Mittwoch, 16. Oktober 2013

Anspruch und Wirklichkeit


Der Anspruch eines jeden Vereines ist es, das Beste aus dem theoretisch möglichen heraus zu holen. Wobei es gar nicht so leicht ist, das theoretisch mögliche zu bewerten. Im Eishockey geschieht das anhand von Statistiken. Und Erwartungen, die man in diese Statistiken hinein interpretiert.

Doch wie kann praktisch das Beste heraus geholt werden? Wie wird Leistung gemessen? Reicht es wirklich aus, ein Tor mehr zu schießen, als zu kassieren? Oder geht die Erwartungshaltung weiter – und fordert das Umfeld mehr, als nur drei Punkte aus jedem Spiel?

Fakt ist, dass wenn am Ende einer Saison der Titel – oder zumindest die Finalteilnahme – steht, alles richtig gelaufen ist. Dann ist es unwichtig, was unter der Saison geboten worden ist. Theoretisch zumindest. Freilich: Wenn man mit den Kassieren der einzelnen Vereine spricht, dann wäre es schon wünschenswert, dass eine überzeugende Show geboten wird – wenn möglich bei jedem Heimauftritt. Denn nur diese Show lässt die Zuschauer kommen.

Zweifellos ist das Spielsystem für die Show mitverantwortlich. Und Mechanismen, die funktionieren. Denn ein gutes Spielsystem bedeutet, überraschende Spielmanöver, und begeisternde Szenen. Auch ein ausgesprochen defensives Grundkonzept kann attraktiv sein – wenn die sich bietenden Chancen ausgenützt werden. Damit diese erfolgreich sein können, müssen die überraschend, schnell, unberechenbar sein. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Übrigens nicht nur im Eishockey.

Beim HC Pustertal funktioniert der Überraschungseffekt: 

Zumindest meistens. Die Mannschaft kann sowohl kompakt verteidigen, als dann auch wie aus dem Nicht zuschlagen. Es ist eine Panzertruppe, die mit viel Wasserverdrängung nach vorne stürmt, und die gegnerische Defensive überläuft. Und die Mannschaft ist reif genug, nicht den Kopf zu verlieren, sondern auf den richtigen Moment zu warten. Um dann zuzuschlagen.

Bei Sterzing funktioniert es teilweise: 

Weil die Mannschaft kompakt ist und die spielerischen Defizite über Kampfgeist ausgleicht. Keine Scheibe wird verloren gegeben. Und dann kommen Konter – wie aus dem Nichts. Zwar sind die nicht immer erfolgreich – und vor allem an der Chancenauswertung muss man im Wipptal noch arbeiten – aber es ist doch ein ausgesprochen interessanter Ansatz zu erkennen.

Bei Ritten funktioniert er kaum: 

Die Mannschaft ist talentiert, und das weiß sie. Doch sie ist zu verspielt und aus diesem Grund zu berechenbar. Sie erarbeitet sich in den meisten Spielen einen Vorteil in der Offensivzone – allein die Abschlussversuche sind ausrechenbar. Die Abschlussversuche passieren meist über Weitschüsse, die noch nicht einmal von einem gut platzierten Stürmer verdeckt werden. Aus diesem Grund machen die meisten Torhüter, die gegen Ritten spielen müssen, eine gute Figur. Es fehlt kein Sniper – es fehlt die Kreativität – nicht der Spieler, sondern des Systems.


Es ist erst eine Runde in der ersten italienischen Liga gespielt. Und alle Mannschaften haben noch Luft nach oben. Was durchaus legitim und nachvollziehbar ist. Ich bin überzeugt, dass die System Macher das Potential erkannt haben. Ob sie es auch bis in die letzte Konsequenz ausreizen können, das wird entscheidend sein bei der Frage, ob das Saisonziel erreicht werden kann.  

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Stigmata oder Mein Gott, Du mein Österreich



Wenn am Tag nach einem Eishockeyspiel über Sicherheit diskutiert wird, dann bedeutet das nix gutes. Egal, wie das Spiel auch immer ausgegangen ist. Gewiss: Was am ersten Spieltag in Innsbruck passiert ist kann und soll nicht entschuldigt werden. Aber: Dass dann bei einem Spiel in Dornbirn alle gegnerischen Fans ausgeschlossen werden, das widerspricht allen Regeln der Zivilisation.

