Freitag, 1. Juni 2012

Wie Weihnachten im Sommer oder Die Ruhe vor dem Sturm

Es ist jedes Jahr ein bisschen wie der Advent für Kinder: die Sommermonate für die Eishockeyfans. Irgendwo zwischen Hoffen und Bangen. Viel Spekulation, wenig Konkretes.

Egal wo sich Eishockeyfans treffen: es wird über Statistiken, Namen gesprochen. Und die ganz eifrigen machen sich bereits Gedanken über die Linienzusammenstellung. Analysieren den Gegner (obwohl auch bei den anderen Mannschaften gleich wenig bekannt ist, wie bei der eigenen Mannschaft) und geben schon Tipps ab, wie die Tabelle zu Weihnachten aussehen wird. Beim richtigen Weihnachten, jenem, das so wichtig für die Kinder ist.

Es ist die Zeit, in der die Funktionäre sich geheimniskrämerisch durch die Ortschaften bewegen, sich der Macht bewusst, die man hat, wenn man ein bisschen mehr weiß als das, was den Rest der Welt interessiert. Wobei dieses Gefühl meist sehr subjektiv wahrgenommen wird, weil:
erstens die meisten Vorstände nicht wasserdicht sind und nach einer entsprechenden Menge an Feierabendbier früher oder später Namen fallen
und zweitens die Hockeywelt so klein ist, dass sich Gerüchte schneller verbreiten, als das den Betroffenen lieb sein kann.
Tatsache ist, dass meist das Umfeld schneller Bescheid weiß, als die Vorstände selbst.

Die Geheimniskrämerei der Vorstände aber hat ebenfalls zwei gute Gründe:
erstens muss man sich vor der Konkurrenz schützen, die ja einen Namen kaufen könnte, um die eigene Mannschaft signifikant zu stärken (wobei diese These eher unwahrscheinlich ist, weil die Agenten die gleichen Namen eh jedem Klub anbieten, weil die Kontakte nun einmal nicht so erstklassig sind, wie viele meinen und weil siehe oben)
und zweitens will man den Fans, die ja die Kinder bei der Eishockeybescherung sind, eine richtige Freude mit der Überraschung bereiten will.

Irgendwie also wie Weihnachten für besonders aufgeweckte Kinder. Eine unglaublich schöne Zeit.
Die vor allem einem nützt: der Eishockeybewegung und der Euphorie, die diese Bewegung braucht.

Mittwoch, 30. Mai 2012

Nemo profeta in patria oder Alles Gute Stefan!

Glückwunsch, lieber Stefan!

Damit hat sich dir endlich eine internationale Tür geöffnet. Vollkommen verdient. Denn Du hast die letzten Jahre sehr viel geleistet. Hast aus No Name Teams Gewinnertruppen geformt. Hast mit deinen Mannschaften überrascht. Regelmäßig. Und bewiesen, dass Du keine Eintagesfliege bist.
Ich bin überzeugt, dass der HC Pustertal nicht da stehen würde, wo er steht, wenn Du nicht die Zügel in die Hand genommen hättest.

Grund für einen Erfolg ist, dass Du ein harter Arbeiter bist. Der sich auf jeden Gegner vorbereitet. Minutiös. Kompromisslos. Den Gegner bis ins Letzte analysierst und die richtigen Schlüsse aus der Analyse ziehst. Meisterstück dieser Arbeit war der Italienpokal 2012, den Du mit Cortina gewonnen hast. Cortina war keine besonders gute Mannschaft. Trotzdem hast Du die zweifellos besten Mannschaften der Meisterschaft geschlagen. Es war klar, dass weder Bozen noch Pustertal in einer Best Of Seven Serie zu schlagen sein würden. Doch in einem Spiel hattest Du mit deiner durchstudierten Taktik eine Chance. Und die hast Du eiskalt genützt. Und mit deiner Mannschaft mehr erreicht, als man dir zugetraut hatte.

Jetzt kann ich mich ja outen: ich bin ein absoluter Fan von dir. Weil Du Eishockey lebst. Ich bin überzeugt, dass Du alles in deinem Leben dem Job unterordnest, der für dich weit mehr als eine Arbeit zum Geldverdienen ist. Eishockey ist deine Leidenschaft. Und das spürt man, wenn man mit dir über Eishockey spricht, wenn man dir auf dem Eis zusieht, wenn man dich während der Spiele beobachtet.

