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Montag, 4. März 2013

Nach dem Bozner Aus: Ein Fazit

Nachdem ich den HC Bozen vor der Saison so über den Klee gelobt habe, bleibt mir nix anderes übrig, als mein ganz persönliches Saisonsfazit zu ziehen, nachdem Bozen im Viertelfinale ausgeschieden ist.
Am Anfang stand die Trikotaffäre: Bereits damals hätte ich schalten müssen, dass nicht alles, was angekündigt wird, wörtlich zu nehmen ist…

Der Neue Weg – Ein Fake?

Vollmundig hatte man im Sommer im Clubhouse versprochen, einen neuen Weg einzuschlagen. Einen revolutionären Weg mit weniger Ausländern und mehr einheimischen Spielern. Man hat versprochen, eine neue Fankultur zu kultivieren. Ich war begeistert, weil ich daran geglaubt habe.
Man hat zwar mit weniger Ausländern gespielt. Doch das Ziel, um den Titel mitzuspielen ist meilenweit verfehlt worden. Weil sich herausstellte, dass der eingeschlagene Weg etwas mit Totsparen zu tun gehabt hat. Es hat sich herausgestellt, dass man die Saison tatsächlich mit fünf Verteidigern und nur einem Tormann bewältigen wollte. Ein Vorhaben, das zu keiner Zeit erfolgversprechend war. Weil: Wenn man nur einen Kilo Orangen hat, kann man daraus nicht unendlich viel frischgepressten Saft bekommen.
Dabei hatte man noch Glück gehabt, dass sich keiner der Schlüsselspieler im Laufe der Saison ernsthaft verletzt hat.

Die Illusion Niklas Hjalmarsson und der Folgefehler Delmore

Er war eine Bereicherung für die gesamte Liga. Es war schön, einen solchen Ausnahmespieler bewundern zu können. Allerdings war er eine Fata Morgana. Und sobald der NHL Riese Bozen verlassen hatte und der letzte Rest von Glanz gegangen war, schlug man in Bozen wieder auf dem Boden der Realität auf.
Was folgte war eine Posse: Denn man wusste, in der Verteidigung Verstärkung brauchte. Gekommen ist ein Spieler, der nicht wirklich weiterhelfen konnte, was man auch vorher schon hätte abschätzen können, weil Andy Delmore ja kein unbekannter ist und weil er ja auch einige Spiele beim Ligakonkurrenten Ritten bestritten hatte.
Delmore war nicht die Lösung der personellen Probleme. Im Gegenteil.
Was Delmore gebracht hat? Vermeidbare Konflikte und Spannungen.

Die Tormannposse

Zu Saisonsbeginn hatte es aus dem Clubhouse getönt, dass der beste Tormann der Liga kommen würde. Gekommen ist Tomas Duba für ein paar Spiele. Dann lange nix. Und dann kam ein Mr. Sexsmith, der ohne Spielpraxis und im Alleingang hätte die Rettung bringen sollen. Sparkurs? Nein, das war wohl eher eine Verzweiflungstat.
Was sich zeigte war ein fehlendes Gesamtkonzept.
Zwar hat man in Bozen den besten Trainer der Liga. Doch ohne ausreichend Personal und ohne Unterstützung kann auch der nix ausrichten. Und leider hat man es verabsäumt, Brian McCutcheon bei Personalentscheidungen einzubinden. Was keine Vermutung meinerseits, sondern leider Fakt ist.

Das Highlight: Continentalcup

Es war nicht alles schlecht, was in Bozen im Laufe der Saison passiert ist. So war der Continentalcup in Bozen ein absolutes Highlight der Saison. Ein volles Haus, gute Spiele, ein überzeugender HCB.
Ehre, wem Ehre gebührt.
Und: Hätte man nach dem internationalen Cup weitergemacht und weiter aufgebaut, Bozen wäre Meister geworden.
Ohne wenn und ohne aber.
Aber: Die Mannschaft ist in ein Loch gefallen. Und man hatte den Eindruck, sie wäre in diesem Loch alleine gelassen worden.
Ob das nur an einem Kommunikationsproblem liegt?

