Sonntag, 13. Januar 2013

Schade: Kein Südtiroler Wochenende

Es ist kein Beinbruch, dieses Wochenende im Jänner. Und trotzdem ist es schade.
In der Meisterschaft sind sie die drei Führenden der laufenden Meisterschaft, bei diesem Turnierwochenende fehlt Pustertal, Bozen und Ritten scheinbar die Kraft.
Wobei: Während es für den HCB schon ein Erfolg ist, überhaupt in der Ukraine spielen zu dürfen, haben sich die Wölfe und die Buam in Turin  mehr erwartet. Aber: Die kraftraubenden letzten Wochen präsentieren nun ihre Rechnung.

HC Bozen

HCB: Nach einer desolaten Leistung im Auftaktspiel gegen die französischen Titelverteidiger aus Rouen haben die Foxes gegen Donetsk eine gute Leistung gezeigt. Zumindest kämpferisch. Dass man gegen die Heimmannschaft so gut wie keine Erfolgschancen hat, das war schon vor dem Turnierbeginn klar. Hätte der HCB gegen Donetsk gepunktet, es wäre eine Riesen Sensation gewesen.
Auch wenn die KHL Spieler vielleicht nicht das letzte aus sich heraus geholt haben: Gegen eine solche Mannschaft nur 3:0 zu verlieren ist schon ein kleiner Erfolg.
Vor allem, wenn man bedenkt, dass der italienische Meister mit einer schweren Hypothek angereist ist: Niklas Hjalmarsson, der Doppelschichten in der Bozner Abwehr geleistet hat, ist abreist. Damit fehlt nicht nur ein Fixstern in der Verteidigung, sondern vor allem auch die Lunge der Hintermannschaft. Schon in der heimischen Meisterschaft wirkt sich das Fehlen der "Versicherung" aus - geschweige denn in einem internationalen Match.
Bleibt abzuwarten, wie sich die Kampfleistung gegen Donetsk insgesamt auf den weiteren Weg der Foxes auswirkt. Das Problem: Jeder Akku, der einmal total auf null gefahren ist, der muss wieder total aufgeladen werden, um so zu funktionieren, wie er funktionieren sollte. Und dazu fehlt, beim engen Spielplan der Weiß-Roten wahrscheinlich die Zeit. Vor allem, weil die Schlüsselspieler auch im Feburar nicht die Meisterschaftspause nutzen können. Weil sie für Italien die Olympiaqualifikation schaffen sollen. Eine (fast) unmögliche Mission - auf Kosten der Kraftreserven der Bozner Spieler.

Ritten Sport

Gut gespielt und doch verloren? Eine Aussage, die in meinem Wortschatz nicht vorkommt. Eine kämpferisch gute Leistung, zweifellos. Aber ein Eishockeyspiel dauert nun einmal 60 volle Minuten. Bereits zum zweiten Mal innerhalb von 10 Tagen muss Ritten gegen Alleghe in der Schlussphase den Ausgleich hinnehmen. Gegen Alleghe zu verlieren ist keine Schande - doch sieben Sekunden vor dem Spielende den Ausgleich hinnehmen zu müssen ist zumindest ärgerlich.
Man kann darüber diskutieren, ob man Chris Durno zurecht frei gegeben hat: Unter dem menschlichen Gesichtspunkt sicher. Jeder der bei der Geburt seiner Kinder dabei war weiß, dass das ein prägender Moment ist. Und jeder Mann sollte in diesem prägenden Moment seiner Frau beistehen. Dasselber gilt für Eishockeyspieler - wenn es um "normale" Spiele geht. Ob ein Profi seine Mannschaft bei einem wichtigen Turnier im Stich lassen darf, darüber kann man getrost wochenlang diskutieren und es wird viele Meinungen darüber geben. Fakt ist, dass ein Eishockeyprofi mit dem Sport sein Geld verdient. Und Fakt ist auch, dass in professionellen Ligen eine Geburt kein Grund wäre, ein Turnier, bei dem es um einen nationalen Titel geht, auszulassen. 
Die Entscheidung, Durno am Ritten zu lassen, spricht zumindest für die Menschlichkeit bei Ritten Sport.
Die Niederlage gegen Alleghe stellt, trotz der guten Leistung, die Ritten gebracht hat, eine Frage in den Raum: Kann Ritten in dieser Saison die großen und vor allem wichtigen Spiele gewinnen? Im bisherigen Saisonsverlauf war dem noch nicht so. Die Rittner Mannschaft, die in den letzten Wochen zweifellos zusammengewachsen ist, wird nun beweisen müssen, dass sie auch große Spiele gewinnen kann. Denn nur dann werden die Buam zu Titelanwärtern.

