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Sonntag, 29. September 2013

Ritten vs. Pustertal: Derby hat gehalten, was es versprochen hat

Es war ein gutes und schnelles Eishockey Spiel. Zwei gute Mannschaften unter sich. Zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison ganz gewiss ein Spitzenspiel, das Lust auf mehr macht und eine gute Werbung für den Südtiroler Eishockey Sport machte.

Ich halte wenig von Aussagen, dass die bessere Mannschaft verloren hat. Denn dazu sind die Regeln im Sport zu einfach: Wer gewinnt ist die bessere Mannschaft. Per Definition.
Dass Ritten das Spiel 55 Minuten lang bestimmt und dominiert hat, daran besteht kein Zweifel. Dass der HC Pustertal aber defensiv gut gearbeitet hat, das beweist das Ergebnis. Und Jean Sebastian Aubin war in einer Form, die ohne Übertreibung als Weltklasse bezeichnet werden kann. Er hat alles gehalten, was menschenmöglich war.
Was sich Ritten vorwerfen muss ist, aus der Dominanz nichts gemacht zu haben: Wer 55 Minuten lang anrennt, der muss mehr Phantasie einsetzen, um erfolgreich zu sein. Das Schema der Rittner Angriffe war durchschaubar, es fehlte der Überraschunsmoment, der spielerische Geistesblitz.
Nicht desto Trotz: Das Rittner Spiel war solide, die Mannschaft hat die Geduld nicht verloren und auch in der Defensive meist die Ruhe bewahrt. Dass man innerhalb von weniger als einer Minute um die verdienten Früchte der Arbeit gebracht worden ist, das mag bitter sein. Bringt die Mannschaft aber sicher weiter, als das ein glücklicher Sieg tun würde.

Immerhin kann Ritten behaupten mindestens drei Tore geschossen zu haben, auch wenn nur eines zählte. Ob die aberkannten Tore zu Recht oder zu Unrecht aberkannt worden sind, das werden die Fernsehbilder zeigen. Das ist aber auch nicht Gegenstand der Analyse: Denn zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison ist das Ergebnis Nebensache. Vor allem in einer Meisterschaft, wo zwei Leistungsklassen spielen. 
An diesen - wenn auch aberkannten - Toren kann sich Ritten aufbauen.
Wichtig ist, dass Trainerstab und Mannschaft die richtigen Schlüsse aus dem Derby zieht. Sich auf den Lorbeeren ausruhen, das dürfte nicht konstruktiv sein. Vor allem, weil die Lorbeeren nur halb geerntet worden sind.

Und Pustertal?

Pustertal ist einmal mehr eine Arbeitermannschaft, die ihre Aufgabe wie ein Uhrwerk erfüllt hat. Die Defensivleistung im Derby war einwandfrei - und über allem strahlte ein J.S. Aubin. Die neuen Bad Boys im Angriff werden von den Gegnern zwar gehasst werden - aber sie sind tolle Erscheinungen, die zum Eishockey dazu gehören - und für ordentlich Respekt sorgen.

Und die Schiedsrichter?

Die haben das Spiel nicht entschieden. Haben vielleicht die Regeln ein bisschen kleinlich ausgelegt, doch das kennt man von der hiesigen Schiedsrichterzunft. Vielleicht sollte ein bisschen in Fingerspitzengefühl investiert werden. Damit die Spiele mehr Rhytmus bekommen - und weniger zerhackt werden. 

Im großen und ganzen ein positiver Eishockeyabend.

Mit einem großen Fragezeichen: Dass im Anschluss an das Spiel gegenüber Reportern verlautet wird, man müsste sich noch überlegen, ob Statements gemacht werden. Denn man brauche keine negative Berichterstattung.
Kleiner Tipp am Rande: Das Ergebnis von Interviews ist immer das, was Spieler und Trainer von sich geben. Und sie sind die Möglichkeit, die eigene Sicht der Dinge darzustellen. Also genau das Mittel, um negativer Berichterstattung entgegen zu wirken.
Aussagen, man überlege sich, ob Interviews gegeben werden bewirken nur eines: Dass ein Verein, der professionell wirken möchte, genau das Gegenteil erreicht - und zurecht als Provinzverein abgestempelt wird.

