Samstag, 29. Dezember 2012

Traube's Jahresrückblick 2012

Die Mayas haben für 2012 zwar keinen Weltuntergang, aber den Eintritt in ein neues Zeitalter vorausgesagt. Und sie haben Recht behalten. Zumindest, was mich betrifft.
Neues kann nur durch den Zusammenbruch des Alten entstehen. Und so musste für mich eine Welt zusammenbrechen. Das geschah im Februar: Ich habe gesagt, was gesagt hatte werden müssen, was ich aber vielleicht nicht hätte sagen sollen. Weil ich dann noch in der Position wäre, die mir wichtig war. Die ich gerne hatte. Aus diesem persönlichen Weltuntergang ist etwas Neues entstanden.
Begonnen hatte es mit der Frage:  soll ich es wagen?
Die Antwort, zehn Monate später: Ja, das Wagnis hat sich gelohnt. Nicht, weil ich mir dadurch viele Freunde geschaffen hätte, sondern weil ich dadurch die Möglichkeit bekommen habe, zu sagen, was ich schon immer hatte sagen wollen, ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Weil durch meine Entscheidung muss ich alleine mit den Konsequenzen fertig werden.

Playoff und Internationaler Stellenwert der Serie A1

Und dann kamen die Play Offs, wo alles so kam, wie es kommen musste: Für Cortina war im Halbfinale Schluss, die Überraschungsmannschaft schlechthin in der letzten Serie A1 Saison. Bozen und Pustertal trafen sich im Endspiel, und auch das endete wenig überraschend mit dem 19. Meistertitel für den HCB und einer maßlosen Enttäuschung im Green Valley.
Die Nationalmannschaft ist sang und klanglos aus der Gruppe A abgestiegen. Was sich ergeben hätte, wäre die Chance auf Erneuerung gewesen. Eine Option, die die Verantwortlichen bislang noch nicht gezogen haben. Weil sich der Verband immer noch der Illusion hingibt, das italienische Eishockey wäre erstklassig auf dieser Welt.
Was sie verkennen: Man lebt in Italien vor allem in der Vergangenheit, woran vor allem die Vereine schuld sind, die sich der Erneuerung verschließen und innovative Konzepte nicht umsetzen wollen.
Dass das italienische Eishockey sich auf europäischer Ebene durchaus messen kann hat der HC Bozen im November bewiesen, als sich der italienische Meister im Halbfinalturnier für die Final Four Runde des Continentalcups qualifizierte. Und dabei die Meister aus der 2. russischen Liga, Dänemark und der 2. Deutschen Bundesliga eliminierte. Was Anlass zur Freude geben sollte. Nicht nur in Bozen, sondern in der gesamten Liga. Ob man den HCB nun mag oder nicht.

Wobei eines nicht übersehen werden darf: Das Niveau der italienischen Liga ist nicht so schlecht, wie es immer gemacht wird! Die italienische Serie A1 kann sich sportlich durchaus mit der 2. Deutschen Bundesliga, der dänischen Liga und sogar der EBEL messen. Daran besteht kein Zweifel. Wo noch Nachholbedarf besteht ist im Management, das professioneller werden muss. Es ist ja irgendwie lächerlich, wenn zwei Millionen Euro pro Jahr investiert werden und das Produktionspersonal (Spieler und Trainer) die einzigen bezahlten Mitarbeiter sind. Das würde in keiner Firma klappen. Denn in einer Firma versteht jeder, dass die Produktion nur dann einen Sinn hat, wenn auch der Vertrieb gewährleistet ist.

Es wäre langweilig, wenn es es nicht gäbe: Sommertheater 2012

Und es wurde Mai 2012: Ein großer Schritt für mich - die Eintragung ins Publizistenalbum und damit die Lizenz zum Schreiben. Eine persönliche Bestätigung und neue Motivation, in diesen Bereich investieren zu wollen, in diesem Bereich arbeiten zu wollen.
Das Eishockeysommertheater war das Übliche: Klagen über fehlendes Geld und dann doch loskaufen wie die Ölscheichs. Verhandlungen mit Trainern, wobei sich vor allem Ritten letzten Endes für eine Notlösung entschieden hat. Bei den Ausländern setzte man im Pustertal auf bewährte Kräfte mit Ergänzung in einzelnen Positionen, Ergänzungen, die qualitativ nicht an jene des Vorjahres heran kommen. Doch das hatte man schon im voraus geahnt. Bozen stimmte die Eishockeywelt auf ein Sparkonzept ein, das mittlerweile schon wieder über den Haufen geworfen worden ist. Ritten aber schlug richtig zu und holte sich große Namen, von denen man sich die Erfüllung eines Traumes erhoffte. Zum heutigen Stand der Dinge hofft man in Klobenstein, dass der Traum nicht Nachwuchs in Form eines Alb bekommt.

