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Donnerstag, 10. Januar 2013

Die Flops der laufenden Meisterschaft


Positives zu schreiben ist ja recht angenehm. Doch wie sag ich's meinem Kinde, dass nicht alles eitel Sonnenschein ist?
Am besten trocken von der Leber weg: 

Die Flops der laufenden Meisterschaft:


Pontebba und Fassa

Eine Meisterschaft, zumal nur mit zehn teilnehmenden Teams, lebt von Ausgeglichenheit. Wenn nun zwei Mannschaften an der Meisterschaft teilnehmen, um dem olympischen Gedanken hochleben zu lassen, so richten sie mehr Schaden als Nutzen an. Denn Exoten mögen bei einzelnen Wettkämpfen vielleicht ganz lustig, weil kurios, sein, in einem Meisterschaftsbetrieb sind sie aber nur eines: lästig und ärgerlich.
Mit Pontebba spielt eine Mannschaft in der höchsten italienischen Liga mit, die in der zweiten Liga kein ernst zu nehmender Anwärter für das Halbfinale wäre. Irgendwie zusammengebastelt präsentiert sich das Team zwischen Sein und Nicht-Sein. Wenn im Frühjahr dieser Meisterschaft der Abstieg besiegelt ist, dann gehen im Friaul die Lichter aus - denn Zweitligaeishockey werden die Vereinsverantwortlichen dort nicht anbieten. Die Retortenmannschaft, die anlässlich der Universiade vor einigen Jahren aus dem Boden gestampft wurde, beweist, dass zu erfolgreichem und langfristigem Sport Kultur und Tradition gehört - beides gibt es in Pontebba im Bereich Eishockey nicht. Das Ärgerlichste an der gesamten Angelegenheit: Dass sich die Liga und die anderen Vereine über Jahre an der Nase haben herumführen lassen, um nur ja nicht einen Teilnehmer an der A1 zu verlieren: Zugeständnisse bei den zugelassenen Ausländern in der Hoffnung, dass was nachkommt.
Das Ende des Liedes erleben wir in dieser Saison: Erstligasport, der diesen Namen nicht verdient, vor einer leeren Halle. Hoffentlich zieht man die richtige Lehre daraus: Lieber mit neun Mannschaften antreten als eine Gurkentruppe zuzulassen!

Dass auch Fassa unter den Flops steht ist unter diesen Vorzeichen vielleicht unfair. Denn Fassa hat Tradition, und auch wenn es die Zuschauerzahlen nicht würden vermuten lassen: Irgendwie gehört Fassa in die erste Liga. Nur ist es halt in diesem Jahr so, dass Fassa nur wenig besser als Pontebba ist. Zumindest für den Rest der Liga: Lästige Pflichtaufgaben, die mehr schlecht als recht abgeleistet werden, die aber niemanden warm werden lassen.
Fazit: In einer ersten Liga darf zwischen den zwei Erstplatzierten und den beiden Letztplatzierten ein merklicher Unterschied bestehen. Doch der Rest der Liga sollte zumindest im Stande sein, bei allen anderen zu punkten. Und nicht nur dann Punkte lassen, wenn die Mannschaft auf der Hinreise ordentlich gefeiert hat...

Andrew Raycroft, Greg Jacina, Pat Kavanagh

Der eine kam als Superstar in die Liga: Letztes Jahr noch Torhüter bei den Dallas Stars, in diesem Jahr Schlussmann in Mailand. Man hatte sich einen Übergoalie erwartet. Was er auf dem Eis bringt ist weit hinter den Erwartungen. Raycroft ist höchstens Durchschnitt in der Liga, auf keinen Fall der Mann, der den Unterschied macht. Er bekommt leichte Tore, was beweist, dass ihn nicht die Perspektive auf die KHL sondern keine Perspektive in Nordamerika in die Modemetropole gebracht hat. 

