, 23. September 2013

Elite.A: Erster Spieltag: Überraschungen sind ausgeblieben und Über einen Zug, der der wahre Höhepunkt war.

Fotos: Foppa/Optik Rapid
Damit ist sie offiziell eröffnet - die neue Italienische Eishockeysaison. Überraschungen sind am ersten Spieltag ausgeblieben. Einzig Ritten hat vielleicht überrascht. Nicht, weil man in Valpellice gewonnen hat. Sondern weil der Sieg so hoch ausgefallen ist. 

Das wahre Highlight
Es waren ganz genau 505 Fans, die im Sonderzug von Bruneck nach Sterzing gereist sind. Eine tolle Idee, die gut angenommen worden ist.

Das wahre Highlight an diesem Spieltag war aber ein Zug. Kein Spielzug, sondern ein echter Zug- der Fans von Bruneck nach Sterzing gebracht hat. Vielleicht ist es dem Wahlkampf zu verdanken, dass es möglich war, doch das soll den Erfolg nicht schmälern. Die Bilder sind beeindruckend, wie eine Horde Fans sich sammelt und in einer Prozession durch die Straßen zieht. Friedlich - wohlgemerkt - eine Demonstration für einen Sport, der - darüber kann auch die Euphorie im Pustertal nicht hingetäuschen - in seiner schwersten Krise steckt. 

Ein Zug - Flirt oder Schach - wird nicht reichen, diese Krise zu überwinden. Aber der Zug hat zumindest schon einmal gezeigt, dass es beim Eishockey und seiner Vermarktung schon lange nicht mehr nur ums Sportliche, sondern vor allem auch ums Gesellschaftliche geht.

Das Derby zwischen Sterzing und Bruneck ist so ausgegangen, wie erwartet. Auch, wenn die Pusterer zugeben, dass noch nicht alles rund läuft - und die Sterzinger lamentieren, dass sie zu hoch geschlagen worden sind. 
Es wäre auch bedenklich, wenn der HC Pustertal schon am ersten Spieltag sein volles Potential ausschöpfen könnte. Und bei Sterzing überwiegt wohl die Enttäuschung, dass die tolle Kulisse und die Aufstiegseuphorie nicht zu einer Überraschung gereicht haben. 

Ritten schlägt Valpellice

Ritten hat sein erstes Auswärtsspiel gewonnen und so ganz nebenbei die Tabellenführung übernommen. Dass man in Torre Pellice so hoch würde gewinnen können, das hatte man wohl nicht erwartet. Auch wenn Valpellice keine so intensive Saisonsvorbereitung wie Ritten genossen hat: Das ist nicht die Schuld von Ritten und das darf die Leistung nicht schmälern. Denn wie schon öfters geschrieben: Die Punkten am Saisonsbeginn sind gleich wertvoll wie jene am Ende der Regular Season.

Was ein bisschen Besorgnis erregend ist: Es ist sehr ruhig um die Rittner Buam. Ein bisschen zu ruhig? Es scheint die Rittner Skepsis zu überwiegen - von einer Eishockey Euphorie oder der Freude, dass es endlich los geht ist nichts zu verspüren. Leider!
Doch das kann sich schon sehr schnell ändern: Wenn nämlich am kommenden Samstag der HC Pustertal zu Gast sein wird. 
Übrigens: Auch der Ritten hat eine Bahn zu bieten. Ob am Samstag Sonderzüge eingesetzt werden? 


Bleibt zu hoffen, dass die Arena Ritten nicht nur dann voll besetzt ist, wenn die Wölfe zu Gast sind. Denn irgendwie scheint es darauf hinaus zu laufen, in einem Jahr, das Präsident Rottensteiner als Übergangsjahr bezeichnet hat.


Mittwoch, 27. Februar 2013

Schwerer als erwartet oder Die Trauben hängen hoch



Hochmut kommt vor dem Fall. Das weiß man nicht erst seit vorgestern. Demut ist das Gebot der Stunde. Weil Demut sympathisch ist und weil durch Demut Respekt gezeigt wird. Die Viertelfinalserien sind dieses Jahr ausgeglichene Kisten: Ausgeglichener, als man dies hatte erwarten können. Und wenn es ganz blöd läuft, dann scheiden die Südtiroler Teilnehmer bereits in der ersten Playoffrunde aus. Was sich niemand wünscht. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Und treibt den Südtirolern Sorgenfalten ins Gesicht.

