Sonntag, 16. Dezember 2012

Dreiviertel Bilanz

Eine lange Saison hat so ihre Tücken. Nicht nur für die Spieler. Sondern auch für einen Blogger: So müssen Wörter erfunden werden, um das zu beschreiben, was man sagen will. Mein Vorteil: Es ist meine erste Saison. Wodurch ich mich noch nicht so leicht wiederhole.
Das Wort Dreiviertelbilanz klingt irgendwie nach Walzer. Und ein verrückter Tanz ist diese laufenden Meisterschaft auch irgendwie.


Die Positionen scheinen bezogen. Zumindest, was die ersten fünf Plätze betrifft. Und: Die drei Südtiroler Vertreter sind in der laufenden Meisterschaft Spitze. Der Rest der Nation beginnt auf Rang vier. Wenn die letzte Runde der Regular Season einigermaßen mit rechten Dingen zugeht, dann wird die Zwischenrunde eine Runde der Südtiroler Derbys sein. Eine Südtiroler Runde praktisch, mit "ausländischer" Beteiligung.
Die Fans wird es freuen.

Was seit der Halbzeit geschah?

Der HC Pustertal ist noch immer Tabellenführer. 

Hat aber an Souveränität eingebüßt und der Vorsprung auf den Tabellenzweiten ist geschrumpft. Klar: Wenn der Stammtormann fehlt, so schwächt das eine Mannschaft. Das wäre bei allen anderen Teams nicht anders.
Was im Osten des Landes aber noch verloren gegangen ist: Die spielerische Leichtigkeit, mit der man die erste Saisonhälfte dominiert hat. An ihre Stelle ist der Kampf getreten.
Wenn Kampf an Stelle von spielerischer Leichtigkeit tritt, dann hat das meistens leider auch etwas anderes zur Folge: Krampf und Verbissenheit. Wobei Verbissenheit eine Eigenschaft ist, die nicht zu schätzen ist. Weil Verbissenheit immer Hand in Hand mit einem latenten Frust geht. Wofür im Pustertal kein Anlass besteht: Denn noch immer zählt die Adey Truppe zu den Titelanwärtern, noch immer kann sie regelmäßig punkten und noch immer sind die Wölfe eine Mannschaft, die für keinen Gegner ein Selbstläufer ist. Ob mit oder ohne J.S. Aubin.

Mass aller Dinge ist in der Zwischenzeit aber der HC Bozen: 


 

Eindrucksvoll haben sich die "Weiß-Roten" aus einer Zwischenkrise gespielt. Niklas Hjalmarsson wird zwar ein Grund sein, ist aber sicherlich nicht der einzige: Denn der HCB beweist Reife, taktische Überlegenheit und vor allem präsentieren sich die Bozner Cracks als Einheit, als verschworene Gemeinschaft, wo einer für den anderen zu arbeiten und zu Leistungen bereit ist.
Mag sein, dass der Continental Cup einen wichtigen Beitrag dazu geleistet hat. Mag sein, dass der erreichte Finaleinzug als Leistungskatalysator gewirkt hat.
Was diese Runde aber gezeigt hat: Die Titelvergabe kann nur über den HCB führen. Alles andere wäre eine faustdicke Überraschung.

Ritten Sport hingegen hat sich als Achterbahnmannschaft bestätigt. 

 

Zwar gelingt es der Wilson Truppe regelmäßig zu punkten, und unterm Strich ist das das einzige, was zählt. So richtig zu überzeugen wissen die "Buam" aber nicht. Klar fehlt eine komplette Sturmreihe, wobei vor allem der Ausfall von Ryan Ramsay schwer wiegt. Aber es ist gefährlich, sich allein auf diese Tatsache hinauszureden und über diesen Umstand die offensichtlich vorhandenen anderen Baustellen zu übersehen. Der Ausfall eines guten Spielers wird in jeder Mannschaft bemerkt - wenn dem nicht so wäre, man brauchte keinen guten Spieler engagieren. Doch eine Mannschaft nur auf einen Spieler zu reduzieren das ist dann doch des guten zu viel. Denn Eishockey ist ein Mannschaftssport wo jeder einzelne seinen Beitrag zum Gelingen einer Mission leisten muss.
Unverständlich in dieser Runde die Rittner Einkaufspolitik: Im Rittner Spiel fehlen Center an allen Ecken und Enden. Trotzdem entscheidet man sich für den Kauf eines Verteidigers. Für mich immer noch keine nachvollziehbare Entscheidung, vor allem, wenn sie dadurch erklärt wird, dass die Defensive noch ein Problem werden könnte: Denn offensichtlich hat man in der Offensive ein Problem, das bereits konkret aber nicht ernstgenommen wird.

