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Donnerstag, 6. Juni 2013

Eine (nicht) ganz ernst gemeinter theoretische Erklärung


Eishockey ist eine hochphilosophische Angelegenheit.
Das belegen die alten Meister. Sie haben es vorweg genommen, lange bevor es den Sport überhaupt gegeben hat.
Auch ein Grund dafür, weshalb  sie als große Denker verehrt werden. Und gelehrt werden. Weltweit. Und in allen Schulen.
Beispiele gefällig?

Platon

Ein gewisser Platon lebte 428 - 347 v. Chr. im fernen Griechenland. Und schon damals, als Griechenland noch weit von Krisen entfernt war meinte er salopp: "Ich weiß, dass ich nix weiß."
Als ich heute durch Bozen ging und Informationen zur kommenden Eishockeymeisterschaft einholen wollte, hatte diese über 2.000 Jahre alte Weisheit an ihrer Aktualität nix verloren. Diese Erkenntnis - führt sie zur Läuterung?

Imanuel Kant

2.000 Jahre später lebte Imanuel Kant (1724-1804), ein Vordenker der kritschen Aufklärung. In seinem Werk Metaphysik, zweiter Teil, erkannte er, dass die Welt zweidimensional erklärt werden könne, und für den Menschen nur über das Messen und Zählen erkennbar sei. Alles andere, das Träumen von einer dritten Dimension sei eine Illusion, die für den Menschen nicht erreichbar sei. Da helfe keine Diskussion und keine Überzeugungsarbeit. Und wie es aussieht hatte der gute Kant aus Königsberg recht.

Johann Wolfgang v. Goethe

Und noch ein Denker, Johann Wolfgang von Goethe meinte 1812: "Wer sich nicht nach der Decke streckt, dem bleiben die Füße unbedeckt." Und es scheint, dass er Recht behalten soll. Denn wer das nicht tut, der bleibt auf der Strecke und muss seine Segel streichen, zusammenpacken, einrollen.

Sokrates

Freilich, wer das italienische Eishockey kennt, der kennt auch den Schwanengesang als bislang erfolgreiche Finte. Eigentlich bezeichnet man als Schwanengesang das letzte Werk eines Musikers oder Dichters, oder aber die letzte Rede eines Politikers. Der Ausdruck geht auf den alten griechischen Mythos zurück, der besagt, dass Schwäne vor ihrem Tod noch einmal mit trauriger, jedoch wunderschöner Stimme ein letztes Lied anstimmen. Sokrates (Lehrer des oben zitierten Platon , 469 - 399 v. Chr.) erklärt den Gesang der Schwäne mit deren Vorkenntnis des Guten in der Unterwelt.
Das italienische Eishockey hat den Schwanengesang als probates Mittel erkannt, um sich eine weitere Galgenfrist zu erpressen. (Die "Galgenfrist" war in der mittelalterlichen Rechtssprache die letzte Gnadenfrist, die einem zum Galgen Verurteilten eingeräumt wurde. Die Redensart wird bereits seit dem 16.Jahrhundert im allgemeineren Sinne gebraucht.)

Deutscher Fußball Bund

Der Schwanengesang ist eine Finte, die eigentlich nicht mehr überrascht, weil durchschaubar. Überraschungen aber sollten das sein, was Finten erfolgreich macht. Der DFB schreibt: Finten lassen sich immer wieder variieren und neu gestalten. Dabei spielen Orientierung, Reaktion und Beweglichkeit eine wichtige Rolle.
Dementsprechend könnte man sich, die Meldungen aus Alleghe wahrnehmend, beruhigt zurücklehnen und abwarten. Denn die hier gezeigte Finte ist ein Alter Hut. Aber: Weil der Schwanengesang nun aus einer Richtung kommt, aus der er noch nie gekommen ist, beunruhigt das dann doch ein wenig.

Erkenntnis

Fazit, den Sommer 2013 auf die Serie A im italienischen Eishockey bezogen?
Platon wird bestätigt. Also: Ich weiß, dass ich nichts weiß.
Und es bleibt nur eines: Abwarten und Teetrinken. (Die Redensart ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts belegt. Sie soll auf eine Ermahnung zurückgehen, die ein damals bekannter Schafhirte und Kräuterheilkundiger namens Heinrich Ast seinen ungeduldigen Patienten mit auf den Weg gab.)
In diesem Sinne: Einen schönen Sommeranfang.

