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Montag, 20. Mai 2013

Danke Schweiz Oder Erkenntnisse aus dem sturen Weg



Die Eishockey WM 2013 ist Geschichte. Sie hat interessante Aufschlüsse gebracht. Denn das Finale hat einen Aufschluss gegeben: Dass nämlich hartes Arbeiten und konsequentes Einhalten des eingeschlagenen Weges tatsächlich Ergebnisse bringt. Der Finaleinzug der Schweiz ist vor allem eines: Eine Bestätigung für etwas, was schon lange vermutet wurde.

Die Nachbarländer schauen überrascht und neidisch auf die kleine Schweiz, die es geschafft hat: Zehn Partien hat das kleine Land gespielt, neun davon gewonnen. Geschlagen wurden Riesen, die als unschlagbar galten. Zwar hat es im alles entscheidenden Finale eine Niederlage gegeben. Trotzdem war diese Weltmeisterschaft für die Eidgenossen ein voller Erfolg.

Diese WM war der Beweis dafür, dass künstlich hochgezüchtete Ligen nicht unbedingt der Schlüssel zu erfolgreichen Eishockeynationen sind. Für Deutschland war im Viertelfinale Schluss, Österreich ist gar wieder abgestiegen. Wobei man in Deutschland doch alles dafür tut, eine attraktive Liga aufrecht zu erhalten. Und die österreichische EBEL ein sehr gutes Produkt ist.
Mag sein, dass in der Schweiz der Stellenwert des Eishockeys um einiges höher ist. Vor allem aber ist das schweizer Eishockey ein Produkt, das vor allem authentisch ist und an dem seit Jahrzehnten gefeilt und verbessert wird.
Die drastische Begrenzung der Transfercardspieler hat dazu geführt, dass die Schweiz bei dieser Weltmeisterschaft bis ins Finale gekommen ist. Weil sich die Nachwuchsarbeit bezahlt gemacht hat. Weil die Schweizer Spieler in der heimischen Liga jene Verantwortung übernehmen müssen, die anderswo ausländische Stars übernehmen. Auch in entscheidenden Momenten und bei Entscheidungsspielen. Und nicht als Feigenblattaktion in irgendeinem belanglosen Vorrundenspiel.

Was kann daraus gelernt werden? Dass es durchaus sinnvoll ist, einen konsequenten Weg zu gehen. Dass man auch einmal bereit sein muss, magere Jahre in Kauf zu nehmen.
Was kann das mitteleuropäische Eishockey aus der Eishockey WM 2013 in Finnland und Schweden lernen?
Dass konsequentes Setzen auf die eigene Jugend zielführender ist, als die Konzentration auf mittelmäßige Verstärkungen- auf Söldner im wahrsten Sinne des Wortes sind.
Ganz sicher ist es langfristig sinnvoller, Geld in die Jugendausbildung zu stecken, anstatt irgendwelche Nonames zu verpflichten. Oder sinkenden Sternen zu einer goldenen Pension zu verhelfen.
Die Reduzierung der Transfercardspieler soll eine Meisterschaft nicht billiger machen. Nur müssen die Gelder anders eingesetzt werden: Anstatt 50.000.- Euro für Spieler auszugeben, die ihre besten Zeit schon lange erlebt haben, kann das Geld in die Jugendförderung und teilweise in die Gehälter der eigenen Nachwuchsspieler investiert werden, die den Sprung in die erste Mannschaft geschafft haben.
Österreich scheint die Notwendigkeit erkannt zu haben und investiert massiv in Jugendarbeit. Zumindest stehen für die kommenden drei Jahre jeweils über 500.000.- Euro zur Verfügung, die in den Nachwuchs investiert werden. Nur: Drei Jahre werden nicht ausreichen.
Darin liegt das Problem: Die Ergebnisse zeigen sich nicht innerhalb von wenigen Jahren. Um zu ernten muss eine ganze Eishockeygeneration nachwachsen. Was bedeutet, dass im besten Fall erste Ergebnisse nach zwölf Jahren greifbar sind.
Diese zwölf bis fünfzehn Jahre sind der Investitionszeitraum, um eine nachhaltige Veränderung herbei zu führen. Leider ist niemand dazu bereit, sich diese Zeit zu geben. Weil die schnellen Erfolge zu verlockend sind. Und über die schnellen Erfolge die weiten Visionen vergessen werden.