Was nun folgt ist für normale Menschen die besinnlichste und schönste Zeit des Jahres. Für Eishockeyfans ist es auch die schönste, aber auch die intensivste Zeit: Zwischen Weihnachten und dem Dreikönigsfest reiht sich ein Spieltag an den anderen. Eine alte Eishockeyweisheit besagt, dass Meisterschaften um Weihnachten entschieden werden. Ich freue mich schon, wenn ich am Ende dieser Runde eine Schlussbilanz ziehen darf.
Weil ich gespannt darauf bin, ob es noch Überraschungen geben wird.

Freitag, 14. Dezember 2012

Ritten gegen Bozen: Von Aktion und Reaktion



Allen Unkenrufen zum Trotz: Es war ein spannender und abwechslungsreicher Derbyabend in Klobenstein. Und der Beweis, dass nicht nur Offensive attraktiv ist. Das Spiel Ritten gegen Bozen war vor allem aus taktischer Sicht interessant. Und das Ergebnis beweist, dass manchmal Punkteteilungen absolut gerecht sein könnten.

Beide Mannschaften agierten aus der Defensive heraus. Wobei: Die Aktion ging von Bozen aus, Ritten blieb die Reaktion. Das Vorhaben der Hausherren war, die Gäste zu spiegeln: Die erste Linie sollte gegen die erste spielen, die zweite gegen die zweite und die dritte Formation sollte sich mit der dritten messen. Wodurch Reaktion zur Aktion wird. Und für Kreativität kein Raum bleibt. Und: Wodurch der Auswärtsmannschaft der Taktstock in die Hand gegeben wurde.
Defensiv gelang Ritten ein ausgezeichnetes Spiel: die Buam machten die Räume eng, ließen den ambitionierten Gästen keine Slots.
Wo es haperte, wieder einmal, war im Spiel nach vorne: Kaum Bewegung, kaum Dynamik, kaum flüssige Spielzüge. Wobei sich auch andere Mannschaften schwer tun, die kompakt gestaffelte Bozner Aufstellung zu umspielen. Doch zumindest den Versuch es mit Speed anzugehen, sollte gewagt werden, wobei dadurch das Risiko besteht, in einen schnellen Tempogegenstoß zu laufen.
Geduld ist eine Tugend: Nicht nur im Leben allgemein, sondern im Sport im Besonderen. Der HCB ist ein Meister der Geduld, wird zu keiner Zeit nervös, weiß, dass sich Chancen ergeben werden. Und, was das Team auszeichnet, die sich bietenden Chancen werden ausgenützt. Zumindest früher oder später. Auch, oder wie gestern vor allem, wenn ein Justin Pogge Schlussmann ist. Er hielt, was zu halten war und versaute sich dann selbst den Abend, durch einen missglückten Ausflug, der nicht hätte sein müssen. Kein Vorwurf gegen ihn: Er ist hauptverantwortlich dafür, dass Ritten überhaupt sein Punktekonto aufstocken konnte.

