Dienstag, 25. September 2012

Gerüchteküche, ein Namen, ein Gewinner

Kommt Roberto Luongo nach Bozen, oder doch eher nicht? Es ist eine Frage, die die Eishockeywelt beschäftigt. Zumindest die Südtiroler Welt. Ob er nun tatsächlich das "Weiß-Rote" Dress überstreifen wird ist eher unwahrscheinlich. Und irgendwie auch egal. Der HCB hat allein schon durch das Gerücht gewonnen. Weil über den Verein diskutiert worden ist. Damit hat Bozen gezeigt, dass man Kommunikationsstrategien perfekt einzusetzen versteht.  Weil auch Gerüchte Teil einer erfolgreichen Strategie sein können.

Eine alte Marketingweisheit sagt, dass jede Nachricht eine gute Nachricht für ein Unternehmen ist. Dabei spielt es keine Rolle, wer das Gerücht gestreut hat: Die Vereinsbosse haben es geschafft, das Gerücht heiß zu halten. Es wurde ein Namen ins Spiel gebracht, der in Eishockeyfachkreisen zum Besten gehört, was es überhaupt gibt. Besonders geschickt: Der Verein hat sich zum Gerücht nicht geäußert. Hat weder dementiert noch bestätigt. Sondern einfach geschwiegen. Was in diesem Fall das geschickteste ist. Weil sich dadurch das Gerücht weiter verbreiten konnte. Und das Interesse an einem Verein gestiegen ist, der zu Meisterschaftsbeginn in der Kommunikation nach außen nicht immer ganz glücklich agiert hat.

Bozen hat sich damit eines Mittels bedient, das große Klubs schon lange für sich nutzen: Die Gerüchteküche. Das funktioniert ganz einfach: Irgendjemand aus dem Dunstkreis des Vorstandes spricht im Vertrauen mit einem Freund und zwitschert ihm, ganz im Vertrauen, einen Namen. Ort der Mitteilung: Idealerweise ein Lokal, in dem sich viele Hockeybegeisterte befinden. Beste Tageszeit: Mittagszeit oder Abend. Weitere Vorgehensweise: Abwarten, die Neuigkeit verbreitet sich innerhalb von Stunden. 
Vorteil: Das Gerücht zieht seine Runde. Diskret und schnell. 
Vorteil: Relativ schnell kommt das Feedback, was das Umfeld von der Idee hält. Also ist dieses Marketinginstrument, das absolut kostenlos ist, nebenbei auch noch ein adäquates Mittel zur Marktforschung. Und - wenn der Name heiß genug ist - ein ausgezeichnetes Mittel, die Konkurrenz in Panik zu versetzen. Denn Vereinsbosse informieren sich auch über die Medien, welche von Fans genutzt werden: Social Media, Foren, Blogs - auch wenn sie das ausgesprochen ungern zugeben - oder gar dementieren.
Klarerweise ist dieses Marketinginstrument nicht in jedem Fall einsetzbar, weil es sich auf den Marktpreis auswirkt. Was bei Durchschnittsspielern eher negativ für den eigenen Verein ist - wenn man denn am Spieler überhaupt interessiert ist.

Dass Roberto Luongo eine Bereicherung für die italienische Serie A1 wäre steht zweifellos fest und wurde vereinsübergreifend festgestellt. Ganz sicher würde er den Effekt haben, dass die Eiswelle besser besucht würde. Weil er eine Sehenswürdigkeit aus einer anderen Dimension wäre. 
Und das täte dem Sport ganz sicher gut. 
Wie auch Gerüchte dem Sport gut tun.


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