Mittwoch, 13. Februar 2013

Der Spieltag im Rückspiegel

Ritten gewinnt Derby gegen HC Bozen mit 3:0 und übernimmt Tabellenführung.
Valpellice verliert 10. Auswärtsspiel in Folge und ist seit 24. November 2012 auswärts sieglos.
HC Pustertal bewahrt sich mit Sieg gegen Valpellice Chance auf Sieg der Masterround.
Nächste Gegner der Südtiroler Mannschaften:
Bozen schließt sein Zwischenrundenprogramm gegen den HC Pustertal ab.
Ritten ist spielfrei uns trifft am Samstag auf Valpellice.
Pustertal muss nach dem Derby noch in Alleghe antreten.

Quelle: Rai Sender Bozen Mittagsmagazin.
Interviewpartner: Armin Helfer, Ingemar Gruber, Alexander Egger
Bericht: Peter Treibenreif


Uncut Interviews aus Bruneck:


Interviewpartner: Armin Helfer, Paul Adey
Interviewer: Traube

Donnerstag, 31. Januar 2013

Ritten vs. Pustertal: Letzter Kraftakt vor der Pause

Und diese Überschrift ist dieses Mal durchaus wörtlich zu nehmen.
Es war eine Kräfteraubende Zeit, die letzten zwei Monate. Vor allem für die Spieler. Aber auch für die Fans. Und für die Entscheidungsträger.
Wenn Ritten und Pustertal heute die Schläger kreuzen, dann werden die Akteure am Eis das Letzte aus sich heraus holen. Um sich dann 16 lange Tage die Wunden zu lecken. Und sich in Form zu bringen, für die letzte, die wichtigste Etappe der heurigen Saison. 
Ich kann mich an viele Meisterschaften erinnern. Keine war so unruhig wie diese.  Weil man von Anfang an immer spekulieren musste: Als Fan, als Spieler, als Trainer und als Vereinsverantwortlicher. 
NHL Lockout und Namen, die man sich wünschte, die nicht kamen oder doch kamen und gleich schnell wieder gingen. Die einzige Konstante in dieser Saison war die Spekulation: Kommt jemand, und wenn ja wer. Diese Fragen ist immer noch offen. So gut wie bei allen Vereinen. Aus diesem Grund war die Entscheidung, den Transferschluss nicht nach hinten zu verschieben richtig: Weil so die Mannschaften in der Pause zur Ruhe kommen können. Sicherheit gewinnen können. Schlüsselspieler endlich Verantwortung übernehmen können. Verantwortung, von der sie nicht wussten, ob sie ihnen gelassen werden würde.

Vor dem Derby Ritten gegen Pustertal will irgendwie keine Derbystimmung aufkommen. Zu viel wird hinter den Kulissen gearbeitet und neben der Bühne geschimpft, protestiert, gejammert und mit dem Schicksal gehadert. Und es stellt sich mir die Frage, ob im Pustertal Normalität eingekehrt ist, nach drei Jahren, in denen Ausnahmezustand herrschte, wenn allein schon das Wort "Eishockey" in den Mund genommen wurde. Waren die 830 Zuschauer in der Leitner Solar Arena am vergangenen Samstag ein Ausrutscher oder der erste Schritt zur Normalität?

Eine definitive Antwort zu geben ist noch zu früh. Auch das Derby wird sie nicht geben können. Denn an einem Donnerstag werden sich nicht die fast schon gewohnte Völkerwanderung vom Pustertal in Richtung Klobenstein in Bewegung setzen. Was eigentlich schade ist. 
Die Wölfe werden beweisen müssen, dass der Sieg gegen Alleghe im letzten Heimspiel keine Eintagsfliege war und dass sich die Mannschaft den Weg aus der Krise definitiv gefunden hat.
Ritten wird hingegen noch einmal auf die Zähne beißen und sich zum Sieg kämpfen müssen. Das Spiel gegen Alleghe hat gezeigt, dass es auch ohne "Stars" gehen kann. Dazu muss aber jeder Spieler an seine Grenzen gehen.
Ritten kann mit einem Sieg zumindest ein Minimalziel erreichen: Das Heimrecht im ersten Play Off Spiel.