Die Zukunft

Was wird in Bozen kommen? Irgendwie hat man den Eindruck, der Mäzen ist müde geworden. Die Angriffe gegen Dr. Knoll sind lauter geworden. Was nicht fair ist. Weil er immerhin der ist, der in den letzten Jahren Spitzeneishockey in Bozen möglich gemacht hat. Vielleicht ist der HCB tatsächlich eine One Man Show. Was vielen nicht gefällt. Aber besser eine Einmannshow als gar keine.
Was wird kommen?
Ist es wahr, dass die Mannschaft, die so viele Titel, wie sonst niemand in Italien gewonnen hat, finanziell vor einem Scherbenhaufen steht?
Ist es wahr, dass der Traditionsclub vor dem Aus steht?

Die Enttäuschung

Ich muss zugeben, ich bin enttäuscht. Ich war naiv genug an den Neubeginn zu glauben. Ein Neubeginn, der groß angekündigt worden ist aber nur halbherzig umgesetzt wurde. Weil man die Kommunikation hinten angestellt hat und die Weichen Faktoren, die einen Verein belebt und sympathisch, hinten angestellt hat. Ich hatte ja das Glück, einige Leute aus dem Verein und seinem Umfeld kennen zu lernen. Es sind Charaktertypen, sympathisch und interessant. Aber in Bozen wird alles nur am sportlichen Erfolg gemessen. Was nicht immer fair ist. Und dadurch werden an sich gute Konzepte in der laufenden Meisterschaft über Bord geworfen. Was Glaubwürdigkeit kostet.
Ich denke, ich werde nicht mehr allzu schnell in die Falle tappen, alles zu glauben, was im Vorfeld verkündet wird. Schade eigentlich. Weil Nachhaltigkeit langfristiger ist, als irgendein gekaufter Titel.


Samstag, 29. Dezember 2012

Traube's Jahresrückblick 2012

Die Mayas haben für 2012 zwar keinen Weltuntergang, aber den Eintritt in ein neues Zeitalter vorausgesagt. Und sie haben Recht behalten. Zumindest, was mich betrifft.
Neues kann nur durch den Zusammenbruch des Alten entstehen. Und so musste für mich eine Welt zusammenbrechen. Das geschah im Februar: Ich habe gesagt, was gesagt hatte werden müssen, was ich aber vielleicht nicht hätte sagen sollen. Weil ich dann noch in der Position wäre, die mir wichtig war. Die ich gerne hatte. Aus diesem persönlichen Weltuntergang ist etwas Neues entstanden.
Begonnen hatte es mit der Frage:  soll ich es wagen?
Die Antwort, zehn Monate später: Ja, das Wagnis hat sich gelohnt. Nicht, weil ich mir dadurch viele Freunde geschaffen hätte, sondern weil ich dadurch die Möglichkeit bekommen habe, zu sagen, was ich schon immer hatte sagen wollen, ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Weil durch meine Entscheidung muss ich alleine mit den Konsequenzen fertig werden.

Playoff und Internationaler Stellenwert der Serie A1

Und dann kamen die Play Offs, wo alles so kam, wie es kommen musste: Für Cortina war im Halbfinale Schluss, die Überraschungsmannschaft schlechthin in der letzten Serie A1 Saison. Bozen und Pustertal trafen sich im Endspiel, und auch das endete wenig überraschend mit dem 19. Meistertitel für den HCB und einer maßlosen Enttäuschung im Green Valley.
Die Nationalmannschaft ist sang und klanglos aus der Gruppe A abgestiegen. Was sich ergeben hätte, wäre die Chance auf Erneuerung gewesen. Eine Option, die die Verantwortlichen bislang noch nicht gezogen haben. Weil sich der Verband immer noch der Illusion hingibt, das italienische Eishockey wäre erstklassig auf dieser Welt.
Was sie verkennen: Man lebt in Italien vor allem in der Vergangenheit, woran vor allem die Vereine schuld sind, die sich der Erneuerung verschließen und innovative Konzepte nicht umsetzen wollen.
Dass das italienische Eishockey sich auf europäischer Ebene durchaus messen kann hat der HC Bozen im November bewiesen, als sich der italienische Meister im Halbfinalturnier für die Final Four Runde des Continentalcups qualifizierte. Und dabei die Meister aus der 2. russischen Liga, Dänemark und der 2. Deutschen Bundesliga eliminierte. Was Anlass zur Freude geben sollte. Nicht nur in Bozen, sondern in der gesamten Liga. Ob man den HCB nun mag oder nicht.