Die Eishockey WM 2013 ist Geschichte. Und hat gezeigt, dass der Schweizer Weg der richtige ist. Dass es durchaus möglich ist, die eigene Jugend so weit zu bringen, dass man großen Eishockeynationen die Stirn bieten kann. Courage und ein gewisses Maß an Sturheit vorausgesetzt. Ein Konzept ist Trumpf. Und nicht das sich von Jahr zu Jahr schleichen.
Das konsequente Handeln darf nicht von kurzfristigen Erfolgen verblendet werden. Denn wenn langfristiger Erfolg bedeutet, einige Zeit kleinere Brötchen zu backen, dann sollte es die Ernte wert sein, der nach den mageren Jahren langfristig bereit steht.

Sonntag, 3. Februar 2013

Die Mission: Sotschi 2014

Mission impossible? Viel Geld würde ich nicht auf das Blue Team und dessen Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2014 wetten. Eine Kleinigkeit aber schon. Weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass die Nationalmannschaft im Februar 2013 um einiges besser aufgestellt ist, als Konkurrenz und Fans selbst glauben.

Auftritt ohne Druck

Der Neue Coach hat eine Mission Impossible vor sich. Das nimmt Druck von ihm. Und von seiner Mannschaft. Ohne Erwartungen erfüllen zu müssen antreten zu können: Das ist eine gute Voraussetzung, um überraschen zu können.
Außerdem hat Tom Pokel als Neuer einen großen Vorteil auf seinem Habenkonto zu verbuchen: Er ist unbelastet und kann Neues probieren, ohne dafür durch den Fleischwolf getrieben zu werden.
Einen neuen Weg hat er schon eingeschlagen: Nämlich bei den Einberufungen. Da hat er die Courage gehabt, goldene Kälber vom Sockel zu stoßen. Und durch neue Gesichter zu ersetzen. Was er sich davon erhofft ist ganz klar: Nämlich, dass es ihm die Neuen mit Leistung danken. Die Einberufung in das Nationalteam ist kein Selbstläufer mehr. Sondern die Spieler müssen sich die Einladung mit Leistung erarbeiten. Ein Novum für Italien. Ein Grundkonzept, das aufgehen könnte.

Unterschätzte italienische Liga

Für die italienische Auswahl spricht auch der Umstand, dass die heimische Liga maßlos unterschätzt wird. Ganz klar: Die Serie A1 macht im Ausland den Eindruck, eine Amateurliga zu sein. Manchmal nicht nur im Ausland.
Aber: Das Niveau darf nicht unterschätzt werden. Landshut war im November mit der Überzeugung in Bozen angereist, dass die Gastgeber kein Gegner sein würden. Weil die eigene Liga um Klassen besser sei. Das Ergebnis kennen wir.
Sicher: Landshut spielt zweite Liga. Die DEL ist ein anderes Kaliber. Aber unerreichbar, vor allem in einem einzigen Spiel ist auch diese Liga nicht.
Und die österreichische Liga ist zwar professioneller und besser vermarktet, aber spielerisch ganz sicher mit der Serie A1 zu vergleichen. Was ein Fakt beweist: Die Ausländer, die von Italien nach Österreich kommen, zählen zu den besten in der Liga. Umgekehrt ist das, was aus Österreich nach Italien kommt nur ganz selten überirdisch gut.
Auch wenn sich viele Experten darüber einig sind, dass sich Italien und die Niederlande den dritten Rang beim Turnier ausspielen werden, ich bin mir nicht so sicher, dass es nicht für Österreich oder Deutschland ein böses Erwachen geben wird.