Freitag, 14. Dezember 2012

Ritten gegen Bozen: Von Aktion und Reaktion



Allen Unkenrufen zum Trotz: Es war ein spannender und abwechslungsreicher Derbyabend in Klobenstein. Und der Beweis, dass nicht nur Offensive attraktiv ist. Das Spiel Ritten gegen Bozen war vor allem aus taktischer Sicht interessant. Und das Ergebnis beweist, dass manchmal Punkteteilungen absolut gerecht sein könnten.

Beide Mannschaften agierten aus der Defensive heraus. Wobei: Die Aktion ging von Bozen aus, Ritten blieb die Reaktion. Das Vorhaben der Hausherren war, die Gäste zu spiegeln: Die erste Linie sollte gegen die erste spielen, die zweite gegen die zweite und die dritte Formation sollte sich mit der dritten messen. Wodurch Reaktion zur Aktion wird. Und für Kreativität kein Raum bleibt. Und: Wodurch der Auswärtsmannschaft der Taktstock in die Hand gegeben wurde.
Defensiv gelang Ritten ein ausgezeichnetes Spiel: die Buam machten die Räume eng, ließen den ambitionierten Gästen keine Slots.
Wo es haperte, wieder einmal, war im Spiel nach vorne: Kaum Bewegung, kaum Dynamik, kaum flüssige Spielzüge. Wobei sich auch andere Mannschaften schwer tun, die kompakt gestaffelte Bozner Aufstellung zu umspielen. Doch zumindest den Versuch es mit Speed anzugehen, sollte gewagt werden, wobei dadurch das Risiko besteht, in einen schnellen Tempogegenstoß zu laufen.
Geduld ist eine Tugend: Nicht nur im Leben allgemein, sondern im Sport im Besonderen. Der HCB ist ein Meister der Geduld, wird zu keiner Zeit nervös, weiß, dass sich Chancen ergeben werden. Und, was das Team auszeichnet, die sich bietenden Chancen werden ausgenützt. Zumindest früher oder später. Auch, oder wie gestern vor allem, wenn ein Justin Pogge Schlussmann ist. Er hielt, was zu halten war und versaute sich dann selbst den Abend, durch einen missglückten Ausflug, der nicht hätte sein müssen. Kein Vorwurf gegen ihn: Er ist hauptverantwortlich dafür, dass Ritten überhaupt sein Punktekonto aufstocken konnte.

Eine neue taktische Variante probierte Rob Wilson aus, die in dieser Form wohl noch nie dagewesen ist: Während Spitzenmannschaften in Überzahl vermehrt mit vier Stürmern agieren versuchte Wilson mit drei Verteidigern erfolgreich zu sein. Einen Versuch kann es ja wert sein, vor Nachahmung sollte gewarnt werden. War es der Versuch, die Verpflichtung von Andy Delmore zu rechtfertigen? Wenn dem so wäre, die Rechtfertigung ist gescheitert. Weil Delmore zu keinem Zeitpunkt Akzente setzen konnte.
Er war einmal ein großer Namen in der Eishockeywelt. Heute präsentiert er sich nur noch als Schatten dieses Namens. Das Problem: Große Namen verblassen in der kleinen Eishockeywelt nicht, die Erwartungshaltung wird nicht sinken. Wer als Verein einen großen Namen verpflichtet, der darf seine Ambitionen nicht herunterspielen.

Ritten war besser ins Spiel gestartet. Brian McCutcheon erklärte es mir damit, dass die Mannschaft nach der intensiven Spielphase und einer Pause von fünf Tagen aus dem Tritt gekommen wäre. Seiner Erklärung nach brauchte die Mannschaft ein Drittel, um Schwung aufzunehmen. Es war, seiner Meinung nach, nicht das beste Bozner Spiel.
Woran kein Zweifel besteht ist, dass der Bozner Trainer der wohl mit Abstand beste Coach der Liga ist. Er versteht es, Spiele zu lesen und aus den Erkenntnissen innerhalb kürzester Zeit die richtigen Lösungen zu konstruieren. Bozen verfügt über gute Spieler, keine Frage. Aber Bozen verfügt vor allem über ein zentrales Nervensystem, das der Konkurrenz überlegen ist. Meilenweit. Und das den großen Unterschied macht.
Womit alle Experten widerlegt sind, die behaupten, ein Trainer sei im Eishockey vor allem beim Leiten der Übungseinheiten wichtig.

