Montag, 24. Juni 2013

EBEL Visionen gegen Kirchturmdenken

Bozen in die EBEL?
Die Indizienkette verdichtet sich. Und es gibt einige Gründe, die dafür sprechen, wieso es tatsächlich soweit kommen wird.
Mag sein, dass einige das Verhalten Bozens für nicht ganz korrekt halten: Sich zuerst für eine Reduzierung der Ausländer in der heimischen Liga auszusprechen um dann abzuwandern, das ist nicht die feine englische Art. 
Aber: ich denke nicht, dass es sich um einen Bluff handelt. Ich bin sogar überzeugt, dass es einen Grund für dieses Verhalten gibt.
Und ich bin überzeugt, dass Bozen in Österreich gute Vorarbeit geleistet hat und sich gut auf den Ligaeinstieg vorbereitet hat. Ich bin überzeugt, dass man die Verantwortlichen jenseits des Brenners davon überzeugen konnte, wieso Bozen eine Bereicherung für die Liga sein wird. Und dann musste natürlich das Kleingeld aufgebracht werden: 

Das war der Grund für das doppelte Spiel:

Während man für die italienische Eishockeyliga keine Sponsoren mehr findet, weil das Produkt totgekaut ist, aufgrund der nie enden wollenden Polemiken und Diskussionen statt der längst notwendigen Reformen, wird Geldgebern in Österreich eine Plattform gegeben, in der sich das Investment aufgrund der Sichtbarkeit rechnet. Wenn also ein Beitritt in Österreich nicht geklappt hätte, wäre Bozen gut beraten gewesen, die Sparflamme zu propagieren.
Es ist kein Freundschaftsdienst den anderen Vereinen in Italien gegenüber, nun, in der schweren Krise, die der Sport durchmacht, die Reißleine zu ziehen. Aber: 
Freundschaftsdienste sind im italienischen Eishockey dünn gesät.

Der Grund, weshalb sich vor allem die Südtiroler Vereine über den Auszug Bozens ärgern ist kein sportlicher: 

Sondern es geht um die Frage nach dem Platzhirschen. 

Pustertal hat in der Vergangenheit gut und professionell gearbeitet. Das hat die Illusion erweckt, man müsste als erster Verein den Sprung in die EBEL schaffen. Da wurde die Rechnung ohne Wirt gemacht: Denn Platzhirsch ist nun einmal der HCB und der wird alles daran setzen, seine Vormachtstellung in Italien zu untermauern und nachhaltig zu unterstreichen.
Auch am Ritten hat man gute Arbeit geleistet. Doch das obere Ende des Fahnenmastes ist erreicht: Ritten wird nie EBEL spielen können. Das Einzugsgebiet ist zu klein, der Verein wird nie die Attraktivität einer Stadt erreichen. Ritten ist ein Dorfverein, der bereits am oberen Limit spielt, daran ändern sportliche Ergebnisse nichts. Ritten fürchtet sich wohl davor, Zuschauer einzubüßen. Und Sponsorengelder. Denn wenn Bozen und Ritten in einer Liga spielen, kann Ritten als Underdog auf Sympathiepunkte zählen. Wenn Bozen international antritt, dann sind die Vergangenheit.

Was aber für alle Südtiroler Konkurrenten unerträglich wäre ist, 

wenn das Bozner Eishockeyprodukt beim Publikum ankommen würde und die Eiswelle regelmäßig gut gefüllt wäre. Damit würde nämlich eine These unwiderruflich widerlegt werden: Nämlich das sich das Publikumsinteresse proportional zur Ligaattraktivität verhält. Und in dem Fall wäre eindrucksvoll bewiesen, dass in den letzten Jahren die Hausaufgaben nicht erfüllt worden sind. Weil man sich in Grabenkämpfen und nicht in Produktentwicklung aufgerieben hat.

Dass sich Bozen aus dem Eishockeygeschäft, wie angekündigt, zurückziehen wird, daran glaube ich nicht. Erstens, weil die Schadenfreude von auswärts unerträglich wäre. Zweitens weil das Scheitern eines Rekordmeisters, der im Ausland immer noch einen großen Namen hat, unabsehbare Folgen für das gesamte italienische Eishockey haben würde.

