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Donnerstag, 26. Dezember 2013

Format ohne Wert oder Die Meisterschaft ohne Ideen

Es war zum Abschluss der letzten Eishockeymeisterschaft, dass im RAI Sender Bozen ein Mittagsmagazin spezial zum Eishockey organisiert wurde. Kollege Peter Thalmann fragte Kurt Platter, welchen Wert die Regular Season habe und ob diese ein Format ohne Wert sei. Kurt gab damals ein etwas ausweichende Antwort. Ich bin mir ziemlich sicher, dass seine Antwort heute anders ausfallen würde. Denn heute muss die Antwort ganz klar lauten: Ja, diese Vorrunde ist ein Format ohne Wert. Was die Vereine selbst bestätigen. Wenn auch nicht offziell durch Aussendungen, dann doch durch ihre Aktionen und Entscheidungen.

Beispiel Mason:

Es ist ja ohne Zweifel eine Ehre, wenn ein Spieler einer italienischen Vereins zum Spengler Cup eingeladen wird, um dort zu spielen. Fakt ist aber auch, dass die Weihnachtszeit mit Spielen voll gepackt ist, und dass die Fans gerade zu dieser Zeit in die Stadien kommen sollten. Doch die werden nur kommen, wenn ihnen eine Show geboten wird. Ritten beweist durch die Freigabe Masons, dass man weder die Fans noch die Meisterschaft ernst nimmt. Denn Ritten weiß, dass man die Playoffs erreichen wird. Und dass es deswegen nicht so wichtig ist, jetzt Punkte zu sammeln. Weil die Vorrunde noch lange, und die Punktelieferanten noch zahlreiche sind.
Die Vereinsführung spekuliert damit, dass die Fans auch dann ins Stadion kommen, wenn nicht Chris Mason spielen wird. Weil die Fans vielleicht stolz sind, dass Mason in Davos spielt. Vielleicht sind sie das?




Beispiel Sterzing:

Sogar Sterzing spekuliert. Sogar Sterzing hat sich die notwendige Zeit genommen die Ausländerpositionen sinnvoll zu besetzen, weil Sterzing weiß, dass die Playoffs sowieso erreicht werden. Es ist auch sinnvoll, Geld zu sparen, und erst so spät wie möglich die Transfercardpositionen zu besetzen, wenn ohnehin keine Qualifikation gespielt werden muss. Ich bin überzeugt, dass Fassa, Cortina und Mailand ähnlich agieren werden wie Sterzing. Denn diese Vereine können höchstens überraschen. Sie sind ohne Druck in die Meisterschaft gestartet und können es sich aus diesem Grund leisten zu sparen, während Ritten und Pustertal lossprinten mussten, um nicht von der Kritik zerrissen zu werden, was trotzdem nicht vermieden werden konnte, weil es auch innerhalb einer Mannschaft schwierig ist, die Spannung aufrecht zu erhalten, wenn es um gar nix geht.

Beispiel Ling:

Und das hat in Pustertal zur schönsten Stilblüte seit Jahren geführt. Nämlich zum Beweis, wie wenig Phantasie die heimischen Hockeymacher haben, die einen alternden Spieler von der Insel zurückholen, obwohl er schon bei seinen letzten Auftritten in den Playoffs im Pusterer Dress maßlos enttäuscht hat. Spieler wie David Ling gibt es, nun ja, nicht wie Sand am Meer, aber fast - es bräuchte aber die richtigen Figuren, um diese Spieler zu finden. Die Rückkehr des David Ling an die Rienz - irgendwie erkenne ich darin eine unglaubliche Parallele zum Rückkehr der Andy Delmore vor einem Jahr an den Zaberbach...

Montag, 4. März 2013

Nach dem Bozner Aus: Ein Fazit

Nachdem ich den HC Bozen vor der Saison so über den Klee gelobt habe, bleibt mir nix anderes übrig, als mein ganz persönliches Saisonsfazit zu ziehen, nachdem Bozen im Viertelfinale ausgeschieden ist.
Am Anfang stand die Trikotaffäre: Bereits damals hätte ich schalten müssen, dass nicht alles, was angekündigt wird, wörtlich zu nehmen ist…

Der Neue Weg – Ein Fake?