Eine große Chance hat 2012 für zwei Südtiroler geboten, die den Sprung nach Deutschland wagten: Stefan Mair ist in Schwenningen Cheftrainer und er überzeugt durch Leistung. Alles andere wäre auch eine faustdicke Überraschung gewesen. Und David Tschirner ist als Schiedsrichter ins Ausland gegangen, um Erfahrungen zu sammen und vielleicht den großen Sprung in die deutsche Profiliga zu schaffen.

NHL Lockout

Dann kam eine Nachricht, über die man lange diskutieren kann: Ein neuerlicher NHL Lockout. Europa wurde mit Profis aus der besten Liga der Welt überschwemmt. In Italien landeten Niklas Hjalmarsson und Nick Bonino. Eine Verfälschung der Meisterschaften? Zweifellos. Denn wenn solche Spieler in den Niederungen der Serie A1 und A2 spielen, so sind sie um ein Vielfaches besser als der Rest der Konkurrenz. Auch wenn den Regeln entsprechend: Trotzdem bleibt es Wettbewerbsverzerrung. Es ist schön, Weltklasse zu bewundern. Es ist nur notwendig, anzuerkennen, dass die daraus gewonnenen Punkte Momentaufnahmen sind und nicht in den normalen Alltag gespiegelt werden können. Es sind Festessen von sterndekorierten Köchen bereitet und nicht der Teller Nudel, den Mama auf den Tisch bringt.

HCB: Immer gut für eine Schlagzeile

Der HCB hat überhaupt für die widersprüchlichsten Schlagzeilen des Jahres gesorgt: erst das Versprechen, eine Fanoffensive zu starten und sich volksnah zu geben. Eine Versprechung, auf deren Einhaltung die Bozner Fans seit August warten. Dann ein sportlicher starker Start in die neue Saison - und eine sportliche Krise, von der man meinte, sie könnte den HCB mehr noch als die Saison die gesamte Zukunft kosten. Bozen reagierte und engagierte Niklas Hjalmarsson, der mehr noch als sportliches Können vor allem mentale Stärke zu den weiß-roten brachte und die eine Siegesserie starteten, die beispiellos ist.
Und weiß-rot musste in diesem Jahr in den blau-weißen Dressen des ungeliebten kleinen Bruders EV Bozen auflaufen, weil man vergessen hatte, die zweite Kollektion Leibchen zu bestellen.
Als die zweite Kollektion anrollte entschied man sich noch für eine dritte, die anlässlich eines Benefizspieles versteigert worden ist. Ein bisschen wie ein Beweis dafür, dass man durchaus im Stande ist, Trikots zu bestellen.

2012 war auch das Jahr, in dem das Klima zwischen den Fangruppen Südtirols rauher wurde: Weil drei Vereine ein Ziel haben, aber nur ein Titel zu vergeben ist. Der HC Bozen hat seit seinem Bestehen jedes Jahr den Anspruch, die Meisterschaft zu gewinnen. Der HC Pustertal möchte nach zwei Finalniederlagen in Serie endlich das höchste Treppchen besteigen. Und Ritten hat so viel Geld in die heurige Mannschaft gesteckt, dass alles andere, als der Meistertitel eine Enttäuschung wäre. Aus diesem Grund steht die Konkurrenz über der Freundschaft und aus diesem Grund kann an eine ernste Zusammenarbeit der drei Vereine (vorerst) nicht gedacht werden. Auch, wenn die drei Klassenbesten des Jahres gemeinsam viel bewegen könnten.

Menschlich bleiben

Und ein Ereignis hat in diesem Jahr dann doch noch gezeigt, dass Eishockey nur eine Nebensache sein kann: Die Nachricht, dass Kaspars Astashenko verstorben ist. Auch, wenn er wegen des Eishockeys bekannt und beliebt war, Eishockey kann nur ein Teil des Lebens sein. Der Rest eines Menschen ist es, was ihn wirklich wertvoll und liebenswürdig macht. Das gilt nicht nur für Kaspars, das gilt für uns alle. Und auch, wenn uns Eishockey bewegt, vergessen wir nie die Wesentlichen Werte im Leben.
In diesem Sinne freue ich mich auf das kommende Jahr, das sportlich spannend sein wird. Auf ein Jahr, bei dem ich wieder mit vielen Menschen über Eishockey werde diskutieren können - emotional und auch sachlich.
Auf ein Jahr, für das ich jedem einzelne vor allem eines wünsche:
Gesundheit. Und glücklich bleiben.