HC Pustertal

Bitter schmeckt die Niederlage der Wölfe gegen Valpellice. Weil sie klar ausgefallen ist. Ohne die Diskussion, wer die bessere Mannschaft sei. Irgendwie scheint man im Pustertal den Faden verloren zu haben. Irgendwie werden die Wellen immer höher. Ohne wirklich ersichtlichen Grund. Es ist die Unsicherheit, die um sich greift. Und diese Unsicherheit ist nun auch in der Mannschaft angekommen. Einer Mannschaft, die vom ersten Spieltag an die Tabelle angeführt hat.
Es ist eine paradoxe Situation: Man führt die Meisterschaft souverän an, und wird kritisiert. Vor allem Einzelspieler werden auf das härteste angegriffen. Die Kritik kommt von den Fans zu den Funktionären. Und weil man in Bruneck eine große Familie ist und steter Tropfen den Stein höhlt, werden die Funktionäre von der Kritik angesteckt. Früher noch euphorisch in der Stadt gegrüßt hat man für gewisse Spieler noch höchstens ein mitleidiges Kopfnicken übrig. Vielleicht wechselt man sogar die Straßenseite, wenn der ehemalige Hero einem in der Stadt begegnet. Es sind die Kleinigkeiten, die den großen Erfolg möglich machen. Und die großen Spiele zeigen dann die Defizite.
Hat der HCP über Nacht das Eishockeyspielen verlernt? Mit Sicherheit nicht.
Ähnlich wie am Ritten stellt sich auch für die Wölfe die Frage nach dem Erfolgspotential in den Big Matches. Die Vorzeichen sind im Green Valley aber andere: Denn während am Ritten schön langsam die Kritikphase überwunden scheint und schön langsam wieder euphorischer Optimismus entsteht, so verabschiedet dieser gerade aus der Leitner Solar Arena.
Mit dem Ergebnis: Die durchaus schlagbaren Piemontesen stehen im Italienpokal Finale.
Und das bereits am frühen Abend verhinderte Südtiroler Traumfinale wurde ganz vermasselt.




Eine Katastrophe?

Im Gegenteil. Denn der Gewinn eines Titels kann bereits zu Sattheit führen, weil schon ein Gipfel erreicht worden ist. Der Effekt, dass der Titelgewinn noch weiter motiviert kann zwar eintreten. Doch es ist ungemein schwer, die Spannung hoch zu halten, wenn schon eine Trophäe begossen worden ist. Das zeigt die Erfahrung der letzten Jahre: Es ist lange her, dass ein Pokalgewinner auch den ungleich wichtigeren Meistertitel gewonnen hat.
Eines ist sicher: Dass nun sowohl Ritten als auch Pustertal alles geben werden, um sich für den Schlussanstieg zu qualifizieren. Im besten Fall alle beide. Weil man in Turin am Nebengipfel gescheitert ist.

Freitag, 11. Januar 2013

Kurt Platter und Patrik Patza Kirchler zu den Tops und Flops der Saison

Quelle: Rai Sender Bozen, Mittagsmagazin vom 11.01.2013
Interviewpartner: Kurt Platter, Patrik Kirchler
Bericht von: Peter Treibenreif
gelesen von: Roman Drescher

 

Donnerstag, 10. Januar 2013

Die Flops der laufenden Meisterschaft


Positives zu schreiben ist ja recht angenehm. Doch wie sag ich's meinem Kinde, dass nicht alles eitel Sonnenschein ist?
Am besten trocken von der Leber weg: 

Die Flops der laufenden Meisterschaft:


Pontebba und Fassa

Eine Meisterschaft, zumal nur mit zehn teilnehmenden Teams, lebt von Ausgeglichenheit. Wenn nun zwei Mannschaften an der Meisterschaft teilnehmen, um dem olympischen Gedanken hochleben zu lassen, so richten sie mehr Schaden als Nutzen an. Denn Exoten mögen bei einzelnen Wettkämpfen vielleicht ganz lustig, weil kurios, sein, in einem Meisterschaftsbetrieb sind sie aber nur eines: lästig und ärgerlich.
Mit Pontebba spielt eine Mannschaft in der höchsten italienischen Liga mit, die in der zweiten Liga kein ernst zu nehmender Anwärter für das Halbfinale wäre. Irgendwie zusammengebastelt präsentiert sich das Team zwischen Sein und Nicht-Sein. Wenn im Frühjahr dieser Meisterschaft der Abstieg besiegelt ist, dann gehen im Friaul die Lichter aus - denn Zweitligaeishockey werden die Vereinsverantwortlichen dort nicht anbieten. Die Retortenmannschaft, die anlässlich der Universiade vor einigen Jahren aus dem Boden gestampft wurde, beweist, dass zu erfolgreichem und langfristigem Sport Kultur und Tradition gehört - beides gibt es in Pontebba im Bereich Eishockey nicht. Das Ärgerlichste an der gesamten Angelegenheit: Dass sich die Liga und die anderen Vereine über Jahre an der Nase haben herumführen lassen, um nur ja nicht einen Teilnehmer an der A1 zu verlieren: Zugeständnisse bei den zugelassenen Ausländern in der Hoffnung, dass was nachkommt.
Das Ende des Liedes erleben wir in dieser Saison: Erstligasport, der diesen Namen nicht verdient, vor einer leeren Halle. Hoffentlich zieht man die richtige Lehre daraus: Lieber mit neun Mannschaften antreten als eine Gurkentruppe zuzulassen!

Dass auch Fassa unter den Flops steht ist unter diesen Vorzeichen vielleicht unfair. Denn Fassa hat Tradition, und auch wenn es die Zuschauerzahlen nicht würden vermuten lassen: Irgendwie gehört Fassa in die erste Liga. Nur ist es halt in diesem Jahr so, dass Fassa nur wenig besser als Pontebba ist. Zumindest für den Rest der Liga: Lästige Pflichtaufgaben, die mehr schlecht als recht abgeleistet werden, die aber niemanden warm werden lassen.
Fazit: In einer ersten Liga darf zwischen den zwei Erstplatzierten und den beiden Letztplatzierten ein merklicher Unterschied bestehen. Doch der Rest der Liga sollte zumindest im Stande sein, bei allen anderen zu punkten. Und nicht nur dann Punkte lassen, wenn die Mannschaft auf der Hinreise ordentlich gefeiert hat...

Andrew Raycroft, Greg Jacina, Pat Kavanagh

Der eine kam als Superstar in die Liga: Letztes Jahr noch Torhüter bei den Dallas Stars, in diesem Jahr Schlussmann in Mailand. Man hatte sich einen Übergoalie erwartet. Was er auf dem Eis bringt ist weit hinter den Erwartungen. Raycroft ist höchstens Durchschnitt in der Liga, auf keinen Fall der Mann, der den Unterschied macht. Er bekommt leichte Tore, was beweist, dass ihn nicht die Perspektive auf die KHL sondern keine Perspektive in Nordamerika in die Modemetropole gebracht hat. 

Der andere ist Heimkehrer am Ritten und zeigt, dass manchmal nur die Erinnerung Helden macht. Was Jacina in diesem Jahr am Ritten zeigt ist weit hinter den gesteckten Erwartungen. Hatte er bei seinem letzten Ritten Engagement noch durch Spielwitz und Kombinationsfreude geglänzt, spielt er in diesem Jahr höchstens die Prima Donna, die glaubt alleine auf dem Eis zu stehen. Sicher, er ist ein guter Eisläufer, aber als Solist spielt er praktisch keine Rolle mehr. Seine Abschlussversuche sind, ebenso wie seine seltenen Passversuche, schlecht getimed und schlecht gespielt. Bereicherung ist dieser Spieler für die Serie A1 keine. Meinte man zu Saisonsbeginn noch es bedürfe einer gewissen Eingewöhnungszeit so muss die Schonfrist nun, da die Regular Season abgeschlossen ist, vorbei, und Kritik erlaubt sein. 