Vollmundig hatte man im Sommer im Clubhouse versprochen, einen neuen Weg einzuschlagen. Einen revolutionären Weg mit weniger Ausländern und mehr einheimischen Spielern. Man hat versprochen, eine neue Fankultur zu kultivieren. Ich war begeistert, weil ich daran geglaubt habe.
Man hat zwar mit weniger Ausländern gespielt. Doch das Ziel, um den Titel mitzuspielen ist meilenweit verfehlt worden. Weil sich herausstellte, dass der eingeschlagene Weg etwas mit Totsparen zu tun gehabt hat. Es hat sich herausgestellt, dass man die Saison tatsächlich mit fünf Verteidigern und nur einem Tormann bewältigen wollte. Ein Vorhaben, das zu keiner Zeit erfolgversprechend war. Weil: Wenn man nur einen Kilo Orangen hat, kann man daraus nicht unendlich viel frischgepressten Saft bekommen.
Dabei hatte man noch Glück gehabt, dass sich keiner der Schlüsselspieler im Laufe der Saison ernsthaft verletzt hat.

Die Illusion Niklas Hjalmarsson und der Folgefehler Delmore

Er war eine Bereicherung für die gesamte Liga. Es war schön, einen solchen Ausnahmespieler bewundern zu können. Allerdings war er eine Fata Morgana. Und sobald der NHL Riese Bozen verlassen hatte und der letzte Rest von Glanz gegangen war, schlug man in Bozen wieder auf dem Boden der Realität auf.
Was folgte war eine Posse: Denn man wusste, in der Verteidigung Verstärkung brauchte. Gekommen ist ein Spieler, der nicht wirklich weiterhelfen konnte, was man auch vorher schon hätte abschätzen können, weil Andy Delmore ja kein unbekannter ist und weil er ja auch einige Spiele beim Ligakonkurrenten Ritten bestritten hatte.
Delmore war nicht die Lösung der personellen Probleme. Im Gegenteil.
Was Delmore gebracht hat? Vermeidbare Konflikte und Spannungen.

Die Tormannposse

Zu Saisonsbeginn hatte es aus dem Clubhouse getönt, dass der beste Tormann der Liga kommen würde. Gekommen ist Tomas Duba für ein paar Spiele. Dann lange nix. Und dann kam ein Mr. Sexsmith, der ohne Spielpraxis und im Alleingang hätte die Rettung bringen sollen. Sparkurs? Nein, das war wohl eher eine Verzweiflungstat.
Was sich zeigte war ein fehlendes Gesamtkonzept.
Zwar hat man in Bozen den besten Trainer der Liga. Doch ohne ausreichend Personal und ohne Unterstützung kann auch der nix ausrichten. Und leider hat man es verabsäumt, Brian McCutcheon bei Personalentscheidungen einzubinden. Was keine Vermutung meinerseits, sondern leider Fakt ist.

Das Highlight: Continentalcup

Es war nicht alles schlecht, was in Bozen im Laufe der Saison passiert ist. So war der Continentalcup in Bozen ein absolutes Highlight der Saison. Ein volles Haus, gute Spiele, ein überzeugender HCB.
Ehre, wem Ehre gebührt.
Und: Hätte man nach dem internationalen Cup weitergemacht und weiter aufgebaut, Bozen wäre Meister geworden.
Ohne wenn und ohne aber.
Aber: Die Mannschaft ist in ein Loch gefallen. Und man hatte den Eindruck, sie wäre in diesem Loch alleine gelassen worden.
Ob das nur an einem Kommunikationsproblem liegt?

Die Zukunft

Was wird in Bozen kommen? Irgendwie hat man den Eindruck, der Mäzen ist müde geworden. Die Angriffe gegen Dr. Knoll sind lauter geworden. Was nicht fair ist. Weil er immerhin der ist, der in den letzten Jahren Spitzeneishockey in Bozen möglich gemacht hat. Vielleicht ist der HCB tatsächlich eine One Man Show. Was vielen nicht gefällt. Aber besser eine Einmannshow als gar keine.
Was wird kommen?
Ist es wahr, dass die Mannschaft, die so viele Titel, wie sonst niemand in Italien gewonnen hat, finanziell vor einem Scherbenhaufen steht?
Ist es wahr, dass der Traditionsclub vor dem Aus steht?

Die Enttäuschung

Ich muss zugeben, ich bin enttäuscht. Ich war naiv genug an den Neubeginn zu glauben. Ein Neubeginn, der groß angekündigt worden ist aber nur halbherzig umgesetzt wurde. Weil man die Kommunikation hinten angestellt hat und die Weichen Faktoren, die einen Verein belebt und sympathisch, hinten angestellt hat. Ich hatte ja das Glück, einige Leute aus dem Verein und seinem Umfeld kennen zu lernen. Es sind Charaktertypen, sympathisch und interessant. Aber in Bozen wird alles nur am sportlichen Erfolg gemessen. Was nicht immer fair ist. Und dadurch werden an sich gute Konzepte in der laufenden Meisterschaft über Bord geworfen. Was Glaubwürdigkeit kostet.
Ich denke, ich werde nicht mehr allzu schnell in die Falle tappen, alles zu glauben, was im Vorfeld verkündet wird. Schade eigentlich. Weil Nachhaltigkeit langfristiger ist, als irgendein gekaufter Titel.