Wobei eines nicht übersehen werden darf: Das Niveau der italienischen Liga ist nicht so schlecht, wie es immer gemacht wird! Die italienische Serie A1 kann sich sportlich durchaus mit der 2. Deutschen Bundesliga, der dänischen Liga und sogar der EBEL messen. Daran besteht kein Zweifel. Wo noch Nachholbedarf besteht ist im Management, das professioneller werden muss. Es ist ja irgendwie lächerlich, wenn zwei Millionen Euro pro Jahr investiert werden und das Produktionspersonal (Spieler und Trainer) die einzigen bezahlten Mitarbeiter sind. Das würde in keiner Firma klappen. Denn in einer Firma versteht jeder, dass die Produktion nur dann einen Sinn hat, wenn auch der Vertrieb gewährleistet ist.

Es wäre langweilig, wenn es es nicht gäbe: Sommertheater 2012

Und es wurde Mai 2012: Ein großer Schritt für mich - die Eintragung ins Publizistenalbum und damit die Lizenz zum Schreiben. Eine persönliche Bestätigung und neue Motivation, in diesen Bereich investieren zu wollen, in diesem Bereich arbeiten zu wollen.
Das Eishockeysommertheater war das Übliche: Klagen über fehlendes Geld und dann doch loskaufen wie die Ölscheichs. Verhandlungen mit Trainern, wobei sich vor allem Ritten letzten Endes für eine Notlösung entschieden hat. Bei den Ausländern setzte man im Pustertal auf bewährte Kräfte mit Ergänzung in einzelnen Positionen, Ergänzungen, die qualitativ nicht an jene des Vorjahres heran kommen. Doch das hatte man schon im voraus geahnt. Bozen stimmte die Eishockeywelt auf ein Sparkonzept ein, das mittlerweile schon wieder über den Haufen geworfen worden ist. Ritten aber schlug richtig zu und holte sich große Namen, von denen man sich die Erfüllung eines Traumes erhoffte. Zum heutigen Stand der Dinge hofft man in Klobenstein, dass der Traum nicht Nachwuchs in Form eines Alb bekommt.

Eine große Chance hat 2012 für zwei Südtiroler geboten, die den Sprung nach Deutschland wagten: Stefan Mair ist in Schwenningen Cheftrainer und er überzeugt durch Leistung. Alles andere wäre auch eine faustdicke Überraschung gewesen. Und David Tschirner ist als Schiedsrichter ins Ausland gegangen, um Erfahrungen zu sammen und vielleicht den großen Sprung in die deutsche Profiliga zu schaffen.

NHL Lockout

Dann kam eine Nachricht, über die man lange diskutieren kann: Ein neuerlicher NHL Lockout. Europa wurde mit Profis aus der besten Liga der Welt überschwemmt. In Italien landeten Niklas Hjalmarsson und Nick Bonino. Eine Verfälschung der Meisterschaften? Zweifellos. Denn wenn solche Spieler in den Niederungen der Serie A1 und A2 spielen, so sind sie um ein Vielfaches besser als der Rest der Konkurrenz. Auch wenn den Regeln entsprechend: Trotzdem bleibt es Wettbewerbsverzerrung. Es ist schön, Weltklasse zu bewundern. Es ist nur notwendig, anzuerkennen, dass die daraus gewonnenen Punkte Momentaufnahmen sind und nicht in den normalen Alltag gespiegelt werden können. Es sind Festessen von sterndekorierten Köchen bereitet und nicht der Teller Nudel, den Mama auf den Tisch bringt.

HCB: Immer gut für eine Schlagzeile

Der HCB hat überhaupt für die widersprüchlichsten Schlagzeilen des Jahres gesorgt: erst das Versprechen, eine Fanoffensive zu starten und sich volksnah zu geben. Eine Versprechung, auf deren Einhaltung die Bozner Fans seit August warten. Dann ein sportlicher starker Start in die neue Saison - und eine sportliche Krise, von der man meinte, sie könnte den HCB mehr noch als die Saison die gesamte Zukunft kosten. Bozen reagierte und engagierte Niklas Hjalmarsson, der mehr noch als sportliches Können vor allem mentale Stärke zu den weiß-roten brachte und die eine Siegesserie starteten, die beispiellos ist.
Und weiß-rot musste in diesem Jahr in den blau-weißen Dressen des ungeliebten kleinen Bruders EV Bozen auflaufen, weil man vergessen hatte, die zweite Kollektion Leibchen zu bestellen.
Als die zweite Kollektion anrollte entschied man sich noch für eine dritte, die anlässlich eines Benefizspieles versteigert worden ist. Ein bisschen wie ein Beweis dafür, dass man durchaus im Stande ist, Trikots zu bestellen.