Von ganzem Herzen
Traube





Donnerstag, 27. Dezember 2012

Spielbericht HC Pustertal vs. Valpellice

Der Spielbericht heute einmal anders, mit O-Tönen, die nicht falsch interpretiert werden können. 
Denn Papier ist geduldig. MP3 nicht...


O-Töne:
Max Oberrauch
Herert Frisch

Quelle: Rai Sender Bozen, Mittagsmagazin vom 27.12.2012

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Weihnachtszeit ist Hockeyzeit


Und für Liebhaber des schnellsten Mannschaftssports der Welt jedes Jahr die Qual der Wahl: Ein Eishockeyspiel des Lieblingsvereins oder doch vielleicht ein Festtagsmenü in Davos? Weltklasseeishockey oder doch die Emotionen in den eigenen vier Stadionwänden?
(Rosarote Harmoniebrille auf.)
Denn eines ist klar: Die Weihnachtszeit ist auch in Eishockeystadien die Zeit, wo eine ganz besondere Atmosphäre herrscht. Auch, wenn die angebotenen Spiele vielleicht nicht so die Oberkracher sind.
Aber man ist über die Weihnachtsfeiertage ein ganz klein bisschen friedvoller, sucht ein kleines bisschen mehr Harmonie und Eintracht, stellt die "Freundschaft" und den "Frieden" in den Mittelpunkt. Und ärgert sich aus diesem Grund ein bissen weniger über vermeidbare Fehler oder sinnlose Strafzeiten. Das ist der besondere Charme der Weihnachtsspiele.
(Rosarote Harmoniebrille ab.)

Meisterschaften werden nicht zu Weihnachten entschieden. Aber die Weihnachtszeit ist ein wichtiger Ortientierungspunkt, wo die einzelnen Mannschaften stehen. Im Hinblick auf die Meisterschaftsplayoffs schon ein ernst zu nehmender Gradmesser: Die Intensität ist enorm, der Spielrythmus kommt der KO Phase schon sehr nahe: ein Spiel, ein Tag Pause, dann geht es schon wieder weiter.
Außerdem zeigt sich jetzt, wieweit es gelungen ist, Teams zu formen. Inwiefern Systeme greifen, wie weit Automatismen funktionieren. Denn die Probezeit ist vorbei. Das Grobe muss geschafft sein. Feinabstimmungen können immer noch vorgenommen werden, doch der letzte Umkehrpunkt, um noch signifikante Grundabstimmungen zu ändern, ist überschritten. Definitiv. Wenn jetzt noch am Fundament gearbeitet werden muss, dann ist davon auszugehen, dass die Firstfeier nicht mehr rechtzeitig stattfinden kann. Schiefe Mauern müssen jetzt stabilisiert werden, sie durch neue Konstruktionen auszutauschen wäre fatal: Weil ein Haus mit drei Mauern nicht stehen und vor Kälte nicht schützen kann. 
Was nützt eine Burg mit drei perfekt abgesicherten Seiten, wenn die vierte Seite einfach eingenommen werden kann?

Mailand hat den letzten freien Platz im Zug noch genommen und auf einen offensichtlichen Missstand richtig reagiert und Adolf Insam engagiert. Damit eine offensichtliche Schwachstelle in der Mannschaft eliminiert. Und damit den Grundstein gelegt, dass der Aufsteiger durchaus zu einem ernst zu nehmenden Halbfinalaspiranten wird.
Gut für die Spannung in der Meisterschaft insgesamt. Denn damit sind, abgesehen von den Punktelieferanten Pontebba und Fassa keine Selbstläufer mehr vorhanden, was eine heiße und ausgesprochen interessante Playoff Saison verspricht.

