Mittwoch, 6. März 2013

Ritten Out: Außer Spesen, nix gewesen?



Und so ist es gekommen, wie es sich keiner wünschte, dass es kommen würde. Ein bisschen habe ich mir schon überlegt, ob ich diesen Artikel überhaupt schreiben soll: Denn immerhin wird mir unterstellt, ich hätte noch eine Rechnung offen mit Ritten. Aber dem ist nicht so: Ich selbst hätte mir nichts mehr gewünscht, als dass Ritten in die Vorschlussrunde einzieht. Und, wieso nicht, endlich einmal Meister wird. Denn eine schlagfertige Truppe hat man heuer tatsächlich zusammen gestellt.



Die Auswahl der Spieler: Allererste Sahne. 

Da wurde nicht gekleckert. Da wurde richtig geklotzt. Es war ganz sicher eine der teuersten Mannschaften, die Ritten je ins Rennen geschickt hat. Und dementsprechend hoch waren die Erwartungen, die in die Truppe gesteckt wurden. Sowohl vom Vorstand, als auch von den Fans.
Und nun, da das Aus gekommen ist, muss eine Analyse gemacht werden. Weshalb es nicht gereicht hat. Weshalb die Enttäuschung das einzige Ergebnis der Saison ist. Wieso kein Ziel erreicht worden ist, das man sich gesteckt hat.

Es wäre zu einfach, einen einzigen Namen zu nennen, weshalb es nicht gereicht hat. 



Eishockey ist ein Mannschaftssport. Und da gewinnt das gesamte Team. Und da verliert das gesamte Team. Jeder einzelne hat seinen Beitrag geleistet, dass es letzten Endes nicht gereicht hat.
Nur eine einzige Ausrede lasse ich nicht gelten: Die Ausrede vom Pech.

Ryan Ramsay war mit großen Vorschusslorbeeren auf den Ritten gekommen. Und die ersten Meisterschaftsspiele hat er die Erwartungen auch voll erfüllt. Doch dann spielte er nicht mehr. Weil er verletzt war. Als er zurück gekommen ist war er meilenweit von seiner Form entfernt. Und er konnte seiner Mannschaft nicht weiter helfen.
Im Nachhinein zu sagen, es wäre besser gewesen, sich nach Bekanntwerden seiner Verletzung von ihm zu trennen, ist altklug. Fakt ist: Jeder Trainer hätte Ramsay im Playoff eingesetzt. Auch wenn schon nach dem zweiten Spiel klar war, dass er keine entscheidenden Akzente mehr setzen kann.
  

Fehler 1: Mannschaftszusammenstellung

Irgendwie ist die Zusammenstellung der Mannschaft falsch gelaufen. Es wurden zwar prominente Namen gekauft. Auf die einzelnen Mannschaftsteile hat man aber kein Augenmerk gelegt. Einen einzigen Center hat man geholt, obwohl man bereits aus den vergangenen Saisonen hätte lernen müssen, dass ein guter Center allein zu wenig ist. Vielleicht wiederhole ich mich: Aber Tudin ist kein Center. Auch wenn er gerne einer sein möchte.
Und als dann Ramsay verletzt war, hat man sich nicht etwa entschieden, sinnvoll Ersatz für ihn zu holen: Nein, man bediente sich im Abfalleimer der EBEL und recycelte einen Spieler, der seine besten Tage schon lange hinter sich hat und der beim HCB wohl das letzte Spiel als Aktiver gemacht hat. Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendein Verein Andy Delmore als Spieler verpflichten wird.
Das Delmore Theater war aber nicht nur ein Fehleinkauf, sondern vor allem auch ein Element, wo Ritten versucht hat, sich über die Regeln hinweg zu setzen. Irgendwie wollte man Bauernschlau sein und als das nicht gelungen ist, hat man die Trumpfkarte des Beleidigtseins gezogen.
Diese personalpolitischen Entscheidungen waren, im Nachhinein, wohl mitentscheidend, dass man ausgeschieden ist. Weil man eine Position offen gelassen hat, obwohl man wusste, dass sie zentral ist.