Ein einziges kleines Problem hast Du. Was nicht deine Schuld ist. Du bist ein Südtiroler. Und ein Südtiroler hat es im eigenen Land schwer. Der wird nur dann entsprechend gewürdigt, wenn er "Luis" oder "Durnwalder" heisst. Für jeden anderen gilt, dass man lieber die Weisen aus Übersee holt. Egal, ob er Leistung bringt oder nicht. Es reicht aus, ein Ahornblatt im Pass stehen zu haben, um ein guter Trainer zu sein.

Du hast das Problem, das schon von allen vier Evangelisten beschrieben wird: Nemo Profeta in Patria...
Deshalb war deine Entscheidung, den Sprung ins Ausland zu machen das absolut beste, was Du hättest tun können. Auch, wenn die Serie A einen Charakterkopf und eine große Chance verliert. Was mir persönlich leid tut.

Trotzdem wünsche ich dir von ganzem Herzen: Alles Gute!

Donnerstag, 24. Mai 2012

Geld allein macht nicht glücklich...

Und das gilt nicht nur für das Leben. Sondern auch für den Sport. Vor allem für den Sport. Denn dort, wo Emotionen den Hauptteil des Business ausmachen, da ist es zwar schön Geld zu haben, doch es kann nie verleugnet werden, woher man kommt. Und folglich, wohin man auf Dauer gehört.

Es gibt nur wenige große Vereine. Die sind erfolgreich. Haben aber kein Herz. Müssen sie auch nicht haben. Weil sie groß sind. Weil sie reich sind. Und weil sie erfolgreich sind. Eigentlich schon seit immer.

Es gibt immer wieder kleine Vereine, die versuchen, in diese Liga aufzusteigen. Dorfvereine. Die von Emotionen und der Nähe zu den Fans leben. Sich mit den Fans identifizieren müssen. Weil sie ansonsten baden gehen. Finanziell sowieso. Aber auch von der Daseinsberechtigung her. Das sind die Vereine, die es mit Herz schaffen, nach oben zu kommen. Und dann dem Irrglauben verfallen, dorthin zu gehören. Quasi ein Recht zu haben, dauerhaft am Tisch des Krösus sitzen zu dürfen. Und die ein, vielleicht auch zwei Jahre zu so viel Geld kommen, dass sie tatsächlich dem Größenwahnsinn verfallen, sich oben ansiedeln zu dürfen. Erst dann wird nachgerechnet. Und irgendjemand sagt: "Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt." Und alle fallen aus den Wolken. Obwohl sie es doch hätten wissen müssen.

Es helfen keine Beschwichtigungen und Pseudoansprachen den Fans gegenüber. Dass man kürzer treten muss, weil es so wirklich nicht weiter geht. Dass man einen Neuanfang starten wird, auf die einheimische Jugend baut (die meist schon auf die dreissig zugeht), langfristig planen will (mit mannschaftlichen Stützen, die schon weit über dreissig sind).
Man hat aber das Herz für zwei Jahre Himmel verschenkt. Und kommt nicht mehr zu ihm zurück. Wenn man auch noch so viel zu tun bereit wäre. Das Herz ist futsch. Zumindest für die Konstellation, die an den Himmel auf Erden geglaubt hat.

Konkrete Beispiele gefällig? Sie sind überall im Sport zu finden.
Meistens im Fußball.
Weniger oft im Eishockey.
Aber leider bestätigen Ausnahmen die generelle Regel. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen einlenken, wenn sie bemerken, auf dem falschen Weg zu sein. Denn ansonsten riskieren sie das erste Jahr einen Teil der Fangemeinde - auf lange Sicht aber das Herz, das so wesentlich im Sport ist.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Das Trainerkarussel dreht sich oder Wie sich die DEL auf die Rittner Trainerfrage auswirkt