Mittwoch, 13. Februar 2013

Der Spieltag im Rückspiegel

Ritten gewinnt Derby gegen HC Bozen mit 3:0 und übernimmt Tabellenführung.
Valpellice verliert 10. Auswärtsspiel in Folge und ist seit 24. November 2012 auswärts sieglos.
HC Pustertal bewahrt sich mit Sieg gegen Valpellice Chance auf Sieg der Masterround.
Nächste Gegner der Südtiroler Mannschaften:
Bozen schließt sein Zwischenrundenprogramm gegen den HC Pustertal ab.
Ritten ist spielfrei uns trifft am Samstag auf Valpellice.
Pustertal muss nach dem Derby noch in Alleghe antreten.

Quelle: Rai Sender Bozen Mittagsmagazin.
Interviewpartner: Armin Helfer, Ingemar Gruber, Alexander Egger
Bericht: Peter Treibenreif


Uncut Interviews aus Bruneck:


Interviewpartner: Armin Helfer, Paul Adey
Interviewer: Traube

Freitag, 18. Januar 2013

Ritten Sport vs. HC Alleghe

Die Spiele zwischen Ritten und Alleghe sind in diesem Jahr enge Kisten: Von den bisher sechs gespielten Matches hat Ritten vier gewonnen, davon zwei mit einem Zweitore Vorsprung, beide wurden in der Arena Ritten ausgespielt. Die restlichen Begegngungen zwischen den beiden Kontrahenten entschied ein Tor Unterschied.
Zwei Matches gingen in die Verlängerung, eines davon hat Ritten für sich entscheiden können, das zweite war das Halbfinale im Italienpokal.

Akustischer Spielbericht:
Quelle: Rai Sender Bozen, Mittagsmagazin vom 18.01.2013
Interviewpartner: Emanuel Scelfo, Markus Hafner
Bericht von Peter Treibenreif gelesen von Roman Drescher

 
 
 

Montag, 14. Januar 2013

Turnierwochenende: Eine Analyse

Quelle: Rai Sender Bozen, Mittagsmagazin vom 14.01.2013
Interviews & Bericht: Peter Treibenreif
Gelesen von: Gunda Regensberger
Interviewpartner: Herbert Frisch (Assistenztrainer HC Fiat Professional Wölfe), Emanuel Scelfo (Stürmer Ritten Sport Renault Trucks)

 

Sonntag, 13. Januar 2013

Schade: Kein Südtiroler Wochenende

Es ist kein Beinbruch, dieses Wochenende im Jänner. Und trotzdem ist es schade.
In der Meisterschaft sind sie die drei Führenden der laufenden Meisterschaft, bei diesem Turnierwochenende fehlt Pustertal, Bozen und Ritten scheinbar die Kraft.
Wobei: Während es für den HCB schon ein Erfolg ist, überhaupt in der Ukraine spielen zu dürfen, haben sich die Wölfe und die Buam in Turin  mehr erwartet. Aber: Die kraftraubenden letzten Wochen präsentieren nun ihre Rechnung.

HC Bozen

HCB: Nach einer desolaten Leistung im Auftaktspiel gegen die französischen Titelverteidiger aus Rouen haben die Foxes gegen Donetsk eine gute Leistung gezeigt. Zumindest kämpferisch. Dass man gegen die Heimmannschaft so gut wie keine Erfolgschancen hat, das war schon vor dem Turnierbeginn klar. Hätte der HCB gegen Donetsk gepunktet, es wäre eine Riesen Sensation gewesen.
Auch wenn die KHL Spieler vielleicht nicht das letzte aus sich heraus geholt haben: Gegen eine solche Mannschaft nur 3:0 zu verlieren ist schon ein kleiner Erfolg.
Vor allem, wenn man bedenkt, dass der italienische Meister mit einer schweren Hypothek angereist ist: Niklas Hjalmarsson, der Doppelschichten in der Bozner Abwehr geleistet hat, ist abreist. Damit fehlt nicht nur ein Fixstern in der Verteidigung, sondern vor allem auch die Lunge der Hintermannschaft. Schon in der heimischen Meisterschaft wirkt sich das Fehlen der "Versicherung" aus - geschweige denn in einem internationalen Match.
Bleibt abzuwarten, wie sich die Kampfleistung gegen Donetsk insgesamt auf den weiteren Weg der Foxes auswirkt. Das Problem: Jeder Akku, der einmal total auf null gefahren ist, der muss wieder total aufgeladen werden, um so zu funktionieren, wie er funktionieren sollte. Und dazu fehlt, beim engen Spielplan der Weiß-Roten wahrscheinlich die Zeit. Vor allem, weil die Schlüsselspieler auch im Feburar nicht die Meisterschaftspause nutzen können. Weil sie für Italien die Olympiaqualifikation schaffen sollen. Eine (fast) unmögliche Mission - auf Kosten der Kraftreserven der Bozner Spieler.