Mittwoch, 13. Februar 2013

Ein Spiel, zwei Mannschaften, ein Ziel

Es dürfte in der Zwischenzeit bekannt sein, dass ich kein Freund von aufgeblähten Spielmodi und mit Gewalt herbeigeredeten Höhepunkten bin. Es dürfte bekannt sein, dass ich kein Freund von herbeigeschriebenen Emotionen bin. Aber es dürfte definitiv bekannt sein, dass ich ein Freund von geilen Eishockeyspielen bin. Das Spiel Pustertal gegen Bozen dürfte so eines sein. Definitiv!

Die Ausgangslage ist klar: Der HCB muss endlich wieder einmal gewinnen, um Selbstvertrauen für die kommende Woche beginnenden Playoffs zu sammeln. Und der HCP muss gewinnen, um zu bestätigen, dass das Spiel gegen Valpellice keine Eintagsfliege war. Wenn man so will: Das Duell zwischen den Wölfen und den Füchsen ist ein Spiel, das zukunftsweisend sein wird. Oder bei dem Ritten der Gewinner sein kann, obwohl die Mannschaft vom Hochplateau spielfrei ist.

Die Akte Delmore wartet auf einen Dreier

Über den Wechsel von Andy Delmore nach Bozen ist viel geschrieben und noch mehr diskutiert worden. Fakt ist: Seit der ehemalige Superstar in Bozen ist, warten die Weiß-Roten auf einen Sieg. Einige sprechen schon von einer Krise zur falschen Zeit. Soweit würde ich nicht gehen: Denn Bozen hat nicht gegen Anfänger verloren. Sondern gegen Mannschaften, die zurecht in der Masterround spielen. Und Bozen zollt immer noch dem Kräfteraubenden Konzept Tribut, für das sich die Vereinsleitung entschieden hat. Irgendwie ist es fast ein Wunder, dass Bozen zu diesem Zeitpunkt noch um Platz eins kämpft: Mit einer so kurzen Spielerdecke wäre jede andere Mannschaft bereits seit Weihnachten k.o. gegangen.
Freilich hat Bozen auch Glück gehabt: Nämlich weil die Key Player verletzungsfrei geblieben sind und immer einsatzbereit waren. Das beweist, dass die Mannschaft clever genug ist, Materialschonend zu spielen.

Die Akte Kavanagh unter Zugzwang

 Pustertal hat die erste Phase der Meisterschaft dominiert und hat sich praktisch ohne Gegner durch die Spielzeit gepflügt. Dann kamen die Verletzungen und mit ihnen der Krampf. Nun endlich scheinen sich die Wölfe gefangen zu haben. Es war eine starke mannschaftliche Leistung, wie das Team gegen Valpellice nach dem ersten Drittel aus der Kabine gekommen ist. Während die Pusterer die ersten zwanzig Minuten über das Eis stolperten und teilweise nicht wussten, wie sie sich wehren sollten, hat man den Rest der Partie souverän in die Hand genommen. Hat sich nicht entmutigen lassen sondern hat die richtige Antwort gefunden. Wobei Pat Kavanagh einen guten Eindruck hinterlassen hat. 
Sicher: Auf Druck antwortet man am besten mit Gegendruck. Valpellice ist gewiss keine schlechte Mannschaft. Aber Valpellice ist eine Mannschaft, die ohne Defensive agiert. Gewisse Spieler warten einfach an der roten Linie auf eine Konterchance. Eine riskante Taktik, vor allem, denn sich der Gegner taktisch darauf einstellt.
Der Schachzug, Rok Paijc zu verpflichten war von der Vereinsleistung ein kluger Schachzug. Nicht, weil der Slowene ein überragender Eishockeyspieler wäre. Aber, weil man nun das restliche Personal unter einen gewissen Druck und gegebenenfalls auf die Tribüne setzen kann. Das kann Wunder wirken. Nicht nur, was die Leistung einzelner, sondern vor allem, was den Mannschaftsgeist betrifft. 
Divas überleben in Mannschaften nicht lange. Vor allem dann nicht, wenn Ersatz im Nacken sitzt.