 

Montag, 10. Dezember 2012

Drittes Derby ist erstes auf Augenhöhe



Das dritte Aufeinandertreffen von Ritten und Bozen in Klobenstein hat zum ersten Mal in dieser Saison die passenden Vorzeichen für ein spannendes Derby. Die bisherigen Duelle hatten jeweils einen klaren Favoriten gehabt, der sich auch jeweils durchgesetzt hatte. Beim dritten Spiel aber sind die Karten neu gemischt und der Ausgang des Duells ist mehr als offen. Die Kontrahenten begegnen sich auf Augenhöhe. Wobei die Vorteile unterschiedlich aufgeteilt sind.

Hier fünf Gründe, wieso Ritten dieses Derby gewinnt:

 

1. Justin Pogge: Ritten verfügt über den wohl besten Torhüter der gesamten Liga. Er hat im Laufe der Saison schon öfters Spiele im Alleingang entscheiden können.

2. Der HC Bozen ist müde: Seit der letzten Nationalmannschaftspause hat der HCB zwölf Spiele absolviert - und mindestens drei Spiele pro Woche gehabt. Da Bozen nur mit drei Linien agiert, müssen die Akkus leer sein und die Spannung im Team muss langsam nachlassen. Gut möglich, dass bereits im Spiel gegen Ritten der Spannungsabfall stattfindet.

3. Das Gesetz der Serie: Ritten hat in dieser Saison schon eine Serie einer Übermannschaft beendet: Mit einem 4:0 Heimsieg gegen die Wölfe aus dem Pustertal wurde die Siegesserie des HC Pustertal gebrochen. Außerdem kann Ritten in dieser Saison fünf Heimspiele in Folge gewinnen, auch diese Zahl ist noch nicht erreicht. Und drittens haben sich bisher in den Derbys immer die Heimmannschaften durchgesetzt. Auch diese Serie spricht für einen Rittner Sieg.

4. Ritten befindet sich im Derbyfieber und möchte die heimischen Fans von der eigenen Qualität überzeugen. Das Derbyfieber bewirkt, dass Ritten hochkonzentriert und kämpferisch zu Werke geht und Bozen regelrecht überläuft. Diese Laufbereitschaft sticht die taktischen Vorteile Bozens aus.

5. Der Rittner Sturm wacht endlich auf und spielt sein volles Potential und damit die starke Bozner Defensive aus. Über schnelle Kombinationen überrascht Ritten den HC Bozen und bereitet ihm einen stürmischen Empfang. Dass Ritten dazu im Stande ist hat die Mannschaft von Rob Wilson schon bewiesen.

Aber es gibt auch fünf Gründe, wieso Bozen das Duell für sich entscheiden kann:

 

1. Niklas Hjalmarsson: Der schwedische NHL Import sorgt in Bozen vor allem für eines - Für Selbstvertrauen. Und das wird in den Ergebnissen sichtbar: Seit der Wikinger das "weiß-rote" Dress übergezogen hat, verliert die Mannschaft aus der Landeshauptstadt nicht mehr. Und das nun schon seit zwölf Pflichtspielen in Folge.

2. Bozen ist taktisch überlegen: Brian McCutcheon ist der unumstritten beste Trainer der laufenden Meisterschaft. Kein anderer kann Spiele so lesen wie er und die richtige Rückschlüsse aus dem Gesehenen ziehen. Mit seinen präzisen Anweisungen, die von seinen Spielern punktgenau umgesetzt werden, hat er bislang noch jeden Gegner zur Verzweiflung gebracht, auch wenn die gegnerische Mannschaft kämpferisch und physisch stärker war.

3. Das Gesetz der Serie: Bozen hat seit über einem Monat nicht mehr verloren. Wieso sollte diese Serie genau in Klobenstein enden?

