Dienstag, 6. März 2012

Lega Krise oder Der Weg ist das Ziel


Nilo Riva ist als Präsident der italienischen Eishockey Lega zurück getreten. Als Argument wird angegeben, dass sich die Vereine in einer grundlegenden Frage nicht einigen konnten. Worum sich bei diese Frage gedreht hat, darüber braucht man nicht lange zu spekulieren. Das ist im Grund auch nicht wichtig.
Wichtiger ist die Frage: ist die Lega am Ende? Und ist dieser Rücktritt nur ein logischer Schritt, der kommen musste, weil sich die Lega im Grund schon seit langer Zeit selbst überlebt hat?




Eines ist so sicher, wie das Amen im Gebet: die Lega ist eine sinnvolle Einrichtung. Ohne Lega wäre das italienische Eishockey noch schwächer, als es sowieso schon ist. Die Lega ist eine Gewerkschaft für das Eishockey die dazu dienen sollte, dass die Vereine mit einer Stimme sprechen, geschlossen nach außen gehen, sich stark und einig präsentieren.
Genau das ist aber zu wenig passiert. Denn bisher haben sich die einzelnen Vereine immer noch auf die eigenen Lobbies verlassen und haben die Informationen so gestreut, dass populistische Diskussionen entstehen konnten. Damit hat sich die Lega de facto von innen heraus aufgefressen. Denn die Lega wurde ja niemanden aufgebürdet, die Vereine waren frei, ihr beizutreten. Oder auch nicht.
Man muss sich nichts vormachen: die Italienische Eishockeywelt ist ein Dorf. Ein nicht besonders großes Dorf noch dazu. Und wie in jedem Dorf gibt es auch im Eishockey Platzhirsche, die ihr Revier verteidigen wollen und Aspiranten für die Regentschaft, die entsprechend laut röhren, um diesen eigenen Machtanspruch zu verteidigen. Und die Interessen des eigenen Vereins. Dagegen gibt es nichts einzuwenden. Denn Eishockey ist von freiwilligen Enthusiasten gemacht, die mehr die Leidenschaft, als den wirtschaftlichen Sinn oder Unsinn in den Mittelpunkt stellen.
Die Dorfstruktur ist das größte Problem im italienischen Eishockey. Es fehlen die potenten Geldgeber, die ein Interesse am Weiterbestand der Bewegung haben. Dadurch fehlt die Möglichkeit, längerfristig zu planen und sich dadurch zu geben, die länger als nur eine Saison gelten. Die Gründung der Lega war ein Versuch, diese Problematik zu lösen. Es ist bei einem Versuch geblieben.
Weil jeder Verein sich selbst der nächste ist. Weil jeder Verein mit demselben Problem zu kämpfen hat. Nämlich mit dem Problem des Überlebens. Es ist wie bei jedem Überlebenskampf: jeder entwickelt seine eigene Strategie. Die einen meinen, durch eine ausgedehnte Shoppingtour Erfolg kaufen zu können und sich damit eine Zukunft zu sichern.
Andere haben auch eingekauft, setzten aber nicht alles, was die gekauft haben ein – zumindest vorerst nicht – denn ich möchte sehen, ob das wackelnde und rechtlich nicht bindende Gentlemenabkommen auch dann noch gilt, wenn das Ziel, der Meisterschaftsolymp, nur noch einen Schritt entfernt ist.
Die dritte Klassen sind die Vereine, die ihre Zukunftsperspektiven darin sehen, in einer strikten Reduktion der ausländischen Facharbeiter finanziell im Rahmen zu bleiben, wobei die so gemachten Einsparungen, zumindest in diesem Jahr, fehlende Einnahmen in der Playoff Phase zur Folge haben. Und sich die Frage stellt, ob die gemachten Einsparungen die fehlenden Einnahmen kompensieren.
Wobei es niemanden, außer den Vereinen selbst, zusteht, nachzurechnen. Denn die Rechnungen müssen ganz allein von den Vereinen und deren Verantwortlichen, und sonst niemandem bezahlt werden.
Dem italienischen Eishockey würde ein gemeinsamer Weg zweifellos gut tun. So lange die Strategien und Überlegungen der einzelnen Vereine aber so unterschiedlich sind, so lange bleibt die Situation verfahren. Wobei die Sache paradox ist: alle Beteiligten haben ein gemeinsames Ziel. Und das lautet, zu überleben und das Eishockey in Italien zu stärken. Und somit den eigenen Verein nachhaltig zu stärken. Doch in diesem Fall ist ein gemeinsames Ziel eindeutig zu wenig. Denn zielführend ist in diesem Fall einzig und allein ein gemeinsamer Weg. Womit in diesem Fall bewiesen wäre: Der Weg ist das Ziel.
Das ist der Ausgangspunkt, von dem her die Legadiskussion aufgerollt werden muss.

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