Der andere ist Heimkehrer am Ritten und zeigt, dass manchmal nur die Erinnerung Helden macht. Was Jacina in diesem Jahr am Ritten zeigt ist weit hinter den gesteckten Erwartungen. Hatte er bei seinem letzten Ritten Engagement noch durch Spielwitz und Kombinationsfreude geglänzt, spielt er in diesem Jahr höchstens die Prima Donna, die glaubt alleine auf dem Eis zu stehen. Sicher, er ist ein guter Eisläufer, aber als Solist spielt er praktisch keine Rolle mehr. Seine Abschlussversuche sind, ebenso wie seine seltenen Passversuche, schlecht getimed und schlecht gespielt. Bereicherung ist dieser Spieler für die Serie A1 keine. Meinte man zu Saisonsbeginn noch es bedürfe einer gewissen Eingewöhnungszeit so muss die Schonfrist nun, da die Regular Season abgeschlossen ist, vorbei, und Kritik erlaubt sein. 



Nicht fehlen darf in dieser Liste natürlich Pat Kavanagh, der als Messias angekündigt war, aber höchstens wie das Reittier des Propheten spielt. Sein Name steht hier stellvertretend für die vielen ehemals großen Namen in der Eishockeywelt, die keinen anderen Ausweg mehr sehen, als in Italien noch ein wenig Geld zu verdienen: Denn in den besseren Ligen gibt es Scouts, die sich Spieler ansehen. Oder Trainer, die auch einmal den Hörer in die Hand nehmen, um sich über einen Spieler, der kommen soll, zu informieren.
Pat Kavanagh ist nicht schlechter als die durchschnittlichen Transfercardspieler der Liga. Er hat nur nicht das gehalten, was man sich von ihm versprochen hat. Das ist das größte Problem des Pat K.
 

Die drei beweisen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man Spieler von Statistikblättern her kaufen konnte. Eishockey ist nicht mehr ein Spiel für Individualisten, Teamplayer sind gefragt. Und aus diesem Grund wäre es sinnvoll, wenn Spieler nicht über die Versprechen von Agenten, sondern aus dem Wissen eines Scouts verpflichtet würden. 

Dass diese drei Spieler unter den Flops stehen, hat natürlich mit ihrem Curriculum, ihrem Preis und der damit verbundenen Erwartungshaltung zu tun. Denn es gibt ganz sicher schlechtere Spieler als Raycroft, Jacina und Kavanagh. Nur haben diese schlechteren Spieler den besseren Preis.


Spielmodus

Er grenzt an einen Schildbürgerstreich, der Spielmodus der heurigen Eishockeymeisterschaft. Vor allem für jene Mannschaften, die sich unter den ersten fünf platzieren konnten. Weshalb eine Zwischenrunde spielen, die nur dazu nützt, die Saison künstlich in die Länge zu ziehen? Statt 36 spielen die Mannschaften nun 44 Spiele bis zu den Playoffs. Ist das der gewünschte Qualitätssprung?
Es ist mir klar, dass man nicht noch eine Vorrunde wollte, um nicht immer die gleichen Mannschaften zu sehen. Doch mit diesem Modus hat man das Problem nur schlimmer gemacht: Weil so sieht man einen Teil der Gegner noch zweimal. Und wofür? Um sich seinen Startpunkt für die Playoffs zu fixieren.
Bei allem Respekt: Aber dümmer geht's nimmer.

Professionalität der Vereine

Was mich immer wieder wundert ist die mangelnde Professionalität im italienischen Eishockey: Kein Wunder, dass sich der Sport nicht weiter entwickeln und international verankern kann. Immerhin werden pro Saison und Verein zwischen 1 und 2 Mio. Euro ausgegeben. Das ist das Umsatzvolumen einer kleinen Firma. Und doch leisten sich die Vereine nur spielende Profis und keine Verwalter oder Vermarkter. Sie begeben sich auf Gedeih und Verderb in die Hände ehrenamtliche Mitarbeiter, die keine Zielvorgaben und entsprechend keine Konsequenzen zu befürchten haben.
Der Eishockeysport wird über Freund- und Bekanntschaften gemanagt, das Ergebnis ist ein Zufallsresultat - auf jeden Fall nix, auf das gezielt hingearbeitet wird. Bestenfalls wird gewünscht und improvisiert, doch nicht langfristig auf die Erreichung eines Ergebnisses hingearbeitet.
Ich kenne keine einzige Firma, die im "echten Leben" so agiert.
Scheinbar sind die Gelder, die ins Eishockey gesteckt werden, nicht das gleiche Geld, das in der Wirtschaft in Umlauf ist. Ansonsten wäre dieses höchst dilettantische Vorgehen in einem Sport, der sich selbst so wichtig nimmt, nicht möglich...