Die Chance: Das Team

Es wird nicht zuletzt darauf ankommen, wie viel Team Tom Pokel aus seiner neuen Truppe schaffen kann. Denn eines ist sicher: Ein starkes Kollektiv kann Mannschaften, die aus wesentlich talentierteren Einzelteilen besteht, ganz schön unter Druck bringen.
Aus diesem Grund lohnt es sich, gespannt nach Deutschland zu schauen und die Spiele der italienischen Nationalmannschaft zu verfolgen. Denn Überraschungen wird es ganz sicher geben. Ob es zum großen Wurf reichen wird, muss allerdings erst noch bewiesen werden… 


Der Spielplan der italienischen Mannschaft:

Donnertstag, 7. Februar um 16 Uhr: Österreich vs. Italien
Freitag, 8. Februar um 19,30 Uhr: Deutschland vs. Italien
Samstag, 9. Februar um 11,45 Uhr: Niederlande vs. Italien

Dienstag, 25. September 2012

Gerüchteküche, ein Namen, ein Gewinner

Kommt Roberto Luongo nach Bozen, oder doch eher nicht? Es ist eine Frage, die die Eishockeywelt beschäftigt. Zumindest die Südtiroler Welt. Ob er nun tatsächlich das "Weiß-Rote" Dress überstreifen wird ist eher unwahrscheinlich. Und irgendwie auch egal. Der HCB hat allein schon durch das Gerücht gewonnen. Weil über den Verein diskutiert worden ist. Damit hat Bozen gezeigt, dass man Kommunikationsstrategien perfekt einzusetzen versteht.  Weil auch Gerüchte Teil einer erfolgreichen Strategie sein können.

Eine alte Marketingweisheit sagt, dass jede Nachricht eine gute Nachricht für ein Unternehmen ist. Dabei spielt es keine Rolle, wer das Gerücht gestreut hat: Die Vereinsbosse haben es geschafft, das Gerücht heiß zu halten. Es wurde ein Namen ins Spiel gebracht, der in Eishockeyfachkreisen zum Besten gehört, was es überhaupt gibt. Besonders geschickt: Der Verein hat sich zum Gerücht nicht geäußert. Hat weder dementiert noch bestätigt. Sondern einfach geschwiegen. Was in diesem Fall das geschickteste ist. Weil sich dadurch das Gerücht weiter verbreiten konnte. Und das Interesse an einem Verein gestiegen ist, der zu Meisterschaftsbeginn in der Kommunikation nach außen nicht immer ganz glücklich agiert hat.

Bozen hat sich damit eines Mittels bedient, das große Klubs schon lange für sich nutzen: Die Gerüchteküche. Das funktioniert ganz einfach: Irgendjemand aus dem Dunstkreis des Vorstandes spricht im Vertrauen mit einem Freund und zwitschert ihm, ganz im Vertrauen, einen Namen. Ort der Mitteilung: Idealerweise ein Lokal, in dem sich viele Hockeybegeisterte befinden. Beste Tageszeit: Mittagszeit oder Abend. Weitere Vorgehensweise: Abwarten, die Neuigkeit verbreitet sich innerhalb von Stunden. 
Vorteil: Das Gerücht zieht seine Runde. Diskret und schnell. 
Vorteil: Relativ schnell kommt das Feedback, was das Umfeld von der Idee hält. Also ist dieses Marketinginstrument, das absolut kostenlos ist, nebenbei auch noch ein adäquates Mittel zur Marktforschung. Und - wenn der Name heiß genug ist - ein ausgezeichnetes Mittel, die Konkurrenz in Panik zu versetzen. Denn Vereinsbosse informieren sich auch über die Medien, welche von Fans genutzt werden: Social Media, Foren, Blogs - auch wenn sie das ausgesprochen ungern zugeben - oder gar dementieren.
Klarerweise ist dieses Marketinginstrument nicht in jedem Fall einsetzbar, weil es sich auf den Marktpreis auswirkt. Was bei Durchschnittsspielern eher negativ für den eigenen Verein ist - wenn man denn am Spieler überhaupt interessiert ist.