Bozen gegen Asiago: War’s das für den Meister?

Die letzte Niederlage kam in der Verlängerung. Was keinen Unterschied macht: Niederlage ist Niederlage, in der Playoffs zählt es nicht, ob man mit einem Tor oder sieben Toren Unterschied verloren hat. Fakt ist: Asiago liegt in der Serie mit 3:1 in Führung. Und hat damit dreimal hintereinander die Gelegenheit, ins Halbfinale aufzusteigen.
Auch wenn die Bozner Formkurve leicht ansteigend ist: Diese Serie ist nicht mehr zu drehen. Weil Asiago eine starke Mannschaft ist. Und über ausreichend Erfahrung verfügt, um die Serie nach Hause zu bringen.
Schade für Bozen, aber irgendwie war dieses Saisonsende abzusehen. Irgendwie hat man sich durch die Saison gemogelt, hat sich besser verkauft, als man gewesen ist. Auch wenn die Leistungen nicht zu schmälern sind. Aber irgendwie ist man in Bozen personaltechnisch immer am Limit geschwommen. Und das muss sich ja früher oder später niederschlagen. Wäre ja fatal, wenn man mit dieser Ausrichtung auch noch um die Meisterschaft mitspielen könnte: Dann würden in den nächsten Saisonen alle Mannschaften schauen, möglichst wenig Personal einzustellen.
Auch wenn die Serie noch nicht abgeschlossen ist und im Eishockey alles möglich ist: Ich lege mich fest, dass am morgigen Donnerstag das letzte Saisonsspiel in der Eiswelle stattfinden wird.

Ritten gegen Cortina: Der Fluch des R.R.?

Irgendwie unverständlich, wieso Ritten sich so schwer gegen Cortina tut. Nicht, dass Cortina zu unterschätzen wäre. Aber irgendwie scheint Ritten die Tugenden der Masterround verloren zu haben. In der Zwischenrunde überzeugte die Mannschaft durch Geschlossenheit und Unberechenbarkeit. Nun ist das Team von Rob Wilson so defensiv eingestellt, dass man sich fast schon fürchten muss, dass sie sich selbst die Tore machen.
Die Rückkehr des Ryan Ramsay könnte insofern die Mannschaft schwächen, als sich nun alle ein bisschen zurücklehnen und glauben, weniger machen zu müssen, weil der Star zurückgekehrt ist. Und das könnte fatal sein.
Irgendwie kommt die Erinnerung an die Viertelfinalserie vor zwei Jahren gegen Valpellice hoch: Valpe hatte vor Playoffbeginn nie gegen Ritten gewinnen können. Im Viertelfinale aber wurde Ritten aus dem Bewerb geschossen. Nicht, weil Valpe die bessere Mannschaft gewesen wäre, sondern weil Ritten auf einmal anders aufgetreten war.
Hoffentlich erinnern sich auch die Spieler an diese Saison vor zwei Jahren. Und haben daraus gelernt, den richtigen Hebel zur richtigen Zeit umzulegen. Denn ansonsten könnte gegen Cortina die Endstation erreicht sein.
Man muss es nicht schönreden oder schönschreiben: Der psychologische Vorteil liegt nun bei den Ampezzanern. Das Spiel am Donnerstag ist von großer Wichtigkeit für die „Buam“: Wenn sie das nicht gewinnen können, dann ist das Saisonsende vorausprogrammiert.

Irgendwie liegt es in der Luft, dass die Südtiroler Überlegenheit in der Vorrunde nur eine Momentaufnahme war. Irgendwie liegt es in der Luft, dass Südtirol härter kämpfen muss, um die erste Playoff Runde zu überstehen, als erhofft. Was auf der einen Seite ja gut ist, wenn es gut ausgeht. Was aber auch dazu führen könnte, dass bereits im Halbfinale nur mehr eine von drei Mannschaften dabei ist. Und das wäre, bei alles Schadenfreude der gegnerischen Anhänger, dann doch des guten zu wenig…




Mittwoch, 13. Februar 2013

Der Spieltag im Rückspiegel

Ritten gewinnt Derby gegen HC Bozen mit 3:0 und übernimmt Tabellenführung.
Valpellice verliert 10. Auswärtsspiel in Folge und ist seit 24. November 2012 auswärts sieglos.
HC Pustertal bewahrt sich mit Sieg gegen Valpellice Chance auf Sieg der Masterround.
Nächste Gegner der Südtiroler Mannschaften:
Bozen schließt sein Zwischenrundenprogramm gegen den HC Pustertal ab.
Ritten ist spielfrei uns trifft am Samstag auf Valpellice.
Pustertal muss nach dem Derby noch in Alleghe antreten.