Montag, 19. November 2012

Zeit für eine Halbzeitbilanz der Serie A1

Die Hälfte der Vorrunde ist absolviert.
Was Anlass gibt, eine Zwischenbilanz zu ziehen.
Und weil Eishockeyanalyse vor allem aus Statistiken besteht, nun die interessantesten Fakten zur laufenden Saison:


Zuschauerzahlen:
Das Zuschauerinteresse im italienischen Eishockey ist im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben: Durchschnittlich wollen in dieser Saison 1.010 Zuschauer die Spiele sehen (Vorjahr 1.048). Publikumsmagnet ist Mailand mit 2.035 Zuschauern pro Spiel, gefolgt vom HC Pustertal (heuer: 1.800/Vorjahr: 1.844) und Valpellice (1.680/1.578). In Bozen wollen laut offizieller Angaben 1.131 (781) Fans ihre Mannschaft sehen, in Klobenstein kamen 992 zu den Heimspielen (928).
Anlass zur Sorge geben Fassa mit 352 Zuschauern pro Spiel (728) und Pontebba, wo sich nur 282 Zuschauer in die Halle verirren (625).

Serien der Saison:
Den Start des Jahres hatte der HC Pustertal mit zehn Siegen in Folge hingelegt. Die Mannschaft der Stunde ist Alleghe, die ebenfalls bei zehn Siegen in Folge steht und seit 13. Oktober ungeschlagen ist.
Im Vorjahr hatten die Wölfe acht Spiele in Folge gewinnen können (26.12. - 21.01.)
Die gefährlichsten Auswärtsmannschaften in dieser Saison sind der HCP und Valpellice mit jeweils sechs Auswärtssiegen.
Fassa und Pontebba haben elf Spiele in Folge nicht gewinnen können.

Torhüter:
Die Serie A1 hat sich die letzten Jahre auf den Torhüterpositionen stark weiterentwickelt. Das Torschießen in Italien war wohl noch nie so schwer wie in der laufenden Saison.
Sieben Tormänner haben in dieser Saison bereits ein Shout Out geschafft:
Dennis (4, Save Percentage: 94,8)
Pogge (3, 93,2%)
Raycroft (2, 92,7%)
Aubin (1, 93,5%)
Hell (1, 92,9%)
Tjordman (1, 90,2%)
Parise (1, 91,1%)

Saisonsverlauf:
Nicht wirklich überraschend sind die Teilnehmer am Final Four des Italienpokals - wobei Valpellice der vielleicht noch überraschendste Teilnehmer beim Kampf um den Italienpokal ist. Sicher stärker hätte man vor der Saison den HC Bozen eingeschätzt. Doch die dünne Spielerdecke hat den Titelverteidiger ein wenig zurück geworfen.
Alleghe steht in der Tabelle dort, wo einige Experten die Pokel-Truppe geahnt hatten. Alleghe punktet konstant und hat sich im Vergleich zum Vorjahr von allen Mannschaften am besten weiterentwickelt. Die Mischung aus einem guten einheimischen Stamm und starken Ausländern macht die Mannschaft so gefährlich und unberechenbar. Das überraschendste: Noch immer gesteht man Alleghe nicht den Status zu, den die Mannschaft hat - noch immer werden die Alleghesi als Außenseiter angesehen.
Die Dominanz des HC Pustertal ist überraschend - denn wer hätte geglaubt, dass die Wölfe die Liga in dieser Art und Weise bestimmen können. Auch für die Pusterer gilt, dass sich die Kontinuität bezahlt macht: Die Mannschaft wurde nur punktuell verändert, das Gros ist bestätigt worden und dankt dies durch gute Leistungen und ein kompaktes Auftreten.
Bei Ritten macht die Unkonstanz Sorgen: Die Truppe von Trainer Rob Wilson tritt daheim teilweise sehr stark auf, auswärts jedoch schwächeln die Buam und lassen Punkte liegen, die schon fix eingeplant waren. Und das liegt nicht daran, dass die Liga so ausgeglichen ist, sondern vielmehr daran, dass in der Fremde ein nicht zu erklärender Leistungsabfall zu verzeichnen ist.

