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Sonntag, 23. Dezember 2012

Über Eishockeytrainer oder über Hausmannskost und Sterneküche

Immer wieder höre ich die Aussage - von verschiedenen Vereinen und verschiedenen Richtungen - , dass ein Eishockeytrainer für den Erfolg einer Mannschaft nicht so zentral wichtig sei. Viel wichtiger sei es, eine gute Mannschaft zusammen zu stellen. Denn eine gute Mannschaft wird dann schon aus sich heraus glänzen. Dann würde sich auch der Erfolg einstellen. 
Ganz unkommentiert kann diese Aussage aber nicht stehen bleiben. Denn zu schweigen bedeutet zuzustimmen.  

Ich hatte gestern abend die Gelegenheit, mit einem Profi zu sprechen, welchen Anteil ein Trainer am Erfolg einer Mannschaft hat. Hannes Fink meinte, dass ein Trainer mehr als 60 Prozent ausmacht: Nicht nur, weil er die Taktik machen muss. Sondern, weil er für die "Mannschaft" verantwortlich ist. Weil er die Gruppendynamik im Griff hat.



Früher war es im Eishockey vielleicht so, dass das größte Budget, unabhängig vom Trainer Meisterschaften gewonnen hat. Doch dann kamen neue Trainer, die bewiesen haben, dass sich Qualität auf der Bank auszahlt. Die mit -auf dem Papier kaum konkurrenzfähigen Mannschaften- auf einmal Erfolg hatten und weiter gekommen sind, als sie nach der oben gemachten Aussage hätten kommen dürfen.
Namen gefällig? 
Tom Pokel in Pontebba oder Stefan Mair in Fassa, Bruneck oder Cortina.

Welchen Unterschied ein Trainer machen kann beweist in diesem Jahr Brian McCutcheon, der zwar einen guten, aber nicht den besten Kader der Meisterschaft zur Verfügung hat und sowohl national als auch international erfolgreich ist.
 
Es ist, wie beim Kochen: Nix gegen Hausmannskost und nix gegen Hausfrauen, die teilweise ausgezeichnet kochen können. Aber: Wenn man ein und denselben qualitativ hochwertigen Warenkorb einem Profi und einem ambitionierten Hobbykoch zur Verfügung stellt, das Ergebnis wird nicht vergleichbar sein. Objektiv bewertet, ganz ohne Fanbrille.

Nicht jeder ehemalige Eishockeyspieler, auch wenn er erfolgreich war, muss ein guter Trainer sein. Es ist wie beim Kochen: ständige Fortbildung ist notwendig. Und, wenn man sich entwickeln will, dann muss man von den Sterneköchen lernen und das gelernte den eigenen Möglichkeiten entsprechend umsetzen. Nur so kann das gesamte Potential aus dem hochwertigen Warenkorb herausgeholt werden. Was verschiedene Vereine in der Vergangenheit schmerzlich lernen mussten.
Erfahrung sammeln heißt, aus der Vergangenheit lernen.
Wer das noch nicht kapiert hat, der verdient es sich, auch in Zukunft mit einem durchschnittlichen Essen zufrieden sein zu müssen. Auch, wenn er die teuersten Zutaten einkauft. 
Und sich dann noch fragt, woran das durchschnittliche Ergebnis liegen könnte.

Dienstag, 13. März 2012

Zukunft trifft Vergangenheit: Duell hinter der Bande

Das wohl interessanteste Duell der heurigen Viertelfinalserie:
Cortina gegen Valpellice.
Es ist das wohl spannenste Duell im diesjährigen Playoff: Das Duell Cortina gegen Valpellice. Auf der einen Seite eine Mannschaft, die vor Meisterschaftsbeginn irgendwo zwischen Rang 8 und 9 vermutet worden wäre. Auf der anderen Seite Valpellice, ein Team, das ausgesprochen teuer verstärkt worden ist und wo die Verantwortlichen den Erfolg regelrecht hatten kaufen wollen.
Doch nicht wegen der unterschiedlichen Ausgangslagen was die Mannschaftszusammenstellung und das Budget betrifft ist dieses Duell so interessant. Sondern vielmehr, wegen des Duells hinter der Bande: Stefan Mair trifft auf Ron Ivany. Und damit die Vergangenheit auf die Zukunft.

Der Name Ron Ivany ist im italienischen Eishockey legendär: Er steht für den kanadischen Erfolgstrainer, der mit Härte und Disziplin zum Erfolg kommt. Sein Schlüssel zum Erfolg: er hat den guten Überblick, kennt die Liga seit dreissig Jahren, hat die Entwicklung gesehen und mit gestaltet. Sein Netzwerk im Eishockey ist so gut, dass er zu guten Imports kommt. Aufgrund seiner Erfahrung werden seine Forderungen nicht in Frage gestellt. Denn Ron Ivany hat bewiesen, dass er weiss, wovon er spricht.

Sein Gegenüber ist Stefan Mair. Er steht für den modernen Eishockeycoach. Und obwohl er seit Jahren ausgezeichnete Arbeit als Übungsleiter leistet, ist er im Verständnis der italienischen Eishockeywelt noch immer eine Stufe unter Ron Ivany. Eigentlich unverständlich: denn Stefan Mair hat sowohl in Fassa, in Bruneck als auch in Cortina gezeigt, dass er erfolgreiche Mannschaften formen kann. Dabei hat er das Talent, Imports zu zu finden, die eine Bereicherung für die gesamte Liga sind. Er bringt neue und unbekannte Gesichter, die alle Erwartungen mehr als nur erfüllen.

Der Gewinn des diesjährigen Italiencups war das Meisterstück. Das bewiesen hat, dass Stefan Mair ein Erfolgscoach ist. Mit seiner Truppe hat er sowohl die beiden sehr viel stärker eingeschätzten Gegner aus Bozen und Bruneck geschlagen. Der Schlüssel zum Erfolg ist seine Vorbereitung auf die Spiele: die Gegner werden genau studiert und die Taktik wird gnadenlos auf die Schwachpunkte der Gegner aufgebaut. Voraussetzung: jeder Spieler muss die Aufgabe erfüllen, die ihm sein Coach zuteilt. Er muss nicht denken, keinen genialen Spielzug machen oder zaubern. Dann kommt der Mannschaftserfolg.

Und genau darin liegt der Hauptunterschied zwischen den Coachingsphilosophien: Ron Ivany vertraut auf eine starke Defensive, die das Spiel des Gegners zerstört. Und auf Genieblitze seiner Stars. Sobald seine Schlüsselspieler ausgeschaltet sind, wird seine Mannschaft keine Tore mehr erzielen.

Anders ist das bei Sefan Mair: dadurch, dass er die Schwäche des Gegners kennt, weiß er, wo seine Mannschaft zuschlagen muss. In seinem Konzept sind Ausfälle leichter kompensierbar, weil er für jeden seiner Spieler eine lösbare Aufgabe findet, die wiederum dem Mannschaftserfolg dient. Die Schwäche bei diesem System: der Trainer wird ungleich angreifbarer, weil er sich nicht in sein Konzept hineinreden lassen darf.

Wie auch immer das Duell zwischen diesen beiden Mannschaften und Coachingphilosophien enden wird: beide haben großes geleistet. Nur während beim einen die Erfolge in der Vergangenheit liegen, steht der zweite erst am Beginn einer großen Karriere. Wobei die eine Frage erlaubt sein muss: nämlich, wie lange es dauern wird, bis Stefan Mair als der große Coach anerkannt wird, der er schon heute ist.