Ritten Sport

Gut gespielt und doch verloren? Eine Aussage, die in meinem Wortschatz nicht vorkommt. Eine kämpferisch gute Leistung, zweifellos. Aber ein Eishockeyspiel dauert nun einmal 60 volle Minuten. Bereits zum zweiten Mal innerhalb von 10 Tagen muss Ritten gegen Alleghe in der Schlussphase den Ausgleich hinnehmen. Gegen Alleghe zu verlieren ist keine Schande - doch sieben Sekunden vor dem Spielende den Ausgleich hinnehmen zu müssen ist zumindest ärgerlich.
Man kann darüber diskutieren, ob man Chris Durno zurecht frei gegeben hat: Unter dem menschlichen Gesichtspunkt sicher. Jeder der bei der Geburt seiner Kinder dabei war weiß, dass das ein prägender Moment ist. Und jeder Mann sollte in diesem prägenden Moment seiner Frau beistehen. Dasselber gilt für Eishockeyspieler - wenn es um "normale" Spiele geht. Ob ein Profi seine Mannschaft bei einem wichtigen Turnier im Stich lassen darf, darüber kann man getrost wochenlang diskutieren und es wird viele Meinungen darüber geben. Fakt ist, dass ein Eishockeyprofi mit dem Sport sein Geld verdient. Und Fakt ist auch, dass in professionellen Ligen eine Geburt kein Grund wäre, ein Turnier, bei dem es um einen nationalen Titel geht, auszulassen. 
Die Entscheidung, Durno am Ritten zu lassen, spricht zumindest für die Menschlichkeit bei Ritten Sport.
Die Niederlage gegen Alleghe stellt, trotz der guten Leistung, die Ritten gebracht hat, eine Frage in den Raum: Kann Ritten in dieser Saison die großen und vor allem wichtigen Spiele gewinnen? Im bisherigen Saisonsverlauf war dem noch nicht so. Die Rittner Mannschaft, die in den letzten Wochen zweifellos zusammengewachsen ist, wird nun beweisen müssen, dass sie auch große Spiele gewinnen kann. Denn nur dann werden die Buam zu Titelanwärtern.

HC Pustertal

Bitter schmeckt die Niederlage der Wölfe gegen Valpellice. Weil sie klar ausgefallen ist. Ohne die Diskussion, wer die bessere Mannschaft sei. Irgendwie scheint man im Pustertal den Faden verloren zu haben. Irgendwie werden die Wellen immer höher. Ohne wirklich ersichtlichen Grund. Es ist die Unsicherheit, die um sich greift. Und diese Unsicherheit ist nun auch in der Mannschaft angekommen. Einer Mannschaft, die vom ersten Spieltag an die Tabelle angeführt hat.
Es ist eine paradoxe Situation: Man führt die Meisterschaft souverän an, und wird kritisiert. Vor allem Einzelspieler werden auf das härteste angegriffen. Die Kritik kommt von den Fans zu den Funktionären. Und weil man in Bruneck eine große Familie ist und steter Tropfen den Stein höhlt, werden die Funktionäre von der Kritik angesteckt. Früher noch euphorisch in der Stadt gegrüßt hat man für gewisse Spieler noch höchstens ein mitleidiges Kopfnicken übrig. Vielleicht wechselt man sogar die Straßenseite, wenn der ehemalige Hero einem in der Stadt begegnet. Es sind die Kleinigkeiten, die den großen Erfolg möglich machen. Und die großen Spiele zeigen dann die Defizite.
Hat der HCP über Nacht das Eishockeyspielen verlernt? Mit Sicherheit nicht.
Ähnlich wie am Ritten stellt sich auch für die Wölfe die Frage nach dem Erfolgspotential in den Big Matches. Die Vorzeichen sind im Green Valley aber andere: Denn während am Ritten schön langsam die Kritikphase überwunden scheint und schön langsam wieder euphorischer Optimismus entsteht, so verabschiedet dieser gerade aus der Leitner Solar Arena.
Mit dem Ergebnis: Die durchaus schlagbaren Piemontesen stehen im Italienpokal Finale.
Und das bereits am frühen Abend verhinderte Südtiroler Traumfinale wurde ganz vermasselt.