Mission Punktegewinn 

Die Rechnung ist schnell gemacht: Will Pustertal Gruppenerster werden, so muss gegen Bozen ein Sieg her. Denn nur so kann Ritten überholt werden. Und nur dann hat man es im letzten Spiel gegen Alleghe selbst in der Hand.
Für Bozen ist es das letzte Vorrundenspiel und daher gilt: alles andere als ein Sieg verdonnert zum Zusehen am letzten Spieltag. Mit einem Dreier setzt man Ritten unter Zugzwang, die Erzrivalen vom Hochplateau, denen man die oben angesprochene Akte zu verdanken hat, sollen sich schon anstrengen müssen, um ganz oben zu bleiben und das vermeintlich leichteste Los in den Viertelfinals zu ziehen.

Auch wenn ich kein Freund der Zwischenrunde bin, in der man im Grund um die goldene Ananas spielt: Die Dramaturgie vor dem Spiel morgen stimmt zumindest schon mal. Weil für Spannung gesorgt ist. Und für die notwendige Rivalität sowieso. Denn auch wenn es das X-Te Derby der Saison ist: Keines stand bisher unter so Spannungsgeladenen Vorzeichen. 


Mittwoch, 30. Januar 2013

Delmoreaffäre Die richtige Antwort auf dem Eis

Rai Sender Bozen, Mittagsmagazin vom 30.01.2013
Thema: Rittner Sieg in Alleghe, Bozner Niederlage in Torre Pellice und Aussagen zur Akte Delmore
Interviewpartner: Christian Borgatello, Kevin Mitchell, Dieter Knoll, Thomas Rottensteiner
Interviews und Bericht: Peter Treibenreif
Gelesen von Andreas Feichter
 



Und die Antwort muss doch auf dem Eis gegeben werden.
Ritten hat das eindrucksvoll getan. Meine ich zumindest. Wer hätte schon auf die arg dezimierte Truppe vom Hochplateau gesetzt, als es zum Auswärtsspiel nach Alleghe ging?

Ramsay: out
Tudin: out
Frei: out
Eisath: out
Hafner: out
Delmore: gegen Valpellice im Einsatz.

Gut, dass die Spieler am Eis die richtige Antwort gegeben haben und mit zwei Punkten die Rückreise antreten konnten. Ansonsten wären die ganzen Diskussionen heute nur mehr über Zulässigkeiten oder Unzulässigkeiten gegangen. Und das braucht es im Sport nicht.
Zumindest das Ergebnis hat gezeigt: Eishockey ist ein Mannschaftssport. Bei dem Einzelspieler mithelfen können, erfolgreich zu sein. Aber am Gesamtergebnis sind dann doch alle beteiligt.
Die Mannschaft hat gezeigt: Sie steht zusammen. Vielleicht jetzt noch mehr als zuvor. Vielleicht ist das die Opferrolle, die sich der Verein selbst gibt, gar kein Schaden. Denn welches Lamm geht schon freiwillig in den ungerechten Untergang.

Lob verdient sich natürlich die gesamte Mannschaft. Aber ganz besonders die beiden Neo-Nationalstürmer, die jeweils einen Doppelpack erzielt haben. Und somit maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die wichtigen zwei Punkte nach Klobenstein gingen.

Und die beiden Präsidenten?

Die sind beide nach wie vor der Meinung, nix Falsches getan zu haben beziehungsweise ungerecht behandelt worden zu sein.
Dieter Knoll sieht sich im Recht, weil Delmore ein "Free Agent" gewesen ist. Und weil Thomas Rottensteiner informiert gewesen sein soll, dass Delmore sich mit Knoll getroffen hat.
Thomas Rottensteiner sagt, er freue sich für Delmore, dass dieser wieder einen Verein gefunden habe. Dass aber die Vorgehensweise nicht korrekt gewesen sei.
Für mich ist dieses Thema damit abgeschlossen. Weil folgende Fakten nun einmal zu Buche stehn: Delmore spielt in Bozen, und die Rittner Mannschaft zeigt Charakter. Weil sie den Kopf nicht in den Sand steckt.

 

Das Ende der Transferzeit wird für Entspannung sorgen

Eines ist gut: Nämlich dass morgen der Markt definitiv zu geht. Damit die Nervosität aus dem Geschäft genommen wird: Weil ab Morgen Mittag alle definitiv wissen, mit welcher Mannschaft die Herzensmannschaft zu den Play Offs antreten wird. Und dann kann man sich endlich wieder auf das konzentrieren, was Eishockey ausmacht: 60 Minuten intensives Geschehen auf dem Eis.

Dienstag, 29. Januar 2013

Nebensache: Eishockey

Manches Mal ist es beängstigend.
Wie eine Nebensache zu einer Hauptsache werden kann. Das sollte er eigentlich nicht sein: Der Sport.