Quelle: Rai Sender Bozen Mittagsmagazin.
Interviewpartner: Armin Helfer, Ingemar Gruber, Alexander Egger
Bericht: Peter Treibenreif


Uncut Interviews aus Bruneck:


Interviewpartner: Armin Helfer, Paul Adey
Interviewer: Traube

Montag, 14. Januar 2013

Turnierwochenende: Eine Analyse

Quelle: Rai Sender Bozen, Mittagsmagazin vom 14.01.2013
Interviews & Bericht: Peter Treibenreif
Gelesen von: Gunda Regensberger
Interviewpartner: Herbert Frisch (Assistenztrainer HC Fiat Professional Wölfe), Emanuel Scelfo (Stürmer Ritten Sport Renault Trucks)

 

Sonntag, 13. Januar 2013

Schade: Kein Südtiroler Wochenende

Es ist kein Beinbruch, dieses Wochenende im Jänner. Und trotzdem ist es schade.
In der Meisterschaft sind sie die drei Führenden der laufenden Meisterschaft, bei diesem Turnierwochenende fehlt Pustertal, Bozen und Ritten scheinbar die Kraft.
Wobei: Während es für den HCB schon ein Erfolg ist, überhaupt in der Ukraine spielen zu dürfen, haben sich die Wölfe und die Buam in Turin  mehr erwartet. Aber: Die kraftraubenden letzten Wochen präsentieren nun ihre Rechnung.

HC Bozen

HCB: Nach einer desolaten Leistung im Auftaktspiel gegen die französischen Titelverteidiger aus Rouen haben die Foxes gegen Donetsk eine gute Leistung gezeigt. Zumindest kämpferisch. Dass man gegen die Heimmannschaft so gut wie keine Erfolgschancen hat, das war schon vor dem Turnierbeginn klar. Hätte der HCB gegen Donetsk gepunktet, es wäre eine Riesen Sensation gewesen.
Auch wenn die KHL Spieler vielleicht nicht das letzte aus sich heraus geholt haben: Gegen eine solche Mannschaft nur 3:0 zu verlieren ist schon ein kleiner Erfolg.
Vor allem, wenn man bedenkt, dass der italienische Meister mit einer schweren Hypothek angereist ist: Niklas Hjalmarsson, der Doppelschichten in der Bozner Abwehr geleistet hat, ist abreist. Damit fehlt nicht nur ein Fixstern in der Verteidigung, sondern vor allem auch die Lunge der Hintermannschaft. Schon in der heimischen Meisterschaft wirkt sich das Fehlen der "Versicherung" aus - geschweige denn in einem internationalen Match.
Bleibt abzuwarten, wie sich die Kampfleistung gegen Donetsk insgesamt auf den weiteren Weg der Foxes auswirkt. Das Problem: Jeder Akku, der einmal total auf null gefahren ist, der muss wieder total aufgeladen werden, um so zu funktionieren, wie er funktionieren sollte. Und dazu fehlt, beim engen Spielplan der Weiß-Roten wahrscheinlich die Zeit. Vor allem, weil die Schlüsselspieler auch im Feburar nicht die Meisterschaftspause nutzen können. Weil sie für Italien die Olympiaqualifikation schaffen sollen. Eine (fast) unmögliche Mission - auf Kosten der Kraftreserven der Bozner Spieler.