Dass Roberto Luongo eine Bereicherung für die italienische Serie A1 wäre steht zweifellos fest und wurde vereinsübergreifend festgestellt. Ganz sicher würde er den Effekt haben, dass die Eiswelle besser besucht würde. Weil er eine Sehenswürdigkeit aus einer anderen Dimension wäre. 
Und das täte dem Sport ganz sicher gut. 
Wie auch Gerüchte dem Sport gut tun.


Donnerstag, 19. Juli 2012

Interessante Fakts zum Eishockey


Klar, für die Eishockeyinfizierten ist es klar: Eishockey ist das Wichtigste im Leben und man kann es sich nicht vorstellen, wie ein Leben ohne Eishockey überhaupt lebenswert sein soll. Naja, ganz so drastisch ist es nicht, aber fast...








Trotzdem, bevor die neue Saison so richtig losgeht, einige interessante Fakten zum einem Sport, der zwischen 1874 und 1875 in Kanada entstanden ist. Es waren nicht die Ureinwohner, die das moderne Eishockey erfunden haben, sondern, ähnlich wie beim Fußball, die Briten: Schottische Soldaten spielten Shinity auf Schnee und Eis, woraus sich das moderne Eishockey entwickelte.
Der Begriff "Hockey" bedeutet krummer Stock und kommt.... genau... aus dem Französischen.


Verbreitet hat sich der Sport vor allem dort, wo es auch vor Erfindung er Kältemaschine Eis gegeben hat. Vor allem in Kanada, Russland, USA, Tschechien, der Slowakei, Skandinavien sowie in Süddeutschland erfreute sich der Sport schon früh großer Beliebtheit. 
Noch einmal höher ist die Beliebtheit in der Schweiz und in Lettland, wo Eishockey absoluter Nationalsport ist (wie auch in Kanada) - und in diesen beiden europäischen Staaten übertrifft der Puck sogar das runde Leder.

Wussten Sie, dass...


...die italienische Serie A bereits 1924 gegründet worden ist und damit zu den ältesten Eishockeyspielklassen Europas gehört?

...dass Eishockey in Frankreich zu den Randsportarten gehört, dort aber bei wichtigen Entscheidungsspielen wie beim Finale um die Coupe de France in Paris bis zu 12.000 Zuschauer ins Stadion kommen?

...dass in Puerto Rico Profieishockey gespielt wurde? Am 23.09.2006 fand hier die Saisonseröffnung der NHL statt - Die Florida Panther trafen im Josè Miguel Agrelot Coliseum in San Juan auf die New York Rangers.

... dass 1974 die Buffalo Sabres mit Taro Tsujimoto den ersten Japaner in die NHL drafteten? Was an sich keine Zeile wert ist. Aber: es gab weder den Spieler, noch die Mannschaft, wo er bisher gespielt hatte. Was sich aber erst Wochen nach dem Draft herausstellte...

...das körperlose Spiel beim Fraueneishockey 1990 eingeführt worden ist? Grund: bei der WM 90 war es zu schweren Verletzungen aufgrund des Aufeinandertreffens verschieden robust gebauter Frauen gekommen.