2012 war auch das Jahr, in dem das Klima zwischen den Fangruppen Südtirols rauher wurde: Weil drei Vereine ein Ziel haben, aber nur ein Titel zu vergeben ist. Der HC Bozen hat seit seinem Bestehen jedes Jahr den Anspruch, die Meisterschaft zu gewinnen. Der HC Pustertal möchte nach zwei Finalniederlagen in Serie endlich das höchste Treppchen besteigen. Und Ritten hat so viel Geld in die heurige Mannschaft gesteckt, dass alles andere, als der Meistertitel eine Enttäuschung wäre. Aus diesem Grund steht die Konkurrenz über der Freundschaft und aus diesem Grund kann an eine ernste Zusammenarbeit der drei Vereine (vorerst) nicht gedacht werden. Auch, wenn die drei Klassenbesten des Jahres gemeinsam viel bewegen könnten.

Menschlich bleiben

Und ein Ereignis hat in diesem Jahr dann doch noch gezeigt, dass Eishockey nur eine Nebensache sein kann: Die Nachricht, dass Kaspars Astashenko verstorben ist. Auch, wenn er wegen des Eishockeys bekannt und beliebt war, Eishockey kann nur ein Teil des Lebens sein. Der Rest eines Menschen ist es, was ihn wirklich wertvoll und liebenswürdig macht. Das gilt nicht nur für Kaspars, das gilt für uns alle. Und auch, wenn uns Eishockey bewegt, vergessen wir nie die Wesentlichen Werte im Leben.
In diesem Sinne freue ich mich auf das kommende Jahr, das sportlich spannend sein wird. Auf ein Jahr, bei dem ich wieder mit vielen Menschen über Eishockey werde diskutieren können - emotional und auch sachlich.
Auf ein Jahr, für das ich jedem einzelne vor allem eines wünsche:
Gesundheit. Und glücklich bleiben.

Von ganzem Herzen
Traube





Montag, 10. Dezember 2012

Drittes Derby ist erstes auf Augenhöhe



Das dritte Aufeinandertreffen von Ritten und Bozen in Klobenstein hat zum ersten Mal in dieser Saison die passenden Vorzeichen für ein spannendes Derby. Die bisherigen Duelle hatten jeweils einen klaren Favoriten gehabt, der sich auch jeweils durchgesetzt hatte. Beim dritten Spiel aber sind die Karten neu gemischt und der Ausgang des Duells ist mehr als offen. Die Kontrahenten begegnen sich auf Augenhöhe. Wobei die Vorteile unterschiedlich aufgeteilt sind.

Hier fünf Gründe, wieso Ritten dieses Derby gewinnt:

 

1. Justin Pogge: Ritten verfügt über den wohl besten Torhüter der gesamten Liga. Er hat im Laufe der Saison schon öfters Spiele im Alleingang entscheiden können.

2. Der HC Bozen ist müde: Seit der letzten Nationalmannschaftspause hat der HCB zwölf Spiele absolviert - und mindestens drei Spiele pro Woche gehabt. Da Bozen nur mit drei Linien agiert, müssen die Akkus leer sein und die Spannung im Team muss langsam nachlassen. Gut möglich, dass bereits im Spiel gegen Ritten der Spannungsabfall stattfindet.

3. Das Gesetz der Serie: Ritten hat in dieser Saison schon eine Serie einer Übermannschaft beendet: Mit einem 4:0 Heimsieg gegen die Wölfe aus dem Pustertal wurde die Siegesserie des HC Pustertal gebrochen. Außerdem kann Ritten in dieser Saison fünf Heimspiele in Folge gewinnen, auch diese Zahl ist noch nicht erreicht. Und drittens haben sich bisher in den Derbys immer die Heimmannschaften durchgesetzt. Auch diese Serie spricht für einen Rittner Sieg.

4. Ritten befindet sich im Derbyfieber und möchte die heimischen Fans von der eigenen Qualität überzeugen. Das Derbyfieber bewirkt, dass Ritten hochkonzentriert und kämpferisch zu Werke geht und Bozen regelrecht überläuft. Diese Laufbereitschaft sticht die taktischen Vorteile Bozens aus.

5. Der Rittner Sturm wacht endlich auf und spielt sein volles Potential und damit die starke Bozner Defensive aus. Über schnelle Kombinationen überrascht Ritten den HC Bozen und bereitet ihm einen stürmischen Empfang. Dass Ritten dazu im Stande ist hat die Mannschaft von Rob Wilson schon bewiesen.