Fehler 2: Taktische Fehleinschätzungen

Klar hat ein Trainer immer die Verantwortung zu tragen, wenn eine Mannschaft ausscheidet. Rob Wilson hat ohne Zweifel Stärken. Und diese liegen im Team Building. Allerdings hat der Coach auch eklatante Schwächen: Und die liegen im taktischen Bereich. Man hatte das vermutet, weil er bereits die letzten zwei Saison mit einer guten Mannschaft gescheitert war. Dieses Kunststück hat er auch in dieser Saison fertig gebracht: Weil er es nicht geschafft hat, Cortina zu lesen und aus dem Gelesenen zu lernen.
Andrerseits hat seine Stärke im Teambuilding dazu geführt, dass man vor Play Off Beginn die Illusion hatte, dass es etwas werden könnte, mit dem Rittner Traum: Weil da die Mannschaft gekämpft hatte und über diesen bedingungslosen Kampf Spiele für sich entschieden hat, die, der Papierform nach, nicht zu gewinnen waren.
Dem Trainer alleine die Schuld zu geben: Das wäre zu einfach.

Fehler 3: Fehlende Kommunikation?

Auch, weil er ja nicht isoliert im Raum steht, sondern ein Vorstand da ist, der den ganzen Spaß finanziert. Und wenn man der Meinung gewesen wäre, dass da was nicht passt, dann hätte man früher aktiv werden müssen. Und nicht nach dem Ausscheiden in der entscheidenden Phase.
Auch wenn ich mir für Ritten wünsche, dass man die richtigen Lehren aus dem Ausscheiden zieht: Ich hoffe, man ist vernünftig genug, um einzusehen, dass ein Trainerkumpel nicht ausreicht, um erfolgreich eine Saison zu gewinnen. Denn irgendwie steht das im Mittelpunkt: Weil die getätigten Investitionen nur den Schluss zulassen, dass am Ende der Titel hätte stehen müssen.
Schade um das ganze schöne Geld.
Und: Bozen hat in dieser Saison ein Sparjahr eingelegt, und ist in der Meisterschaft weiter gekommen.



Die positiven Erinnerungen, die an diese Saison bleiben werden? 

Ganz sicher die Entwicklung einiger einheimischer Spieler. Ganz sicher die Leistung, die Ingemar Gruber gezeigt hat. Ganz sicher Justin Pogge, der auf ganzer Linie überzeugt hat.
Die Überraschung der Saison war Domenico Perna, der sich der Liga angepasst hat, auch wenn man fairerweise zugeben muss, dass er von seinem Trainer gedeckt wurde. Und Mitchell, Kemp und Durno? Von Spielern in dieser Preisklasse muss man erwarten können, dass sie überzeugen und auf dem Eis hervorstechen. Alles andere wäre eine Überraschung gewesen.

Weshalb es nicht zum Titel gereicht hat?

Weil kein stimmiges Gesamtkonzept hinter der teuren Mannschaft gesteckt hat.
Weil mit Rob Wilson ein Trainer engagiert worden ist, der seine Schwächen nicht über seine Stärken ausgleichen konnte.
Und weil man auf Umstände, die sich aufgrund von Verletzungen ergeben haben nicht angemessen reagiert hat.




2 Kommentare:

  1. Meine Meinung ist, dass nicht die Mannschaft Schuld ist, sondern vielmehr der Vorstand. Man müsste mal die ganzen "alten Vorstand" ausmustern. Junge motivierte kreative Leute sollen am Vorstand gepfählt werden.
    Ich würde sowieso von Neu anfangen, da in den letzten drei Jahren wirklich tote Hose war.
    Serie B ist sehr Willkommen bei mir

    Grund 1
    Junge motivierte Spieler werden öfters eingesetzt zb. Julian Kostner, Ivan Tauferer, Mirko Quinz und andere.

    Grund 2
    Mehr Zuschauer bei einheimischen Clubs

    Grund 3

    Weniger Spesen

    Grund 4

    Mehr Einnahmen

    Ps. Man sollte nie nie nie mehr Ausgeben als Einnehmen, sonst schneidet man selbst die Kehle durch!!!

    Lg. Jeron Vieider

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    1. Naja, lieber Jeron, so einfach ist das dann doch nicht.
      Den Vorstand austauschen um für kreative junge Platz zu schaffen? Und welcher Kreative ist bereit, das finanzielle Risiko zu übernehmen?
      Nein, nein, im großen und ganzen passt es schon so, wie es ist.
      Nur halt sportlich nicht immer ;-)

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