Sport sollte, per Definition, die guten Eigenschaften im Menschen fördern und die schlechten Eigenschaften unterdrücken. Scheinbar ist es nicht immer so. Wie der Fall Delmore beweist.

Fehler zu machen ist nicht weiter schlimm. Errare nämlich humanus est. Oder so ähnlich. Wenn zu einem Fehler ein weiterer dazukommt, ist auch nicht weiter schlimm. Das nennt sich dann Fehlerkette. Fehlerketten sind auch nicht weiters schlimm. Die sind ärgerlich. Können aber, für die Zukunft, durchaus lehrreich sein.

Wenn zu Fehlerketten dann auch noch ausgesprochenes Pech dazu kommt, dann ist das wohl Schicksal. Da hilft kein ärgern. Und da hilft auch kein schlagen. Jeder Schwimmer weiß: Wenn man vor dem Ertrinken ist, ist es das beste, Ruhe zu bewahren. Weil unkontrolliertes Schlagen nur bewirkt, dass man umso schneller absäuft. Weil die Kraft ungleich viel schneller ausgeht. Außer man ist eine Maus, die in der Sahne zu ertrinken droht. Aber diese Gefahr besteht nicht. So gut sind die Zeiten wirklich nicht.

Das Interview, das ich heute in der Tageszeitung Dolomiten gelesen habe, erinnert mich ein wenig an dieses Schlagen vor dem Ersaufen: Ein Generalangriff von Rittens Präsident Thomas Rottensteiner gegen Verband, Schiedsrichter, Konkurrenz und Delmore. Wobei ich nicht entscheiden kann, welcher Angriff der massivste gewesen ist.
Generalangriffe sind deshalb so sinnlos, weil man auf einmal isoliert dasteht. Den Status Quo aber nicht ändert. So viel Kit gibt es gar nicht, um das zerschlagene Porzellan zu richten.

Irgendwie erinnert mich das ganz an meine Kindergartenzeit. Da war der Rainer, der mein Legoschiff haben wollte, als ich mit ihm spielte. Sobald ich in die Malecke gegangen bin, hat er dann das Legoschiff genommen. Natürlich habe ich mich aufgeregt. Aber: Wieso hätte die Tante dem Rainer das Schiff nicht lassen sollen? Ich hatte ja entschieden, lieber in der Malecke einen Löwen zu zeichnen.
Ich habe es damals nicht eingesehen.
Geholfen hat es nix.
Und der Rainer hat aus meinem Legoschiff ein Raumschiff gemacht.
Das war der Tag, an dem ich meine Malerkarriere an den Nagel gehängt habe.

Montag, 28. Januar 2013

Reden ist Silber oder Über den Druck, erfolgreich sein zu müssen



Die Frage ist, wie viel Pech man haben kann.
Als Sportler einerseits. Als Verein aber andrerseits.
Wenn man sich vor zwei Tagen vielleicht noch über die Kommunikationspolitik bei Ritten Sport wunderte, so bleibt heute nur noch ungläubiges Kopfschütteln übrig. Würde ein Autor die Rittner Geschichte erzählen, so würde sein Buch als unrealistisch bezeichnet in Regalen verstauben, mit Gewissheit ein Ladenhüter bleiben. Nun wird die Zeit knapp. Weil Ritten eigentlich noch einmal tätig werden muss. Will man die gemachten Aktionen bis heute nicht durch Untätigkeit Ad Absurdum führen.
Denn in diese Mannschaft wurde richtig Kohle investiert. Wahrscheinlich so viel Geld, wie noch in keine Rittner Mannschaft gesteckt worden ist. Da helfen keine Ausflüchte. Und auch, wenn man gerne tief stapelt: Für diese gemachten Anstrengungen kann es nur ein Ziel geben: Den ersten Meistertitel in der Vereinsgeschichte.
Auch, wenn der Meisterschafts- und vor allem Verletzungsverlauf nicht gerade für Ritten spricht. Wobei man bislang immer eine Ausrede und einen Hoffnungsschimmer gleichzeitig hatte: Den zeitlich begrenzten Ausfall von Ryan Ramsay. Dessen zeitliches Limit sich nun noch einmal deutlich verlängern dürfte.