4. Bozen hat das Selbstvertrauen, die beste Mannschaft der laufenden Meisterschaft zu sein. Eine Mannschaft die gewinnt spürt die Müdigkeit nicht und kann aus dem Siegesrausch heraus immer neue Kräfte produzieren. Bozen ist eine eingeschworene Mannschaft geworden, wo jeder für den anderen läuft und Leistung bringt: Das ist der Grund, weshalb Bozen zur Zeit so gut wie unschlagbar ist.

5. Ritten hat ein Problem in Spielen, in denen es gegen direkte Gegner geht. Irgendwie tun sich die "Buam" schwer die Big Points zu holen. Weil Ritten in solchen Spielen verkrampft. Bozen hingegen spielt geduldig und wartet auf die sich ergebenden Möglichkeiten.

Das Fazit: Der Ausgang des Derbys ist offen. Und für ein spannendes und emotionsreiches Spiel ist gesorgt. Bleibt zu hoffen, dass die Fans das Angebot annehmen. Und sowohl Bozner als auch Rittner ins Stadion kommen. Um für einen stimmungsreichen Abend zu sorgen.

Freitag, 30. November 2012

Sportlichkeit und vergiftetes Klima

Es wird viel diskutiert, über as Derby Pustertal gegen Bozen.
Und: es gibt tatsächlich viel Diskussionsstoff.
Weil die Hausherren keine Sympathiepunkte gesammelt haben.

Der HCP war die letzten Jahre eine Mannschaft, die sich spielerisch in die Herzen vieler- auch neutraler- Eishockeyfans gespielt haben. Powereishockey, Einsatz und Herz, das waren die Attribute. Kampf mit fairen Mitteln.
Zweimal war man nahe am Ziel. Zweimal ist man am Schlussanstieg gescheitert.
Wut, Enttäuschung - aber auch Eingeständnisse und Sportsgeist im Anschluss.
Klar, dass man es nun endlich schaffen will. Vor allem, wenn man, so wie diese Saison, die frühe Phase der Meisterschaft nicht nur bestimmt, sondern dominiert.

Dann der Auftritt im Derby gegen Bozen. Freilich: Ein Spiel gegen den Erzrivalen ist ein besonderes Duell, in dem es, wie bereits öfter geschrieben, um mehr als um drei Punkte geht. Es geht darum, sein Revier zu markieren. Und zu verteidigen.
Das sollte im Sport aber über spielerische Mittel geschehen. Und nicht über rohe Gewalt.

Es scheint so, als hätten sich die Wölfe selbst einen Druck aufgebürdet, unter dem sie nun zusammenbrechen. Als brächte der Ehrgeiz im Moment der Niederlage Verzweiflung zum Ausdruck. Anders kann ich mir den Auftritt der Pusterer nach dem ersten Drittel nicht erklären. In jeder Aktion eine Provokation, versteckte Fouls, unnötige Checks, die ausgefahren werden, nachdem die Scheibe schon lange gespielt worden ist.
Körperlicher Einsatz gehört zum Eishockey - ohne Frage. Aber: Übertriebener körperlicher Einsatz gehört bestraft.

Die Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Joe Jensen war trauriger Höhepunkt. Nicht, dass Niklas Hjalmarsson besonders beschützt gehörte: Jeder Spieler gehört beschützt. Aktionen, die nur darauf hinzielen, den Gegner zu verletzten gehören aufs Härteste bestraft. So wie in diesem Fall. Die Scheibe bereits im Angriffsdrittel der Bozner, Jensen lässt das Bein gegen Hjalmarsson stehen - 30 Meter vom Spielgeschehen entfernt.

Gegen diesen HC Bozen zu verlieren ist keine Schande. Die Truppe von Brian McCutcheon ist das beste Gesamtpaket. Erfahrene Spieler und ein Trainer, der ein Spiel lesen kann. Der seiner Mannschaft klare Anweisungen geben kann, wie man die Gegner neutralisiert. Und so erfolgreich ist. Spieler, die diese Anweisungen punktgenau ausführen. Taktische Theorie und praktische Umsetzung greifen nahtlos ineinander. Dazu ökonomische Spielweise, um die Kräfte zu schonen und die kurze Spielerbank auszugleichen. Einfach perfektes Eishockey, bei dem die Mittel den Möglichkeiten angepasst werden.
Sein Gegenüber Paul Adey? Seine Anweisung war Härte. Übertriebene Härte. Ein Mittel, das gottseidank nicht gefruchtet hat. Mittel, die er schon am Ritten eingesetzt hat. Was damals schon den "Buam" eine Menge Sympathie gekostet hat.
Der HC Pustertal hat diese Mittel nicht nötig, wie die erste Saisonhälfte gezeigt hat. Vielleicht sieht das auch der Trainer ein. Hoffentlich zumindest.