Ich bin überzeugt, den HC Bozen in der EBEL zu sehen. Weil der Verband es sich nicht leisten kann, gegen Bozen zu entscheiden. Gleich, wie er sich nicht gegen Asiago oder Mailand entscheiden könnte. Der Verband ist in Italien das schwächste Glied der Kette. Schuld daran sind die Vereine, die ihn im Laufe der Jahre nachhaltig geschwächt haben. Weil sie jede Entscheidung kritisiert und umschifft haben.
Wieso sollte sich das ändern?

Montag, 17. Juni 2013

HC Bozens Teilnahme an der Eliteliga fraglich

Die Anzeichen verdichten sich, dass die Elite Liga, oder Serie A, oder wie auch immer das Kind genannt wird, einen weiteren Teilnehmer verliert. Nicht aus finanziellen Gründen. Sondern aus sportlichen. Der HC Bozen hat schon einmal die Fühler in Richtung Norden ausgestreckt und möchte an der EBEL teilnehmen. Dies soll in einem Schreiben an den Verband mitgeteilt worden sein. Der Verband ist nun in der Zwickmühle: Denn wie kann der dem HCB verbieten, was er gerade erst fünf anderen Vereinen erlaubt hat?
Die Alternative, die der HCB anbietet ist der totale Rückzug aus dem Eishockeygeschäft.

Was bedeutet das für die erste italienische Liga?

Schon klar, wir befinden uns noch mitten drin im Sommertheater, das in der italienischen Eishockeyliga bekanntlich immer ein bisschen länger dauert. Doch sollte es tatsächlich soweit kommen, was die Vorzeichen so versprechen, dass ist das ein ausgesprochen düsteres Bild.

Eine kurze Zusammenfassung:

Fix dabei sind Sterzing, Ritten, Pustertal, Asiago, Cortina und Mailand. (Zumindest haben die noch nicht die Sommerbühne, aus welchen Gründen auch immer noch nicht betreten).

Alleghe sucht noch händerringend nach Geld. Ebenso Fassa.
 
Valpellice ist ins Theater eingestiegen und wir am Donnerstag einen Pressekonferenz abhalten. In Torre Pellice ist der Beitrag der Region für die Führung des Stadions noch nicht eingegangen/gestrichen worden.
 
Und der HC Bozen schielt ins Ausland. Weil die EBEL unter diesen Voraussetzungen die bessere Wahl ist.
 
Ein verständliches Argument.
 
Und, gäbe es im italienischen Eishockey so etwas wie ein Gesamtkonzept, wäre dem nichts entgegenzusetzen.
 
Nur: Wenn der HCB zu diesem Zeitpunkt auch noch verloren geht, dann ist das italienische Eishockey tatsächlich nicht mehr zu retten.
Was vielleicht einen totalen Neustart möglich machen würde.
Pontebba scheint aufgegeben zu haben.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Eine (nicht) ganz ernst gemeinter theoretische Erklärung


Eishockey ist eine hochphilosophische Angelegenheit.
Das belegen die alten Meister. Sie haben es vorweg genommen, lange bevor es den Sport überhaupt gegeben hat.
Auch ein Grund dafür, weshalb  sie als große Denker verehrt werden. Und gelehrt werden. Weltweit. Und in allen Schulen.
Beispiele gefällig?

Platon

Ein gewisser Platon lebte 428 - 347 v. Chr. im fernen Griechenland. Und schon damals, als Griechenland noch weit von Krisen entfernt war meinte er salopp: "Ich weiß, dass ich nix weiß."
Als ich heute durch Bozen ging und Informationen zur kommenden Eishockeymeisterschaft einholen wollte, hatte diese über 2.000 Jahre alte Weisheit an ihrer Aktualität nix verloren. Diese Erkenntnis - führt sie zur Läuterung?