Die nun kommende Weihnachssaison (ich weiß, das Wort gibt es nicht) dürfte im Grunde in der Meisterschaftstabelle nicht mehr viel durcheinander wirbeln. Die Teilnehmer für die Masterround und Relegationsrunde dürften bereits heute so gut wie fest stehen, weil die Tabellenabstände doch relativ klar sind. Trotzdem ist sie eine ausgesprochen interessante Phase: Wegen der besonderen Atmosphäre einerseits. Aber dann auch, weil folgende Fragen geklärt werden müssen:
Wird der HC Pustertal nach der definitiven Qualifikation für die Masterround weiter so intensiv und energieaufwändig spielen oder es nun ein bisschen ruhiger angehen lassen? Wobei ich der Meinung bin, dass die Wölfe nur Vollgas spielen können. Weil das in der Charakteristik der Mannschaft liegt.
Kann der HC Bozen seinen imposanten Lauf fortsetzen und auch bei der erneuten Kraftprobe mit so vielen Spielen in so wenigen Tagen und der darauf folgenden Conti-Cup Finalrunde überzeugen? Oder wird nun auf "Sparflamme" gefahren, um Kraft für den Rest der Saison zu sparen?
Kann Ritten Sport auch "große" Spiele gewinnen und die direkten Gegner besiegen? Oder werden die notwendigen Punkte aus den "Pflichsiegen" geholt? Kann die Mannschaft endlich ihr volles Potential abrufen und braucht das Team von Rob Wilson vielleicht sogar einen engeren Spielrythmus, um das volle Potential abrufen zu können?

Spätestens am 10. Jänner, wenn die Regular Season abgeschlossen und die Christbäume und Weihnachtskrippen abgebaut sind, dann kennen wir die Antworten. Und dann werden sich definitiv die Favoriten für den Italienmeistertitel herauskristallisiert haben.





Sonntag, 23. Dezember 2012

Liebe Leser: Frohe Weihnachten




Es ist mein erstes Weihnachten als Blogger. 
Es ist klar: Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest. Auf dass ihr es mit euren Liebsten verbringen könnt. 
Meine Wünsche für mich?
Gesund bleiben. Glücklich bleiben. Das Übliche halt.

Und um es einmal nicht mit meinen Worten zu sagen, lasse ich den Poeten zu Wort kommen:
Ach, zwei Wünsche wünscht' ich immer
Leider immer noch vergebens.
Und doch sind's die innig-frommsten,
Schönsten meines ganzen Lebens!
Dass ich alle, alle Menschen
Könnt' mit gleicher Lieb' umfassen,
und dass Ein'ge ich von ihnen
Morgen dürfte hängen lassen.
(Adolf Glaßbrenner)

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten! 

Über Eishockeytrainer oder über Hausmannskost und Sterneküche

Immer wieder höre ich die Aussage - von verschiedenen Vereinen und verschiedenen Richtungen - , dass ein Eishockeytrainer für den Erfolg einer Mannschaft nicht so zentral wichtig sei. Viel wichtiger sei es, eine gute Mannschaft zusammen zu stellen. Denn eine gute Mannschaft wird dann schon aus sich heraus glänzen. Dann würde sich auch der Erfolg einstellen. 
Ganz unkommentiert kann diese Aussage aber nicht stehen bleiben. Denn zu schweigen bedeutet zuzustimmen.  

Ich hatte gestern abend die Gelegenheit, mit einem Profi zu sprechen, welchen Anteil ein Trainer am Erfolg einer Mannschaft hat. Hannes Fink meinte, dass ein Trainer mehr als 60 Prozent ausmacht: Nicht nur, weil er die Taktik machen muss. Sondern, weil er für die "Mannschaft" verantwortlich ist. Weil er die Gruppendynamik im Griff hat.



Früher war es im Eishockey vielleicht so, dass das größte Budget, unabhängig vom Trainer Meisterschaften gewonnen hat. Doch dann kamen neue Trainer, die bewiesen haben, dass sich Qualität auf der Bank auszahlt. Die mit -auf dem Papier kaum konkurrenzfähigen Mannschaften- auf einmal Erfolg hatten und weiter gekommen sind, als sie nach der oben gemachten Aussage hätten kommen dürfen.
Namen gefällig? 
Tom Pokel in Pontebba oder Stefan Mair in Fassa, Bruneck oder Cortina.

Welchen Unterschied ein Trainer machen kann beweist in diesem Jahr Brian McCutcheon, der zwar einen guten, aber nicht den besten Kader der Meisterschaft zur Verfügung hat und sowohl national als auch international erfolgreich ist.
 