Eine Katastrophe?

Im Gegenteil. Denn der Gewinn eines Titels kann bereits zu Sattheit führen, weil schon ein Gipfel erreicht worden ist. Der Effekt, dass der Titelgewinn noch weiter motiviert kann zwar eintreten. Doch es ist ungemein schwer, die Spannung hoch zu halten, wenn schon eine Trophäe begossen worden ist. Das zeigt die Erfahrung der letzten Jahre: Es ist lange her, dass ein Pokalgewinner auch den ungleich wichtigeren Meistertitel gewonnen hat.
Eines ist sicher: Dass nun sowohl Ritten als auch Pustertal alles geben werden, um sich für den Schlussanstieg zu qualifizieren. Im besten Fall alle beide. Weil man in Turin am Nebengipfel gescheitert ist.

Freitag, 7. Dezember 2012

Ritten Sport vs. Alleghe: Eine Spielanalyse


Es ist lange her, dass ich als Fan zum Eishockey gegangen bin. Gestern war es wieder soweit. Es war schön, wieder einmal die Fanbrille überziehen zu können und zwischen Freunden das Treiben auf dem Eis zu verfolgen. Einziger Wermutstropfen: Ritten Sport hat nicht den besten Tag erwischt. Und obwohl man Alleghe mit 4:3 niederringen konnte, ohne Justin Pogge und einer milde gestimmten Glücksgöttin Fortuna, das Spiel wäre anders ausgegangen. Wobei: Das Problem liegt nicht an der Tagesform. Sondern in einem strukturellen Problem der Mannschaftszusammensetzung.

Im Rittner Angriff regiert General Zufall: Der Ausfall von Ryan Ramsay wiegt sehr schwer, kann aber nicht für alle Mängel verantwortlich gemacht werden. So fehlt in der ersten Linie schon seit Saisonsbeginn ein Center. Dan Tudin versucht zwar auf dieser Position spielen, wirklich weiter bringt das seine Mannschaft nicht. Weil er nicht der Regisseur ist, der ein Spiel lesen und die Scheiben entsprechend verteilen kann. Weil er nicht der Führungsspieler ist, der die Zügel in die Hand nehmen kann.
Seine großen Zeiten hatte er als Flügelstürmer - und es wird das Geheimnis seines Trainers bleiben, weshalb er ihn nicht dort einsetzt.
Das Offensivspiel der "Buam" ist stockend, mit zu wenig spielerischen Elementen. Es wirkt einstudiert, verkrampft, teilweise unsicher. Und ist aus diesem Grund zu langsam, zu wenig dynamisch. Wenn es dann schnell geht, dann funktioniert es auch. Die Fehler bei den Verteidigern zu suchen, die den öffnenden Pass nicht spielen, kann ich nicht nachvollziehen: Öffnende Pässe haben nur dann einen Sinn, wenn die Stürmer bereits in Schwung sind und den Schwung des ersten Passes mitnehmen können. Wenn sich aus dem öffnenden Pass eine flüssige und schnell vorgetragene Aktion ergibt.
Das Rittner Problem: zu oft bleiben die Rittner Angriffsbemühungen in den Ecken hängen, wo klein klein gespielt wird, was ja teilweise nett aussehen kann, von wo aber nur ganz selten Gefahr ausgeht.

Wie es funktionieren kann hat Alleghe bewiesen: Ein ums andere Mal eröffnete Waddel die Aktion, Johansson und LoVecchio kreisten ins Angriffsdrittel, spielten den schlauen Pass und brachten die Stürmerkollegen in eine gute Abschlussposition. Ritten hat Glück, einen Justin Pogge im Tor stehen zu haben, der mit seinen Reflexen und seinem Stellungsspiel zu den besten seines Metiers zählt. Alleghe hätte sich gestern abend mindestens einen Punkt verdient. Weil die spielbestimmende, die gefährlichere Mannschaft.