Aber es gibt auch fünf Gründe, wieso Bozen das Duell für sich entscheiden kann:

 

1. Niklas Hjalmarsson: Der schwedische NHL Import sorgt in Bozen vor allem für eines - Für Selbstvertrauen. Und das wird in den Ergebnissen sichtbar: Seit der Wikinger das "weiß-rote" Dress übergezogen hat, verliert die Mannschaft aus der Landeshauptstadt nicht mehr. Und das nun schon seit zwölf Pflichtspielen in Folge.

2. Bozen ist taktisch überlegen: Brian McCutcheon ist der unumstritten beste Trainer der laufenden Meisterschaft. Kein anderer kann Spiele so lesen wie er und die richtige Rückschlüsse aus dem Gesehenen ziehen. Mit seinen präzisen Anweisungen, die von seinen Spielern punktgenau umgesetzt werden, hat er bislang noch jeden Gegner zur Verzweiflung gebracht, auch wenn die gegnerische Mannschaft kämpferisch und physisch stärker war.

3. Das Gesetz der Serie: Bozen hat seit über einem Monat nicht mehr verloren. Wieso sollte diese Serie genau in Klobenstein enden?

4. Bozen hat das Selbstvertrauen, die beste Mannschaft der laufenden Meisterschaft zu sein. Eine Mannschaft die gewinnt spürt die Müdigkeit nicht und kann aus dem Siegesrausch heraus immer neue Kräfte produzieren. Bozen ist eine eingeschworene Mannschaft geworden, wo jeder für den anderen läuft und Leistung bringt: Das ist der Grund, weshalb Bozen zur Zeit so gut wie unschlagbar ist.

5. Ritten hat ein Problem in Spielen, in denen es gegen direkte Gegner geht. Irgendwie tun sich die "Buam" schwer die Big Points zu holen. Weil Ritten in solchen Spielen verkrampft. Bozen hingegen spielt geduldig und wartet auf die sich ergebenden Möglichkeiten.

Das Fazit: Der Ausgang des Derbys ist offen. Und für ein spannendes und emotionsreiches Spiel ist gesorgt. Bleibt zu hoffen, dass die Fans das Angebot annehmen. Und sowohl Bozner als auch Rittner ins Stadion kommen. Um für einen stimmungsreichen Abend zu sorgen.

Sonntag, 25. November 2012

Showdown im Eishockeyfest


 


Man sagt, ich sei nicht besonders begeisterungsfähig.
Man sagt, ich sei manchmal ein bisschen kritisch.
Mag sein.
Vom Continentalcup bin ich begeistert.
Bis jetzt zumindest.
Und das restlos.
Vor allem vom zweiten Tag, der sich die Bezeichnung Eishockeyfest verdient hat. Der HC Bozen hat einmal mehr bewiesen, dass er etwas vom Organisieren versteht. Und die Inszenierung im Griff hat. Polemiken im Vorfeld und im Nachhinein hin oder her.

Es werden zwischen 4.000 und 4.500 Zuschauern gewesen sein, die das Abendspiel zwischen Bozen und Landshut sehen wollten. Darunter 200 Schlachtenbummler aus Landshut, die zu Beginn des Spiels für mächtig Stimmung sorgten, dann aber dem Alkoholkonsum Tribut zollen mussten und immer leiser wurden.
In der Landshuter Kurve auch viele russische und dänische Fans. Das ist der Unterschied zwischen Fußball und Eishockey: Die unterschiedlichen Fans sind Freunde. Und nicht Rivalen. Eishockey ist ein Sport der mehr verbindet, als dass er trennt. Beim Eishockey geht es um die Sache. Um den Sport. Nicht um die Sprache. Nicht um die Nationalität. Nicht um die Hautfarbe. Und das ist eine Voraussetzung, wie ein Fest zum Fest werden kann.