Nicht fehlen darf in dieser Liste natürlich Pat Kavanagh, der als Messias angekündigt war, aber höchstens wie das Reittier des Propheten spielt. Sein Name steht hier stellvertretend für die vielen ehemals großen Namen in der Eishockeywelt, die keinen anderen Ausweg mehr sehen, als in Italien noch ein wenig Geld zu verdienen: Denn in den besseren Ligen gibt es Scouts, die sich Spieler ansehen. Oder Trainer, die auch einmal den Hörer in die Hand nehmen, um sich über einen Spieler, der kommen soll, zu informieren.
Pat Kavanagh ist nicht schlechter als die durchschnittlichen Transfercardspieler der Liga. Er hat nur nicht das gehalten, was man sich von ihm versprochen hat. Das ist das größte Problem des Pat K.
 

Die drei beweisen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man Spieler von Statistikblättern her kaufen konnte. Eishockey ist nicht mehr ein Spiel für Individualisten, Teamplayer sind gefragt. Und aus diesem Grund wäre es sinnvoll, wenn Spieler nicht über die Versprechen von Agenten, sondern aus dem Wissen eines Scouts verpflichtet würden. 

Dass diese drei Spieler unter den Flops stehen, hat natürlich mit ihrem Curriculum, ihrem Preis und der damit verbundenen Erwartungshaltung zu tun. Denn es gibt ganz sicher schlechtere Spieler als Raycroft, Jacina und Kavanagh. Nur haben diese schlechteren Spieler den besseren Preis.


Spielmodus

Er grenzt an einen Schildbürgerstreich, der Spielmodus der heurigen Eishockeymeisterschaft. Vor allem für jene Mannschaften, die sich unter den ersten fünf platzieren konnten. Weshalb eine Zwischenrunde spielen, die nur dazu nützt, die Saison künstlich in die Länge zu ziehen? Statt 36 spielen die Mannschaften nun 44 Spiele bis zu den Playoffs. Ist das der gewünschte Qualitätssprung?
Es ist mir klar, dass man nicht noch eine Vorrunde wollte, um nicht immer die gleichen Mannschaften zu sehen. Doch mit diesem Modus hat man das Problem nur schlimmer gemacht: Weil so sieht man einen Teil der Gegner noch zweimal. Und wofür? Um sich seinen Startpunkt für die Playoffs zu fixieren.
Bei allem Respekt: Aber dümmer geht's nimmer.

Professionalität der Vereine

Was mich immer wieder wundert ist die mangelnde Professionalität im italienischen Eishockey: Kein Wunder, dass sich der Sport nicht weiter entwickeln und international verankern kann. Immerhin werden pro Saison und Verein zwischen 1 und 2 Mio. Euro ausgegeben. Das ist das Umsatzvolumen einer kleinen Firma. Und doch leisten sich die Vereine nur spielende Profis und keine Verwalter oder Vermarkter. Sie begeben sich auf Gedeih und Verderb in die Hände ehrenamtliche Mitarbeiter, die keine Zielvorgaben und entsprechend keine Konsequenzen zu befürchten haben.
Der Eishockeysport wird über Freund- und Bekanntschaften gemanagt, das Ergebnis ist ein Zufallsresultat - auf jeden Fall nix, auf das gezielt hingearbeitet wird. Bestenfalls wird gewünscht und improvisiert, doch nicht langfristig auf die Erreichung eines Ergebnisses hingearbeitet.
Ich kenne keine einzige Firma, die im "echten Leben" so agiert.
Scheinbar sind die Gelder, die ins Eishockey gesteckt werden, nicht das gleiche Geld, das in der Wirtschaft in Umlauf ist. Ansonsten wäre dieses höchst dilettantische Vorgehen in einem Sport, der sich selbst so wichtig nimmt, nicht möglich...





Mittwoch, 9. Januar 2013

Am Ende der Regular Season: Die Tops der laufenden Meisterschaft

Schnell ist es gegangen: 35 von 36 Spieltagen sind absolviert, die Vorrunde der aktuellen Serie A1 Meisterschaft ist so gut wie abgeschlossen. Große Überraschungen sind ausgeblieben: Zumindest, was die Tabelle betrifft. Da finden sich die Mannschaften dort wieder, wo man sie, grob geschätzt, schon zu Saisonsbeginn vermutet hatte. Man könnte also meinen, die Saison sei langweilig und ohne Überraschungen gelaufen. Mitnichten. Denn in meiner Zwischenbilanz stelle ich heute die Tops laufenden Meisterschaft vor. Subjektiv, selbstverständlich. Und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Tops:

Taktik: Valpellice und Bozen

Gegensätzlicher könnten die taktischen Tops nicht sein: Auf der einen Seite mit Valpellice eine Mannschaft, die auf Taktik, so scheint es zumindest, absolut pfeift. Und auf der anderen Seite eine Mannschaft, die aus der Taktik ausgesprochen erfolgreich wird und aus ihr das Defizit der kurzen Spielerdecke wettmachen kann.
Ich habe in dieser Saison als neutraler Eishockeyzuschauer eine Lieblingsmannschaft zum Beobachten: Valpellice. Weil die Truppe herzerfrischend und unkonventionell Eishockey spielt. Das Offensivpotential der Piemontesen ist sehr groß. Und Rob Sirianni, Nate Di Casmiro & Co. spielen am besten, wenn sie spielen dürfen und nicht in ein taktisches Korsett gezwängt werden. Das Ergebnis: Sie erspielen sich viele Torchancen und eröffnen gleichzeitig den Gegnern die Möglichkeit, Konter zu laufen. Damit sind die Valpellicespiele das mitunter beste, was einem Eishockeyfan passieren kann. Dass dieser Ansatzpunkt  bedeutet, Harakiri zu begehen, zeigen die Ergebnisse dieses Jahres: Rang fünf ist zu wenig, wenn man die geballte Offensivkraft der Mannschaft sieht. Andrerseits ist der Tabellenrang aber ausgesprochen gut, wenn man die schwache Ausstattung der Defensive beachtet.
Das Gegenstück dazu ist der HC Bozen, der Vernunfteishockey spielt. Was sich vor allem im Spiel gegen die Instinkthockeymannschaft aus Valpellice zeigt: Denn wenn sich Konterchancen eröffnen, dann ist der HCB sicherlich nicht die Mannschaft, die diese ohne zu überlegen annimmt: Zu sehr hat Brian McCutcheon seine Mannschaft darauf eingestellt, kurz zu bleiben und nicht kopflos nach vorne zu stürmen. Der zweite Zwischenrang des HCB ist vor allem dem Trainer zuzuschreiben, der das beste aus seiner kleinen Mannschaft gemacht hat. Die Titelverteidiger spielen ausgesprochen ökonomisches Eishockey, halten mit den Kräften haus, machen wenig, dafür aber umso intelligentere Wege. Niklas Hjalmarsson hat der Mannschaft zwar gut getan, ihn allein als Vater des zweiten Tabellenrangs zu feiern wäre aber den anderen Spielern gegenüber ungerecht, die ihre taktischen Aufgaben ausgezeichnet erfüllt haben: Bozen braucht nur wenige Chancen, um Spiele zu gewinnen, rational und effizient werden die Angriffe zu Ende gespielt. Eishockeyspiele des HCB sind zwar lange keine so emotional erfrischende Angelegenheit wie jene des HC Valpellice, sie sind aber, vom taktischen Standpunkt aus gesehen, sehr interessant und lehrreich.
Während die einen fürs Herz spielen, bieten die anderen Nahrung für den Verstand.
Aus diesem Grund stehen diese beiden Mannschaften für mich ganz oben, was die Taktik betrifft.

Kämpferherz: Ritten und Pustertal

Spiele gewinnt man nicht nur über taktische Finessen. Sondern auch über die Bereitschaft, den inneren Schweinehund zu überwinden und zu fighten. Diese Erfahrung haben Ritten und Pustertal in diesem Jahr gesammelt. Die Trainer der beiden Mannschaften sind alles andere als Napoleonische Taktikgenies, aber sie können ihre Mannschaften offensichtlich motivieren und dazu bringen, auch noch einen Schritt zu machen, wenn es beginnt weh zu tun. Damit kann man durchaus erfolgreich sein. Das beweisen die beiden Südtiroler Mannschaften. Auch wenn spielerisch noch sehr viel Luft nach oben ist: Im Grunde zählen die Ergebnisse und die Dreier am Ende des Spiels.
Da hat sich Pustertal überhaupt nix vorzuwerfen: Denn dort, wo die Wölfe stehen, möchten alle hin. Auch, wenn der Gewinner der Regular Season rein statistisch gesehen schlechte Karten hat, am Ende Meister zu werden.
Und auch Ritten spielt zwar kein schönes, aber doch ein erfolgreiches Eishockey. Bei dem die Spieler oft selbst nicht wissen, wieso sie erfolgreich waren. Aber: Das zählt nicht. Wichtig ist für die Buam, sich fix für die Play Offs qualifiziert zu haben. Und nun eine Ruherunde einlegen zu können. Denn Kämpferspiele sind vor allem eines: Anstrengend.