Ach ja, es war auch das Debüt von Andy Delmore. Wäre es nicht als solches angekündigt worden, es wäre niemandem aufgefallen, dass ein neuer Defender im Rittner Dress spielt. Freilich: Bei einer Premiere darf man sich nicht zu viel erwarten. Coach Rob Wilson gab ihm ausreichend Eiszeit, Akzente setzen konnte Delmore aber keine: Weder durch öffnende Pässe noch durch besondere Führungsarbeit.
Chris Durno glänzte als zweifacher Torschütze. Und zeigte bei beiden Toren, wo seine Stärke liegt: Bei der harten Arbeit vor dem gegnerischen Keeper oder beim schnellen Durchtanken durch die Mitte. Sein Spiel lebt von den Pässen, die er bekommt. Er ist kein Philigrantechniker - er ist ein Sturmtank.

Ritten Sport hat ganz sicher eine Mannschaft mit viel Potential. Aber: Das Potential muss entsprechend seinen Fähigkeiten eingesetzt werden. Eine Lösung könnte darin liegen, Jacina und Tudin in getrennten Linien spielen zu lassen. Weil die beiden von der Spielanlage einander zu ähnlich sind. Weil Jacina durch den Einsatz in einer anderen Linie mehr Verantwortung bekäme und diese Verantwortung vielleicht annehmen würde. Weil bislang sind seine Leistungen bislang enttäuschend. Und das kann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr durch Eingewöhnungsschwierigkeiten erklärt werden.

Ich bin überzeugt, dass es Ritten in dieser Saison schaffen kann. Allerdings darf man sich nicht über die glücklich ergatterten Punkte im gestrigen Spiel ausruhen. Eine genaue Analyse muss gemacht und an den Defiziten gearbeitet werden. Ansonsten kommt das Erwachen, wenn Frau Fortuna und Herr Pogge einmal nicht in Form sind...

Montag, 19. November 2012

Zeit für eine Halbzeitbilanz der Serie A1

Die Hälfte der Vorrunde ist absolviert.
Was Anlass gibt, eine Zwischenbilanz zu ziehen.
Und weil Eishockeyanalyse vor allem aus Statistiken besteht, nun die interessantesten Fakten zur laufenden Saison:


Zuschauerzahlen:
Das Zuschauerinteresse im italienischen Eishockey ist im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben: Durchschnittlich wollen in dieser Saison 1.010 Zuschauer die Spiele sehen (Vorjahr 1.048). Publikumsmagnet ist Mailand mit 2.035 Zuschauern pro Spiel, gefolgt vom HC Pustertal (heuer: 1.800/Vorjahr: 1.844) und Valpellice (1.680/1.578). In Bozen wollen laut offizieller Angaben 1.131 (781) Fans ihre Mannschaft sehen, in Klobenstein kamen 992 zu den Heimspielen (928).
Anlass zur Sorge geben Fassa mit 352 Zuschauern pro Spiel (728) und Pontebba, wo sich nur 282 Zuschauer in die Halle verirren (625).

Serien der Saison:
Den Start des Jahres hatte der HC Pustertal mit zehn Siegen in Folge hingelegt. Die Mannschaft der Stunde ist Alleghe, die ebenfalls bei zehn Siegen in Folge steht und seit 13. Oktober ungeschlagen ist.
Im Vorjahr hatten die Wölfe acht Spiele in Folge gewinnen können (26.12. - 21.01.)
Die gefährlichsten Auswärtsmannschaften in dieser Saison sind der HCP und Valpellice mit jeweils sechs Auswärtssiegen.
Fassa und Pontebba haben elf Spiele in Folge nicht gewinnen können.

Torhüter:
Die Serie A1 hat sich die letzten Jahre auf den Torhüterpositionen stark weiterentwickelt. Das Torschießen in Italien war wohl noch nie so schwer wie in der laufenden Saison.
Sieben Tormänner haben in dieser Saison bereits ein Shout Out geschafft:
Dennis (4, Save Percentage: 94,8)
Pogge (3, 93,2%)
Raycroft (2, 92,7%)
Aubin (1, 93,5%)
Hell (1, 92,9%)
Tjordman (1, 90,2%)
Parise (1, 91,1%)

