Freitag, 7. September 2012

Unersetzlichkeit des Menschen oder Beamtenmikado

Der Sieger im Beamtenmikado
Noch zwei Wochen bis zum Tag X, bis zum Start der neuen Eishockeysaison. Die italienische Eishockeybewegung ist (noch) relativ entspannt und ruhig. Abgesehen davon, dass die Bürokraten zicken. Auf allen Ebenen. Und ihrem Ruf wieder einmal gerecht werden. Das schöne bei der Sache: der Beweis, dass Beamte auf allen Ebenen und in allen Staaten nach den gleichen Regeln (nicht) arbeiten.

Es geht um die Transfercardspieler aus Übersee, die heuer den komischen Papierkrieg einfach nicht gewinnen können. Und es betrifft nicht nur einen Verein, sondern gleich mehrere und das aus verschiedenen Ligen. Die Überseespieler sitzen in ihrer Heimat fest und warten auf einen Zettel. Die neuen Arbeitsgeber warten, und warten und telefonieren, und wichtige Eingewöhnungszeit mit dem neuen Personal geht verloren.

Nein, wir reden nicht vom Brieftaubenzeitalter, wo ein Sonnensturm die Orientierung der Brieftauben so durcheinandergewirbelt hat, dass sie nicht mehr nach Hause findet. Wir reden vom Jahr 2012. Der Heilige Sankt Bürokratius ist international geworden – und das in einer Zeit, wo Informationen, Stempel und Unterschriften in digitaler Form mit Lichtgeschwindigkeit um den Globus geschickt werden könnten. Wir reden von einem Zeitalter, in dem Medien und neue Kommunikationsmittel das Leben der Menschheit erleichtern sollten.

Ich werde den Eindruck nicht los, dass wir die Rache der Menschen erleben – eine Revolution der Beamten, die beweisen wollen, wie unersetzbar sie sind. Die über die Verzögerungstaktik belegen wollen, dass der schnellste Rechner nix nützt, wenn der Sachbearbeiter eine lange Leitung und noch längere Kaffeepausen hat.

Liebe Beamte, wenn ihr das lest – sicher während der Arbeitszeit – ich kann euch im Namen aller Regierungen dieser Welt versprechen: Wir wollen euch nicht einsparen und wir wissen, wie wertvoll ihr seid und wie unersetzlich euer Wohlwollen ist. Keiner will sich mit euch anlegen. Und, damit spreche ich auch für meine Leser, jeder einzelne von uns gönnt euch jeden Cent, den ihr aus unseren Steuergeldern bekommt.


Aber eine Bitte hätte ich doch, nicht für mich, sondern für alle, die das italienische Eishockey lieben: macht euren Job (so langsam ihr wollt, aber verdammt noch mal: MACHT IHN!!!) und geht uns mit eurem Nichtstun nicht länger auf den Sack!!!! 

Donnerstag, 6. September 2012

Die Strategie der Nicht Kommunikation oder Mein Name ist Vogel Strauß


Irgendwie komisch, die Kommunikationspolitik der Südtiroler Eishockeyvereine. Ich gebe mir wirklich jede Mühe. Doch ich durchschaue die Strategie nicht. Entweder das Marketing ist um Jahre seiner Zeit voraus. Oder hinkt Lichtjahre hinten nach. Wie gesagt: Ich verstehe die Strategie nicht. Was nicht heißen soll, dass die Strategie nicht gut ist. Oder verwerflich.

Es zeigt sich in meinen Augen, welchen Stellenwert die Kommunikation hat. Oder die Nicht Kommunikation. Es zeigt die Angst vor der Konkurrenz. Die Angst, kopiert zu werden. Das zeigt, dass Einzelkämpfer am Drücker sind. Die nicht das Gesamtprodukt interessiert sind, sondern den eigenen Kirchturm im Kopf haben. Und deswegen einfach nix sagen. Weil vollendete Tatsachen den Raum für Diskussionen nehmen.

Wie gesagt: Meilenweit voraus – oder Lichtjahre hinten. Wobei ich eher zum zweiten tendiere. Weil es im Zeitalter von Twitter und Facebook wenig Sinn macht, gewisse Diskussionen in einem Raum zu halten zu wollen. Die globale Vernetzung ist auch in Südtirol angekommen. Ob man es nun gut findet, oder nicht. Es ist einfach so. Da werden gewisse Diskussionen mit dem Geheimhaltungsstatus des inneren Kreises des Pentagon geführt. Vielleicht, weil sich so einige für besonders mächtig halten, weil sie wissen, was andere nur ahnen. Doch was nützt dieses Wissen, wenn man es nicht weitergeben kann?

Ist es die Angst vor den Medien, die etwas verbreiten könnten? Ist das Vertrauen in die Journalisten wirklich so klein, als ob diese nicht entscheiden könnten, was wahr und was nicht wahr ist?

Auf der anderen Seite gibt es Beispiele, große und mächtige Vereine, die viel Geld dafür ausgeben, dass Gerüchte und mögliche Optionen verbreitet werden. Um einerseits die Grundstimmung abzuchecken. Und um im Gespräch zu bleiben.