Egal, ob das Spiel als „Hochsicherheitspartie“ eingestuft worden ist oder nicht. Egal, ob Dornbirn für die Sicherheit finanziell aufkommen muss. Egal ob schon im Vorfeld mitgeteilt worden ist, dass die Bozner Fans ausgeschlossen werden: Der Vorfall in Dornbirn zeigt, dass auch in der EBEL nicht alles Gold ist, was glänzt.
Denn erstens hat jeder Verein bei jedem Spiel für Sicherheit zu sorgen. Denn man weiß ja nie, wer kommen wird. Die viel verlachte und verspottete Spaghetti Liga ist da einen Schritt weiter: Man denke nur an die Sicherheitsauflagen, die ALLE Vereine gegen Mailand zu erfüllen – und zu bezahlen haben. Da geht es nicht so einfach, dass man sich um die Auflage schwindelt, indem man einfach Fans ausschließt.
Das ist einfach nur, sich aufspielen, sich wichtig machen, sich bauernschlau über Regeln hinwegsetzen.
Keine Ahnung, ob das unter den Sachverhalt der Diskriminierung fällt, was übrigens gegen gängiges EU-Recht verstößt. Aber ganz sicher fällt dieses Vorkommnis unter den Vorwurf der Massenkriminalisierung. Denn wie kommt ein Verein dazu zu entscheiden, dass jemand draußen bleiben muss, nur weil er aus einem anderen Land kommt oder andere Sympathien teilt?
Was wäre gewesen, wenn die Situation gestern in Dornbirn eskaliert wäre? Wenn viele Bozner Fans angereist wären, um sich ein Spiel anzusehen? Was, wenn sie gegen den Pauschalausschluss protestiert hätten? Welche Sicherheitskräfte wären dann zuständig gewesen?

Der Vorfall von gestern in Dornbirn beweist Unfähigkeit der österreichischen Behörden. Und- auch wenn die Politik in diesem Blog nix zu suchen hat, ich kann es mir nicht verkneifen voller Inbrunst zu schreiben: Gottseidank ist Südtirol nicht Österreich.

Freitag, 4. Oktober 2013

Ein Playoff für den Italienpokal



Ich weiß nicht, wie konkret die Idee ist. Doch was ich gehört habe, finde ich ausgezeichnet: Nämlich, dass die Teilnehmer am Final Four Turnier für den Italienpokal durch ein Playoff (Best-Of-Three) ermittelt werden. Es ist ein neuer Ansatz, der Spannung in die Meisterschaft bringen soll. Und bringen wird. Noch aber scheint keine Klarheit zu herrschen: Weil sich Mailand noch nicht entschieden hat, ob das Finalturnier in der Metropole ausgetragen werden soll. Was eine ausgesprochen wichtige Information ist: Denn der Gastgeber wäre auf jeden Fall für das Turnier qualifiziert. In diesem Fall würde die letzte Mannschaft nach der Qualifikationszeit wegfallen und nicht um den Aufstieg mitspielen dürfen. Wodurch auch die Spiele am Tabellenende bereits jetzt besondere Wichtigkeit bekommen.

Aber wie gesagt: Wie schnell die Idee vorgestellt werden kann und wie schnell sie kommuniziert wird, hängt von der Entscheidung ab, ob sich ein Ausrichter für die Finalspiele findet. Immerhin kostet es die ausrichtende Mannschaft 25.000.- Euro, das Turnier zu holen. Das ist kein Pappenstiel. Und das ist vor allem keine Summe, die in drei Spielen so einfach eingenommen werden kann.

Für alle Mannschaften gilt, dass es bereits zu Saisonbeginn spannend wird: Auch wenn einige der Meinung sind, dass in einer Zwei-Klassengesellschaft die Kräfteverhältnisse zu unterschiedlich sind – das ist ja auch der Grund, weshalb das Meisterschafts-Playoff in einem Phantasiemodus ausgetragen wird – Ritten kann ein Lied davon singen und erzählen, dass ein Spiel Erster gegen Achter keine gemähte Wiese ist.

Mag sein, dass der Italienpokal in seiner Wertigkeit nicht ganz oben steht. Der Sieger der Trophäe feiert sie zwar als einen Pokal. Es gilt, was Jürgen Klopp nach dem Gewinn des deutschen Fußball-Supercups sagte: „Das ist ein Titel, den man gerne mitnimmt, aber auch einer, bei dem die Finalniederlage nicht schmerzt.“

Trotzdem: Der Ansatz gefällt mir. Weil die Eishockeysaison bereits früh richtig Fahrt aufnimmt und der schnöde Ligaalltag aufgepeppt wird. Aus diesem Grund hoffe ich, dass die Vereine eine Einigung finden, und dieser Modus zur Anwendung kommen kann.