Imanuel Kant

2.000 Jahre später lebte Imanuel Kant (1724-1804), ein Vordenker der kritschen Aufklärung. In seinem Werk Metaphysik, zweiter Teil, erkannte er, dass die Welt zweidimensional erklärt werden könne, und für den Menschen nur über das Messen und Zählen erkennbar sei. Alles andere, das Träumen von einer dritten Dimension sei eine Illusion, die für den Menschen nicht erreichbar sei. Da helfe keine Diskussion und keine Überzeugungsarbeit. Und wie es aussieht hatte der gute Kant aus Königsberg recht.

Johann Wolfgang v. Goethe

Und noch ein Denker, Johann Wolfgang von Goethe meinte 1812: "Wer sich nicht nach der Decke streckt, dem bleiben die Füße unbedeckt." Und es scheint, dass er Recht behalten soll. Denn wer das nicht tut, der bleibt auf der Strecke und muss seine Segel streichen, zusammenpacken, einrollen.

Sokrates

Freilich, wer das italienische Eishockey kennt, der kennt auch den Schwanengesang als bislang erfolgreiche Finte. Eigentlich bezeichnet man als Schwanengesang das letzte Werk eines Musikers oder Dichters, oder aber die letzte Rede eines Politikers. Der Ausdruck geht auf den alten griechischen Mythos zurück, der besagt, dass Schwäne vor ihrem Tod noch einmal mit trauriger, jedoch wunderschöner Stimme ein letztes Lied anstimmen. Sokrates (Lehrer des oben zitierten Platon , 469 - 399 v. Chr.) erklärt den Gesang der Schwäne mit deren Vorkenntnis des Guten in der Unterwelt.
Das italienische Eishockey hat den Schwanengesang als probates Mittel erkannt, um sich eine weitere Galgenfrist zu erpressen. (Die "Galgenfrist" war in der mittelalterlichen Rechtssprache die letzte Gnadenfrist, die einem zum Galgen Verurteilten eingeräumt wurde. Die Redensart wird bereits seit dem 16.Jahrhundert im allgemeineren Sinne gebraucht.)

Deutscher Fußball Bund

Der Schwanengesang ist eine Finte, die eigentlich nicht mehr überrascht, weil durchschaubar. Überraschungen aber sollten das sein, was Finten erfolgreich macht. Der DFB schreibt: Finten lassen sich immer wieder variieren und neu gestalten. Dabei spielen Orientierung, Reaktion und Beweglichkeit eine wichtige Rolle.
Dementsprechend könnte man sich, die Meldungen aus Alleghe wahrnehmend, beruhigt zurücklehnen und abwarten. Denn die hier gezeigte Finte ist ein Alter Hut. Aber: Weil der Schwanengesang nun aus einer Richtung kommt, aus der er noch nie gekommen ist, beunruhigt das dann doch ein wenig.

Erkenntnis

Fazit, den Sommer 2013 auf die Serie A im italienischen Eishockey bezogen?
Platon wird bestätigt. Also: Ich weiß, dass ich nichts weiß.
Und es bleibt nur eines: Abwarten und Teetrinken. (Die Redensart ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts belegt. Sie soll auf eine Ermahnung zurückgehen, die ein damals bekannter Schafhirte und Kräuterheilkundiger namens Heinrich Ast seinen ungeduldigen Patienten mit auf den Weg gab.)
In diesem Sinne: Einen schönen Sommeranfang.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Die stumme Lega oder Schweigen ist nicht immer Gold

Es ist Ende Mai. Gefühlt Ende März. Oder Anfang November. Temperaturmäßig.
Nur eines fehlt: Die Eishockeyspannung.
Es ist immer noch ruhig. Sehr ruhig. Abwartend ruhig.
Mehr als Indizien für die Eishockeysaison 2013/14 gibt es nicht. Weder was die erste, noch was die zweite Liga in Italien betrifft. Und einen Indizienprozess zu analysieren, das ist ungemein schwierig.
Die Vereine halten sich bedeckt. Wollen sich nicht in die Karten sehen lassen.
Oder wissen die Vereine wirklich nicht, wohin die Reise gehen wird? Das kann ich mir nicht vorstellen. Es ist wahrscheinlich so, dass man erst einmal die Decke abmessen muss, nach der man sich strecken will.
Wie lange diese Abmessungsarbeiten dauern werden?
Auch das wäre nix anderes als reine Spekulation. Das mit den Terminen, das ist nun einmal so eine Sache.

