Sonntag, 11. März 2012

Projekt Eliteliga: Wolkenschloss oder echte Chance?



Das italienische Eishockey hat ein Problem: nämlich, dass es nicht weiß, wo es steht. Und nach welchen Regeln es funktionieren soll: auf der einen Seite gibt es den Eissportverband, der sich an die Regeln des Nationalen Olympischen Komitees halten muss, egal, ob das dem Sport nützt oder schadet. Auf der anderen Seite steht der Legaverband, ein freiwilliger Zusammenschluss der Eishockeyvereine, der interne Regeln definiert, die nicht verbindlich sind. Das einzige, das in so einer Konstellation herauskommen kann ist die Unsicherheit, wie wir sie in diesem Jahr gesehen haben, wenn bestimmte Vereine mit bis zu zwölf Ausländern spielen, obwohl legaintern 9 als Obergrenze definiert worden sind. Doch an die Legaregeln muss sich niemand halten. Weil es keine Sanktionen gibt, wenn man sich nicht an daran hält.
Dadurch wird es natürlich auch schwer, sich für die Zukunft zu regeln und sinnvoll zu planen. In dieser Saison war zumindest die Wirtschaftskrise auf der Seite des Sports: denn durch fehlende Geldmittel sind Ausländereinkäufe zum Transferschluss bei den meisten Meisterschaftsteilnehmern ausgeblieben. Und dadurch wurde vermieden, dass, wie in den letzten Jahren, das sportliche Ergebnis der ersten Meisterschaftsmonate durch Zukäufe in der zweiten Phase verfälscht wird.
Um das Dilemma und die Rechtsunsicherheit für die Zukunft auszuschalten gibt es nur einen Ausweg: eine Privatliga, die nach eigenen Regeln funktioniert und wo bei Regelverstößen adäquate Maßnahmen ergriffen werden können. Wie es aussieht, sind die meisten Vereine der Idee einer Eliteliga nicht abgeneigt. Wobei bei diesem Modell auch die Anzahl der Ausländer markant gesenkt werden soll: die Rede ist, dass man das Ausländerkontingent auf 4-6 Ausländer beschränken will.
Ritten Sport wäre mehr als bereit, diesen Schritt zu gehen: und beweist das mit der laufenden Saison, wo man bewusst das Ausländerkontingent nicht ausgereizt hat um ein Zeichen zu setzen. Jedoch wird Ritten alleine keine Eliteliga machen können, es braucht die Unterschriften auch der anderen Vereine.





Was passiert mit den Doppelstaatsbürgern?[Bedingter Umbruch]Was so einfach klingt lässt noch einige Fragen offen, die für längere Diskussionen sorgen werden: was ist beispielsweise mit den Doppelstaatsbürgern, die dringend in der Nationalmannschaft gebraucht werden? Gelten diese als Ausländer oder werden sie gleich wie die Einheimischen behandelt?
Wobei die Diskussion Nationalmannschaft im Grunde nur den Verband etwas angeht: aus gut informierten Kreisen wird berichtet, dass der Unterschied zwischen der Teilnahme an der Gruppe B und der Gruppe A WM 1 Million Euro an Mehreinnahmen für den Verband ausmacht. Sicherlich ein Argument, das für den Einsatz von Doppelstaatsbürgern spricht. Auf der anderen Seite aber bedeutet diese Regelung eine Mehrbelastung für die Vereine, die weit über die Million Euro hinausgeht, wodurch die Sinnhaftigkeit dieser Regelung, zumindest betriebswirtschaftlich betrachtet, für die Vereine in Frage zu stellen ist.

Das Ziel Niveauanhebung. Der Weg: Ein Weiter
Ausländerabbau in der Eliteliga, ein sinnvoller Weg, um das italienische Eishockey weiter nach vorne zu bringen. Denn durch eine solche Regelung werden die italienischen Eishockeyspieler stärker gefördert, weil sie eine neue Wichtigkeit in den Heimatvereinen bekommen. Das Projekt hat aber nur dann einen Sinn, wenn es lange genug läuft: denn die Ergebnisse dieses Konzeptes werden sich nicht nach 2 oder 3 Jahren, sondern nach 15 Jahren zeigen, siehe das Schweizer Eishockey, welches ja genau diesen Schritt unternommen hat, als der Rest Europas durch das Bosman Urteil dazu gezwungen wurde, beschränkte Ausländerkontingente aufzulösen.
Die ersten Jahre hat das Projekt Eliteliga sicherlich vorprogrammierte Problematiken in sich: so werden die Marktpreise für gute italienische Eishockeyspieler ins Astronomische steigen. Denn auf einmal werden die einheimischen Spieler wertvoll und gefragt – und Mittelmaß könnte auf einmal gehaltmäßige Spitzenklasse werden. In diesem Punkt müssen die Vereine untereinander Solidarität beweisen, sich absprechen und eine gemeinsame Preispolitik einschlagen – im Interesse auf die eigene Zukunft. [Bedingter Umbruch]Und es muss vermieden werden, dass, sobald sich die Wirtschaft erholt, und neue Geldmittel auch den Eishockeysport erreichen, dann das Projekt wieder ad acta gelegt wird, nur, weil sich ein Präsident den schon lange ersehnten Meistertitel erkaufen will.
Die Weichen sind gestellt für eine interessante Diskussion, die uns den Frühsommer über begleiten wird. Ob eine gemeinsame Lösung gefunden wird liegt nicht zuletzt daran, ob die italienischen Eishockeyvereine wirklich bereit sind, eine Revolution zuzulassen, oder ob sie sich weiter treiben lassen wollen in den Fahrwassern, die schon in der Vergangenheit nur im Kreis herumgeführt haben.

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