Mittwoch, 2. Oktober 2013

Der Erste Eindruck: Gefällt mir!



Der Anfang ist gemacht. Die Eishockeysaison hat begonnen. Natürlich ist es zu früh für eine Zwischenbilanz. Aber es ist noch nicht zu früh für einen ersten Eindruck. Und der ist überraschend positiv. Aus verschiedenen Gründen.

EBEL

Das erste Kapitel im Abenteuer EBEL des HC Bozen überraschend. Weil die weiß-roten nicht nur mithalten können, sondern weil sie bislang wohl für die gesamte Liga die sportliche Überraschung sind. Weil Bozen bis auf ein einziges Mal noch in jedem Spiel gepunktet hat. Und die Punkte, die Bozen verloren hat waren im Grunde verschenkte Punkte.
Und noch etwas ist überraschend: Nämlich dass das Publikum in Südtirol das EBEL Abenteuer so dankbar angenommen hat. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Heimspiele des HCB ausgezeichnet besucht sind. Ich schätze einmal, dass durchschnittlich gut 1.800 Südtiroler dabei waren. Das ist nicht schlecht. Wenn man bedankt, dass sich der Zuschauerschnitt in den vergangenen Jahren verdoppelt hat. Und die wirklich attraktiven Gegner der Liga waren, mit Ausnahme von Salzburg, noch gar nicht zu Gast.
Und noch eine ausgesprochen positive Überraschung für mich ist, dass sogar erklärte Gegner des HCB den Erfolg anerkennen und – mehr noch – ihn dem HCB gönnen. Der eine oder andere erklärte Gegner wurde sogar schon im Stadion gesichtet. Und musste sich dabei erwischen lassen, dem Rekordmeister die Daumen gedrückt zu haben.
Der Start war also ausgesprochen erfolgreich. Von mehreren Seiten her betrachtet. Freilich: Es ist nicht alles perfekt – es gibt noch einige offensichtliche Baustellen, die geschlossen werden müssen, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Es besteht kein Zweifel darin, dass das geschehen wird. Gut Ding braucht gut Weil. Doch einen Vorwurf muss man sich gefallen lassen: Nämlich dass man früher hätte damit beginnen können, gewisse Arbeiten anzugehen.

Elite.A

Die höchste italienische Liga hat begonnen und schon gleich gezeigt, dass sie vom Niveau her nicht so weit von der EBEL abfällt. Zumindest die Spitzenmannschaften brauchen der Vergleich in sportlicher Hinsicht nicht zu scheuen. Und auch die Zuschauerzahlen stimmen. Zumindest die ersten drei Spieltage waren gut besucht.
Ausgesprochen positiv war der Sieg von Sterzing über Asiago: Denn der hat bewiesen, dass es auch in einer vermeintlichen Zweiklassengesellschaft Überraschungen geben kann und dass kein Spiel ein Selbstläufer ist. Die Saison ist eine Richtungsweisende, und die Vereine haben zumindest den Start hingelegt, um zu beweisen, dass man die Verantwortung ernst nimmt.
Ob und wie die nächste Saison aussehen wird, das kümmert vorerst niemanden mehr. Und das ist auch richtig so: Denn die Saison hat gerade erst begonnen. Und sollte nun erst einmal richtig genossen werden.

INL

Ich bin davon ausgegangen, dass die INL mehr Menschen begeistern könnte: Neue Gegner, neue Matches, neue Herausforderungen. Von der Theorie her stimmt das ja auch. Nur scheint das bei den Zuschauern noch nicht angekommen zu sein: Die Zuschauerzahlen sind ernüchternd und war so nicht zu erwarten gewesen. Welchen Grund das auch haben mag: Dass die Südtiroler Mannschaften ohne Chance sind, das kann nicht die Ausrede sein. Denn die Südtiroler Mannschaften werden in dieser Liga gewiss eine Hauptrolle spielen.
Vielleicht ist es doch nicht so günstig, zwei Tage hintereinander zu hause zu spielen. Vielleicht hat man diesem Ansatz, der in großen Ligen so erfolgreich umgesetzt wird, ein bisschen überschätzt: Weil die Südtiroler Realität nun einmal weit von einer Großstadt entfernt ist.
So gut die Idee dieser Zusammenarbeit auch ist: Vielleicht muss am Konzept noch ein bisschen gefeilt werden. Oder vielleicht muss noch ein bisschen dafür investiert werden, um den Markt – die Zuschauer – auf dieses neue Format vorzubereiten und für diese Idee zu überzeugen.