Ein neues Problem kommt dazu.
Nämlich dass es auch von offizieller Seite keine Informationen mehr gibt.
Die letzte offizielle Aussendung der Lega datiert vom April 2013. Seitdem eisernes Schweigen. Obwohl doch einiges passiert sein müsste. Auch einiges, was die Lega direkt betrifft.
Doch was man registriert: Eisernes Schweigen. Das macht ein bisschen nachdenklich. Denn irgendwie müsste doch die Vereinigung daran interessiert sein, ganzjährig im Gespräch zu sein.
Oder zumindest die Vereine müssten darauf drängen, dass zumindest einmal monatlich Updates die Ligen betreffend eintreffen. Damit ein Argument mehr in den Sponsorenverhandlungen vorhanden ist. Stattdessen: Eisernes Schweigen.

Mag ja sein, dass es nix zu sagen gibt. Doch dann wäre zumindest das zu sagen: Den Stand der Dinge noch einmal zusammenfassen nach außen zu geben. Und wenn es nur ein Absatz ist: Im Westen nichts Neues!
Das Schweigen aber hat nur einen Effekt: Unsicherheit, die vermittelt wird.
Und Fragen, die im Raum kreisen, ob berechtigt oder auch nicht:
Wer nimmt an den Meisterschaften teil?
Wer hat sich bislang eingeschrieben?
Welche Probleme gibt es noch zu bewältigen und auf welchem Stand befindet man sich?
Worauf können sich die Fans ab September freuen? Oder gibt es keinen Grund zur Freude?

Reden ist silber, schweigen ist Gold? Nun ja, nicht immer!

Montag, 20. Mai 2013

Danke Schweiz Oder Erkenntnisse aus dem sturen Weg



Die Eishockey WM 2013 ist Geschichte. Sie hat interessante Aufschlüsse gebracht. Denn das Finale hat einen Aufschluss gegeben: Dass nämlich hartes Arbeiten und konsequentes Einhalten des eingeschlagenen Weges tatsächlich Ergebnisse bringt. Der Finaleinzug der Schweiz ist vor allem eines: Eine Bestätigung für etwas, was schon lange vermutet wurde.

Die Nachbarländer schauen überrascht und neidisch auf die kleine Schweiz, die es geschafft hat: Zehn Partien hat das kleine Land gespielt, neun davon gewonnen. Geschlagen wurden Riesen, die als unschlagbar galten. Zwar hat es im alles entscheidenden Finale eine Niederlage gegeben. Trotzdem war diese Weltmeisterschaft für die Eidgenossen ein voller Erfolg.

Diese WM war der Beweis dafür, dass künstlich hochgezüchtete Ligen nicht unbedingt der Schlüssel zu erfolgreichen Eishockeynationen sind. Für Deutschland war im Viertelfinale Schluss, Österreich ist gar wieder abgestiegen. Wobei man in Deutschland doch alles dafür tut, eine attraktive Liga aufrecht zu erhalten. Und die österreichische EBEL ein sehr gutes Produkt ist.
Mag sein, dass in der Schweiz der Stellenwert des Eishockeys um einiges höher ist. Vor allem aber ist das schweizer Eishockey ein Produkt, das vor allem authentisch ist und an dem seit Jahrzehnten gefeilt und verbessert wird.
Die drastische Begrenzung der Transfercardspieler hat dazu geführt, dass die Schweiz bei dieser Weltmeisterschaft bis ins Finale gekommen ist. Weil sich die Nachwuchsarbeit bezahlt gemacht hat. Weil die Schweizer Spieler in der heimischen Liga jene Verantwortung übernehmen müssen, die anderswo ausländische Stars übernehmen. Auch in entscheidenden Momenten und bei Entscheidungsspielen. Und nicht als Feigenblattaktion in irgendeinem belanglosen Vorrundenspiel.