Das Klima heute, am Tag danach: Vergiftet. Ausreden, Rechtfertigungen, Erklärungen. Von seiten vieler Fans.
Die Fanbrille verzerrt die Sichtweise.
Objektiv gesehen hatte der Pusterer Einsatz nix mehr mit Sport zu tun.
Und die Schiedsrichter? Waren milde. Haben in vielen Situationen Gnade vor Recht ergehen lassen.

Was bleibt von diesem Spiel?
Die Hoffnung, dass man im Pusterer Trainerstab zur Einsicht kommt, dass man sich mit einer solchen Spielweise nur selbst schadet. Sportlich sowieso. Aber auch von den Sympathiewerten. Die Zeiten sind vorbei, in denen man mit Ramboauftritten Fans ins Stadion locken konnte. Wie gesagt: Nix gegen gesunde Härte. Aber rohe Gewalt ist ein absolutes No Go.
Und der Grat dazwischen ist nicht einmal ein schmaler. Sondern wird über Sportlichkeit definiert.
Und Sportlichkeit lässt die Sympathiewerte wieder steigen. Sehr schnell.

Dienstag, 27. November 2012

Über Türme, die die Sicht verbauen

Wie definiert sich Professionalität?
In nachhaltiger Vorbereitung des Marktes auf ein Produkt, das dann positioniert wird und in der Folge in den Verkauf geht.
Damit die Verkaufszahlen konstant sind und das Betriebsergebnis nicht von einer Spitze in den Keller fällt. Anschließend scheibchenweise dafür sorgen, dass attraktive Ausbaustufen folgen. Damit der mühsam vorbereitete Markt weiterbedient werden kann.

Konkret?
Wenn Apple ein Smartphone auf den Markt bringt, dann muss sich das Unternehmen schon vor dem Launch Gedanken über mögliche Ausbaustufen machen - muss heute schon wissen, wie sich das Produkt morgen weiterentwickeln wird. Damit die Attraktivität erhalten bleibt. Die Folge: auf 5 folgt 5s.

Übersättigung bedeutet Einbruch

Was das mit Eishockey zu tun hat?
Naja: Wer an einem Continentalcup Wochenende in Südtirol gleichzeitig ein Südtiroler Derby ansetzt und an einem Derbywochenende am Ritten gleichzeitig das Duell Bozen gegen Mailand, der hat dieses Prinzip nicht wirklich verstanden.
Wer nach einem intensiven Continentalwochenende eine englische Woche angesetzt und plant, der hat das mit dem scheibchenweise überhaupt nicht kapiert.
Weniger, weil der Teilnehmer am Internationalen Wochenende einen körperlichen Nachteil hat.
Vielmehr ist der Markt gesättigt, die Zuschauer haben sich sattgesehen, sattgelesen, verdienen sich eine Pause. Weil es nicht nur Eishockey gibt. Sondern vielleicht auch einen Stammtisch. Oder eine Familie. Oder einen Freundeskreis. Oder eine Arbeit.
Das ist so, als würde Apple das Iphone gleichzeitig mit seinen Ausbaustufen  präsentieren.

Ich kenne das Argument: Wieso sollen wir auf Einnahmen verzichten, nur weil Bozen spielt?
Der Glaube an das Recht des eigenen Kirchturms verbaut die Übersicht. Es ist das kindisch-sture Behaupten des eigenen Reviers. Das Beharren auf das eigene Recht. Was irgendwie schade ist. Weil die Chancen auf einen gezielten und geplanten Aufbau des gemeinsamen Marktes, der durchaus Chancen hätte, verbaut werden. Mit einem überheblich-dümmlichen Grinsen im Gesicht. 