Es ist, wie beim Kochen: Nix gegen Hausmannskost und nix gegen Hausfrauen, die teilweise ausgezeichnet kochen können. Aber: Wenn man ein und denselben qualitativ hochwertigen Warenkorb einem Profi und einem ambitionierten Hobbykoch zur Verfügung stellt, das Ergebnis wird nicht vergleichbar sein. Objektiv bewertet, ganz ohne Fanbrille.

Nicht jeder ehemalige Eishockeyspieler, auch wenn er erfolgreich war, muss ein guter Trainer sein. Es ist wie beim Kochen: ständige Fortbildung ist notwendig. Und, wenn man sich entwickeln will, dann muss man von den Sterneköchen lernen und das gelernte den eigenen Möglichkeiten entsprechend umsetzen. Nur so kann das gesamte Potential aus dem hochwertigen Warenkorb herausgeholt werden. Was verschiedene Vereine in der Vergangenheit schmerzlich lernen mussten.
Erfahrung sammeln heißt, aus der Vergangenheit lernen.
Wer das noch nicht kapiert hat, der verdient es sich, auch in Zukunft mit einem durchschnittlichen Essen zufrieden sein zu müssen. Auch, wenn er die teuersten Zutaten einkauft. 
Und sich dann noch fragt, woran das durchschnittliche Ergebnis liegen könnte.

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Weihnachtszeit ist Benefizzeit



Die Vorweihnachtszeit ist traditionell die Zeit, in der über Solidarität nicht nur gesprochen, sondern in der Solidarität auch gelebt wird. Weil man sich bewusst wird, dass es Menschen gibt, denen es sehr viel schlechter geht, als einem selber. Weil man sich bewusst wird, dass die eigenen kleinen Probleme im Endeffekt keine großen sind. Auch im Sport wird Solidarität geübt: Und für einen Moment lang werden Rivalitäten bei Seite gelegt und das Menschliche in den Mittelpunkt gestellt.

Ritten Sport hat die letzten zwei Jahre Benefizveranstaltungen vor Weihnachten durchgeführt: In der Saison 2010-11 wurde ein Benefizspiel aller Südtiroler Vereine zu gunsten krebskranker Kinder organisiert, 2011-12 wurden Plüschtiere für Kinder gesammelt, die Weihnachten im Krankenhaus verbringen müssen. 
In dieser Saison nun ist der HC Bozen in die Offensive gegangen und stellt das Vorweihnachtsspiel gegen den HC Mailand unter das Motto der Organspenden. Anlass ist die schwere Erkrankung des ehemaligen Bozen Stars Gates Orlando, der nach einer schweren Herzerkrankung ein Spenderherz brauchte.
Es geht nicht nur darum, Gelder für Spenderorganisationen zu sammeln: Es geht darum, die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Viele Leben könnten gerettet werden, wenn die Sensibilität für das Thema Organspende höher wäre. 
Salopp gesagt: Es ist Ressourcenverschwendung, gesunde Organe einzugraben oder einzuäschern, wenn diese noch Menschenleben retten könnten, oder Menschenleben verbessern könnten.

Das Duell Bozen gegen Mailand ist nicht zufällig zum Anlass genommen worden, diese Benefiztag durchzuführen: Die legendäre Nummer 17 ist sowohl in Bozen als auch in Mailand auf Torejagd gegangen. 
Wünschenswert wäre, dass der abgrundtiefe Hass zwischen den beiden Fanlagern für eine Partie lang begraben würde und dass die Solidarität in den Mittelpunkt gerückt würde, dass ein gemeinsames Fest für die gute Sache stattfinden könnte. Ob das gelingen kann? Mit ein bisschen guten Willen von Seiten der Fanlager auf jeden Fall. Doch das bleibt abzuwarten.

Ein bisschen schade ist, dass genau an diesem Tag 20 Kilometer entfernt das Vorweihnachtsderby zwischen Ritten und Pustertal gespielt wird. Denn so stehen die Südtiroler Eishockeyfreunde vor der Qual der Wahl zwischen zwei sehr emotionalen Ereignissen: Beim einen das Zeigen von Solidarität, wo Menschenlichkeit in den Mittelpunkt gerückt wird, beim anderen das Fest der Freundschaft und die gemeinsame Vorfreude auf die Weihnachtsfeiertage. 

Doch man muss nicht unbedingt in der Eiswelle sein, um Gutes zu tun: Die Spielertrikots, die anlässlich des Benefizspieles angefertigt worden sind, können Online (hier) von den Fans ersteigert werden. Der Erlös der Aktion fließt dem Verein AIDO zu, der sich für Organspenden einsetzt.