Samstag, 17. November 2012

Was bleibt vom Derby Bozen Ritten?

Was war den das, bitteschön?
Die Rittner Leistung beim Derby gegen Bozen: 
Nicht vorhanden.
Die Bozner Leistung übermächtig?
Naja, das gilt es zu relativieren. 
Davon zu erzählen, es sei die beste Leistung seit Jahren gewesen erscheint mir übertrieben: Ich habe diese Saison schon bessere Spiele der Bozner gesehen. Geschweige denn in der letzten Saison. 
Aber: Es muss nicht alles schlecht geschrieben werden, was dargeboten worden ist.

So muss man dem amtierenden Meister attestieren, dass man engagiert zur Sache gegangen ist. Und in der Pause zweifellos Kraft und Selbstvertrauen getankt hat. 
Der neue Wikinger im Bozner Schiff: Eine Augenweide. Es scheint, dass er mit Schlittschuhen an den Füßen geboren ist. Alles, was er mit der Scheibe macht, hat Hand und Fuß. Fehler seinerseits: inesistent. 
Ob er defensiv stark ist? Das kann der beste Experte nach diesem Rittner Spiel nicht beurteilen. Weil Ritten im eigenen Verteidigungsdrittel abgesoffen ist. Und ab der Mittellinie praktisch nicht existierte.

Für die Rittner ist dieses Spiel aber kein Grund für Panikattaken und Anlass, um zu einer Shoppingtour aufzubrechen: Was der Mannschaft gefehlt hat, war die für den Erfolg so wichtige Spannung. Was nicht gerade von Professionalität zeugt, aber nachvollziehbar ist: Die "Buam" haben eine Woche Ferien genossen, die Qualifikation für den Italiencup war geschafft, in der Eiswelle ging es praktisch um die goldene Ananas. Weil man schon ein Derby gewonnen hat. Und weil man bereits gezeigt hat, dass man Eishockeyspielen kann.

Es ist Halbzeit in der Regular Season: Was nun folgt sind zwei Runden, in denen es darum geht, die eigene Position zu halten. Unter den Top fünf Teams zu bleiben. Dazu sollte es reichen, wenn man bei den Heimspielen punktet. 
Sicherlich keine besonders attraktive Aussicht auf das, was in den nächsten knapp zwei Monaten kommt. Weil es allzuleicht passieren kann, dass die so notwendige Spannung abhanden kommt. Und Kampfgeist verloren geht. 

Es ist davon auszugehen, dass beim Spiel Ritten gegen Mailand eine komplett andere Mannschaft zu sehen sein wird, als in der Eiswelle. Nicht vom Roster her. Aber von der Einstellung. Eine Mannschaft, die keine Fragen aufwerfen wird und so den peinlichen Auftritt von Donnerstag relativiert. 

Was in meinen Augen ein Fehler ist: Weil die offensichtlichen Defizite nicht angesprochen und ausgemerzt werden. Defizite, die sich, wie in der Heimarena ausreichend belegt, nicht im spielerischen Bereich liegen. Sondern in einer Einstellung. Irgendwo in der Psyche der Spieler. 
Forderung nach Veränderung? Keineswegs. Denn was sollte verändert werden? Es ist noch nicht alles Gold, was in Klobenstein glänzt. Aber es ist auch nicht so schlimm, dass man alles in Frage stellen sollte. Denn von einem bin ich nach wie vor überzeugt: Dass der in diesem Jahr eingeschlagene Weg der Richtige ist.


 

Mittwoch, 14. November 2012

Und schon wieder: Derbyzeit

Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit doch vergeht. Nicht wahr?
Mir kommt es so vor, als hätte ich erst vorgestern darüber geschrieben, wieso das Spiel Ritten gegen Bozen etwas so besonderes ist. Oder in diesem Fall das Spiel Bozen gegen Ritten.

Naja, beim Hinspiel in Klobenstein waren die Rollen ja bereits im Vorfeld ziemlich klar verteilt: Der Rekordmeister war als krasser Außenseiter angereist und hat erwartungsgemäß die Punkte in Klobenstein gelassen. 
Nun, vor dem Rückspiel, lässt sich keine klare Favoritenrolle mehr vergeben. Weil sich so einiges getan hat. Nicht nur, weil Bozen personell aufgerüstet hat. Sondern vor allem, weil Bozen dadurch moralisch aufgerüstet hat:

Vor der Pause noch war die Truppe von Brian McCutcheon müde gewesen. Die Verteidiger hatten Überstunden leisten müssen - viele Überstunden. Doch nun, da die Pause vorbei ist, und ein (!) neuer Verteidiger gekommen ist - der Weltklasse ist - da scheinen alle Probleme des großen HCB überwunden. Vor allem auch, weil ein neuer Tormann im Kasten stehen wird.