Am heutigen Donnerstag, 3. Mai 2012 wird in Deutschland eine wichtige Entscheidung erwartet – eine Entscheidung, die ihre Schatten auch auf die italienische Serie A1 im Allgemeinen und auf Ritten Sport Renault Trucks im Speziellen wirft. Richtungsweisende Schatten – denn eine Entscheidung steht an, die über die Zukunft zweier Traditionsvereine entscheiden wird.
Doch der Reihe nach: Der DEL Standort München steht schon wieder zur Diskussion. Obwohl von offizieller Seite noch darum gekämpft wird, eine Profimannschaft in München zu erhalten, zwitschern es die Spatzen schon längst von den Dächern, dass man nach Abnehmern für die Lizenz sucht. Interessenten dafür gibt es: sowohl in Schwenningen als auch in Landshut wollte man das Abenteuer DEL angehen.
Eine Meldung vom 02. Mai 2012 gibt bekannt, dass Schwennigen nun die besten Karten für den Kauf der Spielberechtigung vom EHC München hat – Landshut soll sich nämlich Indiskretionen zu Folge aus dem Millionenpoker zurückgezogen haben – in Schwenningen ist man nach wie vor an einer DEL Teilnahme interessiert. Die Entscheidung sollte am Donnerstag, 03. Mai fallen – damit Schwenningen noch ausreichend Zeit bleibt, die notwendigen Unterlagen innerhalb 24. Mai in Köln in der DEL Zentrale abzugeben.
Sollte Schwenningen, und davon kann zu heutigen Stand ausgegangen werden, den Zuschlag erhalten, werden aus München wohl Pat Cortina und einige Spieler übernommen werden – und damit würde sich das Deutschlandabenteuer eines Südtirolers zerschlagen. Denn Schwenningen steht in Kontakt mit Stefan Mair, der die letzten Jahren in Italien für herausragende Ergebnisse gesorgt hat. Und damit die Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte.

Es wird Deutschland - oder Ritten
Die DEL ist wohl eine Nummer zu groß für den Bozner Eishockeycoach, der seine Trainerkarriere in Bozen begann, erstmals in Fassa für Furore sorgte und dann den HC Pustertal von einem Dorfverein zum Meisterschaftsfavoriten entwickelte. Das Meisterstück gelang ihm 2012 in Cortina, wo er mit einer durchschnittlich schlechten Mannschaften den italienischen Cup gewann und seine Mannschaft bis ins Meisterschaftshalbfinale führte.
Sollte sich der Deutschlandtraum von Stefan Mair zerschlagen, so wird er in Italien bleiben. Und hier gibt es auch schon einen Verein, mit dem er so gut wie einig ist: Ritten Sport soll ihm bereits einen Vertragsvorschlag vorgelegt haben, Mair soll das Versprechen abgegeben haben, sollte nichts aus Deutschland werden, so sei Ritten seine erste Wahl.
Die Entscheidung, ob Stefan Mair nach Klobenstein kommt wird in den nächsten Stunden fallen. Und nicht allein vom Angebot des Serie A Teilnehmers abhängen. Die Vorstandssitzung in Klobenstein ist jedenfalls auf morgen Abend festgesetzt worden. Eine Bestätigung oder Dementi sollte sich also noch innerhalb dieser ergeben.


Freitag, 6. April 2012

Na so ein Zufall: Märzaktionen der Graz 99ers

Ein Schuft, der Böses dabei denkt.... und manchmal ist die Welt schon klein. Und wer möchte, der wird überall ein Haar in der Suppe finden.

Aber es ist schon sonderbar:
11.03.2012: Taylor Holst bestätigt seinen Wechsel nach Graz.
16.03.2012: Andy Delmore gibt bekannt, nach Graz zu wechseln. (http://www.eliteprospects.com/player.php?player=11566)

Es wäre  fahrlässig, einen Zusammenhang (oder Ursprung) zwischen diesen beiden Ereignissen zu vermuten.
Aber genauso fahrlässig wäre es, diese beiden Transfers innerhalb von fünf Tagen einfach zu verschweigen....

Ritten Sport auf Trainersuche? Tom Pokel in Arena Ritten gesichtet

Es hat etwas fast zukunftsträchiges: drei Herren, die miteinander essen. An und für sich nichts, worüber man groß berichten müsste. Aber: manchmal sind Essen die Rahmen für den Beginn von etwas Neuem. Das Essen, über das gut informierte Quellen berichten, lässt die Rittner Fans hoffen: denn zumindest scheint sich der Schatten Greg Holst zu verziehen. Und ein neuer Hoffnungsträger sollte die Rittner Straße heraufziehen.