Spielerpersönlichkeiten: Stanislav Gron und Adam Dennis

Stanislav Gron kann einem Leid tun: Er ist ein ausgezeichneter Spieler, vielleicht der beste der Liga, der konstant punktet. Doch sein Problem: Er spielt in einer Mannschaft, die nur bedingt konkurrenzfähig ist. Damit tut er sich und seinem Curriculum keinen Gefallen. Denn man könnte ja meinen, im Land der Blinden müsse der Einäugige König sein. Doch Stanislav Gron sticht nicht nur hervor, weil seine Mannschaftskollegen so schwach sind. Er wäre zweifellos eine Bereicherung für jede Mannschaft der Serie A1.

Adam Dennis ist für mich Top, weil er in einer Meisterschaft der Top Torhüter der Beste ist. Was man sich angesichts der Aubins, Raycrofts und Pogges nicht hatte erwarten können. Im Gegenteil: Man war zu Saisonsbeginn davon ausgegangen, dass Dennis ein eher schwächerer Schlussmann der Liga sein würde. 
Weit gefehlt: Auch wenn Alleghe einen gut besetzten Kader hat, der nicht nur blind nach vorne spielt, Adam Dennis hat seinen Beitrag dazu geleistet, dass Alleghe diese Saison so erfolgreich ist. Er ist der Albtraum der gegnerischen Stürmer. In dieser Saison mehr denn je.

Zuschauerzahlen

Dafür, dass Eishockey ein Nischenprodukt ist, verkauft es sich konstant gut. Einzig die Schlusslichter Pontebba, Fassa und Cortina schwächeln, die anderen Mannschaften sind so beliebt wie noch nie. Einen wesentlichen Beitrag zum positiven Gesamtergebnis trägt Mailand bei: Durchschnittlich 2.000 Zuschauer wollten die Rosso-Blu spielen sehen. Mailand ist eine Millionenstadt und dort ist es aus diesem Grund sicher einfacher Zuschauer zu gewinnen. 
Andrerseits hat dort niemand auf Eishockey gewartet, weil jede Sportart in der Metropole um die Gunst der Fans wirbt. Aus diesem Grund durchaus positiv, dass Mailands Produkt angenommnen wird. Ein bisschen Kontinuität und von der Lombardei könnte im günstigsten Fall ein neuer Eishockeyboom in Italien ausgehen.
In Südtirol sind, von den Zuschauerzahlen her keine großen Sprünge nach oben mehr möglich: Weil der Eishockeymarkt bereits übersättigt ist. Das Ergebnis des letzten Jahres zu halten ist das schon ein Erfolg. Das gilt nicht nur für die laufende, sondern auch für kommende Spielzeiten.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Und natürlich hat es in der Meisterschaft auch Flops gegeben. Diese stelle ich morgen vor...

Montag, 7. Januar 2013

Bestandsaufnahme nach zwei Wochen Weihnachten

Hat die Weihnachtssaison die Karten in der laufenden Eishockeymeisterschaft neu gemischt? Haben sich die Kräfteverhältnisse signifikant verschoben? Oder waren die vergangenen zwei Wochen nur eine Momentaufnahme, die keinerlei Aussagekraft über den Meisterschaftsausgang haben werden? Eine Analyse der drei Südtiroler Mannschaften.