Was kann daraus gelernt werden? Dass es durchaus sinnvoll ist, einen konsequenten Weg zu gehen. Dass man auch einmal bereit sein muss, magere Jahre in Kauf zu nehmen.
Was kann das mitteleuropäische Eishockey aus der Eishockey WM 2013 in Finnland und Schweden lernen?
Dass konsequentes Setzen auf die eigene Jugend zielführender ist, als die Konzentration auf mittelmäßige Verstärkungen- auf Söldner im wahrsten Sinne des Wortes sind.
Ganz sicher ist es langfristig sinnvoller, Geld in die Jugendausbildung zu stecken, anstatt irgendwelche Nonames zu verpflichten. Oder sinkenden Sternen zu einer goldenen Pension zu verhelfen.
Die Reduzierung der Transfercardspieler soll eine Meisterschaft nicht billiger machen. Nur müssen die Gelder anders eingesetzt werden: Anstatt 50.000.- Euro für Spieler auszugeben, die ihre besten Zeit schon lange erlebt haben, kann das Geld in die Jugendförderung und teilweise in die Gehälter der eigenen Nachwuchsspieler investiert werden, die den Sprung in die erste Mannschaft geschafft haben.
Österreich scheint die Notwendigkeit erkannt zu haben und investiert massiv in Jugendarbeit. Zumindest stehen für die kommenden drei Jahre jeweils über 500.000.- Euro zur Verfügung, die in den Nachwuchs investiert werden. Nur: Drei Jahre werden nicht ausreichen.
Darin liegt das Problem: Die Ergebnisse zeigen sich nicht innerhalb von wenigen Jahren. Um zu ernten muss eine ganze Eishockeygeneration nachwachsen. Was bedeutet, dass im besten Fall erste Ergebnisse nach zwölf Jahren greifbar sind.
Diese zwölf bis fünfzehn Jahre sind der Investitionszeitraum, um eine nachhaltige Veränderung herbei zu führen. Leider ist niemand dazu bereit, sich diese Zeit zu geben. Weil die schnellen Erfolge zu verlockend sind. Und über die schnellen Erfolge die weiten Visionen vergessen werden.

Die Eishockey WM 2013 ist Geschichte. Und hat gezeigt, dass der Schweizer Weg der richtige ist. Dass es durchaus möglich ist, die eigene Jugend so weit zu bringen, dass man großen Eishockeynationen die Stirn bieten kann. Courage und ein gewisses Maß an Sturheit vorausgesetzt. Ein Konzept ist Trumpf. Und nicht das sich von Jahr zu Jahr schleichen.
Das konsequente Handeln darf nicht von kurzfristigen Erfolgen verblendet werden. Denn wenn langfristiger Erfolg bedeutet, einige Zeit kleinere Brötchen zu backen, dann sollte es die Ernte wert sein, der nach den mageren Jahren langfristig bereit steht.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Hochsaison der Kaffeesatzleser...

Kann sein, dass ich mich wiederhole. Doch eines möchte ich noch einmal schreiben: Ich liebe die Sommermonate. Weil es da im Eishockey so spannend ist, wie sonst höchstens in der Playoff Zeit. Die Sommermonate ist die Zeit, wo Sagenerzähler, Kaffeesatzleser und Phantasten Hochsaison haben. Und, aufgrund der Sommerpause in vielen Pressebüros, wird ihnen zugehört – und geglaubt.

Wie viel Wahres hinter den verschiedenen Spekulationen steckt, die in Umlauf sind, das wird sich erst im Herbst beweisen. Wenn endlich wieder Ruhe einkehrt, weil die Mannschaften mit dem Eistraining beginnen.
In diesem Jahr neu: Dass sich auch die zweite Liga am Sommertheater beteiligt. Vielleicht, weil man es leid war, dass immer nur über die großen gesprochen worden ist. Vielleicht aber auch, weil ein neues Selbstbewusstsein dazu verlautet, sich in Diskussionen einzuschalten.