Saisonsverlauf:
Nicht wirklich überraschend sind die Teilnehmer am Final Four des Italienpokals - wobei Valpellice der vielleicht noch überraschendste Teilnehmer beim Kampf um den Italienpokal ist. Sicher stärker hätte man vor der Saison den HC Bozen eingeschätzt. Doch die dünne Spielerdecke hat den Titelverteidiger ein wenig zurück geworfen.
Alleghe steht in der Tabelle dort, wo einige Experten die Pokel-Truppe geahnt hatten. Alleghe punktet konstant und hat sich im Vergleich zum Vorjahr von allen Mannschaften am besten weiterentwickelt. Die Mischung aus einem guten einheimischen Stamm und starken Ausländern macht die Mannschaft so gefährlich und unberechenbar. Das überraschendste: Noch immer gesteht man Alleghe nicht den Status zu, den die Mannschaft hat - noch immer werden die Alleghesi als Außenseiter angesehen.
Die Dominanz des HC Pustertal ist überraschend - denn wer hätte geglaubt, dass die Wölfe die Liga in dieser Art und Weise bestimmen können. Auch für die Pusterer gilt, dass sich die Kontinuität bezahlt macht: Die Mannschaft wurde nur punktuell verändert, das Gros ist bestätigt worden und dankt dies durch gute Leistungen und ein kompaktes Auftreten.
Bei Ritten macht die Unkonstanz Sorgen: Die Truppe von Trainer Rob Wilson tritt daheim teilweise sehr stark auf, auswärts jedoch schwächeln die Buam und lassen Punkte liegen, die schon fix eingeplant waren. Und das liegt nicht daran, dass die Liga so ausgeglichen ist, sondern vielmehr daran, dass in der Fremde ein nicht zu erklärender Leistungsabfall zu verzeichnen ist.

Die Meisterschaft geht nun in die langweiligste Phase, es beginnt die Zeit der Positionskämpfe. Wer es in die Top fünf schaffen wird? Es ist davon auszugehen, dass der HC Mailand in Richtung Top 5 starten wird. Pustertal und Alleghe werden sicher, Ritten mit großer Wahrscheinlichkeit in der ersten Tabellenhälfte bleiben. Bei Valpellice bin ich da nicht so sicher: Denn die Piemontesen haben zwar sehr großes Offensivpotential, in der Defensive sind sie jedoch anfällig und leicht überwindbar.

Freitag, 21. September 2012

Ein Spieltag, zwei Überraschungen und einige Erkenntnisse.



Foto: Max Pattis
Die Meisterschaft ist jung. Gerade einmal 60 Minuten alt. Trotzdem: Es ging um Punkte. Und das Bluffen ist vorbei. Natürlich: die Aussagekraft ist begrenzt – und wenn man nach einem Spiel auf den Rest der Saison schließen könnte, dann wäre der Spielbetrieb der kommenden Monate umsonst. Dann wäre Eishockey wie Monopoly, wo die erste Runde bereits entscheidend sein kann.

Der erste Spieltag hat gezeigt, dass der Unterschied zwischen Serie A2 und A1 doch größer ist, als viele zugeben wollen. Ansonsten hätte Valpellice Mailand nicht so klar in die Grenzen weisen können. Immerhin war Mailand vor dem ersten Spieltag hoch gehandelt worden. Doch anscheinend müssen sich einige Spieler erst wieder an die höhere Intensität der ersten Liga gewöhnen.

Der erste Spieltag hat auch gezeigt, dass der Meister auch in diesem Jahr die Mannschaft sein wird, die besiegt werden muss. Weil der HCB mit seiner ökonomischen Spielweise überzeugt hat, bei seinem Auftritt gegen Alleghe den Gegner kontrolliert hat, und bei den sich bietenden Möglichkeiten zugeschlagen hat. Das einzige Problem beim amtierenden Meister ist die dünne Spielerdecke in der Defensive: Im Clubhaus täte man gut daran, sich noch nach zwei Verteidigern umzusehen. Denn nach den bisher gezeigten Leistungen muss Günther Hell nicht unbedingt die Backup Position einnehmen.

Der erste Spieltag hat auch gezeigt, dass Ritten Sport noch siegen kann. Restlos überzeugt haben die Buam zwar nicht, aber wer möchte nach einem 5:0 schon das berühmte Haar in der Suppe suchen? Klar ist: Pontebba ist sicher nicht die Mannschaft, über die der Weg zum Titel führt. Dazu sind die Friulaner einfach zu schwach aufgestellt.

Der erste Spieltag hat auch gezeigt, dass Cortina die Entscheidungen im Penaltyschießen sucht, und dann verliert. Dass die Ampezzaner sich zwar frühe Führungen herausarbeiten können, aber, wie schon am Dienstag, diese nicht über die Zeit retten können. Ein Indiz, dass die Mannschaft über das notwendige Talent verfügt, aber defensiv noch eine Menge Arbeit vor sich hat.