Verantwortung übernehmen bedeutet, Kompromisse einzugehen

Der schwarze Peter - oder in diesem Fall die heiße Kartoffel - wird abgeschoben. An eine übergeordnete Einrichtung. An Lega und Verband, die ja schließlich und endlich verantwortlich sind für den Spielplan.
Wo aber letzten Endes wieder jene sitzen, die für den eigenen Verein die Interessen vertreten. Und leider wiegen diese Eigeninteressen schwerer, als die Interessen der Branche.

Langfristige Verlierer: Alle gemeinsam - Die Vereine, weil in einem übersättigten Markt niemand mehr verkauft.
Die Zuschauer, weil sie sich an einem Spieltag zwischen Highlights entscheiden müssen, während am nächsten gleich zwei Höhepunkte stattfinden.
Und hier meine ich nicht die Anhänger der eigenen Mannschaft, für die sich die Frage nicht stellt. Ich meine die vielen neutralen Eishockeyliebhaber, die das ganze Land abfahren, um die besten und attraktivsten Spiele zu sehen. Von denen gibt es einige - und es könnten durchaus noch mehr sein!

Die Lösung?
Beim nächsten Zusammensitzen den Kirchturm daheim lassen, bereit sein, Kompromisse einzugehen, zuerst an die Marktvorbereitung und dann an das eigene Produkt denken.
Das Ergebnis: Ein Spielplan, der dem Eishockeyliebhaber aus Völs, Brixen oder Latsch die Chance gibt, an jedem Spieltag ein Highlight zu sehen. Und daraus resultierend ein Markt, der zu blühen beginnt und Stadien, in denen der Stadionsprecher nicht die Zuschauer namentlich begrüßen könnte.

Freitag, 12. Oktober 2012

Derby Nachbesprechung



Vieles wurde bereits gesagt. Viele Fragezeichen bleiben.
Das Derby Ritten gegen Bozen war auf dem Papier ein Derby, keine Frage.
Von einer Derbystimmung war in Klobenstein aber wenig zu spüren.
Weil einerseits die Rollen bereits vor dem Spiel so klar vergeben waren, wie selten zuvor bei einem Derby: Bozen war krasser Außenseiter. Weil nur zwei Ausländer zur Verfügung standen und deswegen die funktionierenden Linien umgestaltet werden mussten. Weil aufgrund der dünnen Spielerdecke in der Verteidigung klar war, dass die Kraft bei den Gästen nachlassen würde. Und weil Ritten sich von Spiel zu Spiel steigert und langsam in die Reichweite des Potentials kommt, das die Mannschaft hat.

Und zu echter Derbystimmung fehlen die fanatischen Fans. Die Rivalität bereits am Stadioneingang. Die Gesänge im Stadion. Sowohl von der einen, wie auch von der anderen Seite. Die Provokationen, durch die sich die Stimmung aufschaukelt. Nicht dass ich falsch verstanden werde: Es fehlt nicht die Gewaltbereitschaft. Es fehlen die kleinen Sprüche und Sager, die Emotionen hochkochen lassen.
Eishockey ist sowohl am Ritten als auch in Bozen zu einer Insiderveranstaltung geworden. Die Zuschauer sind mehr Fachleute als Fans. Spielzüge werden analysiert, zerlegt, durchdiskutiert. Spontane Emotionsausbrüche sind Mangelware. Weil es keinem der beiden Vereine gelingt, eine neue, fanatische Fanschicht anzusprechen.

Das ist auch der Grund, wieso nach einem solchen Spiel mehr Kommentare zu den Mängeln, als die Freude über einen verdienten Sieg aufkommen. Gut für alle, die schreiben. Denn Bad News are Good News. Ob das der Bewegung weiterhilft bezweifle ich.