Ich möchte nicht in der Haut der Entscheidungsträger stecken. Am Freitag die Verlautbarung über die vereinseigene Webseite, dass Andy Delmore zwar entlassen werden muss, weil überzähliger Transfercardspieler, aber dass er ganz sicher nicht zu einem Ligakonkurrenten wechseln darf.
Am Samstag die Mitteilung auf der Homepage des HC Bozen, dass Andy Delmore bereits am Sonntag als Teil der Mannschaft in Bozen trainieren wird.
Am späten Samstag abend die Hiobsbotschaft aus Torre Pellice, dass sich Ryan Ramsay bei seinem Comebackspiel einen Finger gebrochen hat. Am Sonntag die Gerüchte, dass sein neuerlicher Ausfall vier Wochen dauern könnte.
Das Dilemma: Delmore ist weck, Ramsay wieder out, der Transfermarkt nur mehr bis Donnerstag offen.
Wäre da nicht die Mitteilung auf der Rittner Homepage, dass man sicher aus finanziellen Gründen keinen Neuankauf mehr tätigen wird, man würde meinen, am Ritten müssten praktisch alle Telefonleitung ständig besetzt sein, auf der Suche nach irgendeiner Ergänzung im Kader. So muss es Spekulation bleiben, ob Ritten Sport der Verein ist, der schon über Twitter verzweifelt nach einem Stürmer sucht, der einen EU Pass hat.

Gewiss, die Kommunikation nach außen ist, vor allem, wenn sie innerhalb von Stunden als Lüge enttarnt wird, irreführend. Gewiss ist es kein Leichtes, Kommunikation zu betreiben. Vor allem, wenn sich die Umstände so schnell überschlagen und Handlungen notwendig werden.
Aber: Besser, als sich selbst, die Presse und die Fans zu belügen wäre es dann doch, nach einem alten Grundsatz nicht zu handeln: Denn Reden ist Silber, schweigen ist – Sie wissen schon…

Donnerstag, 17. Januar 2013

Roulettespiel Mathematik...

 Kennen Sie russisches Roulette? Das ist ein Spiel, bei dem man, wenn man gewinnt, reich werden kann. Wenn man aber verliert, verliert man sein Leben. Die Wahrscheinlichkeit zwischen dem einen oder anderen ist mathematisch errechenbar und ändert sich, je nach Magazingröße der verwendeten Waffe. 
Was das mit Eishockey zu tun hat? Wenig! Aber: Die Südtiroler Vereine spielen in dieser Saison ein Spiel, das ich noch nicht durchschaut habe. Und dessen Erfolgsgarantie irgendwie an die Wahrscheinlichkeitsrechung im russischen Roulette erinnert.

Also, schön langsam wird es peinlich:
Die einen möchten einen loswerden, trauen sich aber nicht.
Die anderen präsentieren einen, der ins Finale kommen möchte, doch der bleibt nicht.
Und die dritten wissen nicht, von wem sie sich trennen sollten, damit der andere zurück kommen kann.
Langsam aber sicher frage ich mich wirklich: Ist die Serie A1 ein Kasperltheater oder eine Eishockeyliga, die für sich beansprucht, seriös zu arbeiten?
Ok, fakt ist, dass der Transfermarkt noch gute zwei Wochen geöffnet ist. Fakt ist aber auch, dass die Meisterschaft theoretisch auf ihre wichtigste Phase zusteuert. Und es macht den Anschein, als ob Ratlosigkeit und Improvvisation Trumpf wäre.

Frage: War Tomas Duba nicht als Keeper geholt worden, der Bozen zur Titelverteidigung verhelfen soll? Ok, er war kein Zaba. Aber auch kein Krizan. Und durchaus eine wertvolle Entlastung für Günther Hell.

Frage: War Kavanagh nicht als der große Neuzugang präsentiert worden, der das gelobte Volk aus der endlosen Wüste führen soll? Aber dann kam ein Guitè, der ihm assistieren sollte. Und zwei Propheten sind einer zuviel. Und nun weiß man nicht mehr, wie es weitergehen soll.

Frage: War nicht Delmore gekommen, um seiner Abwehr mehr Stabilität zu geben? Um in der entscheidenden Phase einen sogenannten Turnover für eventuelle Verletzungen zu haben? Dabei wurde der Öffentlichkeit verschwiegen, dass man für diese Entlastung den verletzten Ramsay "enttesserieren" musste. Hatte man sich nicht im Vorfeld zusammenrechnen können, dass bei einer "Retesserierung" aus rein logischen Gründen eine Entlassung kommen muss? Und wer soll nun gehen? Die Verteidigungsentlastung oder jemand aus dem sowieso unterbesetzten Sturm?

Schön langsam beginne ich zu zweifeln: An langfristigen Erfolgskonzepten, an der Architektur des Erfolges. Tabellenplätze hin oder her. Irgendwie ist diese Roulettemathematik für mich zu hoch.