Wenn das Überwinden von Problemen doch immer so einfach wäre: Zwei Neue rein, und die Probleme sind nie dagewesen! Ich bin gespannt, ob dieses Konzept aufgeht!

Nun: Für Bozen geht es in diesem Derby um sehr viel. Es ist sozusagen die letzte Chance auf die Teilnahme am Italienpokal. Wer schon einmal in der Eiswelle in Bozen war, für den war es unübersehbar: Beim HCB zählen nur Titel. Und einen Nichtteilnahme an einem Finalturnier das ist schon fast so etwas wie eine Beleidigung für das Bozner Selbstverständnis. Die Meistermannschaft wird also top motiviert aufs Eis gehen. Auch, um den hoffentlich zahlreichen Zuschauern zu beweisen, dass es sich auszahlt, Eishockey schauen zu gehen.

Und Ritten? Die Truppe vom Hochplateau hat eine Urlaubswoche hinter sich. Wortwörtlich: Der Trainingsbetrieb für die erste Mannschaft in Klobenstein wurde erst wieder am Samstag aufgenommen. Schwere Beine dürften die Buam also nicht plagen. Da schon eher ein Urlaubs Jet Lag. 

Für Ritten steht am Donnerstag nicht besonders viel auf dem Spiel: Man hat die Qualifikation für den Italiencup bereits in der Tasche, in der Tabelle kann man sich nicht groß verbessern oder weit zurückfallen. Das sind die Zutaten, die gefährlich sind: Denn wenn Spiele nicht ernst genommen werden, dann wird daraus sehr schnell eine Niederlagenserie.

Ein Glück also, dass es für Ritten in diesem Spiel gegen den HC Bozen geht: Denn bekanntlich zählen bei Derbys nicht die drei Punkte. 
Sondern die Ehre. 
Und deshalb wird wohl kein Rittner die 21 Kehren talwärts in Angriff nehmen, um dann mit leeren Händen und hängendem Kopf 21 180° Kurven wieder zurück machen zu müssen. 
Und das lässt auf spannendes Eishockeyspiel hoffen.

Dienstag, 13. November 2012

...und dann kam der Dreck

Im wahrsten Sinne des Wortes.
Unvermittelt, und von oben. Denn nicht alles Gute kommt von oben.
Der EV Bozen 84 hat ein Problem: wo vor wenigen Tagen noch ein funktionierendes Stadion war, da ist heute Schutt und Geröll. Die Aufbauarbeit im Verein scheint in Frage gestellt. Das Tragische: Niemand hat wirklich Schuld an diesem unvermitteltet aufgekommenen Dilemma.

Die Sill ist ein gottvergessener Ort am Anfang der Sarner Schlucht. In den siebziger Jahren ist hier ein Eisplatz entstanden. Weil der Ort sonnengeschützt ist. Und so das Eis sich länger hält. Erreicht wird das Stadion über eine abenteuerliche Straße durch die enge Schlucht. Ein Provisorium, das im Laufe der Jahre zu einem Fixum geworden ist. Ein Bozner Stadion, das auf Rittner Gemeindegrund steht.

Ein Fakt, der nun, da die Mure gekommen ist, an Wichtigkeit gewinnen könnte. Weniger, weil die Gemeinde Ritten die Kosten für das Aufräumen zu tragen hat. Sondern vielmehr, weil der Rittner Bürgermeister die Verantwortung zu übernehmen hat bei der Antwort auf die Frage, ob das Eisstadion, wenn wieder aufgeräumt und die Schäden beseitigt worden sind, wieder eröffnet werden kann. Denn: Ist der Standort wirklich noch sicher?

Diese Frage wird den EV Bozen (vorerst) weniger beschäftigen: Andere Fragen sind unmittelbarer zu klären: Wohin ausweichen bei den Trainings, die nicht nur die Kampfmannschaften der Herren und Damen, sondern vor allem die Nachwuchsmannschaften, betreffen. Die Eisplätze in Bozen und Umgebung sind gut ausgelastet. Gottseidank. Denn das zeigt, dass der Eissport lebt. Die Folge: Trainingsstunden sind ein begehrtes Gut.