Dabei habe ich beim Spiel mehr Licht als Schatten gesehen: Ritten spielte ein ausgezeichnetes erstes Drittel. Hat Bozen überrascht. Hätte man Bozen ins Spiel kommen lassen, der Ausgang wäre ungewiss gewesen. Weil Bozen taktisch ausgezeichnet eingestellt ist. Ob mit Flynn oder ohne. Wenn der Bozner Express Fahrt aufnimmt, dann spielt er sich in Rage. Und dann reichen zwei Drittel aus, um ein Spiel zu gewinnen.
Deshalb war Ritten gut beraten und hat das einzig richtige getan: Von Beginn an Druck gemacht. Den Meister nicht aufkommen lassen. Hat das Spiel unberechenbar gemacht: Sowohl bei Tempowechseln beim Spielaufbau als auch durch aggressive und konsequente Störarbeit.
Und hat Charakter bewiesen und die fast schon obligate Schwächephase im zweiten Drittel selbst überwunden, sich gefangen, und bis zu letzt einen doch souveränen Eindruck hinterlassen.
Klar ist noch nicht alles eitel Sonnenschein. Doch zumindest das Ergebnis ist schon einmal positiv. Und muss nicht schlecht geredet werden. Zumindest nicht von Rittner Seite.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

An Tagen wie diesen....

Ich muss zugeben: ich bin heute schon nervös. Naja, vielleicht ist nervös nicht das richtige Wort. Vielleicht trifft es "gesunde Anspannung" besser: Denn es weht Derbyluft.

Ja, ich weiß, viele bezeichnen auch das Spiel Bozen gegen Pustertal oder Ritten gegen Pustertal als Derby: aber irgendwie ist das nicht das Gleiche. Für mich zumindest nicht. Weil: Zwischen Ritten und dem Pustertal besteht zwar eine Rivalität, doch die besteht schließlich und endlich zwischen Bozen und Mailand auch. Und da würde niemand von einem "Derby" sprechen.

OK, 
ich weiß, 
ich bin "meine" Definition von Derby schuldig: 
Für mich sind das Nachbarschaftsduelle, im wahrsten geografischen Sinn des Wortes. Und Nachbarn sind nun einmal nur Ritten und Bozen. Das ist von der Natur so vorgegeben. 
Die beiden Gemeinden verbindet mehr, als nur das Eishockey: Obwohl man vom Ritten stets- geografisch gesprochen- auf Bozen hinunterschauen konnte, der Ritten war immer von den Städtern geknechtet: Sie haben am Ritten die Sommerfrische erfunden, 
sie haben entschieden, auf den Ritten herauf eine Zahnradbahn zu bauen. Bozen bestimmte die Politik, Ritten musste nach der Pfeife der "Großkopfeten" tanzen.

Eishockey ist die Gelegenheit, sich in sportlichem Wettkampf zu messen: und festzustellen, wer für die nächsten knapp zwei Monate - sportlich gesehen - hinunterschauen darf. Deshalb meine Anspannung: Weil es in diesem Spiel um mehr, als die drei faden Punkte in der Tabelle geht. 
Der Vergleich zwischen dem Derby im Tessin ist zwar nicht ganz erlaubt: Doch auch hier geht es um den Kampf zwischen Stadt und Land. 
Und darum, ob wir Einheimischen, wenn die "Herrischen" zum Törggelen kommen, und wir freundlich zum Aufstehen aufgefordert werden, weil die "Leut" kommen, zumindest ein bisschen spitzbübisch grinsen dürfen, weil wir zumindest einmal wieder , sportlich gesehen, Oberwasser haben...





Ach ja, Eishockey wird ja auch gespielt: Und die Vorteile liegen bei diesem Spiel, objektiv gesehen (so objektiv ich eben sein kann), bei Ritten: Weil man von einer Niederlage kommt, und sicher noch die Wut im Bauch hat. Und weil Bozen von einem teuer erkauften Sieg kommt: Weil die Mannschaft beim Sieg gegen Asiago ein Drittel seiner Ausländer durch Sperre verloren hat. Dadurch müssen die eingespielten Linien durcheinander gewürfelt werden. Und ich zweifle, dass das Bozner System, das bisher makellos praktiziert worden ist, schon so automatisiert ist, dass es auch bei Linienwechseln funktionieren kann. 
Außerdem müssen die Verteidiger der Meistermannschaft müde sein: Weil sie so viel Eiszeit absolvieren müssen, und sich das bei zwei Spielen innerhalb von 48 Stunden stärker manifestieren wird, als bei nur zwei Spielen in einer Woche.
Trotzdem: es wird kein Selbstläufer für Ritten. Sondern eine knappe Kiste. 
Mein Tipp: Ritten gewinnt mit einem Tor Unterschied. Aber es reicht zu drei Punkten.