Der erste Spieltag hat aber vor allem eines: Lust auf mehr Eishockey gemacht. Für alle, die den schnellen Sport so lieben ergibt sich am Samstag die Gelegenheit, eine der emotionalsten Partien mitzuerleben: Das Derby zwischen Pustertal und Ritten. Das zudem ein spannendes Spiel zu werden verspricht. Weil Ritten wieder hoch hinaus will. Und Pustertal den Teufel tun wird, freiwillig den Platz zu räumen. Und es die Heimprämiere für die Wölfe ist. Und Ritten einiges gut zu machen hat.

Es ist/bleibt also spannend…


Donnerstag, 7. Juni 2012

Von Kannibalen und Ratlosigkeit





Das größte Problem im italienischen Eishockey ist nicht das fehlende Geld. Natürlich: das spielt auch eine Rolle. Eine nicht unwesentliche. Doch es ist nicht die Wurzel allen Übels. Das Größte Problem ist der Kannibalismus der untereinander betrieben wird. Und damit meine ich nicht den gesunden Konkurrenzkampf zwischen den Vereinen, der ja zum Geschäft gehört und einen Gutteil der Rivalitäten und Emotionen ausmacht.








Das Problem ist der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Ligen, die nicht gemeinsam an einem Projekt arbeiten und an einem Strang ziehen, sondern die sich als isolierte Welten sehen, wo ligainterne Eigeninteressen im Vordergrund stehen. Und vor lauter Konzentration darauf, wie man den eigenen Axxxx retten kann, übersehen die Verantwortlichen, wie die Bewegung den Bach hinunter geht.

Nehmen wir das schlimmste aller möglichen Szenarien an:
Pontebba und Valpellice müssen in der Serie A1 aufgeben, weil sie es finanziell nicht mehr schaffen, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. (Und an dieser Stelle wird ausdrücklich nicht analysiert, wie es zu dieser Situation gekommen ist - weil es steht niemanden zu darüber zu entscheiden, wie Vereine ihr Geld ausgeben).
Bleiben Acht Mannschaften in der Höchsten Eishockeyliga.
In der zweiten Liga gibt Gröden auf, weil sich keine Leute mehr finden, die Verantwortung für den Verein übernehmen möchten. Bleiben also sieben Teams in dieser Liga übrig.

Keine Ahnung wie andere das sehen: ich finde es bedenklich, wenn drei Mannschaften der beiden höchsten Ligen in einem Jahr den Spielbetrieb einstellen, aus welchen Gründen auch immer.
Und dann ist da ja noch die Wirtschaftskrise. die wird vor allem das Eishockey treffen. Weil Eishockey nun einmal kein Massenphänomen ist, kann davon ausgegangen werden, dass weitere Vereine in finanzielle Schwierigkeiten kommen werden bzw. dass kleinere Brötchen gebacken werden müssen. Das wird vor allem auf die erste Liga zutreffen, weil hier unverhältnismäßig höhere Summen aufgebracht werden müssen, die sich aber auf der Einnahmenseite so nicht widerspiegeln lassen.

Was wäre naheliegender, als die beiden Ligen aufeinander zugehen zu lassen. Einen Kompromiss zu schließen, der für beide Ebenen bei ein wenig gutem Willen machbar sein müsste? Nämlich die Reduzierung der Ausländer? Vielleicht nach dem Motto: weniger aber dafür bessere?

Was dagegen spricht? Dass die einen nicht zurück gehen wollen, weil sie sich als das Oberhaus sehen und sich keinen positiven Effekt für die Eishockeybewegung im Ganzen vorstellen können, wenn auf einmal Mannschaften wie Eppan und Kaltern zu Gast sind.
Und dass die anderen ihre Wichtigkeit beweisen wollen, indem sie nein sagen und alles so belassen wollen, wie es schon seit Jahren war. Und mehr schlecht als recht ablief.
Klar: es würde wohl zwei bis drei Saisonen laufen, dass sich die Niveaus anpassen würden. Diese Zeit muss man dem italienischen Eishockey aber auf jeden Fall zum Gesunden lassen. Und unter uns: welche attraktivität besteht darin, wenn eine Meisterschaft mit sieben und die andere mit acht Mannschaften gespielt wird? Macht es dann wirklich noch Spass, vom September bis März ins Stadion zu gehen, um gefühlte 22 Mal die selben Gegner zu sehen?