HC Fiat Professional Wölfe

Der HC Pustertal ist gut in die Saison gestartet. Und spielt auch jetzt noch erfolgreiches Eishockey. Damit haben die Pusterer verdient die Vorrunde gewonnen. Aber: Die Mannschaft ist nicht mehr so dominant wie zu Saisonsstart. Ein Grund hierfür: Das spielerische Element und die Selbstverständlichkeit der gewohnten Leichtigkeit sind verloren gegangen. An ihre Stelle ist der Kampf und die Verkrampfung getreten. Ob es allein am Fehlen eines spielerisch starken Centers liegt wage ich zu bezweifeln. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Erwartungshaltung zu hoch ist, was auch die Mannschaft zu spüren bekommt. Wobei: Mehr als die Tabellenführung kann man nicht erreichen. Also ist die höchst mögliche Erwartung eigentlich erfüllt.
Mich erinnert die Situation an Ritten nach den erfolgreichen Jahren: Auch dort spielte die Mannschaft durchaus noch erfolgreich vorne mit, doch der Anspruch des Publikums war nicht nur eine gute Tabellensituation, sondern auch ein tänzerisches Spiel. Und daran zerbrach Ritten Sport vor drei Jahren. Und ist nun auf der Suche nach einer Neuausrichtung.
Was die Fans des HCP daraus lernen könnten? Dass man den Tag genießen soll und nicht immer das nächst höhere fordern darf. Denn ansonsten zerplatzt, was in Jahren aufgebaut worden ist.
Die Unruhe, die im Umfeld der Mannschaft und im Stadion zu spüren ist für mich der Hauptanlass, im HC Pustertal keinen Meisterschaftskandidaten mehr zu sehen. Pat Kavanagh und seine Leistungen hin oder her. Pat Iannones Nicht Leistungen auf oder ab. Ich bin auch überzeugt, dass ein Superstar daran nichts ändern wird. Wenn nicht Ruhe außerhalb des Kartons herrscht.

HC Bozen

Sicherlich die Mannschaft, die am meisten gefordert wird. Weil sie am meisten Spiele von allen Mannschaften bestreiten muss. Das Doping der Mannschaft ist abgereist und wird wohl allen Eishockeyfreunden positiv in Erinnerung bleiben. Mit seiner Abreise kommen wieder die Probleme auf, die schon vor seiner Ankunft bestanden: Eine zu kurze Spielerdecke, vor allem in der Verteidigung und daruas resultierend chronisch müde Defensivspieler. Hjalmarsson stand teilweise 40 Minuten am Eis. Was einer Doppelschicht entspricht. Ihn zu ersetzen braucht es, körperlich gesehen, zwei neue Spieler. Denn bei allem Respekt: Fabris und Oberdörfers Füße sind zu klein, um in die Fußstapfen des Wikingers zu steigen.
Worum es mir leid tut ist der Zeitpunkt, zu dem die Probleme wieder akut werden: Das Erreichen des Finalturniers im Continental Cups war ein großer Schritt des HC Bozen und gut für die gesamte Liga. Und wie sich Bozen beim Halbfinalturnier präsentiert hat konnte man sich durchaus Hoffnungen machen, dass auch in Donetsk die eine oder andere Überraschung gelingen könnte.
Nach der kräfteraubenden Weihnachtszeit aber könnte das Abenteuer ein ganz bitteres Erwachen werden.
Was Bozen außerdem enorm schadet: Das Ende des NHL Lockouts. Nicht, weil Niklas Bozen verlassen hat. Das hätte er auch ohne Beendigung des Arbeitsstreits. Aber: Weil nun der Markt neu aufgemischt wird und gute Spieler in allen Ligen gebraucht werden. Weshalb die zu zahlenden Honorare in astronomische Höhen schnellen werden, weil viel gepokert werden wird und weil die Zeit bis zum Ende der Transferaktivitäten verdammt kurz wird.
Titelverteidigung für den HCB? Brian McCutcheon würde es sicherlich möglich machen. Weil er der Beste hinter der Bande ist. Aber ein Fragezeichen bleibt: Nämlich ob die Beine (Spieler) dahin laufen können, wohin der Kopf will. Und da bin ich eher skeptisch.

Ritten Sport

In Klobenstein wird man sich daran gewöhnen müssen, dass es keine schönen Spiele zu sehen gibt und dass viel nach Improvisation aussieht. (Auch das Valpellicespiel war, unter technischen Gesichtspunkten kein Gustoctückerl, wohl aber nach wie vor eine hervorragende Show für die Zuschauer.) Aber: Die Mannschaft ist erfolgreich. Und zeigt sich seit einigen Spielen ausgesprochen treffsicher. Und wenn man eines nicht unterstellen kann dann, dass die Buam kein Kämpferherz hätten: Rückstände wecken den Tiger in ihnen und erfolgreiche Aufholjagten schweißen zusammen.
Wie lange allerdings diese extrem kräfteraubende Art Eishockey zu spielen aufgeht, ohne Tribut zollen zu müssen, bleibt abzuwarten.
Von einer Mannschaft, die vier Defensivspieler aus dem Ausland im Roster hat könnte man sich eigentlich erwarten, dass sie hinten ein bisschen kompakter steht und weniger Tore kassiert.
Auf jeden Fall hat, in der heutigen Momentaufnahme Ritten Sport die besten Karten den Olymp des italienischen Eishockeys zu erreichen. Auch, wenn es ein Problem gibt, das Ritten schon seit längerem verfolgt.
Und damit meine ich nicht den Ausfall von Ryan Ramsay...