Inflation an Spielen

Auf jeden Fall haben die Eishockeybegeisterten in diesem Land in diesem Jahr ein Problem nicht: Nämlich, dass ein Wochenende ohne Eishockey verbracht werden müsste. Das Angebot ist groß – vielleicht zu groß für die wenigen wirklichen Eishockeybegeisterten, die sich auch einmal dafür entscheiden, ein anderes Spiel als das ihrer Herzensmannschaft zu besuchen. Denn wenn an einem Samstag im Umkreis von 70 km fünf Eishockeyspiele stattfinden, dann liegt es auf der Hand, dass man sich gegenseitig Konkurrenz macht und tatsächlich einander im Wege steht.
Vielleicht ergibt sich ja noch die Möglichkeit, daran kurzfristig etwas zu ändern – und attraktive Spiele so zu verschieben, dass diese auch tatsächlich von den Interessierten besucht werden können.


Dienstag, 1. Oktober 2013

Nachtrag zum Derby: Keine Frage der Entscheidung. Denn Entscheidungen müssen getroffen werden.

Noch einmal muss ich mich auf Samstag beziehen. Auf das Derby zwischen Ritten und Pustertal. Nicht, weil ich meine, es sei noch nicht alles gesagt. Und auch nicht, weil ich mich darüber ärgere, dass zwei Tore nicht gegeben worden sind: Das ist Sport, und die Entscheidungen der Schiedsrichter sind zu akzeptieren. Auch, wenn sie manchmal falsch sind. Wobei ich nicht unterstellen möchte, dass die getroffenen Entscheidungen von Samstag falsch waren: Ich kann beim besten Willen nicht das Gegenteil beweisen.
Und es ist ja auch nix passiert. Immerhin handelte es sich um ein Spiel der dritten Runde einer noch langen Saison. Diese Punkte werden wahrscheinlich nicht den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg am Ende des Jahres ausmachen. Und wie bereits am Sonntag geschrieben: Ritten kann eine Menge mitnehmen von diesem Spiel. Viel Positives. Es war ein Spiel, auf das Ritten wahrscheinlich mehr aufbauen kann als die sportlichen Sieger.


Was aber absolut inakzeptabel ist, das war das Verhalten der Schiedsrichter. Sie lieferten am Eis eine Show ab, die einer ersten Liga nicht würdig ist.

Jeder, der schon einmal das Glück hatte, die Videobeweise zu sehen, der weiß, dass der Schiedsrichter unmöglich gesehen haben kann, ob Luca Ansoldis Stock zu hoch war.

  1.      Der Spieler war schlicht und ergreifend nicht im Bildabschnitt der Kamera.
  2.      Außerdem ist die Kamera direkt oberhalb der Torlinie montiert. Das wiederum macht es unmöglich zu erkennen, wie hoch ein Stock eines Spielers war.
  3.       Und außerdem: Auch wenn etwas zu erkennen gewesen wäre, der Schiedsrichter hätte die Erkenntnis nicht in die Entscheidung einfließen lassen dürfen, da der Videobeweis nur dafür verwendet werden darf um festzustellen, ob eine Scheibe im Tor war, ob ein Schlittschuhtor erzielt worden ist und ob ein Torraumabseits bestanden hat. Für alles andere darf der Beweis nicht verwendet werden.

Die Schiedsrichter wissen das. Sie wollten sich über den Videobeweis auch nicht absichern. Sie wollten eine Show liefern und dem „dummen“ Publikum recht geben. Denn nichts anderes signalisiert die Aktion, als der Videobeweis verwendet worden ist. Ehrlicher wäre es gewesen, wenn die beiden Unparteiischen miteinander Absprache gehalten hätten, und dann eine Entscheidung getroffen hätten. Denn es ist ja nicht schlimm, wenn ein Schiedsrichter nicht alles sieht. Er ist auch nur ein Mensch – und keine Maschine. Aber vielleicht hätte ein Linienrichter auch eine Beitrag zur Diskussion geben können.

Die beiden Herren in schwarz-weiß haben mit der Aktion am Samstag Abend aber wieder einmal bewiesen, wie unprofessionell sie sind. Was nicht ihre Schuld ist: Denn ich bin überzeugt, dass gezielte Schulungen diese Unsicherheit nehmen würden. Konsequenzen haben die beiden keine zu befürchten. Denn auch das ist man gewohnt: Dass offensichtliche Fehler von Schiedsrichtern keine Konsequenzen haben. Was schade ist. Denn nur über Konsequenzen würde eine Besserung und ein Bemühen erreicht werden.