... dass es eine unglaubliche Variante des Eishockeys gibt: Unterwassereishockey: Gespielt wird diese Eishockey-Variante mit je 2 Apnoetauchern  pro Mannschaften unter einem acht mal sechs Meter großen Spielfeld an der Unterseite des Eises. Der Puck ist aus Schaumstoff und auf Grund der hohen Kraftanstrengung beträgt die Spielzeit lediglich drei mal zehn Minuten, während denen die Spieler in Abständen von etwa 30 Sekunden auftauchen müssen um Luft zu holen. Es gab 2007 am österreichischen Weissensee den ersten und einzigen internationalen Wettkampf dieses skurrilen Sports, bei dem sich die Frage stellt, wie Schiedsrichter und Zuschauer das Spiel verfolgen sollen....













Donnerstag, 28. Juni 2012

Südtirol oder das Dilemma eines Fußballspiels


Ach, du mein schönes Südtirol! Irgendwie Paradies auf Erden, auf der anderen Seite dich selbst suchend, Probleme suchend, zweifelnd, dazwischen drinn. Die ganze Welt bewundert dich, für deine Schönheit, für deinen kulturellen Reichtum, der gerade daraus entsteht, dass Du sowohl deutsch als auch italienisch und ladinisch bist. Deine Autonomie ist sagenhaft, vor allem für jene, die weniger Rechte haben als Du. Und weniger Wohlstand: ein Wohlstand, der aus guter Verwaltung, einem Teil gesunder Konservativität, einer großen Portion Sturheit und trotzdem dem sich nicht Verschließen gegenüber dem Fortschritt.
Soweit, so gut.

Doch es gibt ein ganz großes Problem, das sich dir ergibt: Die Fußball EM - denn der Südtiroler ist es gewohnt, mit zu reden und große Klasse zu sein. Doch beim Fußball klappt das noch nicht ganz. Und wenn Deutschland gegen Italien spielt, dann ist hier der Teufel los:
Da werden die Schützen zu flammenden Verfechtern der so verhassten Tricolore, ewig gestige missbrauchen den Sport zu rein politischen Kundgebungen, die an Triumphmärsche einer unsäglichen und längst vergessen gehofften Zeit erinnern.
Die einen hoffen auf Deutschland, weil sie Italien den Sieg nicht gönnen, die anderen finden in sich selbst den Patrioten, den sie weder für möglich gehalten hätten, noch in die nächste Woche retten können. Es ist ein Dilemma, und nur die wenigsten entkommen ihm.
Und es gibt keinen Ausweg aus diesem Dilemma. Noch nicht einmal, wenn das Unwahrscheinliche passiert, und Österreich zu einer Fußballmacht werden sollte. Auch, wenn die Eva und der Sven uns wahrscheinlich erklären werden, dass im Grund Österreich die besten, schönsten und intelligentesten Fußballer sind. Da wird dann doch eher noch Italien Eishockeyweltmeister in der Gruppe A.

Ja, mein liebes Südtirol: heute ist wieder ein solcher Tag, an dem Du innerlich zerrissen wirst. Wo es doch nur um Fußball geht. Einerseits schön, wenn ein Ereignis heutzutage noch solche Emotionen entstehen lassen kann. Auf der anderen Seite wäre es schade, wenn durch ein solches Spiel das gemeinsam erreichte auf eben dieses gesetzt würde.
Wobei: es geht nicht um Krieg, es geht nur "nur" um ein Fußballspiel. Und wenn jeder dessen vernünftig und in Grenzen bewusst wird, dann wirst Du, geliebtes Südtirol, auch diese Krise unbeschadet überstehen.


Nachdem der Besitzer des abgebildeten Hauses sich bei mir gemeldet hat, und sich persönlich angegriffen und diffamiert fühlte, habe ich natürlich sofort das zum Bericht gehörende Foto entfernt. Weil es sich nicht auszahlt, über ein Bild zu diskutieren.
Das Bild sollte eigentlich dazu dienen zu unterstreichen, dass es in Südtirol nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern auch sowohl als auch funktioniert. Leider habe ich es nicht im Griff, was die Menschen verstehen, oder verstehen wollen. 