Die Meisterschaft geht nun in die langweiligste Phase, es beginnt die Zeit der Positionskämpfe. Wer es in die Top fünf schaffen wird? Es ist davon auszugehen, dass der HC Mailand in Richtung Top 5 starten wird. Pustertal und Alleghe werden sicher, Ritten mit großer Wahrscheinlichkeit in der ersten Tabellenhälfte bleiben. Bei Valpellice bin ich da nicht so sicher: Denn die Piemontesen haben zwar sehr großes Offensivpotential, in der Defensive sind sie jedoch anfällig und leicht überwindbar.

Sonntag, 30. September 2012

Spieltag Numero vier oder Die Rache der Kleinen




Der vierte Spieltag in der Eishockey Serie A1 der Saison 2012/13 - Man hätte beim Wetten viel Geld verdienen können. Denn: Die von vielen - auch von mir - als zu schwach für die Liga bezeichneten Mannschaften haben eines bewiesen: Dass jedes Spiel erst einmal gespielt werden muss. Und dass es keine Selbstläufer gibt.

Größte Überraschung des Spieltages: Pontebba besiegt Mailand mit 4:2. Ich hatte das Vergnügen, die Fiulaner am Donnerstag in Bozen zu sehen. Und ich kam zum Schluss, dass Pontebba sich wohl schwer tun wird, überhaupt zu punkten, in diesem Jahr. Dass zwei Tage später ein relativ klarer Sieg gegen Mailand herausschaut, damit hätte wohl niemand gerechnet.
Mailand - Es war klar, dass es einige Zeit brauchen würde, bis sich die Spieler an das höhere Tempo der ersten Liga gewöhnen wird. Aber: Vor einer Woche hatte es gegen Bozen zu einem Sieg gereicht. Und das ist keine schlechte Leistung, da Bozen eine klasse Mannschaft ist.

Zweite Überraschung des Abends: Fassa überrollt Valpellice mit 4:1. Fassa, eine Mannschaft, die von vielen als zu jung und zu unerfahren bezeichnet wird. Valpellice hingegen, eine Truppe, die nach dem peinlichen Abschneiden im Vorjahr einiges gut zu machen hat und gut in die Saison gestartet ist, die sich am Donnerstag noch ebenbürtig mit dem Maß aller Dinge der Liga - zumindest zu diesem Zeitpunkt - einen Schlagabtausch auf Augenhöhe geboten hatte.

Das Maß aller Dinge in dieser Saison ist der HC Pustertal: vier Spiele, vier Siege, alle Punkte gesammelt. Auch gegen der HC Bozen im zweiten Heimspiel - dem zweiten Derby - makellos. Zumindest, was die Punkteausbeute betrifft. Souveräner Tabellenführer. Eine Überraschung insofern, als die Vereinsverantwortlichen zum Saisonsstart, bewusst oder unbewusst, tiefgestapelt haben und die Fans schon im Vorfeld auf eine harte Saison eingestimmt haben. Aber: Im Pustertal ist eine Mannschaft zusammengewachsen, in der die Schlüsselelemente seit Jahren zusammenspielen und einander in- und auswendig kennen. Es gibt zwei Arten, Eishockeyspiele zu gewinnen: Durch individuelle Kabinettstückchen, oder durch mannschaftliche Kompaktheit. Pustertal gewinnt zur Zeit eindeutig durch die zweite Variante.
Eine Variante, die auch bei Bozen das Konzept ist: Denn auch beim Meister sticht kein Einzelspieler heraus, sondern die Mannschaft als Ganzes überzeugt durch Kompaktheit. Wenn es da nur das Problem nicht gäbe, dass die Verteidigung chronisch unterbesetzt ist. Die vier Defensivspieler müssen Überstunden leisten: Und es stellt sich die Frage, wie lange das gut gehen kann, wie lange sie das körperlich aushalten können.