Ich widerhole mich gerne: Ich rege mich nicht über die Entscheidung auf, die getroffen worden ist. Schiedsrichter sind nun einmal da, Entscheidungen zu treffen. Was mich auf die Palme bringt ist das Verhalten, das da an den Tag gelegt wurde. Und die Überheblichkeit, mit der die offensichtliche Unsicherheit überspielt worden ist.

Daran können die Vereine nix ändern. Und auch nicht der Verband. Sondern einzig und allein der Schiedsrichterverband. Handlung von Seiten dieses Verbandes, der davon ausgeht, sowieso immer im Recht zu sein, sind nicht zu erwarten. So sind die Vereine gnadenlos den Pfeifen-Männern ausgeliefert. Müssen mit den Entscheidungen leben. Gott sei Dank war der Samstag nur der Dritte Spieltag einer noch langen Saison. Nicht auszudenken, wenn durch solche Shows Meisterschaften entschieden würden.


Sonntag, 29. September 2013

Ritten vs. Pustertal: Derby hat gehalten, was es versprochen hat

Es war ein gutes und schnelles Eishockey Spiel. Zwei gute Mannschaften unter sich. Zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison ganz gewiss ein Spitzenspiel, das Lust auf mehr macht und eine gute Werbung für den Südtiroler Eishockey Sport machte.

Ich halte wenig von Aussagen, dass die bessere Mannschaft verloren hat. Denn dazu sind die Regeln im Sport zu einfach: Wer gewinnt ist die bessere Mannschaft. Per Definition.
Dass Ritten das Spiel 55 Minuten lang bestimmt und dominiert hat, daran besteht kein Zweifel. Dass der HC Pustertal aber defensiv gut gearbeitet hat, das beweist das Ergebnis. Und Jean Sebastian Aubin war in einer Form, die ohne Übertreibung als Weltklasse bezeichnet werden kann. Er hat alles gehalten, was menschenmöglich war.
Was sich Ritten vorwerfen muss ist, aus der Dominanz nichts gemacht zu haben: Wer 55 Minuten lang anrennt, der muss mehr Phantasie einsetzen, um erfolgreich zu sein. Das Schema der Rittner Angriffe war durchschaubar, es fehlte der Überraschunsmoment, der spielerische Geistesblitz.
Nicht desto Trotz: Das Rittner Spiel war solide, die Mannschaft hat die Geduld nicht verloren und auch in der Defensive meist die Ruhe bewahrt. Dass man innerhalb von weniger als einer Minute um die verdienten Früchte der Arbeit gebracht worden ist, das mag bitter sein. Bringt die Mannschaft aber sicher weiter, als das ein glücklicher Sieg tun würde.

Immerhin kann Ritten behaupten mindestens drei Tore geschossen zu haben, auch wenn nur eines zählte. Ob die aberkannten Tore zu Recht oder zu Unrecht aberkannt worden sind, das werden die Fernsehbilder zeigen. Das ist aber auch nicht Gegenstand der Analyse: Denn zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison ist das Ergebnis Nebensache. Vor allem in einer Meisterschaft, wo zwei Leistungsklassen spielen. 
An diesen - wenn auch aberkannten - Toren kann sich Ritten aufbauen.
Wichtig ist, dass Trainerstab und Mannschaft die richtigen Schlüsse aus dem Derby zieht. Sich auf den Lorbeeren ausruhen, das dürfte nicht konstruktiv sein. Vor allem, weil die Lorbeeren nur halb geerntet worden sind.

Und Pustertal?

Pustertal ist einmal mehr eine Arbeitermannschaft, die ihre Aufgabe wie ein Uhrwerk erfüllt hat. Die Defensivleistung im Derby war einwandfrei - und über allem strahlte ein J.S. Aubin. Die neuen Bad Boys im Angriff werden von den Gegnern zwar gehasst werden - aber sie sind tolle Erscheinungen, die zum Eishockey dazu gehören - und für ordentlich Respekt sorgen.

Und die Schiedsrichter?

Die haben das Spiel nicht entschieden. Haben vielleicht die Regeln ein bisschen kleinlich ausgelegt, doch das kennt man von der hiesigen Schiedsrichterzunft. Vielleicht sollte ein bisschen in Fingerspitzengefühl investiert werden. Damit die Spiele mehr Rhytmus bekommen - und weniger zerhackt werden. 