Es ist zwar gut zu wissen, dass verschiedene Nachbarvereine angeboten haben, mit Eiszeiten auszuhelfen. Das zeugt davon, dass Sport wirklich zusammen schweißt. Dass sportliche Nachbarschaftshilfe bei aller Konkurrenz ein gelebter Wert ist. Aber: Diese gewährten Eiszeiten sind ein Provisorium. Weil es klar ist, dass auch die anderen Vereine ihre Trainingseinheiten abhalten müssen.

Günther Ebnicher, Präsident des EV Bozen gibt sich (noch) kämpferisch: Es wird fieberhaft nach Lösungen gesucht. In Bozen und der Umgebung. Doch: Die Logistik zu organisieren ist ein Problem. Kinder zum Training nach Brixen zu bringen: Undenkbar, weil weder den Eltern noch dem Verein zumutbar.
Die Saison der Kampfmannschaften soll fertig gespielt werden. Weil man im semiprofessionellen Bereich Verpflichtungen eingegangen ist, die man einhalten will und wird.

Doch was mit den Kindern und Jugendlichen, die in der Sill Eishockey gespielt haben? Der EV Bozen 84 hatte sich vor allem der Nachwuchsarbeit verschrieben. Und es wäre schade, wenn der Erdrutsch nicht nur das altersschwache Stadion in der Sill, sondern die gesamte Nachwuchshoffungen vermurt hätte.

Eine gangbare Lösung, das ist es, was man sich im "Blau-Weißen" Clubhaus wünscht.

Und ich hoffe, dass diese Lösung gefunden wird.

Vorerst provisorisch. Um den Platz für eine endgültige Lösung zu schaffen. Zum Wohle des "kleinen" Bozner Vereins. Und zu Wohle der "kleinen" Eissportler in der Landeshauptstadt.

Samstag, 10. November 2012

NHL Lockout... und auf einmal ist Geld da

Es ist ein offenes Geheimnis. Eishockey ist nicht gerade der Sport, wo einem Sponsoren Millionen aufzwingen. Nicht in den renomierten Eishockeyligen Europas. Und schon gar nicht in Italien.

Dann ist auf einmal der NHL Lockout. Superstars kommen über den Teich. Eishockeyspieler, die alleine in Übersee so viel verdienen, wie nur wenige europäische Vereine als Jahresbudget zur Verfügung haben. Aber: Sie kommen und spielen trotzdem. Für weniger Geld. Aber für europäische Eishockeyverhältnisse immer noch für sehr teures Geld.

Freitag, 9. November 2012: 
Dieter Knoll tritt vor die versammelte Presse. Um "seinen" NHL Einkauf zu präsentieren. Er nennt eine Summe: Niklas Hjalmarsson kostet 30.000.- Euro - 
pro Monat.
Wer das Geld wie aufbringt, das interessiert mich nicht wirklich. Im Gegenteil: Als Eishockeyfan bin ich froh, dass es aufgebracht wird. Weil sonst würde man keine solche Weltklasse zu sehen bekommen.

Aber: Wie kann es sein, dass sich ansonsten Eishockeyvereine schwer tun, eine Grundfinanzierung für die Saison zusammen zu bringen, und dann werden Unsummen für Spieler ausgegeben, von denen man heute schon weiß, dass er die Saison nicht bei diesem Verein beenden werden.
Für dieses Geld kann man zwei Spieler holen. Nicht für zwei Monate. Sondern für den Rest der Saison.
Den Fall HC Bozen kann ich ja noch irgendwie verstehen: Der Continental Cup steht vor der Tür. Und wer Bozen kennt, der weiß, dass man dort hoch hinaus will: Teilnahme an der Finalrunde und, wenn geht, auch dort noch gut abschneiden.

Aber es gibt ein anderes Beispiel, das mich mit dem Kopf schütteln lässt. Das Beispiel Innsbruck, wo vor Saisonsbeginn ein finanzieller Zuschuss durch die Liga gebraucht wurde, um überhaupt an der EBEL teilnehmen zu können. Und nun leisten die sich einen NHL Spieler? Damit sie auch weiterhin weit abgeschlagen letzte sind und chancenlos Scheiben durch die Gegend schieben?