Ritten Sport

Gut gespielt und doch verloren? Eine Aussage, die in meinem Wortschatz nicht vorkommt. Eine kämpferisch gute Leistung, zweifellos. Aber ein Eishockeyspiel dauert nun einmal 60 volle Minuten. Bereits zum zweiten Mal innerhalb von 10 Tagen muss Ritten gegen Alleghe in der Schlussphase den Ausgleich hinnehmen. Gegen Alleghe zu verlieren ist keine Schande - doch sieben Sekunden vor dem Spielende den Ausgleich hinnehmen zu müssen ist zumindest ärgerlich.
Man kann darüber diskutieren, ob man Chris Durno zurecht frei gegeben hat: Unter dem menschlichen Gesichtspunkt sicher. Jeder der bei der Geburt seiner Kinder dabei war weiß, dass das ein prägender Moment ist. Und jeder Mann sollte in diesem prägenden Moment seiner Frau beistehen. Dasselber gilt für Eishockeyspieler - wenn es um "normale" Spiele geht. Ob ein Profi seine Mannschaft bei einem wichtigen Turnier im Stich lassen darf, darüber kann man getrost wochenlang diskutieren und es wird viele Meinungen darüber geben. Fakt ist, dass ein Eishockeyprofi mit dem Sport sein Geld verdient. Und Fakt ist auch, dass in professionellen Ligen eine Geburt kein Grund wäre, ein Turnier, bei dem es um einen nationalen Titel geht, auszulassen. 
Die Entscheidung, Durno am Ritten zu lassen, spricht zumindest für die Menschlichkeit bei Ritten Sport.
Die Niederlage gegen Alleghe stellt, trotz der guten Leistung, die Ritten gebracht hat, eine Frage in den Raum: Kann Ritten in dieser Saison die großen und vor allem wichtigen Spiele gewinnen? Im bisherigen Saisonsverlauf war dem noch nicht so. Die Rittner Mannschaft, die in den letzten Wochen zweifellos zusammengewachsen ist, wird nun beweisen müssen, dass sie auch große Spiele gewinnen kann. Denn nur dann werden die Buam zu Titelanwärtern.

HC Pustertal

Bitter schmeckt die Niederlage der Wölfe gegen Valpellice. Weil sie klar ausgefallen ist. Ohne die Diskussion, wer die bessere Mannschaft sei. Irgendwie scheint man im Pustertal den Faden verloren zu haben. Irgendwie werden die Wellen immer höher. Ohne wirklich ersichtlichen Grund. Es ist die Unsicherheit, die um sich greift. Und diese Unsicherheit ist nun auch in der Mannschaft angekommen. Einer Mannschaft, die vom ersten Spieltag an die Tabelle angeführt hat.
Es ist eine paradoxe Situation: Man führt die Meisterschaft souverän an, und wird kritisiert. Vor allem Einzelspieler werden auf das härteste angegriffen. Die Kritik kommt von den Fans zu den Funktionären. Und weil man in Bruneck eine große Familie ist und steter Tropfen den Stein höhlt, werden die Funktionäre von der Kritik angesteckt. Früher noch euphorisch in der Stadt gegrüßt hat man für gewisse Spieler noch höchstens ein mitleidiges Kopfnicken übrig. Vielleicht wechselt man sogar die Straßenseite, wenn der ehemalige Hero einem in der Stadt begegnet. Es sind die Kleinigkeiten, die den großen Erfolg möglich machen. Und die großen Spiele zeigen dann die Defizite.
Hat der HCP über Nacht das Eishockeyspielen verlernt? Mit Sicherheit nicht.
Ähnlich wie am Ritten stellt sich auch für die Wölfe die Frage nach dem Erfolgspotential in den Big Matches. Die Vorzeichen sind im Green Valley aber andere: Denn während am Ritten schön langsam die Kritikphase überwunden scheint und schön langsam wieder euphorischer Optimismus entsteht, so verabschiedet dieser gerade aus der Leitner Solar Arena.
Mit dem Ergebnis: Die durchaus schlagbaren Piemontesen stehen im Italienpokal Finale.
Und das bereits am frühen Abend verhinderte Südtiroler Traumfinale wurde ganz vermasselt.




Eine Katastrophe?

Im Gegenteil. Denn der Gewinn eines Titels kann bereits zu Sattheit führen, weil schon ein Gipfel erreicht worden ist. Der Effekt, dass der Titelgewinn noch weiter motiviert kann zwar eintreten. Doch es ist ungemein schwer, die Spannung hoch zu halten, wenn schon eine Trophäe begossen worden ist. Das zeigt die Erfahrung der letzten Jahre: Es ist lange her, dass ein Pokalgewinner auch den ungleich wichtigeren Meistertitel gewonnen hat.
Eines ist sicher: Dass nun sowohl Ritten als auch Pustertal alles geben werden, um sich für den Schlussanstieg zu qualifizieren. Im besten Fall alle beide. Weil man in Turin am Nebengipfel gescheitert ist.