Für dieses Jahr ist der Zug wohl schon abgefahren. Probleme sind keine gelöst worden. Im Gegenteil: es wird bis im August nicht feststehen, welche Mannschaften an welchen Meisterschaften teilnehmen werden. Weil es sich der Verband nicht leisten kann, Eishockeymannschaften zu verlieren. Und so wird sich das Eishockey wieder einmal ein Jahr weiterhangeln, ohne sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Und wir in einem Jahr wieder an dieser Stelle stehen und auf der Stelle treten. Wie schon vor einem Jahr. Und dem Jahr davor.

Montag, 19. März 2012

Auf dem Papier eine klare Sache: die Halbfinalserie

Es gibt zwei haushohe Favoriten in den diesjährigen Halbfinalserien. Da nützt es nichts, tief zu stapeln. Denn sowohl Alleghe als auch Cortina sind ganz unerwartet in die Vorschlussrunde gerutscht. Für Pustertal und Bozen hingegen ist das Saisonsziel mit dem Erreichen der Halbfinals noch lange nicht erreicht.  Denn alles andere als das Endspiel ist für die verbliebenen Südtiroler Mannschaften eine herbe Enttäuschung. Auch wenn diese Erwartungshaltung am Vorabend zu den Semifinalis von beiden Seiten klar und deutlich dementiert werden wird.

Gleichzeitig muss aber auch mit einem anderen Vorurteil aufgeräumt werden: Denn die Aussage, dass sowohl Alleghe als auch Cortina locker aufspielen können, die gehört ins Reich der Fabeln. Wer so weit gekommen ist, der will noch weiter kommen. Der will nicht nur spielen, weil es schön ist, unter den besten vier zu sein. Wer so weit gekommen ist, der will noch weiter.

Ab morgen ist nix mehr mit locker und befreit spielen. Auch wenn das die Aussagen sind, die die Medien gerne aufnehmen und kolportieren. Das sind auch die Aussagen, zu denen die Trainer der Außenseiter gerne greifen. Doch in dem Fall dienen sie höchstens dazu, den Gegner unter Druck zu setzen.
Hand aufs Herz: wer Stefan Mair kennt, kann sich der vorstellen, dass der in der Kabine predigt, dass die Truppe Spaß haben soll? (Wohin die ganz Spaßphilosophie im Eishockey führt, haben wir heuer ja schon einmal gesehen - fragen Sie einfach bei Ritten nach!)


Fakt ist: Der HC Pustertal steht schon seit einem Jahr unter Druck. Schon letzte Saison hätten die Wölfe die Italienische Meisterschaft gewinnen müssen. Gestolpert ist man über sich selbst. Geblieben ist ein bitterer Nachgeschmack. Und ein Bild, mit dem man sich geschickt selbst als Märtyrer dargestellt hat. Noch einmal aber wird diese Masche nicht ziehen - und der Druck auf die Wölfe steigt.
Dabei ist Alleghe sicher ein dankbarer Gegner. Ein Gegner, den die Pusterer schlagen werden. Ohne Wenn und Aber.

Und für den HC Bozen gilt, dass man auch endlich wieder einmal etwas gewinnen muss. Immerhin sind die Bozner so etwas wie der FC Bayern München des italienischen Eishockeys. Zumindest im Selbstverständnis. Drei Saisonen ohne Meistertitel sind nach diesem Selbstverständnis schon eine verdammt lange Zeit. Vor allem, weil man weder Kosten noch Mühen scheut, um wieder erfolgreich sein zu können: So wurde mit Adolf Insam der erfolgreichste italienische Eishockeytrainer verpflichtet. Vom Spielerpotential her ist der HCB sowieso die beste Mannschaft, die in diesem Jahr aufgelaufen ist. Das einzige Problem: die exzellente besetzte Spielerbank ist ein bisschen zu kurz geraten.

Ich gehe jede Wette ein, dass Stefan Mair bereits schlaflose Nächte hat, wenn er an den HCB denkt.
Klar: im Italienpokal hatte er die weiß roten schlagen können. Aber damals hat ein einziges Spiel entscheiden müssen. In einer Serie von 7 Spielen wird die Mission Bozen ungleich schwieriger.

Die Rollen vor den beiden Halbfinalserien sind klar verteilt: alles andere, als ein Südtiroler Derby im Endspiel wäre eine faustdicke Überraschung.

Mein Tipp für die Serien:
Pustertal vs. Alleghe 4:1
Bozen vs. Cortina 4:2