Es steht mir keine Kritik an den Vereinen zu, die sich diesen Luxus leisten. Denn ein bisschen hat es mit Prestige für die eigenen Farben zu tun. Auch keine Kritik, an den Leuten, die solch spektakuläre Transfers möglich machen. Aber: Wenn ihnen Eishockey wirklich etwas bedeuten würde, würden sie dann nicht langfristig in diesen Sport investieren?
Ein NHL Lockout setzt alle Logiken ausser Kraft. Wirtschaftskrise hin oder her, es wird geklotzt, und nicht gekleckert. Den Fans kann es eigentlich nur Recht sein.
Wenn nicht am Ende eine saftige Rechnung übrig bleibt...

Donnerstag, 8. November 2012

NHL als Opium fürs Volk? Niklas Hjalmarsson in Bozen

Die letzten Tage dürften im Bozner Hauptquartier nicht ganz einfach gewesen sein: Meldungen in der Presse zwischen Aufrüstung und Aufhausen wurden veröffentlicht. Das Headquarter blieb cool. Und stumm.
Bis dann eine Meldung hereinschneite, wie aus dem Nichts: Bozen verpflichtet Stanley-Cup-Sieger Niklas Hjalmarsson. Wenn das keine Ansage ist!

Freilich: Opium hat für begrenzte Zeit seine Wirkung. Aber: Der geschundenen Bozner Seele wird dieser "Rausch" gut tun. Vergessen sind die Polemiken der letzten Wochen. Vergessen sind die Klagen, dass die Spielerbank zu kurz sei. Auf einmal ist alles heiter Sonnenschein. Vielleicht nicht ganz zu Unrecht.
Denn nun glänzt in der Serie A1 ein NHL Stern. 
Es wird nicht die Erlösung sein, von der man sich großartiges Offensivspektakel erwarten kann. Denn Herr Hjalmarsson ist seines Zeichens ein Verteidiger. 

Er wird, 
hoffentlich, 
seine Stürmer mit strammen Pässen auf die Reise schicken. 
Und er wird, 
hoffentlich, 
defensiv zeigen, was Weltklasse bedeutet. 
Aber es ist nicht zu erwarten, dass er drei Tore pro Spiel schießt und damit Matches im Alleingang entscheidet.

Aber: Er ist die Chance, dass sich eine zuletzt lethargisch scheinende Mannschaft wieder aufrappelt. Er ist die Chance, dass in Bozen wieder mehr Leute zum Spiel kommen, als die optimistisch geschätzten 300 bei den vergangenen Auftritten. Er ist die Chance, dass es zu einem kleinen Aufschwung in der Bozner Eishockeywelt kommt. 
Denn: Wann hat man schon die Gelegenheit, einen aktuellen NHL Star zu begutachten?
Und wer war der letzte Vertreter des Eishockeystandes, der mit einem Stanley Cup im Gepäck nach Italien gekommen ist?

Freuen wir uns also, dass es einmal auch positives aus der Bozner Galvanistraße zu berichten gibt. Freuen wir uns auf die kommenden Spiele mit einem Internationalen Top Star. Und denken wir heute nicht schon daran, was passiert, wenn die NHL losgeht. Was, wie es scheint, schon ziemlich bald der Fall sein könnte. Und wie der Schädel dann brummen wird, weil der Rausch so intensiv gewesen ist. Genießen wir es einfach, uns eine Traumwelt vorgaukeln zu lassen.

Und noch eines: Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass bei der morgigen Pressekonferenz um 13.30 Uhr in der Eiswelle noch die eine oder andere Überraschung vorgestellt wird. Denn eines ist so sicher, wie das Amen in der Kirche: Nämlich dass Bozen als Ausrichter eines Continental-Cups nicht nur mitspielen, sondern weiterkommen will. Die Verpflichtung von Hjalmarsson ist dafür Beweis genug. 
Und ein starkes Indiz dafür, dass eine Schwalbe selten alleine über den großen Teich fliegt, um den Sommer zu machen.


Mittwoch, 7. November 2012

Der Tanz auf des Messers Schneide oder die Große Chance

Es ist gekommen, wie es kommen musste: In der Serie A1 haben sich -nicht erst diese Saison, doch in diesem Jahr besonders- die Mannschaften auf ein riskantes Spiel eingelassen. Top Torhüter aus Übersee wurden verpflichtet. Tormänner, die absolutes Weltklasseniveau haben. Das wertet die Meisterschaft ungemein auf. Weil der Schlüssel zum Erfolg erspielt werden muss.