Jammern und Zähneklappern aus Bozen: EVB

Neu ist auch, dass aus Bozen das große Jammern und Wehklagen kommt. Dieses Mal aber nicht vom HCB, über den man zur Zeit überhaupt nix hört, was seinerseits wieder die Spekulationen anheizt, dass es den Verein überhaupt nicht mehr gibt, dieses Mal kommt das Zähneklappern vom kleinen Bruder in der Landeshauptstadt, der sich aufzulösen droht, weil er nicht an der INL teilnehmen kann/will. Da man den kleinen Verein so gut wie nicht kennt, ist es schwierig einzuschätzen, inwiefern das Säbelrasseln eine Drohgebärde oder ernstgemeinte Resignation ist. Fakt ist: Das italienische Eishockey kann es sich nicht erlauben, einen Verein zu verlieren. Fakt ist aber auch, dass ein Verein allein nicht die Mehrheit überstimmen kann.
Daraus ergibt sich eine Facette, die das Sommertheater 2013 ein bisschen bunter macht.

Wobei: Es sind nicht die Vereine, die für die Eishockeysommercomedy verantwortlich sind. Zumindest nicht als Hauptverantwortliche. Es sind vielmehr die Fans, die schon im Mai nervös werden, wenn nicht mindestens die halbe Mannschaft steht. Und wehe dem, der einkauft, kommuniziert und nicht die Wünsche der Fans trifft. Der hat erst recht ein Sommertheater.
Es ist einfach nur spannend. Und schön. Wie tief sich Eishockey in das Leben einiger Menschen hineingräbt.

Der gewünschte Jahrmarkt: Lassen Sie es sich aus der Hand lesen

Ist es da ein Wunder, dass Scharlatane, Weissager und Kaffeesatzleser Hochkonjunktur haben? Was den Kulturbeflissenen die Kulturbeilage der FF ist, das ist den Eishockeyfans der tägliche Blick auf Eliteprospects. Einfach um zu sehen, welcher Spieler gerade frei geworden ist. Und welche Perspektiven sich aus diesem Spieler ergeben würden. Leider haben diese Fans eines nicht verstanden: Mannschaften baut man nicht auf Zetteln. Und man müsste die letzten Jahre gelernt haben, dass Mannschaften auch nicht aufgrund von früheren Statistiken erfolgreich sind. Sondern allein, weil sie eine tiefgreifende Harmonie in sich habe.

Es ist ruhig in den Clubhäusern der Vereine. Mit einer Ausnahme: Der HC Pustertal stellt bereits im Mai klar, dass man im April Meister werden will. Oder wie sonst lässt es sich erklären, dass Giulio „Vizemeister“ Scandella und Christian Borgatello nicht nur unter Vertrag genommen, sondern bereits nach außen kommuniziert worden sind? Das kann doch nur bedeuten, dass auch so starke Transfercardspieler kommen, dass die Konkurrenz noch mehr unter Zugzwang kommt, als sie durch die Veröffentlichung dieser beiden Namen bereits gekommen ist. Ob man sich in Asiago, Torre Pellice und Mailand davon wohl einschüchtern lassen wird?

 Bozner Schwanentanz?

Und was ist in Bozen los? Was ist mit dem Rekordmeister los? Einige vermuten ja, dass es den HCB im kommenden Jahr nicht mehr geben wird, weil ein (!!!) Spieler sich entschieden hat zu wechseln. Einige sehen im Abgang von Borgatello bereits den Schatten des Unterganges. Wobei ich der Überzeugung bin, dass Bozen schon sehr bald sehr stark überraschen wird. Und die gesamte Liga schocken wird. Denn eines ist klar: Der HCB, ob geliebt oder gehasst, ist das wichtigste Zugpferd der Liga. Und wenn der HCB nicht mehr in der ersten Liga spielt, dann hat Bozen das geringste Problem.
Denn dann ist das italienische Eishockey tot. Asiago, Mailand, Pustertal und Ritten hin – oder her.

Aber soweit sind wir noch lange nicht.
Jetzt haben erst einmal noch die Wahrsager das Zepter in der Hand. Und dürfen die nach Neuigkeiten gierenden Fans in ihren Bann ziehen. Um dann widerlegt zu werden. Oder auch nicht…

Donnerstag, 9. Mai 2013

INL: Mut zur Veränderung oder das Risiko eines neuen Weges

Jede Neueinführung bedeutet Mut zur Veränderung. Und natürlich gibt es keine Garantie, dass eine Veränderung Verbesserung bedeutet. Doch wer immer nur in eine Richtung marschiert, der wird nie wissen, ob eine Richtungsänderung nicht vielleicht zielführender gewesen wäre.