Im großen und ganzen ein positiver Eishockeyabend.

Mit einem großen Fragezeichen: Dass im Anschluss an das Spiel gegenüber Reportern verlautet wird, man müsste sich noch überlegen, ob Statements gemacht werden. Denn man brauche keine negative Berichterstattung.
Kleiner Tipp am Rande: Das Ergebnis von Interviews ist immer das, was Spieler und Trainer von sich geben. Und sie sind die Möglichkeit, die eigene Sicht der Dinge darzustellen. Also genau das Mittel, um negativer Berichterstattung entgegen zu wirken.
Aussagen, man überlege sich, ob Interviews gegeben werden bewirken nur eines: Dass ein Verein, der professionell wirken möchte, genau das Gegenteil erreicht - und zurecht als Provinzverein abgestempelt wird.

Mittwoch, 25. September 2013

Mission Meistertitel: Oder wenn Lichter wichtiger als Spieler sind

Die nächste Runde beginnt – und zwei Favoriten müssen sich dem kritischen Heimpublikum stellen. Was daran besonders sein soll? Dass sowohl Ritten als auch Pustertal in diesem Jahr ganz offen und ehrlich sagen, dass sie Meister werden wollen. Entsprechend kritisch werden sie beobachtet werden.

Wobei: Zum Favoritenkreis haben die beiden Südtiroler Mannschaften auch in den vergangenen Jahren gehört. Und entsprechende Kommentare mussten sie über sich ergehen lassen. Doch in diesem Jahr ist es anders: Denn in der Vergangenheit waren die Ziele diplomatischer formuliert worden. In dieser Saison wird also keine Ausrede, von wegen man wurde falsch zitiert, mehr gelten.

Ehrgeiz in den Clubhäusern: Nicht erst seit heuer

Es ist couragiert und überaus ehrlich, den Meistertitel als Ziel hinaus zu schreiben. Wer den Ehrgeiz in den beiden Clubhäusern kennt, der weiß, dass jede Niederlage schmerzen wird. Nicht erst seit heuer – aber heuer ganz besonders. Weil diese Saison die Weichen stellen wird für die Zukunft. Auch darüber gibt es nichts, was es zu beschönigen gibt: Denn ganz sicher ist das die letzte Italienmeisterschaft, die in dieser althergebrachten Form ausgetragen wird.
Sowohl Ritten als auch Pustertal sind Mannschaften, die sich eine Tradition aufgebaut haben. Die seit vielen Jahren für Spektakel sorgen. Ein Scheitern in diesem Jahr könnte bedeuten, endgültig in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Denn wenn es die erste Liga in dieser Form in Italien nicht mehr gibt, dann gibt es nur zwei Alternativen: Das europäische Oberhaus, die EBEL, oder eben die zweite Geige, die INL. Und diesen Schritt möchten beide tunlichst vermeiden. Weil sowohl Ritten als auch Pustertal sich zu höherem berufen fühlen.
Das ist auch der Grund, weshalb die beiden Mannschaften in diesem Jahr sich ein Scheitern nicht leisten können: ein amtierender Landesmeister hat die besseren Karten aufzusteigen als ein Halbfinalist. Dass es nur eine Mannschaft schaffen kann, das ist heute schon klar. Die Frage ist aber auch, ob die Rechnung wirklich auch mit dem Wirt gemacht worden ist. Ob wirklich alle Unbekannten in die komplizierte Kalkulation einbezogen worden sind.

Es geht um weit mehr, als um die Meisterschaft: Es geht um die Zukunft

Es gilt also die Voraussetzungen für die Zukunft zu schaffen. Und es gilt zu überzeugen – und Euphorie zu generieren. Denn Euphorie verleiht Flügel. Und Euphorie erzeugt Sichtbarkeit.

Freilich: Dass dann in der Ankündigung für ein Eishockeyspiel ein Zug wichtiger als das Spiel ist, und dass eine neue Beleuchtung wichtiger als Ausfälle und sportliche Ziele sein soll, das ist für einen neutralen Zuschauer schwer zu verstehen. Dass nicht der Gegner, sondern eine Showbeleuchtung im Mittelpunkt steht mag ein bisschen provinziell anmuten. Doch die Wahl der Waffen bleibt jedem selbst überlassen. Nur, dass es um Eishockey geht, das sollte nicht ganz vergessen werden.