Gepunktet hat auch wieder Ritten - den Altmeister Cortina in die Knie gezwungen, mit drei Siegen aus vier Spielen nun Tabellenzweiter. Das Spiel im Olympiastadion - zumindest den offiziellen Statistiken nach - ein harter Kampf, bei dem sich Cortina lange gewehrt hat.  Bei Ritten stechen zwei Spieler hervor: Ryan Ramsay und Justin Pogge. Der eine ein spielwitziger Angreifer, der andere ein Fels im Gehäuse. Die beiden sind die Garanten, dass es mit dem Punkten klappt - Der eine durch Genialität und Effizienz vorne, der andere durch Konstanz und Sicherheit hinten. Ein guter Start für Ritten, der beste seit einigen Jahren. Am Hochplateau geht es nun darum, die bisherigen Erfolge zu konsolidieren und zu beweisen, dass das Potential, vorne in der Meisterschaft mit zu spielen, auch tatsächlich umgesetzt werden kann.

Vier Spieltage, eine Meisterschaft, die überrascht - und hoffentlich weiterhin überraschen kann. Denn: Wenn jede Mannschaft jede schlagen kann, dann ist jedes einzelne Spiel eine Herausforderung. Und dann werden Ergebnisse wie die am vierten Spieltag nicht mit Überraschung wahrgenommen. Und der Kampf um die Playoffs beginnt nicht erst im Jänner, sondern schon jetzt.

Freitag, 28. September 2012

Drei Spiele gespielt: Alles in Ordnung!



Warum immer so negativ, Mr. Traube?

Stimmt, das muss sich ändern. Einmal etwas Positives. So quasi als Einstimmung ins Wochenende. Ohne Hintergedanke, ohne Anspielung - weil das Leben zu kurz ist, für ein Magengeschwür!

Der Hockeybetrieb hat in der höchsten italienischen Liga wieder richtig Fahrt aufgenommen. Mag sein, dass die Septemberspiele als noch nicht entscheidend gewertet werden. Was ein Fehler ist: Denn die Septemberpunkte zählen auch im Februar. Wer jetzt nicht sammelt, der bekommt zum Ende der Regular Season Stress. Das ist ganz einfach: Irgendwie vergleichbar mit den Hausaufgaben, die man in der Schule zu erledigen hatte.

In diesem Sinne Musterschüler ist der HC Pustertal, der noch nix anbrennen ließ und alle Punkte mitgenommen hat, die es mitzunehmen gab. Wobei der Erfolg in Valpellice als höchste Leistung eingeschätzt werden muss. Ein Spiel, bei dem die Wölfe Charakter bewiesen haben. Und sich auch von zwischenzeitlichen Rückschlägen nicht aus der Bahn haben werfen lassen. Hundert Prozent Einsatz. Und das schon im dritten Saisonsspiel. Das ist vorbildlich.





Ritten hatte das Pech, auf den Musterschüler zu treffen. Da es nur einen geben kann, der perfekt in die Saison startet, hat Ritten das nächstbeste getan: seine anderen beiden Spiele gewonnen. Die Aufgaben waren lösbar. Auch wenn das Spiel gegen Fassa eines gezeigt hat: Jedes Spiel muss erst einmal zu Ende gebracht werden. Nur mit schön spielen gewinnt man keinen Blumentopf. Am Ende zählt, dass man mehr Tore als der Gegner schießt. Und das ist zu Hause gelungen: Makelloser kann eine Heimbilanz nicht sein. Kein Gegentor kassiert. Das gibt Selbstvertrauen. Nicht nur dem sehr guten Justin Pogge. Sondern auch den Vorderleuten. Die in Zukunft - davon ist auszugehen - mit breiter Brust die Festung Arena verteidigen werden. Denn zwei Schlachten sind geschlagen: Das ist schon eine Serie.

Dreimal gespielt, dreimal gepunktet: Das gilt für den HC Bozen. Eine kompakte und ausgeglichene Mannschaft. Mit einer zweiten Linie, die begeistert. Die jungen Wilden spielen dieses Jahr in Bozen: Marco Insam, Anton Bernard, Markus Gander. Das ist Spielfreude pur, Spielwitz und die Courage, einmal etwas Neues zu probieren. Im Tor ein sehr guter Günther Hell, der durch seine regelmäßigen Einsätze Selbstvertrauen getankt hat. Was Bozen noch braucht: Zwei Verteidiger, die Alex Egger, Christian Borgatello, Andrea Ambrosi und Daniel Fabris entlasten. Die vier müssen nämlich Überstunden leisten. Und wie!


