Chronisten
berichten von Wagenrennen im Alten Rom, wo die Roten gegen die Grünen
wetteiferten, hohe Wetteinsätze gespielt wurden, horrende Siegesprämien
ausbezahlt wurden. Diese Rennen im Circus Maximus unterhielten den Pöbel und
hielten ihn ruhig. Waren aber gleichzeitig auch die Bühne, um Politik zu betreiben,
um Netzwerke zu spinnen, um Macht aufzubauen und zu festigen. Die
Sportveranstaltungen kosteten den Sponsoren eine Menge Geld. Doch nicht die Liebe
zum Sport (die hätte man damals schon billiger haben können), sondern
persönlicher Ehrgeiz waren Ausgangspunkt und Motivation.
Was
soll dieser Exkurs in längst vergangene Zeiten? Beim Schreiben des letzten
Blogeintrages ist mir ein Zweifel gekommen: was treibt Vereinsverantwortliche
dazu, einen Eishockey Serie A Verein in Italien zu betreiben? Was bringt
Vereinsverantwortliche in Aller Welt dazu, Profisport zu finanzieren? Wollen
sie wirklich den Fans eine gute Show bieten? Warum werden dann die Fans nicht
ernst genommen? Warum wird dann nicht in die Zuschauer investiert und zumindest
so getan als versuche man, die Stadien zu füllen?
Klar:
es wird immer behauptet, Sport habe einen sozialen Charakter, verbessere die
Welt, bringe die Jugend von der Straße. Diese Argumentation mag gelten – für den
Breitensport. Aber sicher nicht für den Profisport, der im Grunde auch keine
Wertschöpfung in die Region bringt, sondern, im Gegenteil, große ökonomische
Mittel vom Clubstandort aus verteilt. Meist auf Niemehrwiedersehn. Oder gereicht
es einer Region wirklich zum Vorteil, wenn ein Großteil der Investitionen nach
Übersee geht? Wenn ein Gutteil der Gelder auch noch am öffentlichen Interesse (den
Steuern) vorbeigeschleust werden, obwohl immer mehr Mittel aus eben der
öffentlichen Hand herausgebettelt werden?
Kann
es sein, dass das Eishockey für die, die meinen, es sich leisten zu können,
Spielzeuge sind, die Zeitvertreib, gesteigertes Selbstwertgefühl und Macht
vermitteln? Kann es sein, dass sie sich, ähnlich wie die Patrizier des Alten Rom,
vom Pöbel zujubeln lassen wollen und daraus eine Zustimmung für ihre
politischen Ambitionen ableiten? Kann es sein, dass die Scheinwelt Serie A1 aus
einer Scheinwelt in den Köpfen der Bosse entsteht?
Mag
alles sein. Es zu hinterfragen könnte aber gefährlich werden. Auch im Circus
Maximus wurde nicht nachgefragt – sondern genossen und debattiert. So sollten
wir Zuschauer es heute auch halten. Und darauf hoffen, dass zu den Spielen auch
noch Brot kommt. Und- man will ja nicht unverschämt sein- aber ein bisschen Fisch
wäre auch nicht schlecht. Und wir sollten den Gönnern zujubeln und danken, für
die Spiele – und sie im Glauben belassen, dass sie etwas für die Allgemeinheit
wertvolles tun. Damit ihr Gewissen beruhigt ist, wenn sie nach öffentlichen
Mittel schreien, um ihrer persönlichen Scheinwelt nachjagen zu können. Und wie
beleidigte Kinder in der Ecke schmollen, wenn sie keinen Lutscher bekommen und
damit drohen, das Spielzeug nicht mehr teilen zu wollen.
