Sonntag, 30. September 2012

Spieltag Numero vier oder Die Rache der Kleinen




Der vierte Spieltag in der Eishockey Serie A1 der Saison 2012/13 - Man hätte beim Wetten viel Geld verdienen können. Denn: Die von vielen - auch von mir - als zu schwach für die Liga bezeichneten Mannschaften haben eines bewiesen: Dass jedes Spiel erst einmal gespielt werden muss. Und dass es keine Selbstläufer gibt.

Größte Überraschung des Spieltages: Pontebba besiegt Mailand mit 4:2. Ich hatte das Vergnügen, die Fiulaner am Donnerstag in Bozen zu sehen. Und ich kam zum Schluss, dass Pontebba sich wohl schwer tun wird, überhaupt zu punkten, in diesem Jahr. Dass zwei Tage später ein relativ klarer Sieg gegen Mailand herausschaut, damit hätte wohl niemand gerechnet.
Mailand - Es war klar, dass es einige Zeit brauchen würde, bis sich die Spieler an das höhere Tempo der ersten Liga gewöhnen wird. Aber: Vor einer Woche hatte es gegen Bozen zu einem Sieg gereicht. Und das ist keine schlechte Leistung, da Bozen eine klasse Mannschaft ist.

Zweite Überraschung des Abends: Fassa überrollt Valpellice mit 4:1. Fassa, eine Mannschaft, die von vielen als zu jung und zu unerfahren bezeichnet wird. Valpellice hingegen, eine Truppe, die nach dem peinlichen Abschneiden im Vorjahr einiges gut zu machen hat und gut in die Saison gestartet ist, die sich am Donnerstag noch ebenbürtig mit dem Maß aller Dinge der Liga - zumindest zu diesem Zeitpunkt - einen Schlagabtausch auf Augenhöhe geboten hatte.

Das Maß aller Dinge in dieser Saison ist der HC Pustertal: vier Spiele, vier Siege, alle Punkte gesammelt. Auch gegen der HC Bozen im zweiten Heimspiel - dem zweiten Derby - makellos. Zumindest, was die Punkteausbeute betrifft. Souveräner Tabellenführer. Eine Überraschung insofern, als die Vereinsverantwortlichen zum Saisonsstart, bewusst oder unbewusst, tiefgestapelt haben und die Fans schon im Vorfeld auf eine harte Saison eingestimmt haben. Aber: Im Pustertal ist eine Mannschaft zusammengewachsen, in der die Schlüsselelemente seit Jahren zusammenspielen und einander in- und auswendig kennen. Es gibt zwei Arten, Eishockeyspiele zu gewinnen: Durch individuelle Kabinettstückchen, oder durch mannschaftliche Kompaktheit. Pustertal gewinnt zur Zeit eindeutig durch die zweite Variante.
Eine Variante, die auch bei Bozen das Konzept ist: Denn auch beim Meister sticht kein Einzelspieler heraus, sondern die Mannschaft als Ganzes überzeugt durch Kompaktheit. Wenn es da nur das Problem nicht gäbe, dass die Verteidigung chronisch unterbesetzt ist. Die vier Defensivspieler müssen Überstunden leisten: Und es stellt sich die Frage, wie lange das gut gehen kann, wie lange sie das körperlich aushalten können.

Gepunktet hat auch wieder Ritten - den Altmeister Cortina in die Knie gezwungen, mit drei Siegen aus vier Spielen nun Tabellenzweiter. Das Spiel im Olympiastadion - zumindest den offiziellen Statistiken nach - ein harter Kampf, bei dem sich Cortina lange gewehrt hat.  Bei Ritten stechen zwei Spieler hervor: Ryan Ramsay und Justin Pogge. Der eine ein spielwitziger Angreifer, der andere ein Fels im Gehäuse. Die beiden sind die Garanten, dass es mit dem Punkten klappt - Der eine durch Genialität und Effizienz vorne, der andere durch Konstanz und Sicherheit hinten. Ein guter Start für Ritten, der beste seit einigen Jahren. Am Hochplateau geht es nun darum, die bisherigen Erfolge zu konsolidieren und zu beweisen, dass das Potential, vorne in der Meisterschaft mit zu spielen, auch tatsächlich umgesetzt werden kann.

Vier Spieltage, eine Meisterschaft, die überrascht - und hoffentlich weiterhin überraschen kann. Denn: Wenn jede Mannschaft jede schlagen kann, dann ist jedes einzelne Spiel eine Herausforderung. Und dann werden Ergebnisse wie die am vierten Spieltag nicht mit Überraschung wahrgenommen. Und der Kampf um die Playoffs beginnt nicht erst im Jänner, sondern schon jetzt.

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