Eine neue taktische Variante probierte Rob Wilson aus, die in dieser Form wohl noch nie dagewesen ist: Während Spitzenmannschaften in Überzahl vermehrt mit vier Stürmern agieren versuchte Wilson mit drei Verteidigern erfolgreich zu sein. Einen Versuch kann es ja wert sein, vor Nachahmung sollte gewarnt werden. War es der Versuch, die Verpflichtung von Andy Delmore zu rechtfertigen? Wenn dem so wäre, die Rechtfertigung ist gescheitert. Weil Delmore zu keinem Zeitpunkt Akzente setzen konnte.
Er war einmal ein großer Namen in der Eishockeywelt. Heute präsentiert er sich nur noch als Schatten dieses Namens. Das Problem: Große Namen verblassen in der kleinen Eishockeywelt nicht, die Erwartungshaltung wird nicht sinken. Wer als Verein einen großen Namen verpflichtet, der darf seine Ambitionen nicht herunterspielen.

Ritten war besser ins Spiel gestartet. Brian McCutcheon erklärte es mir damit, dass die Mannschaft nach der intensiven Spielphase und einer Pause von fünf Tagen aus dem Tritt gekommen wäre. Seiner Erklärung nach brauchte die Mannschaft ein Drittel, um Schwung aufzunehmen. Es war, seiner Meinung nach, nicht das beste Bozner Spiel.
Woran kein Zweifel besteht ist, dass der Bozner Trainer der wohl mit Abstand beste Coach der Liga ist. Er versteht es, Spiele zu lesen und aus den Erkenntnissen innerhalb kürzester Zeit die richtigen Lösungen zu konstruieren. Bozen verfügt über gute Spieler, keine Frage. Aber Bozen verfügt vor allem über ein zentrales Nervensystem, das der Konkurrenz überlegen ist. Meilenweit. Und das den großen Unterschied macht.
Womit alle Experten widerlegt sind, die behaupten, ein Trainer sei im Eishockey vor allem beim Leiten der Übungseinheiten wichtig.

 

Montag, 10. Dezember 2012

Drittes Derby ist erstes auf Augenhöhe



Das dritte Aufeinandertreffen von Ritten und Bozen in Klobenstein hat zum ersten Mal in dieser Saison die passenden Vorzeichen für ein spannendes Derby. Die bisherigen Duelle hatten jeweils einen klaren Favoriten gehabt, der sich auch jeweils durchgesetzt hatte. Beim dritten Spiel aber sind die Karten neu gemischt und der Ausgang des Duells ist mehr als offen. Die Kontrahenten begegnen sich auf Augenhöhe. Wobei die Vorteile unterschiedlich aufgeteilt sind.

Hier fünf Gründe, wieso Ritten dieses Derby gewinnt:

 

1. Justin Pogge: Ritten verfügt über den wohl besten Torhüter der gesamten Liga. Er hat im Laufe der Saison schon öfters Spiele im Alleingang entscheiden können.

2. Der HC Bozen ist müde: Seit der letzten Nationalmannschaftspause hat der HCB zwölf Spiele absolviert - und mindestens drei Spiele pro Woche gehabt. Da Bozen nur mit drei Linien agiert, müssen die Akkus leer sein und die Spannung im Team muss langsam nachlassen. Gut möglich, dass bereits im Spiel gegen Ritten der Spannungsabfall stattfindet.

3. Das Gesetz der Serie: Ritten hat in dieser Saison schon eine Serie einer Übermannschaft beendet: Mit einem 4:0 Heimsieg gegen die Wölfe aus dem Pustertal wurde die Siegesserie des HC Pustertal gebrochen. Außerdem kann Ritten in dieser Saison fünf Heimspiele in Folge gewinnen, auch diese Zahl ist noch nicht erreicht. Und drittens haben sich bisher in den Derbys immer die Heimmannschaften durchgesetzt. Auch diese Serie spricht für einen Rittner Sieg.

4. Ritten befindet sich im Derbyfieber und möchte die heimischen Fans von der eigenen Qualität überzeugen. Das Derbyfieber bewirkt, dass Ritten hochkonzentriert und kämpferisch zu Werke geht und Bozen regelrecht überläuft. Diese Laufbereitschaft sticht die taktischen Vorteile Bozens aus.