Verdienter Bozner Sieg

Selten war die Eiswelle in den letzten Jahren so gut gefüllt wie beim Abendspiel. Und die Besucher haben ein gutes und spannendes Spiel gesehen. Bei dem die Hausherren wieder ein wenig Startschwierigkeiten hatten, aber dann immer besser ins Spiel fanden. Und bis zum Spielende verdient gewonnen haben.
Der 2:0 Sieg hätte höher ausfallen müssen. Denn Torchancen hatten sich die Bozner ausreichend herausgespielt. Trotzdem hatte auch Fortuna ihre Hand über die "Weiß-Roten" halten müssen. Denn ein Lattenschuss hätte auch seinen Weg ins Tor finden können.
Herausragend die Leistung der Bozner Hintermannschaft, die nie die Nerven verlor und 60 Minuten lang konzentriert spielte.
Eishockey ist zwar ein Mannschaftssport. Doch ein einziger Spieler hat Bozen aus dem zwischenzeitlichen Loch in der Saison geholt: Niklas Hjalmarsson. Eine Augenweide, ihm zuzusehen. Sowohl offensiv als auch defensiv.
Bei Landshut spielte sich vor allem ein Spieler in den Mittelpunkt: Torhüter Timo Pielmeier, der mit seinen Glanzreflexen die Stürmer immer wieder zur Verzweiflung brachte. Beim ersten Gegentor hatte er keine Chance, beim zweiten Treffer war er nicht im Kasten. Er ist verantwortlich dafür, dass die Partie nicht schon nach 40 Minuten entschieden war.
Der Landshuter Cheftrainer Jiri Ehrenberger meinte nach dem Spiel: "Wir sind gut in die Partie gestartet. Aber aus unerklärlichen Gründen haben wir im zweiten Drittel einen starken Leistungsabfall erlebt. So etwas ist mir in meiner Trainerkarriere noch nicht passiert. Vielleicht sollten wir dieses Spiel einfach vergessen. Wir haben nie die Normalform erreicht. Vielleicht wollten meine Spieler einfach zu viel." Sein Stürmer Thomas Brandl ergänzt: "Wir sind unheimlich niedergeschlagen und enttäuscht. Nur im ersten Drittel konnten wir das umsetzten, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben verdient verloren."
Dass Bozen seine beste Leistung in dieser Saison gebracht hat bestätigt Coach Brian McCutcheon. "Seit zwei Wochen erleben wir spielerisch einen Aufschwung. Das war aber sicher die beste Leistung bisher. Es hat eine Menge funktioniert. Vor allem vom Powerplay bin ich begeistert. Es ist uns gelungen die Scheibe laufen zu lassen und in gute Abschlusssituationen zu kommen. Der Tormann der Landshuter war einfach zu gut."
Sein Star Niklar Hjalmarsson: "Es macht Spaß, dieses Turnier zu spielen und neue Mannschaften kennen zu lernen. Wir haben heute gut gespielt, vor allem in der Defensive. Ich bin stolz auf unsere Leistung."


Showdown gegen Neftekamsk

Nach dem 3:1 Sieg von Toros Neftekamsk gegen Herning im Nachmittagsspiel kommt es am Sonntag abend um 19,30 Uhr zum Endspiel zwischen dem HCB und den Russen.
Hjalmarsson hofft auf die Unterstützung der Fans: "Die Russen sind eine starke Mannschaft und wie alle russischen Mannschaften haben die Spieler große individuelle Stärke. Jeder im Team wird fokussiert sein und das beste aus sich heraus holen. Und wenn das Stadion wieder so voll ist wie heute, und uns die Fans unterstützen, dann ist alles möglich."
Auf die Frage, ob seine Mannschaft müde sei und das das Endspiel beeinflussen könnte meint Übungsleiter McCutcheon: "Diese Frage stellt sich nicht: Wir haben heute gewonnen, und dieses Gefühl überflügelt die Müdigkeit. Wir wissen, dass wir weiterkommen können und sind motiviert. Und diese Motivation wird alle Müdigkeitserscheinungen verblasen."

Es ist angerichtet für den Showdown im Eishockeyfest.
Das Angebot steht: Um 19,30 geht es los.
Es liegt an den Fans, die Einladung anzunehmen.
Und den letzten Gang des Festessens zu genießen.

Samstag, 17. November 2012

Was bleibt vom Derby Bozen Ritten?

Was war den das, bitteschön?
Die Rittner Leistung beim Derby gegen Bozen: 
Nicht vorhanden.
Die Bozner Leistung übermächtig?
Naja, das gilt es zu relativieren. 
Davon zu erzählen, es sei die beste Leistung seit Jahren gewesen erscheint mir übertrieben: Ich habe diese Saison schon bessere Spiele der Bozner gesehen. Geschweige denn in der letzten Saison. 
Aber: Es muss nicht alles schlecht geschrieben werden, was dargeboten worden ist.