Eine neue Ära wird im Zweitligaeishockey eingeleitet. Der Schritt der zweiten italienischen Eishockeyliga in die INL scheint beschlossen. Freilich gibt es vor diesem neuen Abenteuer viele Skeptiker. Aber auch viele Optimisten. Wie das Ergebnis aussehen wird, kann man frühestens in einem Jahr anschätzen. Und auch dann wird man noch Mut beweisen müssen, den eingeschlagenen Weg den Erkenntnissen anzupassen - und weiter zu gehen.

Optimisten und Pessimisten: Die Wahrheit liegt in der Mitte

Die Optimisten erwarten sich eine Aufwertung der Bewegung. Weil neue Gegner kommen. Weil die stupide Vorrunde mit den immer gleichen Gegnern der Vergangenheit angehört. Weil ein Hauch von Internationalität in den schnöden Zweitligaalltag kommt.
Pessimisten rechnen in Euro, was der Spaß kosten wird, welche Differenzen zum Vorjahr entstehen werden.  Spieler, die Urlaub nehmen müssen, lange Auswärtsfahrten und Übernachtungskosten. Und das Fragezeichen, ob das Publikum das neue Format annehmen wird, wenn zwei Tage hintereinander Eishockey gespielt wird. Womöglich, aus Kostengründen, gegen den gleichen Gegner.
Ist dieses Produkt, in Zeiten der wirtschaftlichen Krise, die auch beim Fan angekommen ist, marktfähig?
Aber anders gefragt: Hat das "alte" Produkt noch einen Markt?

Optimisten gehen davon aus, dass die Marktfähigkeit des neuen Formates gegeben ist. Dass der eine oder andere Serie A Fan auf ein belangloses Vorrundenspiel verzichten wird, um Neue Mannschaften zu sehen. Ob das eintrifft wird zweifellos davon abhängen, wie die neue Idee vermarktet und innerhalb des Eishockeys verankert wird.

Zerreißprobe für das Italienische Eishockey

Unmittelbar mit dem neuen Weg verbunden ist eine Zerreißprobe: Denn während die Konkurrenzsituation zwischen erster und zweiter Liga bisher latent gelebt wurde, wird es nun ein offener Kampf zwischen Elite Liga und INL werden. Ein Kampf, bei dem es nicht um die Zuschauer geht. Sondern vor allem um Sponsoren. Denn in der INL wird Geldgebern die Chance gegeben, sich international zu präsentieren und Sichtbarkeit auch außerhalb der Landesgrenzen zu erreichen. Ein Quantensprung für Zweitligasponsoren, die bisher noch nicht einmal nationale Sichtbarkeit hatten.

Und was passiert mit den Vereinen, die nicht dabei sind?

Welche Zukunft bleibt dem EV Bozen und Pergine? Die düstersten Aussichten bleiben für diese beiden Vereine: Sie haben ihren Spielern und Fans wenig zu bieten, außer eine Hin- und Rückrunde, die unter ferner liefen laufen wird. Ihnen wurde praktisch die Grundlage entzogen, weiterhin ihre Tätigkeit auszuüben. Was schade ist.
Weil das italienische Eishockey es sich nicht erlauben kann, Vereine zu verlieren.
Eine Minimallösung Serie B ist eine Feigenblattaktion. Die niemandem helfen wird. Weil damit einige auf der Strecke bleiben werden.
Doch das haben neue Wege so an sich.
Kann sein, dass die INL in eine Sackgasse führt.
Doch ob das so ist, weiß heute noch niemand. Wer sich neuen Wegen nicht anpasst, der bleibt auf dem alten Wege allein. Kann sich danach vielleicht rühmen, nicht mit dem Rest untergegangen zu sein. Doch alleine zu bleiben bedeutet auch, unter zu gehen. Nur, dass das weniger heroisch ist. Weil man dabei vergessen wird.