5. Der Rittner Sturm wacht endlich auf und spielt sein volles Potential und damit die starke Bozner Defensive aus. Über schnelle Kombinationen überrascht Ritten den HC Bozen und bereitet ihm einen stürmischen Empfang. Dass Ritten dazu im Stande ist hat die Mannschaft von Rob Wilson schon bewiesen.

Aber es gibt auch fünf Gründe, wieso Bozen das Duell für sich entscheiden kann:

 

1. Niklas Hjalmarsson: Der schwedische NHL Import sorgt in Bozen vor allem für eines - Für Selbstvertrauen. Und das wird in den Ergebnissen sichtbar: Seit der Wikinger das "weiß-rote" Dress übergezogen hat, verliert die Mannschaft aus der Landeshauptstadt nicht mehr. Und das nun schon seit zwölf Pflichtspielen in Folge.

2. Bozen ist taktisch überlegen: Brian McCutcheon ist der unumstritten beste Trainer der laufenden Meisterschaft. Kein anderer kann Spiele so lesen wie er und die richtige Rückschlüsse aus dem Gesehenen ziehen. Mit seinen präzisen Anweisungen, die von seinen Spielern punktgenau umgesetzt werden, hat er bislang noch jeden Gegner zur Verzweiflung gebracht, auch wenn die gegnerische Mannschaft kämpferisch und physisch stärker war.

3. Das Gesetz der Serie: Bozen hat seit über einem Monat nicht mehr verloren. Wieso sollte diese Serie genau in Klobenstein enden?

4. Bozen hat das Selbstvertrauen, die beste Mannschaft der laufenden Meisterschaft zu sein. Eine Mannschaft die gewinnt spürt die Müdigkeit nicht und kann aus dem Siegesrausch heraus immer neue Kräfte produzieren. Bozen ist eine eingeschworene Mannschaft geworden, wo jeder für den anderen läuft und Leistung bringt: Das ist der Grund, weshalb Bozen zur Zeit so gut wie unschlagbar ist.

5. Ritten hat ein Problem in Spielen, in denen es gegen direkte Gegner geht. Irgendwie tun sich die "Buam" schwer die Big Points zu holen. Weil Ritten in solchen Spielen verkrampft. Bozen hingegen spielt geduldig und wartet auf die sich ergebenden Möglichkeiten.

Das Fazit: Der Ausgang des Derbys ist offen. Und für ein spannendes und emotionsreiches Spiel ist gesorgt. Bleibt zu hoffen, dass die Fans das Angebot annehmen. Und sowohl Bozner als auch Rittner ins Stadion kommen. Um für einen stimmungsreichen Abend zu sorgen.

Samstag, 8. Dezember 2012

Traube's Out Of Topic: Highlight im Februar 2013



Unvergessen ist die letzte Internationale Großveranstaltung im Icering Ritten, als die besten Speedskater Europas ihren besten kürten. Unvergessen die sportlichen Emotionen, unvergessen aber vor allem auch die Feierstunden im großen Festzelt.



2013 ist es wieder soweit. Und da gleich mit einem Doppelschlag: Die weltbesten Nachwuchseisschnellläufer schlagen in Klobenstein ihre Zelte auf. Am 16.-17. Februar wird auf der schnellsten Freiluftbahn der Welt erstmals das Junioren-Weltcup-Finale ausgetragen, eine Woche später geht zum zweiten Mal nach 2002 die Eisschnelllauf Junioren WM über die Bühne. Bei der letzten Ausgabe vor elf Jahren ging der Stern des Shani Davis auf: Er wurde in Klobenstein Weltmeister und legte den Grundstein für seine große internationale Karriere.

Der 400 Meter Ring in Klobenstein hat sich international schon lange einen klingenden Namen geschaffen: 2007 und 2011 wurde die Europameisterschaft ausgerichtet, 1990, 91, 92, 99, 2004, 2006 war der Weltcup zu Gast. Und 2013 werden 120 Athleten aus 24 Nationen erwartet.