Das Problem: Die Meisterschaft ist von den Einserspielern abhängig. Dahinter: Nachwuchsspieler und Backups, die vom Niveau her weit abfallen. Das ist durchaus nicht abwertend gemeint. Denn kein einheimischer Torhüter hatte je die Gelegenheit, sich ausschließlich auf den Sport zu konzentrieren. Oder in hohen Ligen Erfahrung zu sammeln. Oder abseits der Jugendmannschaften überhaupt Erfahrung zu sammeln.

Die Verletzung von J.S. Aubin stellt nun die Frage in den Raum, was ist wenn. Was, wenn der Stammgoalie in der entscheidenden Meisterschaftsphase ausfällt? Und das gilt nicht nur für den HC Pustertal. Das gilt für jede Mannschaft, die vorne mitspielen will und kann.

Die Folge könnte sein, dass, wer bis in die entscheidende Phase vorne mitgespielt hat, auf einmal nur mehr Durchschnitt ist. Weil der sichere Rückhalt fehlt. Und weil der gesamten Mannschaft Sicherheit genommen wird. Wie gesagt: In diesem Fall ist der Ausfall nicht so schwerwiegend: Weil die Wölfe einsam an der Tabellenspitze ihre Runden ziehen, weil die Verletzung nicht allzu schwer scheint, und weil im schlimmsten aller Fälle noch Zeit ist, sich nach Ersatz umzusehen.

Dieser Ausfall ist eine Chance: Eine Chance für die Nummer zwei, sich zu beweisen. Eine Chance zu beweisen, dass für die Zukunft ein sicherer Rückhalt heranwächst. 
Eine These, die im Falle von Philipp Kosta nicht von der Hand zu weisen ist. Weil der Junge offensichtlich Talent hat. Und cool ist.
Die Chance für ihn: Er bekommt Spielpraxis unter Wettkampfbedingungen. Nicht in einem Spiel, in dem seine Mannschaft bereits ein sicherer Sieger ist und mit fünf Toren Unterschied drei Minuten vor Spielende führt. Nicht in einem Spiel, bei dem es nur um einen freundschaftlichen Vergleich geht. Nicht in einem Spiel in dem er weiß, dass seinem Vorgesetzten eine Ruhepause gegönnt wird, und dass die Partie deswegen von keinem so richtig ernst genommen wird.

Auch wenn jede Verletzung eine Tragik in sich trägt: 
Objektiv gesehen aber ist der temporäre Ausfall von Aubin für den HC Pustertal das, was dieser Mannschaft einen weiteren Vorteil für den Rest der Saison bringt. Nämlich, dass sie einen Mann im zweiten Glied stehen haben, von dem sie genau wissen, wie er auf den Ernstfall reagiert. Der eine Reihe von Spielen am Stück machen darf/muss, der nach Fehlern nicht gleich wieder aus dem Spiel genommen wird, sondern der wichtige Erfahrungen sammeln darf. 

Das ist das, was anderen Mannschaften im Saisonsfinale fehlen könnte: Weil sie diese Chance nie wahrgenommen haben, nie wahrnehmen mussten, nie wahrnehmen konnten.
Bleibt zu hoffen, dass man im Pustertal kühlen Kopf behält und diese Chance zu schätzen weiß. Und nicht nach dem ersten, zweiten oder dritten Fehler gleich unruhig wird.
Denn Fehler helfen, um sich weiter zu entwickeln.
Und intelligente Spieler machen den selben Fehler nicht zweimal.
Weil sie lernen.
Und das könnte in der entscheidenden Phase der Meisterschaft den entscheidenden Unterschied machen.

Freitag, 2. November 2012

Eishockey ist, wenn der HC Pustertal gewinnt...

...und die Verfolger Punkte lassen.
So einfach scheint es in dieser Saison zu sein.
Über die Gründe müssen wir uns nicht mehr lange unterhalten: Pustertal ist das stärkste Gesamtpaket, wo sich die Mannschaft selbst genügt und sich auch nach Rückschlägen von sich heraus erholt. Das ist bemerkenswert. Und das ist einzigartig.