Freitag, 14. Dezember 2012

Ritten gegen Bozen: Von Aktion und Reaktion



Allen Unkenrufen zum Trotz: Es war ein spannender und abwechslungsreicher Derbyabend in Klobenstein. Und der Beweis, dass nicht nur Offensive attraktiv ist. Das Spiel Ritten gegen Bozen war vor allem aus taktischer Sicht interessant. Und das Ergebnis beweist, dass manchmal Punkteteilungen absolut gerecht sein könnten.

Beide Mannschaften agierten aus der Defensive heraus. Wobei: Die Aktion ging von Bozen aus, Ritten blieb die Reaktion. Das Vorhaben der Hausherren war, die Gäste zu spiegeln: Die erste Linie sollte gegen die erste spielen, die zweite gegen die zweite und die dritte Formation sollte sich mit der dritten messen. Wodurch Reaktion zur Aktion wird. Und für Kreativität kein Raum bleibt. Und: Wodurch der Auswärtsmannschaft der Taktstock in die Hand gegeben wurde.
Defensiv gelang Ritten ein ausgezeichnetes Spiel: die Buam machten die Räume eng, ließen den ambitionierten Gästen keine Slots.
Wo es haperte, wieder einmal, war im Spiel nach vorne: Kaum Bewegung, kaum Dynamik, kaum flüssige Spielzüge. Wobei sich auch andere Mannschaften schwer tun, die kompakt gestaffelte Bozner Aufstellung zu umspielen. Doch zumindest den Versuch es mit Speed anzugehen, sollte gewagt werden, wobei dadurch das Risiko besteht, in einen schnellen Tempogegenstoß zu laufen.
Geduld ist eine Tugend: Nicht nur im Leben allgemein, sondern im Sport im Besonderen. Der HCB ist ein Meister der Geduld, wird zu keiner Zeit nervös, weiß, dass sich Chancen ergeben werden. Und, was das Team auszeichnet, die sich bietenden Chancen werden ausgenützt. Zumindest früher oder später. Auch, oder wie gestern vor allem, wenn ein Justin Pogge Schlussmann ist. Er hielt, was zu halten war und versaute sich dann selbst den Abend, durch einen missglückten Ausflug, der nicht hätte sein müssen. Kein Vorwurf gegen ihn: Er ist hauptverantwortlich dafür, dass Ritten überhaupt sein Punktekonto aufstocken konnte.

Eine neue taktische Variante probierte Rob Wilson aus, die in dieser Form wohl noch nie dagewesen ist: Während Spitzenmannschaften in Überzahl vermehrt mit vier Stürmern agieren versuchte Wilson mit drei Verteidigern erfolgreich zu sein. Einen Versuch kann es ja wert sein, vor Nachahmung sollte gewarnt werden. War es der Versuch, die Verpflichtung von Andy Delmore zu rechtfertigen? Wenn dem so wäre, die Rechtfertigung ist gescheitert. Weil Delmore zu keinem Zeitpunkt Akzente setzen konnte.
Er war einmal ein großer Namen in der Eishockeywelt. Heute präsentiert er sich nur noch als Schatten dieses Namens. Das Problem: Große Namen verblassen in der kleinen Eishockeywelt nicht, die Erwartungshaltung wird nicht sinken. Wer als Verein einen großen Namen verpflichtet, der darf seine Ambitionen nicht herunterspielen.

Ritten war besser ins Spiel gestartet. Brian McCutcheon erklärte es mir damit, dass die Mannschaft nach der intensiven Spielphase und einer Pause von fünf Tagen aus dem Tritt gekommen wäre. Seiner Erklärung nach brauchte die Mannschaft ein Drittel, um Schwung aufzunehmen. Es war, seiner Meinung nach, nicht das beste Bozner Spiel.
Woran kein Zweifel besteht ist, dass der Bozner Trainer der wohl mit Abstand beste Coach der Liga ist. Er versteht es, Spiele zu lesen und aus den Erkenntnissen innerhalb kürzester Zeit die richtigen Lösungen zu konstruieren. Bozen verfügt über gute Spieler, keine Frage. Aber Bozen verfügt vor allem über ein zentrales Nervensystem, das der Konkurrenz überlegen ist. Meilenweit. Und das den großen Unterschied macht.
Womit alle Experten widerlegt sind, die behaupten, ein Trainer sei im Eishockey vor allem beim Leiten der Übungseinheiten wichtig.