Der Rest der Liga? Ausgeglichen, wenn man von Pontebba absieht. Eine Mannschaft, die auf keinen Fall Liganiveau hat. Dasselbe wäre man gewillt von Fassa zu sagen: Aber fünf Punkte in drei Spielen müssen erst einmal geholt werden. Und sollten Warnung für alle sein, die die Ladiner unterschätzen möchten.

Die Tabelle nach dem dritten Spieltag: Pustertal vor Bozen und Ritten. So kann es bleiben. Zumindest, wenn man die Hockeywelt aus Südtirol betrachtet.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Von Kannibalen und Ratlosigkeit





Das größte Problem im italienischen Eishockey ist nicht das fehlende Geld. Natürlich: das spielt auch eine Rolle. Eine nicht unwesentliche. Doch es ist nicht die Wurzel allen Übels. Das Größte Problem ist der Kannibalismus der untereinander betrieben wird. Und damit meine ich nicht den gesunden Konkurrenzkampf zwischen den Vereinen, der ja zum Geschäft gehört und einen Gutteil der Rivalitäten und Emotionen ausmacht.








Das Problem ist der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Ligen, die nicht gemeinsam an einem Projekt arbeiten und an einem Strang ziehen, sondern die sich als isolierte Welten sehen, wo ligainterne Eigeninteressen im Vordergrund stehen. Und vor lauter Konzentration darauf, wie man den eigenen Axxxx retten kann, übersehen die Verantwortlichen, wie die Bewegung den Bach hinunter geht.

Nehmen wir das schlimmste aller möglichen Szenarien an:
Pontebba und Valpellice müssen in der Serie A1 aufgeben, weil sie es finanziell nicht mehr schaffen, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. (Und an dieser Stelle wird ausdrücklich nicht analysiert, wie es zu dieser Situation gekommen ist - weil es steht niemanden zu darüber zu entscheiden, wie Vereine ihr Geld ausgeben).
Bleiben Acht Mannschaften in der Höchsten Eishockeyliga.
In der zweiten Liga gibt Gröden auf, weil sich keine Leute mehr finden, die Verantwortung für den Verein übernehmen möchten. Bleiben also sieben Teams in dieser Liga übrig.

Keine Ahnung wie andere das sehen: ich finde es bedenklich, wenn drei Mannschaften der beiden höchsten Ligen in einem Jahr den Spielbetrieb einstellen, aus welchen Gründen auch immer.
Und dann ist da ja noch die Wirtschaftskrise. die wird vor allem das Eishockey treffen. Weil Eishockey nun einmal kein Massenphänomen ist, kann davon ausgegangen werden, dass weitere Vereine in finanzielle Schwierigkeiten kommen werden bzw. dass kleinere Brötchen gebacken werden müssen. Das wird vor allem auf die erste Liga zutreffen, weil hier unverhältnismäßig höhere Summen aufgebracht werden müssen, die sich aber auf der Einnahmenseite so nicht widerspiegeln lassen.

Was wäre naheliegender, als die beiden Ligen aufeinander zugehen zu lassen. Einen Kompromiss zu schließen, der für beide Ebenen bei ein wenig gutem Willen machbar sein müsste? Nämlich die Reduzierung der Ausländer? Vielleicht nach dem Motto: weniger aber dafür bessere?

Was dagegen spricht? Dass die einen nicht zurück gehen wollen, weil sie sich als das Oberhaus sehen und sich keinen positiven Effekt für die Eishockeybewegung im Ganzen vorstellen können, wenn auf einmal Mannschaften wie Eppan und Kaltern zu Gast sind.
Und dass die anderen ihre Wichtigkeit beweisen wollen, indem sie nein sagen und alles so belassen wollen, wie es schon seit Jahren war. Und mehr schlecht als recht ablief.
Klar: es würde wohl zwei bis drei Saisonen laufen, dass sich die Niveaus anpassen würden. Diese Zeit muss man dem italienischen Eishockey aber auf jeden Fall zum Gesunden lassen. Und unter uns: welche attraktivität besteht darin, wenn eine Meisterschaft mit sieben und die andere mit acht Mannschaften gespielt wird? Macht es dann wirklich noch Spass, vom September bis März ins Stadion zu gehen, um gefühlte 22 Mal die selben Gegner zu sehen?