Was wäre eine sportliche Großveranstaltung am Ritten ohne das passende Rahmenprogramm? Im Forst 1857 Festzelt wird an den zwei Wettkampfwochenenden der Bär los sein: Die Seasideclubbers  

Volxrock, DJ's aus den Top 6 Clubs aus Südtirol und Vollbluet werden für Stimmung am Abend sorgen.

Es fehlen nur noch knapp zwei Monate, bis sich in Klobenstein der Vorhang für das internationale sportliche Highlight der Eisschnelllaufsaison öffnet. Die Vorfreude ist schon groß. Und die Einladung, für alle, die mitwirken wollen, die steht...

Freitag, 7. Dezember 2012

Ritten Sport vs. Alleghe: Eine Spielanalyse


Es ist lange her, dass ich als Fan zum Eishockey gegangen bin. Gestern war es wieder soweit. Es war schön, wieder einmal die Fanbrille überziehen zu können und zwischen Freunden das Treiben auf dem Eis zu verfolgen. Einziger Wermutstropfen: Ritten Sport hat nicht den besten Tag erwischt. Und obwohl man Alleghe mit 4:3 niederringen konnte, ohne Justin Pogge und einer milde gestimmten Glücksgöttin Fortuna, das Spiel wäre anders ausgegangen. Wobei: Das Problem liegt nicht an der Tagesform. Sondern in einem strukturellen Problem der Mannschaftszusammensetzung.

Im Rittner Angriff regiert General Zufall: Der Ausfall von Ryan Ramsay wiegt sehr schwer, kann aber nicht für alle Mängel verantwortlich gemacht werden. So fehlt in der ersten Linie schon seit Saisonsbeginn ein Center. Dan Tudin versucht zwar auf dieser Position spielen, wirklich weiter bringt das seine Mannschaft nicht. Weil er nicht der Regisseur ist, der ein Spiel lesen und die Scheiben entsprechend verteilen kann. Weil er nicht der Führungsspieler ist, der die Zügel in die Hand nehmen kann.
Seine großen Zeiten hatte er als Flügelstürmer - und es wird das Geheimnis seines Trainers bleiben, weshalb er ihn nicht dort einsetzt.
Das Offensivspiel der "Buam" ist stockend, mit zu wenig spielerischen Elementen. Es wirkt einstudiert, verkrampft, teilweise unsicher. Und ist aus diesem Grund zu langsam, zu wenig dynamisch. Wenn es dann schnell geht, dann funktioniert es auch. Die Fehler bei den Verteidigern zu suchen, die den öffnenden Pass nicht spielen, kann ich nicht nachvollziehen: Öffnende Pässe haben nur dann einen Sinn, wenn die Stürmer bereits in Schwung sind und den Schwung des ersten Passes mitnehmen können. Wenn sich aus dem öffnenden Pass eine flüssige und schnell vorgetragene Aktion ergibt.
Das Rittner Problem: zu oft bleiben die Rittner Angriffsbemühungen in den Ecken hängen, wo klein klein gespielt wird, was ja teilweise nett aussehen kann, von wo aber nur ganz selten Gefahr ausgeht.

Wie es funktionieren kann hat Alleghe bewiesen: Ein ums andere Mal eröffnete Waddel die Aktion, Johansson und LoVecchio kreisten ins Angriffsdrittel, spielten den schlauen Pass und brachten die Stürmerkollegen in eine gute Abschlussposition. Ritten hat Glück, einen Justin Pogge im Tor stehen zu haben, der mit seinen Reflexen und seinem Stellungsspiel zu den besten seines Metiers zählt. Alleghe hätte sich gestern abend mindestens einen Punkt verdient. Weil die spielbestimmende, die gefährlichere Mannschaft.