Sonntag, 11. März 2012

Projekt Eliteliga: Wolkenschloss oder echte Chance?



Das italienische Eishockey hat ein Problem: nämlich, dass es nicht weiß, wo es steht. Und nach welchen Regeln es funktionieren soll: auf der einen Seite gibt es den Eissportverband, der sich an die Regeln des Nationalen Olympischen Komitees halten muss, egal, ob das dem Sport nützt oder schadet. Auf der anderen Seite steht der Legaverband, ein freiwilliger Zusammenschluss der Eishockeyvereine, der interne Regeln definiert, die nicht verbindlich sind. Das einzige, das in so einer Konstellation herauskommen kann ist die Unsicherheit, wie wir sie in diesem Jahr gesehen haben, wenn bestimmte Vereine mit bis zu zwölf Ausländern spielen, obwohl legaintern 9 als Obergrenze definiert worden sind. Doch an die Legaregeln muss sich niemand halten. Weil es keine Sanktionen gibt, wenn man sich nicht an daran hält.
Dadurch wird es natürlich auch schwer, sich für die Zukunft zu regeln und sinnvoll zu planen. In dieser Saison war zumindest die Wirtschaftskrise auf der Seite des Sports: denn durch fehlende Geldmittel sind Ausländereinkäufe zum Transferschluss bei den meisten Meisterschaftsteilnehmern ausgeblieben. Und dadurch wurde vermieden, dass, wie in den letzten Jahren, das sportliche Ergebnis der ersten Meisterschaftsmonate durch Zukäufe in der zweiten Phase verfälscht wird.
Um das Dilemma und die Rechtsunsicherheit für die Zukunft auszuschalten gibt es nur einen Ausweg: eine Privatliga, die nach eigenen Regeln funktioniert und wo bei Regelverstößen adäquate Maßnahmen ergriffen werden können. Wie es aussieht, sind die meisten Vereine der Idee einer Eliteliga nicht abgeneigt. Wobei bei diesem Modell auch die Anzahl der Ausländer markant gesenkt werden soll: die Rede ist, dass man das Ausländerkontingent auf 4-6 Ausländer beschränken will.
Ritten Sport wäre mehr als bereit, diesen Schritt zu gehen: und beweist das mit der laufenden Saison, wo man bewusst das Ausländerkontingent nicht ausgereizt hat um ein Zeichen zu setzen. Jedoch wird Ritten alleine keine Eliteliga machen können, es braucht die Unterschriften auch der anderen Vereine.





Was passiert mit den Doppelstaatsbürgern?[Bedingter Umbruch]Was so einfach klingt lässt noch einige Fragen offen, die für längere Diskussionen sorgen werden: was ist beispielsweise mit den Doppelstaatsbürgern, die dringend in der Nationalmannschaft gebraucht werden? Gelten diese als Ausländer oder werden sie gleich wie die Einheimischen behandelt?
Wobei die Diskussion Nationalmannschaft im Grunde nur den Verband etwas angeht: aus gut informierten Kreisen wird berichtet, dass der Unterschied zwischen der Teilnahme an der Gruppe B und der Gruppe A WM 1 Million Euro an Mehreinnahmen für den Verband ausmacht. Sicherlich ein Argument, das für den Einsatz von Doppelstaatsbürgern spricht. Auf der anderen Seite aber bedeutet diese Regelung eine Mehrbelastung für die Vereine, die weit über die Million Euro hinausgeht, wodurch die Sinnhaftigkeit dieser Regelung, zumindest betriebswirtschaftlich betrachtet, für die Vereine in Frage zu stellen ist.