Sonntag, 30. September 2012

Spieltag Numero vier oder Die Rache der Kleinen




Der vierte Spieltag in der Eishockey Serie A1 der Saison 2012/13 - Man hätte beim Wetten viel Geld verdienen können. Denn: Die von vielen - auch von mir - als zu schwach für die Liga bezeichneten Mannschaften haben eines bewiesen: Dass jedes Spiel erst einmal gespielt werden muss. Und dass es keine Selbstläufer gibt.

Größte Überraschung des Spieltages: Pontebba besiegt Mailand mit 4:2. Ich hatte das Vergnügen, die Fiulaner am Donnerstag in Bozen zu sehen. Und ich kam zum Schluss, dass Pontebba sich wohl schwer tun wird, überhaupt zu punkten, in diesem Jahr. Dass zwei Tage später ein relativ klarer Sieg gegen Mailand herausschaut, damit hätte wohl niemand gerechnet.
Mailand - Es war klar, dass es einige Zeit brauchen würde, bis sich die Spieler an das höhere Tempo der ersten Liga gewöhnen wird. Aber: Vor einer Woche hatte es gegen Bozen zu einem Sieg gereicht. Und das ist keine schlechte Leistung, da Bozen eine klasse Mannschaft ist.

Zweite Überraschung des Abends: Fassa überrollt Valpellice mit 4:1. Fassa, eine Mannschaft, die von vielen als zu jung und zu unerfahren bezeichnet wird. Valpellice hingegen, eine Truppe, die nach dem peinlichen Abschneiden im Vorjahr einiges gut zu machen hat und gut in die Saison gestartet ist, die sich am Donnerstag noch ebenbürtig mit dem Maß aller Dinge der Liga - zumindest zu diesem Zeitpunkt - einen Schlagabtausch auf Augenhöhe geboten hatte.

Das Maß aller Dinge in dieser Saison ist der HC Pustertal: vier Spiele, vier Siege, alle Punkte gesammelt. Auch gegen der HC Bozen im zweiten Heimspiel - dem zweiten Derby - makellos. Zumindest, was die Punkteausbeute betrifft. Souveräner Tabellenführer. Eine Überraschung insofern, als die Vereinsverantwortlichen zum Saisonsstart, bewusst oder unbewusst, tiefgestapelt haben und die Fans schon im Vorfeld auf eine harte Saison eingestimmt haben. Aber: Im Pustertal ist eine Mannschaft zusammengewachsen, in der die Schlüsselelemente seit Jahren zusammenspielen und einander in- und auswendig kennen. Es gibt zwei Arten, Eishockeyspiele zu gewinnen: Durch individuelle Kabinettstückchen, oder durch mannschaftliche Kompaktheit. Pustertal gewinnt zur Zeit eindeutig durch die zweite Variante.
Eine Variante, die auch bei Bozen das Konzept ist: Denn auch beim Meister sticht kein Einzelspieler heraus, sondern die Mannschaft als Ganzes überzeugt durch Kompaktheit. Wenn es da nur das Problem nicht gäbe, dass die Verteidigung chronisch unterbesetzt ist. Die vier Defensivspieler müssen Überstunden leisten: Und es stellt sich die Frage, wie lange das gut gehen kann, wie lange sie das körperlich aushalten können.

Gepunktet hat auch wieder Ritten - den Altmeister Cortina in die Knie gezwungen, mit drei Siegen aus vier Spielen nun Tabellenzweiter. Das Spiel im Olympiastadion - zumindest den offiziellen Statistiken nach - ein harter Kampf, bei dem sich Cortina lange gewehrt hat.  Bei Ritten stechen zwei Spieler hervor: Ryan Ramsay und Justin Pogge. Der eine ein spielwitziger Angreifer, der andere ein Fels im Gehäuse. Die beiden sind die Garanten, dass es mit dem Punkten klappt - Der eine durch Genialität und Effizienz vorne, der andere durch Konstanz und Sicherheit hinten. Ein guter Start für Ritten, der beste seit einigen Jahren. Am Hochplateau geht es nun darum, die bisherigen Erfolge zu konsolidieren und zu beweisen, dass das Potential, vorne in der Meisterschaft mit zu spielen, auch tatsächlich umgesetzt werden kann.