 

Freitag, 7. Dezember 2012

Ritten Sport vs. Alleghe: Eine Spielanalyse


Es ist lange her, dass ich als Fan zum Eishockey gegangen bin. Gestern war es wieder soweit. Es war schön, wieder einmal die Fanbrille überziehen zu können und zwischen Freunden das Treiben auf dem Eis zu verfolgen. Einziger Wermutstropfen: Ritten Sport hat nicht den besten Tag erwischt. Und obwohl man Alleghe mit 4:3 niederringen konnte, ohne Justin Pogge und einer milde gestimmten Glücksgöttin Fortuna, das Spiel wäre anders ausgegangen. Wobei: Das Problem liegt nicht an der Tagesform. Sondern in einem strukturellen Problem der Mannschaftszusammensetzung.

Im Rittner Angriff regiert General Zufall: Der Ausfall von Ryan Ramsay wiegt sehr schwer, kann aber nicht für alle Mängel verantwortlich gemacht werden. So fehlt in der ersten Linie schon seit Saisonsbeginn ein Center. Dan Tudin versucht zwar auf dieser Position spielen, wirklich weiter bringt das seine Mannschaft nicht. Weil er nicht der Regisseur ist, der ein Spiel lesen und die Scheiben entsprechend verteilen kann. Weil er nicht der Führungsspieler ist, der die Zügel in die Hand nehmen kann.
Seine großen Zeiten hatte er als Flügelstürmer - und es wird das Geheimnis seines Trainers bleiben, weshalb er ihn nicht dort einsetzt.
Das Offensivspiel der "Buam" ist stockend, mit zu wenig spielerischen Elementen. Es wirkt einstudiert, verkrampft, teilweise unsicher. Und ist aus diesem Grund zu langsam, zu wenig dynamisch. Wenn es dann schnell geht, dann funktioniert es auch. Die Fehler bei den Verteidigern zu suchen, die den öffnenden Pass nicht spielen, kann ich nicht nachvollziehen: Öffnende Pässe haben nur dann einen Sinn, wenn die Stürmer bereits in Schwung sind und den Schwung des ersten Passes mitnehmen können. Wenn sich aus dem öffnenden Pass eine flüssige und schnell vorgetragene Aktion ergibt.
Das Rittner Problem: zu oft bleiben die Rittner Angriffsbemühungen in den Ecken hängen, wo klein klein gespielt wird, was ja teilweise nett aussehen kann, von wo aber nur ganz selten Gefahr ausgeht.

Wie es funktionieren kann hat Alleghe bewiesen: Ein ums andere Mal eröffnete Waddel die Aktion, Johansson und LoVecchio kreisten ins Angriffsdrittel, spielten den schlauen Pass und brachten die Stürmerkollegen in eine gute Abschlussposition. Ritten hat Glück, einen Justin Pogge im Tor stehen zu haben, der mit seinen Reflexen und seinem Stellungsspiel zu den besten seines Metiers zählt. Alleghe hätte sich gestern abend mindestens einen Punkt verdient. Weil die spielbestimmende, die gefährlichere Mannschaft.

Ach ja, es war auch das Debüt von Andy Delmore. Wäre es nicht als solches angekündigt worden, es wäre niemandem aufgefallen, dass ein neuer Defender im Rittner Dress spielt. Freilich: Bei einer Premiere darf man sich nicht zu viel erwarten. Coach Rob Wilson gab ihm ausreichend Eiszeit, Akzente setzen konnte Delmore aber keine: Weder durch öffnende Pässe noch durch besondere Führungsarbeit.
Chris Durno glänzte als zweifacher Torschütze. Und zeigte bei beiden Toren, wo seine Stärke liegt: Bei der harten Arbeit vor dem gegnerischen Keeper oder beim schnellen Durchtanken durch die Mitte. Sein Spiel lebt von den Pässen, die er bekommt. Er ist kein Philigrantechniker - er ist ein Sturmtank.

Ritten Sport hat ganz sicher eine Mannschaft mit viel Potential. Aber: Das Potential muss entsprechend seinen Fähigkeiten eingesetzt werden. Eine Lösung könnte darin liegen, Jacina und Tudin in getrennten Linien spielen zu lassen. Weil die beiden von der Spielanlage einander zu ähnlich sind. Weil Jacina durch den Einsatz in einer anderen Linie mehr Verantwortung bekäme und diese Verantwortung vielleicht annehmen würde. Weil bislang sind seine Leistungen bislang enttäuschend. Und das kann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr durch Eingewöhnungsschwierigkeiten erklärt werden.

Ich bin überzeugt, dass es Ritten in dieser Saison schaffen kann. Allerdings darf man sich nicht über die glücklich ergatterten Punkte im gestrigen Spiel ausruhen. Eine genaue Analyse muss gemacht und an den Defiziten gearbeitet werden. Ansonsten kommt das Erwachen, wenn Frau Fortuna und Herr Pogge einmal nicht in Form sind...