Das Ziel Niveauanhebung. Der Weg: Ein Weiter
Ausländerabbau in der Eliteliga, ein sinnvoller Weg, um das italienische Eishockey weiter nach vorne zu bringen. Denn durch eine solche Regelung werden die italienischen Eishockeyspieler stärker gefördert, weil sie eine neue Wichtigkeit in den Heimatvereinen bekommen. Das Projekt hat aber nur dann einen Sinn, wenn es lange genug läuft: denn die Ergebnisse dieses Konzeptes werden sich nicht nach 2 oder 3 Jahren, sondern nach 15 Jahren zeigen, siehe das Schweizer Eishockey, welches ja genau diesen Schritt unternommen hat, als der Rest Europas durch das Bosman Urteil dazu gezwungen wurde, beschränkte Ausländerkontingente aufzulösen.
Die ersten Jahre hat das Projekt Eliteliga sicherlich vorprogrammierte Problematiken in sich: so werden die Marktpreise für gute italienische Eishockeyspieler ins Astronomische steigen. Denn auf einmal werden die einheimischen Spieler wertvoll und gefragt – und Mittelmaß könnte auf einmal gehaltmäßige Spitzenklasse werden. In diesem Punkt müssen die Vereine untereinander Solidarität beweisen, sich absprechen und eine gemeinsame Preispolitik einschlagen – im Interesse auf die eigene Zukunft. [Bedingter Umbruch]Und es muss vermieden werden, dass, sobald sich die Wirtschaft erholt, und neue Geldmittel auch den Eishockeysport erreichen, dann das Projekt wieder ad acta gelegt wird, nur, weil sich ein Präsident den schon lange ersehnten Meistertitel erkaufen will.
Die Weichen sind gestellt für eine interessante Diskussion, die uns den Frühsommer über begleiten wird. Ob eine gemeinsame Lösung gefunden wird liegt nicht zuletzt daran, ob die italienischen Eishockeyvereine wirklich bereit sind, eine Revolution zuzulassen, oder ob sie sich weiter treiben lassen wollen in den Fahrwassern, die schon in der Vergangenheit nur im Kreis herumgeführt haben.

Montag, 5. März 2012

Sehr geehrter Herr Holst...














...wie war das noch einmal genau? Ich meine, was Sie sagten, als Sie sich der Öffentlichkeit am Ritten vorstellten? Das mit dem Spaß haben?

Ich kenne da einige, denen ist das Lachen gehörig vergangen. Vor allem den Fans. Aber - und dieser Meinung ist man im Allgemeinen im Rittner Vorstand, die verstehen eh nix. Die sollen froh sein, dass es Eishockey gibt. Und sollen Ruhe geben. Oder sollen die VIP Karte kaufen und damit mehr ausgeben. Und dann Ruhe geben. Deswegen ist es nicht so schlimm, wenn die keinen Spaß hatten.

Welche Ausrede muss jetzt hinhalten? Hatten wir wieder Pech? War wieder das Umfeld, das so ungemein negativ ist, Schuld am Scheitern? Haben Sie je einmal einen Gedanken darüber verschwendet, ob das Umfeld negativ ist, weil die Mannschaft --- nun ja, wie soll ich sagen--- vielleicht nicht so überragend spielt? Aber: das Umfeld sind die Fans. Und da die sowieso nichts verstehen, ist es ja auch egal was die sagen --- außer, wenn es als Ausrede herhalten kann!

Es ist schon klar, Sie hatten es nicht leicht. Sie haben eine komplett neue Mannschaft bekommen - die Sie selber zusammenstellen durften. Logisch braucht es Zeit, bis eine Mannschaft zusammenfindet. Aber: wieviel Zeit brauchen Sie, um ein Team zu formen? Seit Ihrem Eintreffen ist ein halbes Jahr vergangen. System im Spiel habe ich bis heute noch keines erkennen können. Aber: ich bin ja auch nur ein Fan, und deswegen zählt das nicht. Weil ich nichts verstehe!