Für dieses Jahr ist der Zug wohl schon abgefahren. Probleme sind keine gelöst worden. Im Gegenteil: es wird bis im August nicht feststehen, welche Mannschaften an welchen Meisterschaften teilnehmen werden. Weil es sich der Verband nicht leisten kann, Eishockeymannschaften zu verlieren. Und so wird sich das Eishockey wieder einmal ein Jahr weiterhangeln, ohne sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Und wir in einem Jahr wieder an dieser Stelle stehen und auf der Stelle treten. Wie schon vor einem Jahr. Und dem Jahr davor.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Das Trainerkarussel dreht sich oder Wie sich die DEL auf die Rittner Trainerfrage auswirkt


Am heutigen Donnerstag, 3. Mai 2012 wird in Deutschland eine wichtige Entscheidung erwartet – eine Entscheidung, die ihre Schatten auch auf die italienische Serie A1 im Allgemeinen und auf Ritten Sport Renault Trucks im Speziellen wirft. Richtungsweisende Schatten – denn eine Entscheidung steht an, die über die Zukunft zweier Traditionsvereine entscheiden wird.
Doch der Reihe nach: Der DEL Standort München steht schon wieder zur Diskussion. Obwohl von offizieller Seite noch darum gekämpft wird, eine Profimannschaft in München zu erhalten, zwitschern es die Spatzen schon längst von den Dächern, dass man nach Abnehmern für die Lizenz sucht. Interessenten dafür gibt es: sowohl in Schwenningen als auch in Landshut wollte man das Abenteuer DEL angehen.
Eine Meldung vom 02. Mai 2012 gibt bekannt, dass Schwennigen nun die besten Karten für den Kauf der Spielberechtigung vom EHC München hat – Landshut soll sich nämlich Indiskretionen zu Folge aus dem Millionenpoker zurückgezogen haben – in Schwenningen ist man nach wie vor an einer DEL Teilnahme interessiert. Die Entscheidung sollte am Donnerstag, 03. Mai fallen – damit Schwenningen noch ausreichend Zeit bleibt, die notwendigen Unterlagen innerhalb 24. Mai in Köln in der DEL Zentrale abzugeben.
Sollte Schwenningen, und davon kann zu heutigen Stand ausgegangen werden, den Zuschlag erhalten, werden aus München wohl Pat Cortina und einige Spieler übernommen werden – und damit würde sich das Deutschlandabenteuer eines Südtirolers zerschlagen. Denn Schwenningen steht in Kontakt mit Stefan Mair, der die letzten Jahren in Italien für herausragende Ergebnisse gesorgt hat. Und damit die Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte.

Es wird Deutschland - oder Ritten
Die DEL ist wohl eine Nummer zu groß für den Bozner Eishockeycoach, der seine Trainerkarriere in Bozen begann, erstmals in Fassa für Furore sorgte und dann den HC Pustertal von einem Dorfverein zum Meisterschaftsfavoriten entwickelte. Das Meisterstück gelang ihm 2012 in Cortina, wo er mit einer durchschnittlich schlechten Mannschaften den italienischen Cup gewann und seine Mannschaft bis ins Meisterschaftshalbfinale führte.
Sollte sich der Deutschlandtraum von Stefan Mair zerschlagen, so wird er in Italien bleiben. Und hier gibt es auch schon einen Verein, mit dem er so gut wie einig ist: Ritten Sport soll ihm bereits einen Vertragsvorschlag vorgelegt haben, Mair soll das Versprechen abgegeben haben, sollte nichts aus Deutschland werden, so sei Ritten seine erste Wahl.
Die Entscheidung, ob Stefan Mair nach Klobenstein kommt wird in den nächsten Stunden fallen. Und nicht allein vom Angebot des Serie A Teilnehmers abhängen. Die Vorstandssitzung in Klobenstein ist jedenfalls auf morgen Abend festgesetzt worden. Eine Bestätigung oder Dementi sollte sich also noch innerhalb dieser ergeben.