Tom Pokel hat sich am Gründonnerstag mit den Rittner Vereinsverantwortlichen zu einem Gespräch getroffen. Man wird schwer dementieren können, dass es sich um ein Bewerbungsgespräch handelte. Denn wieso sonst sollte Pokel nach Klobenstein kommen, wenn nicht um über einen möglichen Vertrag zu sprechen?
Tom Pokel wäre sicher eine gute Wahl für Ritten Sport: ein Mann, der bewiesen hat, großes leisten zu können. Und der vor allem eines hat: gute Kontakte zu Spielern und Agenten. Das hat er bei der Zusammenstellung der Mannschaft von Pontebba in der abgelaufenen Saison bewiesen.
Und Ritten hat dringend einen Mann nötig, der über gute Kontakte in Übersee verfügt: denn seit dem Weggang von Ron Ivany hat es bei der Auswahl der Verstärkungen grob gehapert.
Eine Frage aber bleibt: kann es Pokel auch mit einheimischen Nachwuchsspielern oder ist er der Typus Trainer, der fertige Spieler braucht, um erfolgreich sein zu können?

Donnerstag, 5. April 2012

O tempora, o mores oder schenkt dem Linter Karl endlich einen Kalender

Vorausgeschickt: mit diesem Artikel will ich mich weder als Moralapostel der Nation noch als Taliban des christlichen Glaubens outen. Was ich aber sehr wohl will ist, Fragen stellen: Fragen, die mit dem Sport direkt wenig, sehr wohl aber mit Respekt zu tun haben. Und damit doch wieder sportlich sind: Denn der Sport erhebt den Anspruch, Respekt gegenüber anderen zu vermitteln. Und beweist im Fall italienisches  Eishockey, sich über jede moralische Grenze hinwegzusetzen.

Eishockeyfinalis 2012 in Italien: Es betrifft sowohl die erste wie auch die zweite Liga. Die wichtigste Zeit des Eishockeys beginnt bzw. ist im Laufen. Sicher: es ist Zufall, dass das Spiel 6 der Serie A2 und das Spiel 1 und 2 der Serie A1 genau in die Karwoche fallen. Und es ist wahr, dass die Gesetze dahingehend geändert worden sind, dass in der Karwoche nun keinerlei Einschränkungen mehr gelten, was die Durchführung von öffentlichen Veranstaltungen betrifft.

Trotzdem: muss es denn sein, dass ein eventueller Sieger in der zweiten Liga an einem Karfreitag gekürt wird? Dass in dieser für viele Menschen so wichtigen Zeit, die zum Innehalten und zum Nachdenken da sein sollte, durch Eishockeyfinalis "bereichert" wird? Muss es sein, dass die Finalspiele eins und zwei in der ersten Liga am Gründonnerstag und der Osternacht stattfinden müssen? Gibt es wirklich keine anderen Termine mehr? Oder hat man schlicht und einfach vergessen, auf den Kalender zu sehen? Oder wollte man - und das wäre natürlich noch viel unglaublicher - markteingtechnisch überzeugen und die Schulferien ausnützen, um mehr Personen die Chance zu geben, ins Stadion zu gehen?

Während ich das schreibe sehe ich schon die sich rechtfertigenden arrongant und präpotent auftretenden Funktionäre der Vereine, die über jede Kritik erhaben verlautbaren lassen, dass niemand gezwungen wird, ins Stadion zu gehen und man sich nicht auf diese Diskussion einlassen wird, weil man sich nicht mit solchen Goggolores aufhalten will - es gibt wichtiger Probleme!
Und ich sehe einen Eishockey Verantwortlichen Karl Linter, der sich die Hände in Unschuld wäscht (wie passend dieser Vergleich doch gerade heute ist...) und sich damit herausredet, dass der Spielplan mit den Vereinen so abgesprochen und von ihnen so abgesegnet worden ist.

Mag alles richtig sein. Doch was bleibt ist die Frage, ob der Sport nicht moralische Verpflichtungen hat, die er eigentlich vorleben müsste. Scheinbar nicht. Und das macht mich ein bisschen traurig....

Ich wünsche allen Eishockeyfans eine spannende Finalzeit - ohne moralische Bedenken -
und wünsche allen ein Frohe Ostern.
Und beim Ostereieressen einfach nicht nachfragen, ob unser Brauchtum nicht auch Verpflichtung sein sollte...