Vier Spieltage, eine Meisterschaft, die überrascht - und hoffentlich weiterhin überraschen kann. Denn: Wenn jede Mannschaft jede schlagen kann, dann ist jedes einzelne Spiel eine Herausforderung. Und dann werden Ergebnisse wie die am vierten Spieltag nicht mit Überraschung wahrgenommen. Und der Kampf um die Playoffs beginnt nicht erst im Jänner, sondern schon jetzt.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Von Kannibalen und Ratlosigkeit





Das größte Problem im italienischen Eishockey ist nicht das fehlende Geld. Natürlich: das spielt auch eine Rolle. Eine nicht unwesentliche. Doch es ist nicht die Wurzel allen Übels. Das Größte Problem ist der Kannibalismus der untereinander betrieben wird. Und damit meine ich nicht den gesunden Konkurrenzkampf zwischen den Vereinen, der ja zum Geschäft gehört und einen Gutteil der Rivalitäten und Emotionen ausmacht.








Das Problem ist der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Ligen, die nicht gemeinsam an einem Projekt arbeiten und an einem Strang ziehen, sondern die sich als isolierte Welten sehen, wo ligainterne Eigeninteressen im Vordergrund stehen. Und vor lauter Konzentration darauf, wie man den eigenen Axxxx retten kann, übersehen die Verantwortlichen, wie die Bewegung den Bach hinunter geht.

Nehmen wir das schlimmste aller möglichen Szenarien an:
Pontebba und Valpellice müssen in der Serie A1 aufgeben, weil sie es finanziell nicht mehr schaffen, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. (Und an dieser Stelle wird ausdrücklich nicht analysiert, wie es zu dieser Situation gekommen ist - weil es steht niemanden zu darüber zu entscheiden, wie Vereine ihr Geld ausgeben).
Bleiben Acht Mannschaften in der Höchsten Eishockeyliga.
In der zweiten Liga gibt Gröden auf, weil sich keine Leute mehr finden, die Verantwortung für den Verein übernehmen möchten. Bleiben also sieben Teams in dieser Liga übrig.

Keine Ahnung wie andere das sehen: ich finde es bedenklich, wenn drei Mannschaften der beiden höchsten Ligen in einem Jahr den Spielbetrieb einstellen, aus welchen Gründen auch immer.
Und dann ist da ja noch die Wirtschaftskrise. die wird vor allem das Eishockey treffen. Weil Eishockey nun einmal kein Massenphänomen ist, kann davon ausgegangen werden, dass weitere Vereine in finanzielle Schwierigkeiten kommen werden bzw. dass kleinere Brötchen gebacken werden müssen. Das wird vor allem auf die erste Liga zutreffen, weil hier unverhältnismäßig höhere Summen aufgebracht werden müssen, die sich aber auf der Einnahmenseite so nicht widerspiegeln lassen.

Was wäre naheliegender, als die beiden Ligen aufeinander zugehen zu lassen. Einen Kompromiss zu schließen, der für beide Ebenen bei ein wenig gutem Willen machbar sein müsste? Nämlich die Reduzierung der Ausländer? Vielleicht nach dem Motto: weniger aber dafür bessere?

Was dagegen spricht? Dass die einen nicht zurück gehen wollen, weil sie sich als das Oberhaus sehen und sich keinen positiven Effekt für die Eishockeybewegung im Ganzen vorstellen können, wenn auf einmal Mannschaften wie Eppan und Kaltern zu Gast sind.
Und dass die anderen ihre Wichtigkeit beweisen wollen, indem sie nein sagen und alles so belassen wollen, wie es schon seit Jahren war. Und mehr schlecht als recht ablief.
Klar: es würde wohl zwei bis drei Saisonen laufen, dass sich die Niveaus anpassen würden. Diese Zeit muss man dem italienischen Eishockey aber auf jeden Fall zum Gesunden lassen. Und unter uns: welche attraktivität besteht darin, wenn eine Meisterschaft mit sieben und die andere mit acht Mannschaften gespielt wird? Macht es dann wirklich noch Spass, vom September bis März ins Stadion zu gehen, um gefühlte 22 Mal die selben Gegner zu sehen?

Für dieses Jahr ist der Zug wohl schon abgefahren. Probleme sind keine gelöst worden. Im Gegenteil: es wird bis im August nicht feststehen, welche Mannschaften an welchen Meisterschaften teilnehmen werden. Weil es sich der Verband nicht leisten kann, Eishockeymannschaften zu verlieren. Und so wird sich das Eishockey wieder einmal ein Jahr weiterhangeln, ohne sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Und wir in einem Jahr wieder an dieser Stelle stehen und auf der Stelle treten. Wie schon vor einem Jahr. Und dem Jahr davor.