So muss man dem amtierenden Meister attestieren, dass man engagiert zur Sache gegangen ist. Und in der Pause zweifellos Kraft und Selbstvertrauen getankt hat. 
Der neue Wikinger im Bozner Schiff: Eine Augenweide. Es scheint, dass er mit Schlittschuhen an den Füßen geboren ist. Alles, was er mit der Scheibe macht, hat Hand und Fuß. Fehler seinerseits: inesistent. 
Ob er defensiv stark ist? Das kann der beste Experte nach diesem Rittner Spiel nicht beurteilen. Weil Ritten im eigenen Verteidigungsdrittel abgesoffen ist. Und ab der Mittellinie praktisch nicht existierte.

Für die Rittner ist dieses Spiel aber kein Grund für Panikattaken und Anlass, um zu einer Shoppingtour aufzubrechen: Was der Mannschaft gefehlt hat, war die für den Erfolg so wichtige Spannung. Was nicht gerade von Professionalität zeugt, aber nachvollziehbar ist: Die "Buam" haben eine Woche Ferien genossen, die Qualifikation für den Italiencup war geschafft, in der Eiswelle ging es praktisch um die goldene Ananas. Weil man schon ein Derby gewonnen hat. Und weil man bereits gezeigt hat, dass man Eishockeyspielen kann.

Es ist Halbzeit in der Regular Season: Was nun folgt sind zwei Runden, in denen es darum geht, die eigene Position zu halten. Unter den Top fünf Teams zu bleiben. Dazu sollte es reichen, wenn man bei den Heimspielen punktet. 
Sicherlich keine besonders attraktive Aussicht auf das, was in den nächsten knapp zwei Monaten kommt. Weil es allzuleicht passieren kann, dass die so notwendige Spannung abhanden kommt. Und Kampfgeist verloren geht. 

Es ist davon auszugehen, dass beim Spiel Ritten gegen Mailand eine komplett andere Mannschaft zu sehen sein wird, als in der Eiswelle. Nicht vom Roster her. Aber von der Einstellung. Eine Mannschaft, die keine Fragen aufwerfen wird und so den peinlichen Auftritt von Donnerstag relativiert. 

Was in meinen Augen ein Fehler ist: Weil die offensichtlichen Defizite nicht angesprochen und ausgemerzt werden. Defizite, die sich, wie in der Heimarena ausreichend belegt, nicht im spielerischen Bereich liegen. Sondern in einer Einstellung. Irgendwo in der Psyche der Spieler. 
Forderung nach Veränderung? Keineswegs. Denn was sollte verändert werden? Es ist noch nicht alles Gold, was in Klobenstein glänzt. Aber es ist auch nicht so schlimm, dass man alles in Frage stellen sollte. Denn von einem bin ich nach wie vor überzeugt: Dass der in diesem Jahr eingeschlagene Weg der Richtige ist.


 

Samstag, 10. November 2012

NHL Lockout... und auf einmal ist Geld da

Es ist ein offenes Geheimnis. Eishockey ist nicht gerade der Sport, wo einem Sponsoren Millionen aufzwingen. Nicht in den renomierten Eishockeyligen Europas. Und schon gar nicht in Italien.

Dann ist auf einmal der NHL Lockout. Superstars kommen über den Teich. Eishockeyspieler, die alleine in Übersee so viel verdienen, wie nur wenige europäische Vereine als Jahresbudget zur Verfügung haben. Aber: Sie kommen und spielen trotzdem. Für weniger Geld. Aber für europäische Eishockeyverhältnisse immer noch für sehr teures Geld.

Freitag, 9. November 2012: 
Dieter Knoll tritt vor die versammelte Presse. Um "seinen" NHL Einkauf zu präsentieren. Er nennt eine Summe: Niklas Hjalmarsson kostet 30.000.- Euro - 
pro Monat.
Wer das Geld wie aufbringt, das interessiert mich nicht wirklich. Im Gegenteil: Als Eishockeyfan bin ich froh, dass es aufgebracht wird. Weil sonst würde man keine solche Weltklasse zu sehen bekommen.

Aber: Wie kann es sein, dass sich ansonsten Eishockeyvereine schwer tun, eine Grundfinanzierung für die Saison zusammen zu bringen, und dann werden Unsummen für Spieler ausgegeben, von denen man heute schon weiß, dass er die Saison nicht bei diesem Verein beenden werden.
Für dieses Geld kann man zwei Spieler holen. Nicht für zwei Monate. Sondern für den Rest der Saison.
Den Fall HC Bozen kann ich ja noch irgendwie verstehen: Der Continental Cup steht vor der Tür. Und wer Bozen kennt, der weiß, dass man dort hoch hinaus will: Teilnahme an der Finalrunde und, wenn geht, auch dort noch gut abschneiden.