Keine Allüren...
...so scheint es. Sondern der unbedingte Willen, das Erreichte mit dem nächsten Sieg zu bestätigen. Weil man sich nicht zurücklehnt. Es brennt ein Feuer, das die Mannschaft von sich heraus am Brennen hält. Wo ein gutes Spiel kein Grund ist, um sich zurück zu lehnen. Sondern, im Gegenteil, Ansporn weiter zu machen. Und noch eines drauf zu setzen.
Wer meinte, mit der ersten Niederlage in der Saison würde eine Serie reissen. Wer gehofft hatte, dass nach einer zu Null Niederlage Zweifel kommen würde, der wurde eines besseren belehrt.
Es ist einfach, gute Stimmung zu verbreiten, wenn man auf dem höchsten möglichen Niveau ganz oben spielt. Es ist eine Charakterleistung, Niederlagen abzuschütteln, abzuhaken, weiterzumachen.
Das ist in dieser Saison bislang nur dem HC Pustertal gelungen.
Die Mannschaft ist nicht nur spielerisch, sondern vor allem auch mental Spitze. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Konzentrationsschwächen bei Ritten?
Dass nicht alleine große Namen eine Mannschaft erfolgreich machen, das zeigt sich in diesem Jahr am Ritten. Ja, die Mannschaft spielt am oberen Tabellenende. In Schlagweite zu jenen Mannschaften, die sich um Rang zwei streiten.
Fakt ist: Ritten könnte der einzige ernst zu nehmende Verfolger der Pusterer Wölfe sein. Wenn sich da nicht unerklärbare Schwächen eingeschlichen hätten. Die eindeutig auf ein mentales Problem hinweisen.
Denn dass die Truppe von Rob Wilson Eishockey spielen kann, hat sie in dieser Saison schon so einige Male bewiesen. Talent ist vorhanden. Defensive Disziplin auch. Zumindest über den Großteil eines Spiels.
Doch ein Spiel dauert sechzig Minuten. Und zwei Minuten Unaufmerksamkeit können eine Mannschaft um die Früchte der Arbeit bringen.
Die Ausrede, dass mit Ryan Ramsay das Hirn der Mannschaft die letzten Spiele gefehlt hat, lasse ich so nicht gelten: Denn auch ohne ihn konnte die Mannschaft Tore schießen. Zweimal in Folge hat man aber einen mehr oder weniger komfortablen Vorsprung von zwei Toren verschenkt. Und jeweils zu Drittelbeginn oder Drittelende die Gegentore kassiert, die wertvolle Punkte gekostet haben.
Ich bin der Meinung, dass es nicht an einzelnen Spielern hängt: Rence Coassin war sicherlich kein Maradona des Eishockeys. Aber war keine Verstärkung, das ist wahr. Aber es hat die Mannschaft auch nicht geschwächt. Ein bärenstarker neuer Flügel, der kommen soll, wird das bestehende Problem aber nicht lösen können. Er wird es höchstens für einige Zeit überdecken. Und die Illusion einer heilen Welt entstehen lassen.

Das Rittner Problem wäre an sich nicht so schlimm: Wenn da nicht die Erinnerung an die vergangene Saison wäre, wo auch zahlreiche Spiele mit nur einem Tor Unterschied verloren worden sind. Und das als Trost herhalten musste. Weil man sich einredete, dass man nicht so weit von den Spitzenmannschaften weg wäre.
Der zwischenzeitliche Rang vier ist nicht so schlimm: Es ist lange her, dass eine Rittner Mannschaft so erfolgreich in die Saison gestartet ist. Aber: Man sollte die Indizien nicht auf die leichte Schulter nehmen. Und Ursachenforschung betreiben.
Denn Fakt ist: Es ist ein saisonsübergreifendes Problem.

Resignierender HCB?
Was ist mit dem Rekordmeister los? Es macht irgendwie den Anschein, als lässt der HCB den Kopf hängen. Als ergäbe man sich in der Landeshauptstadt der Situation.  Nach wie vor bin ich der Überzeugung dass die Mannschaft ein großes Potential in sich trägt. Fakt ist aber auch, dass es bei weitem nicht abgerufen werden kann. Weil die Spieler ausgepresst sind. Und es irgendwie den Anschein macht, als fühlten sie sich allein gelassen.
Der Einkauf neuer Spieler könnte zur Lösung des Problems beisteuern. Fakt ist aber auch, dass damit nicht alle Gewitterwolken vertrieben werden können.





Viele sagen, die Eishockeysaison 2012/13 hätte gerade erst begonnen, und es zähle erst ab März. So ganz kann ich mich dieser Meinung nicht anschließen. Immerhin sind 15 von 36 Spielen der Regular Season gespielt. Es ist also so gut wie Halbzeit. Es stimmt zwar, dass die Meisterschaft in den Play Offs erst so richtig beginnt. Doch Fakt ist auch:

Was Hänschen nicht lernt, lern Hans nimmermehr...