Dienstag, 13. März 2012

Zukunft trifft Vergangenheit: Duell hinter der Bande

Das wohl interessanteste Duell der heurigen Viertelfinalserie:
Cortina gegen Valpellice.
Es ist das wohl spannenste Duell im diesjährigen Playoff: Das Duell Cortina gegen Valpellice. Auf der einen Seite eine Mannschaft, die vor Meisterschaftsbeginn irgendwo zwischen Rang 8 und 9 vermutet worden wäre. Auf der anderen Seite Valpellice, ein Team, das ausgesprochen teuer verstärkt worden ist und wo die Verantwortlichen den Erfolg regelrecht hatten kaufen wollen.
Doch nicht wegen der unterschiedlichen Ausgangslagen was die Mannschaftszusammenstellung und das Budget betrifft ist dieses Duell so interessant. Sondern vielmehr, wegen des Duells hinter der Bande: Stefan Mair trifft auf Ron Ivany. Und damit die Vergangenheit auf die Zukunft.

Der Name Ron Ivany ist im italienischen Eishockey legendär: Er steht für den kanadischen Erfolgstrainer, der mit Härte und Disziplin zum Erfolg kommt. Sein Schlüssel zum Erfolg: er hat den guten Überblick, kennt die Liga seit dreissig Jahren, hat die Entwicklung gesehen und mit gestaltet. Sein Netzwerk im Eishockey ist so gut, dass er zu guten Imports kommt. Aufgrund seiner Erfahrung werden seine Forderungen nicht in Frage gestellt. Denn Ron Ivany hat bewiesen, dass er weiss, wovon er spricht.

Sein Gegenüber ist Stefan Mair. Er steht für den modernen Eishockeycoach. Und obwohl er seit Jahren ausgezeichnete Arbeit als Übungsleiter leistet, ist er im Verständnis der italienischen Eishockeywelt noch immer eine Stufe unter Ron Ivany. Eigentlich unverständlich: denn Stefan Mair hat sowohl in Fassa, in Bruneck als auch in Cortina gezeigt, dass er erfolgreiche Mannschaften formen kann. Dabei hat er das Talent, Imports zu zu finden, die eine Bereicherung für die gesamte Liga sind. Er bringt neue und unbekannte Gesichter, die alle Erwartungen mehr als nur erfüllen.

Der Gewinn des diesjährigen Italiencups war das Meisterstück. Das bewiesen hat, dass Stefan Mair ein Erfolgscoach ist. Mit seiner Truppe hat er sowohl die beiden sehr viel stärker eingeschätzten Gegner aus Bozen und Bruneck geschlagen. Der Schlüssel zum Erfolg ist seine Vorbereitung auf die Spiele: die Gegner werden genau studiert und die Taktik wird gnadenlos auf die Schwachpunkte der Gegner aufgebaut. Voraussetzung: jeder Spieler muss die Aufgabe erfüllen, die ihm sein Coach zuteilt. Er muss nicht denken, keinen genialen Spielzug machen oder zaubern. Dann kommt der Mannschaftserfolg.

Und genau darin liegt der Hauptunterschied zwischen den Coachingsphilosophien: Ron Ivany vertraut auf eine starke Defensive, die das Spiel des Gegners zerstört. Und auf Genieblitze seiner Stars. Sobald seine Schlüsselspieler ausgeschaltet sind, wird seine Mannschaft keine Tore mehr erzielen.

Anders ist das bei Sefan Mair: dadurch, dass er die Schwäche des Gegners kennt, weiß er, wo seine Mannschaft zuschlagen muss. In seinem Konzept sind Ausfälle leichter kompensierbar, weil er für jeden seiner Spieler eine lösbare Aufgabe findet, die wiederum dem Mannschaftserfolg dient. Die Schwäche bei diesem System: der Trainer wird ungleich angreifbarer, weil er sich nicht in sein Konzept hineinreden lassen darf.

Wie auch immer das Duell zwischen diesen beiden Mannschaften und Coachingphilosophien enden wird: beide haben großes geleistet. Nur während beim einen die Erfolge in der Vergangenheit liegen, steht der zweite erst am Beginn einer großen Karriere. Wobei die eine Frage erlaubt sein muss: nämlich, wie lange es dauern wird, bis Stefan Mair als der große Coach anerkannt wird, der er schon heute ist.