Ach ja, es war auch das Debüt von Andy Delmore. Wäre es nicht als solches angekündigt worden, es wäre niemandem aufgefallen, dass ein neuer Defender im Rittner Dress spielt. Freilich: Bei einer Premiere darf man sich nicht zu viel erwarten. Coach Rob Wilson gab ihm ausreichend Eiszeit, Akzente setzen konnte Delmore aber keine: Weder durch öffnende Pässe noch durch besondere Führungsarbeit.
Chris Durno glänzte als zweifacher Torschütze. Und zeigte bei beiden Toren, wo seine Stärke liegt: Bei der harten Arbeit vor dem gegnerischen Keeper oder beim schnellen Durchtanken durch die Mitte. Sein Spiel lebt von den Pässen, die er bekommt. Er ist kein Philigrantechniker - er ist ein Sturmtank.

Ritten Sport hat ganz sicher eine Mannschaft mit viel Potential. Aber: Das Potential muss entsprechend seinen Fähigkeiten eingesetzt werden. Eine Lösung könnte darin liegen, Jacina und Tudin in getrennten Linien spielen zu lassen. Weil die beiden von der Spielanlage einander zu ähnlich sind. Weil Jacina durch den Einsatz in einer anderen Linie mehr Verantwortung bekäme und diese Verantwortung vielleicht annehmen würde. Weil bislang sind seine Leistungen bislang enttäuschend. Und das kann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr durch Eingewöhnungsschwierigkeiten erklärt werden.

Ich bin überzeugt, dass es Ritten in dieser Saison schaffen kann. Allerdings darf man sich nicht über die glücklich ergatterten Punkte im gestrigen Spiel ausruhen. Eine genaue Analyse muss gemacht und an den Defiziten gearbeitet werden. Ansonsten kommt das Erwachen, wenn Frau Fortuna und Herr Pogge einmal nicht in Form sind...

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Das Ende eines Traumes?

Nun scheint es doch schneller zu gehen, als erwartet.
Unerwartet schnell: Eine Einigung in der NHL steht bevor. Clubbesitzer und Spieler werden sich wohl einigen. Weil ein Totalausfall der Saison beiden Seiten schaden würde.

Womit die Stresshormone in einigen europäischen Vereinen in die Höhe schnellen werden. Weil man gehofft hatte, der Streit würde ewig weitergehen. Um auch die nächsten Wochen und Monate noch Top Personal zu Niedrigstlöhnen beschäftigen zu können. Dadurch die Einnahmen durch Zuschauerzahlen konsolidieren zu können. Und sich weiterhin im Schlaraffenland zu wähnen.

Nun scheint es so, als wäre der Traum zerplatzt. 
Wie Seifenblasen. 
Nix is bliebn...

Man hört: eine Einigung sei erreicht, Ligastart jenseits des Atlantik in kürzester Zeit.
Und es ist davon auszugehen, dass die NHL Saison 2012/13 trotz einem Drittel ausgefallener Partien ein großer Erfolg sein wird: Weil halb Europa die Liga verfolgen wird. Weil die Spieler dort nun gute Bekannte sind. Womit dieser Lock Out ein großer Marketingerfolg war.

Und die, die sich aus der NHL verstärkt haben?

Recht behalten werden jene Vereine, die konsequent darauf verzichtet haben, Spieler aus der besten Liga der Welt zu holen. Obwohl die Verlockung groß war. 
Obwohl es schön gewesen wäre, Klassespieler in den mittelmäßigen Ligen zu sehen. Eine Ausnahmeerscheinung. 
Eine Fatamorgana eben.

Nun wird sich zeigen, wie sehr die Verstärkungen den normalen Meisterschaftsbetrieb verfälscht haben. Obwohl alles regelkonform war. Trotzdem eine Verfälschung: weil einige mit einem Ferrari gefahren sind. Obwohl sie sich, unter normalen Umständen nur einen Ford leisten können.

Was nun kommen wird: durchschnittliche Spieler werden zu fürstlichen Gehältern spielen, weil Plätze in jeder europäischen Liga frei werden. Attraktive Plätze. 
Der Markt wird innerhalb von wenigen Tagen neu aufgerollt. Geld wird ausgegeben, das nicht vorhanden ist. Eine Immobilienblase, sozusagen, wird platzen.
Das ist die Kehrseite der Medaille.