Die Ausländer werden dann wohl die Ausrede sein müssen: weil sie keine Tore geschossen haben. Weil sie zu schwach gewesen sind. Sehen Sie, Herr Holst, ich sehe das ein bisschen anders: es ist so, wie wenn man einen Dirigenten einstellt, der sich die Musiker aussuchen kann. Wenn das Orchester nach drei Monaten immer noch kein Stück spielen kann, dann gebe ich dem Kapellmeister die Schuld. Weil er nicht fähig war, den Musikanten etwas beizubringen. Oder weil seine Stückauswahl sich nicht dem Niveau der Musikanten angepasst haben. Aber, wie gesagt, meine Meinung zählt nicht, denn ich bin ein Fan und verstehe laut Ihrer Definition von Fan sowieso nichts.

Nur eines ist klar: ganz sicher tragen Sie keine Schuld. Denn Sie haben es ja geschafft, nicht in Frage gestellt zu werden, weil Sie sich gut verkaufen und gut präsentieren können. Deshalb würde es mich nicht wundern, wenn jetzt auch noch zur Diskussion stünde, Sie als Messias für das kommende Jahr zu engagieren.
Eines bin ich mir sicher: irgendjemand würde Spaß haben. Und das sind die Gegner von Ritten Sport. Und damit meine ich nicht nur die, die am Eis gegen uns antreten.

In diesem Sinne wünsche ich noch eine gute Zeit am Ritten.
And have Fun.
Hochachtungsvoll
Traube

Karol Krizan: Schuldig?

Es ist doch unglaublich, nicht wahr? Schon wieder ist ein Schuldiger und eine Ausrede gefunden worden, wieso Ritten Sport gegen den Abstieg spielen muss. Der Schuldige hat einen Namen: Karol Krizan. Weil er im "entscheidenden" Spiel eine grottenschlechte Leistung geboten hat. (oder sollte ich schreiben, er wollte diese Schüsse noch einmal haben?)

Nun ist es offiziell: wenn Ritten absteigt, dann ist der Tormann schuld. Vergessen sind die unzähligen Spiele, in denen er zwei Gegentore bekommen, der Angriff aber nur ein Tor gemacht hat. Vergessen sind die Spiele, wo Konzept- und Ratlosigkeit das Spiel gestalteten - denn nun ist es amtlich: Krizan ist schuldig gesprochen von einem Mann, der ihn das ganze Jahr über schon nicht gemocht hat.

Klar: Karol hätte es sich einfacher machen können und gegen Fassa einfach normal spielen müssen. Das ist ihm nicht gelungen. Soll man ihm daraus einen Strick drehen? Und wenn man das tut: wie viele andere Stricke müssen dann noch geflochten werden, in dieser Saison? Wird ein Hanffeld ausreichen, um die Seile zu prouzieren?

Ist es nicht vielmehr so, dass man bereits früher hätte vermeiden können, überhaupt in dieses Entscheidungsspiel gehen zu müssen? Hat es wirklich keine Alternativen zu diesem Endspiel gegeben? Abgesehen davon: Ritten wäre auch mit einem Sieg nach 60 Minuten ausgeschieden gewesen. Wegen des fast schon unglaublichen Ergebnisses im Asiago Spiel.

Sollte man da nicht eher den Spielern einen Strick drehen, die beim Spielstand von 1:1 gegen Valpellice an der blauen Linie unbedrängt die Scheibe verlieren und so die Entscheidung in diesem Spiel verantworten müssen?
Über solche Aktionen ist nie diskutiert worden. Sie mussten auch nicht diskutiert werden, weil die Notwendigkeit, eine Ausrede zu haben, nicht so imminent war.

Fakt ist, dass Karol Krizan sicherlich keine fehlerfreie Saison gespielt hat. Fakt ist, dass er bei seinem Potential sicher noch sehr viel Luft nach oben hat. Fakt ist aber auch, dass Karol Krizan definitiv nicht schuldig ist, dass Ritten Sport in diesem Jahr dort steht, wo es steht.

Diese Verantwortung müssen andere übernehmen. Ausreden hin oder her.