Montag, 20. Mai 2013

Danke Schweiz Oder Erkenntnisse aus dem sturen Weg



Die Eishockey WM 2013 ist Geschichte. Sie hat interessante Aufschlüsse gebracht. Denn das Finale hat einen Aufschluss gegeben: Dass nämlich hartes Arbeiten und konsequentes Einhalten des eingeschlagenen Weges tatsächlich Ergebnisse bringt. Der Finaleinzug der Schweiz ist vor allem eines: Eine Bestätigung für etwas, was schon lange vermutet wurde.

Die Nachbarländer schauen überrascht und neidisch auf die kleine Schweiz, die es geschafft hat: Zehn Partien hat das kleine Land gespielt, neun davon gewonnen. Geschlagen wurden Riesen, die als unschlagbar galten. Zwar hat es im alles entscheidenden Finale eine Niederlage gegeben. Trotzdem war diese Weltmeisterschaft für die Eidgenossen ein voller Erfolg.

Diese WM war der Beweis dafür, dass künstlich hochgezüchtete Ligen nicht unbedingt der Schlüssel zu erfolgreichen Eishockeynationen sind. Für Deutschland war im Viertelfinale Schluss, Österreich ist gar wieder abgestiegen. Wobei man in Deutschland doch alles dafür tut, eine attraktive Liga aufrecht zu erhalten. Und die österreichische EBEL ein sehr gutes Produkt ist.
Mag sein, dass in der Schweiz der Stellenwert des Eishockeys um einiges höher ist. Vor allem aber ist das schweizer Eishockey ein Produkt, das vor allem authentisch ist und an dem seit Jahrzehnten gefeilt und verbessert wird.
Die drastische Begrenzung der Transfercardspieler hat dazu geführt, dass die Schweiz bei dieser Weltmeisterschaft bis ins Finale gekommen ist. Weil sich die Nachwuchsarbeit bezahlt gemacht hat. Weil die Schweizer Spieler in der heimischen Liga jene Verantwortung übernehmen müssen, die anderswo ausländische Stars übernehmen. Auch in entscheidenden Momenten und bei Entscheidungsspielen. Und nicht als Feigenblattaktion in irgendeinem belanglosen Vorrundenspiel.

Was kann daraus gelernt werden? Dass es durchaus sinnvoll ist, einen konsequenten Weg zu gehen. Dass man auch einmal bereit sein muss, magere Jahre in Kauf zu nehmen.
Was kann das mitteleuropäische Eishockey aus der Eishockey WM 2013 in Finnland und Schweden lernen?
Dass konsequentes Setzen auf die eigene Jugend zielführender ist, als die Konzentration auf mittelmäßige Verstärkungen- auf Söldner im wahrsten Sinne des Wortes sind.
Ganz sicher ist es langfristig sinnvoller, Geld in die Jugendausbildung zu stecken, anstatt irgendwelche Nonames zu verpflichten. Oder sinkenden Sternen zu einer goldenen Pension zu verhelfen.
Die Reduzierung der Transfercardspieler soll eine Meisterschaft nicht billiger machen. Nur müssen die Gelder anders eingesetzt werden: Anstatt 50.000.- Euro für Spieler auszugeben, die ihre besten Zeit schon lange erlebt haben, kann das Geld in die Jugendförderung und teilweise in die Gehälter der eigenen Nachwuchsspieler investiert werden, die den Sprung in die erste Mannschaft geschafft haben.
Österreich scheint die Notwendigkeit erkannt zu haben und investiert massiv in Jugendarbeit. Zumindest stehen für die kommenden drei Jahre jeweils über 500.000.- Euro zur Verfügung, die in den Nachwuchs investiert werden. Nur: Drei Jahre werden nicht ausreichen.
Darin liegt das Problem: Die Ergebnisse zeigen sich nicht innerhalb von wenigen Jahren. Um zu ernten muss eine ganze Eishockeygeneration nachwachsen. Was bedeutet, dass im besten Fall erste Ergebnisse nach zwölf Jahren greifbar sind.
Diese zwölf bis fünfzehn Jahre sind der Investitionszeitraum, um eine nachhaltige Veränderung herbei zu führen. Leider ist niemand dazu bereit, sich diese Zeit zu geben. Weil die schnellen Erfolge zu verlockend sind. Und über die schnellen Erfolge die weiten Visionen vergessen werden.

Die Eishockey WM 2013 ist Geschichte. Und hat gezeigt, dass der Schweizer Weg der richtige ist. Dass es durchaus möglich ist, die eigene Jugend so weit zu bringen, dass man großen Eishockeynationen die Stirn bieten kann. Courage und ein gewisses Maß an Sturheit vorausgesetzt. Ein Konzept ist Trumpf. Und nicht das sich von Jahr zu Jahr schleichen.
Das konsequente Handeln darf nicht von kurzfristigen Erfolgen verblendet werden. Denn wenn langfristiger Erfolg bedeutet, einige Zeit kleinere Brötchen zu backen, dann sollte es die Ernte wert sein, der nach den mageren Jahren langfristig bereit steht.

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