Samstag, 5. Januar 2013

Großes Kino: Ritten Sport gegen Valpellice



Es gibt Eishockeyspiele, die gehen in die Geschichte ein, weil große Ziele erreicht werden.
Und es gibt Eishockeyspiele, die bleiben in Erinnerung, weil es großartige Spiele gewesen sind.
Das Spiel Ritten Sport Renault Trucks gegen den HC Valpellice vom 4. Jänner 2013 ist ein Spiel, das in Erinnerung bleiben wird. Weil das Spiel so ziemlich jedes Klischee bedient hat, das mit Eishockey verbunden wird.

Torreichtum


Tore sind ausreichend gefallen. Und den Zuschauern haben sie gefallen. Ob die Trainer auch begeistert waren, das muss dahingestellt bleiben. Eher nicht: Denn die Tore waren Resultate unzureichender Defensivarbeit. Sowohl auf der einen, wie auch auf der anderen Seite.
Ritten hat wieder einmal Kämpferherz bewiesen und sich zweimal aus eigener Kraft und eigenem Willen zurück ins Spiel gebracht. Nicht über spielerische Elemente, sondern über brachiale Gewalt. Spielerisch gesehen.
Die feineren Angriffsakzente hat freilich Valpellice aufs Eis gezaubert: Die Truppe aus dem Piemont ist sehr spielstark und lässt die Scheibe kreisen, dass den Gegnern regelrecht schwindlich wird.
Aber die Mannschaft hat nur eineinhalb Linien, und das geht an die Substanz. Sobald Valpellice die Kraft ausgeht und das Spiel nach vorne keinen Druck mehr entwickeln kann, ist die Mannschaft hinten offen: Weil die Verteidigung einfach zu schwach besetzt ist.

Ritten konnte im Spiel auch einen Mythos eindrucksvoll widerlegen: Nämlich, dass man nur von Justin Pogge abhängig sei. Was man schon seit Wochen leise vermutete wurde gestern Gewissheit: Der Torriese befindet sich in einer schöpferischen Krise und hat bei mindestens drei Gegentoren nicht gut ausgesehen und damit einen wesentlichen Beitrag an der Spannung im Spiel geleistet.

Andrerseits: Ritten hatte unheimliches Abschlusspech: Tudin, Spinell, Durno und Perna hatten 100 Prozentige Torchancen und verfehlten die leere Kiste. Hätte Ritten den Sack nach 60 Minuten zugemacht, niemand hätte von Glück reden können.

Härte


Lange hat man lamentiert, dass das italienische Eishockey Härte vermissen lasse und dass vor allem Fights fehlen würden. Auch diese Aussage gehört der Vergangenheit an: Wenn in einem Spiel vier Mal die Fäuste fliegen, dann ist schon eher die Grenze zu einer Schlägerliga erreicht. Einen Beitrag, dass das Spiel derart eskalierte hat sicher auch Giancarlo Bosio geleistet, dem das Spiel entglitten ist und der zu wenig hart durchgegriffen hat. Fauster hätte sich nach seinem Cross Check gegen Parise ebenso eine verfrühte Dusche verdient wie Parise, der sich anschließend mit dem Schläger zu rächen versucht hatte. Und T.J. Kemp war gut damit bedient, dass er, nachdem er die Fehdehandschuhe hat fallen lassen, keine 10 Minuten Strafe aufgebrummt bekommen hatte während sich Trevor Johnson als Depp der Nation vorkommen musste, weil er als einziger früher Feierabend machen musste.

Egal: Bei allen Analysen, die man machen kann - Der Abend war eine geile Show. Vor allem für die Zuschauer, die begeistert vom Gebotenen waren. Davon bitte noch mehr. Und wenn geht schon bald.


Dieses Video gibt's vom entscheidenden Penalty.
Kategorie: Sehenswert!
 

Donnerstag, 3. Januar 2013

HC Bozen vs. SG Cortina: Spielbericht


Spielbericht 33. Spieltag Serie A1 2012-13
Quelle: Rai Sender Bozen, Mittagsmagazin
Interviewpartner: Brian McCutcheon, Mark McCutcheon
Bericht & Interviews: Traube