Aber es gibt ein anderes Beispiel, das mich mit dem Kopf schütteln lässt. Das Beispiel Innsbruck, wo vor Saisonsbeginn ein finanzieller Zuschuss durch die Liga gebraucht wurde, um überhaupt an der EBEL teilnehmen zu können. Und nun leisten die sich einen NHL Spieler? Damit sie auch weiterhin weit abgeschlagen letzte sind und chancenlos Scheiben durch die Gegend schieben?

Es steht mir keine Kritik an den Vereinen zu, die sich diesen Luxus leisten. Denn ein bisschen hat es mit Prestige für die eigenen Farben zu tun. Auch keine Kritik, an den Leuten, die solch spektakuläre Transfers möglich machen. Aber: Wenn ihnen Eishockey wirklich etwas bedeuten würde, würden sie dann nicht langfristig in diesen Sport investieren?
Ein NHL Lockout setzt alle Logiken ausser Kraft. Wirtschaftskrise hin oder her, es wird geklotzt, und nicht gekleckert. Den Fans kann es eigentlich nur Recht sein.
Wenn nicht am Ende eine saftige Rechnung übrig bleibt...

Donnerstag, 8. November 2012

NHL als Opium fürs Volk? Niklas Hjalmarsson in Bozen

Die letzten Tage dürften im Bozner Hauptquartier nicht ganz einfach gewesen sein: Meldungen in der Presse zwischen Aufrüstung und Aufhausen wurden veröffentlicht. Das Headquarter blieb cool. Und stumm.
Bis dann eine Meldung hereinschneite, wie aus dem Nichts: Bozen verpflichtet Stanley-Cup-Sieger Niklas Hjalmarsson. Wenn das keine Ansage ist!

Freilich: Opium hat für begrenzte Zeit seine Wirkung. Aber: Der geschundenen Bozner Seele wird dieser "Rausch" gut tun. Vergessen sind die Polemiken der letzten Wochen. Vergessen sind die Klagen, dass die Spielerbank zu kurz sei. Auf einmal ist alles heiter Sonnenschein. Vielleicht nicht ganz zu Unrecht.
Denn nun glänzt in der Serie A1 ein NHL Stern. 
Es wird nicht die Erlösung sein, von der man sich großartiges Offensivspektakel erwarten kann. Denn Herr Hjalmarsson ist seines Zeichens ein Verteidiger. 

Er wird, 
hoffentlich, 
seine Stürmer mit strammen Pässen auf die Reise schicken. 
Und er wird, 
hoffentlich, 
defensiv zeigen, was Weltklasse bedeutet. 
Aber es ist nicht zu erwarten, dass er drei Tore pro Spiel schießt und damit Matches im Alleingang entscheidet.

Aber: Er ist die Chance, dass sich eine zuletzt lethargisch scheinende Mannschaft wieder aufrappelt. Er ist die Chance, dass in Bozen wieder mehr Leute zum Spiel kommen, als die optimistisch geschätzten 300 bei den vergangenen Auftritten. Er ist die Chance, dass es zu einem kleinen Aufschwung in der Bozner Eishockeywelt kommt. 
Denn: Wann hat man schon die Gelegenheit, einen aktuellen NHL Star zu begutachten?
Und wer war der letzte Vertreter des Eishockeystandes, der mit einem Stanley Cup im Gepäck nach Italien gekommen ist?

Freuen wir uns also, dass es einmal auch positives aus der Bozner Galvanistraße zu berichten gibt. Freuen wir uns auf die kommenden Spiele mit einem Internationalen Top Star. Und denken wir heute nicht schon daran, was passiert, wenn die NHL losgeht. Was, wie es scheint, schon ziemlich bald der Fall sein könnte. Und wie der Schädel dann brummen wird, weil der Rausch so intensiv gewesen ist. Genießen wir es einfach, uns eine Traumwelt vorgaukeln zu lassen.

Und noch eines: Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass bei der morgigen Pressekonferenz um 13.30 Uhr in der Eiswelle noch die eine oder andere Überraschung vorgestellt wird. Denn eines ist so sicher, wie das Amen in der Kirche: Nämlich dass Bozen als Ausrichter eines Continental-Cups nicht nur mitspielen, sondern weiterkommen will. Die Verpflichtung von Hjalmarsson ist dafür Beweis genug. 
Und ein starkes Indiz dafür, dass eine Schwalbe selten alleine über den großen Teich fliegt, um den Sommer zu machen.