Der NHL Lockout war schön. Trotzdem war er nur eine Illusion. Und so wie jeder Tagtraum: Zu teuer.
Bleibt abzuwarten, wie der Traum, den so viele gelebt haben enden wird.
In einer Enttäuschung? Oder in einer Erinnerung?
Erinnerung sicher: an tolle Spieler.
Hoffentlich nicht als Erinnerung an Vereine, die es nicht mehr gibt, weil sie aus einem Traum erwacht sind...

Dienstag, 4. Dezember 2012

Der Christkindlmarkt ist eröffnet...

Neues Jahr, bekanntes Bild.
Sobald der Adventskalender an der Wand hängt, beginnt der Handel zu boomen.
Nicht nur auf den Christkindlmärkten. Oder in den Spielzeugläden. Sondern auch im hiesigen Eishockey.
Ein Verein beginnt, und die nächsten folgen.
Weil man nicht auf der Strecke bleiben will.
Weil man die eigene Stärke nun besser einschätzen kann.
Weil man nachbessern will/muss.
Weil man der Konkurrenz nicht nachstehen kann.
Weil es auch eine Frage des Stolzes ist.
Und die guten Vorsätze?
Werden aufgeschoben. Auf das nächste Jahr. Oder auf irgendwann.

Von Krise keine Spur. Mehr oder weniger wurden die Zwischenziele erreicht. Was hungrig macht. Und ehrgeizig. Weil auch die nächste Stufe erreicht werden soll. Natürlich spielen auch Verletzungen eine Rolle. Verletzungen, die vor allem in diesem Jahr ausreichend geschehen sind. Weil das Spiel härter wird. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und weil das Personal älter geworden ist. Und damit anfälliger für die kleinen und mittelgroßen Wehwehchen. Was sich auf die Konkurrenzfähigkeit auswirkt.

Zum Saisonsstart war eine Fastenzeit ausgerufen worden. Weil die Zeiten alles andere als rosig sind. Vor allem in finanzieller Hinsicht. Der Vorsatz hat genau zwei Monate gehalten.
Das Programm nun ist nämlich Völlerei. Auf der Strecke bleibt die Nachwuchsarbeit. Weil sich die Eiszeit der Nachwuchsspieler indirekt proportional zur Anzahl der ausländischen Fachkräfte verhält.

Die Finanzgebahrung der einzelnen Vereine geht mich nix an. Die Vereine werden schon wissen, wie sie die Gelder aufbringen, um auf Shoppingtour zu gehen. Ich meine: Ich muss ja nicht zahlen. Es wäre halt schade, wenn man jetzt schon Ressourcen angreifen würde, die eigentlich für das kommende Jahr geplant gewesen wären.
Nur eine Frage stellt sich noch: Nämlich die der Nachhaltigkeit. Weil nicht gerade junge Talente geholt werden. Sondern Spieler, die entweder in einer sehr viel besseren Liga eingesetzt werden, und in diesem Jahr dort nicht spielen dürfen, oder weil Spieler kommen, deren beste Jahre vorbei sind.

Ja, der Erfolgsdruck in den Vereinen ist enorm: Man will heuer endlich die Ziele erreichen, die man schon so lange verfolgt. Endlich einmal ganz oben stehen. Koste es was es wolle. Und sei es das eigene Konzept, über das man beweisen wollte, dass man auch mit weniger Ausländern erfolgreich sein kann.
Womit ich im großen und ganzen kein Problem habe. Weil ich mich als Eishockeyfan gerne zu einem saftigen Filet einladen lasse.

Nur um eines bitte ich: Dass ich nächstes Jahr im September nicht wieder die populistischen Worte schreiben muss, man wolle eine Reduzierung der Ausländer erreichen und vorleben, dass es mit weniger, dafür aber guten, ausländischen Verstärkungen geht. Weil man auch dem eigenen Nachwuchs eine Chance geben will. Denn in diese Falle werde ich nicht mehr stolpern. Weil jedes Jahr das gleiche Spiel gespielt wird. Rechtzeitig, auf dem Christkindlmarkt.