Donnerstag, 8. November 2012

NHL als Opium fürs Volk? Niklas Hjalmarsson in Bozen

Die letzten Tage dürften im Bozner Hauptquartier nicht ganz einfach gewesen sein: Meldungen in der Presse zwischen Aufrüstung und Aufhausen wurden veröffentlicht. Das Headquarter blieb cool. Und stumm.
Bis dann eine Meldung hereinschneite, wie aus dem Nichts: Bozen verpflichtet Stanley-Cup-Sieger Niklas Hjalmarsson. Wenn das keine Ansage ist!

Freilich: Opium hat für begrenzte Zeit seine Wirkung. Aber: Der geschundenen Bozner Seele wird dieser "Rausch" gut tun. Vergessen sind die Polemiken der letzten Wochen. Vergessen sind die Klagen, dass die Spielerbank zu kurz sei. Auf einmal ist alles heiter Sonnenschein. Vielleicht nicht ganz zu Unrecht.
Denn nun glänzt in der Serie A1 ein NHL Stern. 
Es wird nicht die Erlösung sein, von der man sich großartiges Offensivspektakel erwarten kann. Denn Herr Hjalmarsson ist seines Zeichens ein Verteidiger. 

Er wird, 
hoffentlich, 
seine Stürmer mit strammen Pässen auf die Reise schicken. 
Und er wird, 
hoffentlich, 
defensiv zeigen, was Weltklasse bedeutet. 
Aber es ist nicht zu erwarten, dass er drei Tore pro Spiel schießt und damit Matches im Alleingang entscheidet.

Aber: Er ist die Chance, dass sich eine zuletzt lethargisch scheinende Mannschaft wieder aufrappelt. Er ist die Chance, dass in Bozen wieder mehr Leute zum Spiel kommen, als die optimistisch geschätzten 300 bei den vergangenen Auftritten. Er ist die Chance, dass es zu einem kleinen Aufschwung in der Bozner Eishockeywelt kommt. 
Denn: Wann hat man schon die Gelegenheit, einen aktuellen NHL Star zu begutachten?
Und wer war der letzte Vertreter des Eishockeystandes, der mit einem Stanley Cup im Gepäck nach Italien gekommen ist?

Freuen wir uns also, dass es einmal auch positives aus der Bozner Galvanistraße zu berichten gibt. Freuen wir uns auf die kommenden Spiele mit einem Internationalen Top Star. Und denken wir heute nicht schon daran, was passiert, wenn die NHL losgeht. Was, wie es scheint, schon ziemlich bald der Fall sein könnte. Und wie der Schädel dann brummen wird, weil der Rausch so intensiv gewesen ist. Genießen wir es einfach, uns eine Traumwelt vorgaukeln zu lassen.

Und noch eines: Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass bei der morgigen Pressekonferenz um 13.30 Uhr in der Eiswelle noch die eine oder andere Überraschung vorgestellt wird. Denn eines ist so sicher, wie das Amen in der Kirche: Nämlich dass Bozen als Ausrichter eines Continental-Cups nicht nur mitspielen, sondern weiterkommen will. Die Verpflichtung von Hjalmarsson ist dafür Beweis genug. 
Und ein starkes Indiz dafür, dass eine Schwalbe selten alleine über den großen Teich fliegt, um den Sommer zu machen.


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