Donnerstag, 7. Juni 2012

Von Kannibalen und Ratlosigkeit





Das größte Problem im italienischen Eishockey ist nicht das fehlende Geld. Natürlich: das spielt auch eine Rolle. Eine nicht unwesentliche. Doch es ist nicht die Wurzel allen Übels. Das Größte Problem ist der Kannibalismus der untereinander betrieben wird. Und damit meine ich nicht den gesunden Konkurrenzkampf zwischen den Vereinen, der ja zum Geschäft gehört und einen Gutteil der Rivalitäten und Emotionen ausmacht.








Das Problem ist der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Ligen, die nicht gemeinsam an einem Projekt arbeiten und an einem Strang ziehen, sondern die sich als isolierte Welten sehen, wo ligainterne Eigeninteressen im Vordergrund stehen. Und vor lauter Konzentration darauf, wie man den eigenen Axxxx retten kann, übersehen die Verantwortlichen, wie die Bewegung den Bach hinunter geht.

Nehmen wir das schlimmste aller möglichen Szenarien an:
Pontebba und Valpellice müssen in der Serie A1 aufgeben, weil sie es finanziell nicht mehr schaffen, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. (Und an dieser Stelle wird ausdrücklich nicht analysiert, wie es zu dieser Situation gekommen ist - weil es steht niemanden zu darüber zu entscheiden, wie Vereine ihr Geld ausgeben).
Bleiben Acht Mannschaften in der Höchsten Eishockeyliga.
In der zweiten Liga gibt Gröden auf, weil sich keine Leute mehr finden, die Verantwortung für den Verein übernehmen möchten. Bleiben also sieben Teams in dieser Liga übrig.

Keine Ahnung wie andere das sehen: ich finde es bedenklich, wenn drei Mannschaften der beiden höchsten Ligen in einem Jahr den Spielbetrieb einstellen, aus welchen Gründen auch immer.
Und dann ist da ja noch die Wirtschaftskrise. die wird vor allem das Eishockey treffen. Weil Eishockey nun einmal kein Massenphänomen ist, kann davon ausgegangen werden, dass weitere Vereine in finanzielle Schwierigkeiten kommen werden bzw. dass kleinere Brötchen gebacken werden müssen. Das wird vor allem auf die erste Liga zutreffen, weil hier unverhältnismäßig höhere Summen aufgebracht werden müssen, die sich aber auf der Einnahmenseite so nicht widerspiegeln lassen.

Was wäre naheliegender, als die beiden Ligen aufeinander zugehen zu lassen. Einen Kompromiss zu schließen, der für beide Ebenen bei ein wenig gutem Willen machbar sein müsste? Nämlich die Reduzierung der Ausländer? Vielleicht nach dem Motto: weniger aber dafür bessere?

Was dagegen spricht? Dass die einen nicht zurück gehen wollen, weil sie sich als das Oberhaus sehen und sich keinen positiven Effekt für die Eishockeybewegung im Ganzen vorstellen können, wenn auf einmal Mannschaften wie Eppan und Kaltern zu Gast sind.
Und dass die anderen ihre Wichtigkeit beweisen wollen, indem sie nein sagen und alles so belassen wollen, wie es schon seit Jahren war. Und mehr schlecht als recht ablief.
Klar: es würde wohl zwei bis drei Saisonen laufen, dass sich die Niveaus anpassen würden. Diese Zeit muss man dem italienischen Eishockey aber auf jeden Fall zum Gesunden lassen. Und unter uns: welche attraktivität besteht darin, wenn eine Meisterschaft mit sieben und die andere mit acht Mannschaften gespielt wird? Macht es dann wirklich noch Spass, vom September bis März ins Stadion zu gehen, um gefühlte 22 Mal die selben Gegner zu sehen?

Für dieses Jahr ist der Zug wohl schon abgefahren. Probleme sind keine gelöst worden. Im Gegenteil: es wird bis im August nicht feststehen, welche Mannschaften an welchen Meisterschaften teilnehmen werden. Weil es sich der Verband nicht leisten kann, Eishockeymannschaften zu verlieren. Und so wird sich das Eishockey wieder einmal ein Jahr weiterhangeln, ohne sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Und wir in einem Jahr wieder an dieser Stelle stehen und auf der Stelle treten. Wie schon vor einem Jahr. Und dem Jahr davor.

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