Was nützt ein 90.- Euro Abo, wenn über eine Mannschaft praktisch nix bekannt ist? Was nützt eine Mannschaftsvorstellung in großem Rahmen, wenn niemand davon weiß?

Die Infokanäle der Vereine sollten da sein, um Stimmung zu machen und nicht um bereits gekochte Suppen aufzuwärmen. Denn bis die Presseabteilung eines Vereins die Pressemitteilung über eine Verpflichtung hinausgibt gibt es auf diversen Foren bereits seitenlange Diskussionen über den Sinn/Unsinn der Verpflichtung.

Natürlich kann man als Vereinsverantwortlicher die Vogel Strauß Taktik anwenden: Kopf in den Sand stecken, nix hören, nix sehen – und daraus folgern, dass es die Diskussion nicht gibt. Man kann als Vereinsverantwortlicher gewisse Seiten und Foren ignorieren (und trotzdem immer Bescheid wissen, was drinnen steht) und sich dann einbilden, dass es diese Informationsquellen nicht gibt.

Man kann auch, was ja zur Zeit bei mindestens zwei Südtiroler Vereinen passiert, eine Gleichschaltung der Information vornehmen, indem man einfach offizielle Aussendungen einer Agentur als Vereinscontent verkauft. In der Hoffnung, dass das niemand merkt.
Dass Kommunikation und Diskussionsbereitschaft das A und O des Dienstleistungsgeschäftes Eishockey ist, das will man scheinbar nicht verstehen. Da zeigt sich wieder, welchen Stellenwert der zahlende Fan in diesem Geschäft hat – er soll kommen, zahlen, und dann wieder gehen – und möglichst ruhig sein. Oder er sollte dankbar sein, wenn Spieler gekauft werden, sollte aber tunlichst Kommentare vermeiden.

Wie gesagt: Ich verstehe diese Art der Kommunikationsstrategie nicht. Doch vielleicht muss ich das auch nicht….

Mittwoch, 5. September 2012

Eine Hymne an das Fansein


Leben für den Sport. Freude, Leid, Erfolg und Trauer. Dabei geht es "nur" um ein Spiel. Das eigentlich nur ein Kampf um Tore sein sollte...






Wie ist das Leben als Fan im Generellen doch schön. Und als Eishockeyfan im Besonderen. Der letzte Bereich im Leben, der so geblieben ist, dass man ein wenig von allem sein kann. Vor allem aber ein Besserwisser. Ohne dafür getadelt zu werden. Und ein Opportunist. Ohne dass es einem Übel genommen wird.

Weil man beispielsweise schon vor Meisterschaftsbeginn geahnt hatte, dass das in diesem Jahr nichts werden kann. Oder, weil man schon Wochen vor dem Saisonbeginn ein gutes Gefühl hatte. Am Ende der Meisterschaft kann das dann lauthals erzählt und erklärt werden. Dann wird auf Schultern geklopft oder auf Beine getreten. Je nachdem.
Wichtig ist nur, vor der Saison nichts schriftlich zu hinterlegen. Oder die Prognose so kryptisch zu umschreiben, dass alles drin sein kann. Denn ansonsten könnte man festgenagelt werden. Dass man vielleicht Monate vorher doch nicht so richtig lag. Und dass man von diesem Sport eigentlich gar nix versteht.

Torerfolge frenetisch gefeiert... Mehr noch als von den Spielern von den Fans.
Es gibt dann jene, die erst, wenn die Würfel schon definitiv gefallen sind, sich schriftlich und zu Wort melden, die schimpfen und sich beklagen. Obwohl sie, während die Würfel noch im Köcher schepperten, die Optimisten waren, lauthals argumentierten, wieso das Spiel aufgehen muss, und jeden zum Teufel schickten, der nicht ihrer Meinung war.

Es ist ein Spiel. Und da gibt es Gewinner und Verlierer. Das ist das schöne am Spiel, wenn man gewinnt. Und das Hässliche, wenn man nicht gewinnt. Das Nicht-Wissen und das Unberechenbare machen den Reiz aus, und lassen die Opportunisten sympathisch, die ständig kopflastigen Analysten aber blutleer wirken. Sport ist der letzte Bereich des Lebens (neben dem Ehebett), wo Emotionen zugelassen, erwünscht und den Reiz des Ganzen ausmachen.

Das Leben als Fan ist schön, die Emotionen und die animalische Freude am Spiel machen den Sport lebendig, die Arenen und Stadien emotional wertvoll, den Sport erlebenswert. Jene, die kritisiert werden, wenn es einmal nicht klappt, die sollten nicht den Kopf hängen lassen: Wenn sie im kommenden Jahr erfolgreich sind, dann sind sie wieder die gefeierten Stars und haben die richtigen Entscheidungen getroffen.
Ja, es ist nur Sport. Aber: Es ist die schönste Nebensache der Welt. Und damit der (zweit)wichtigste emotionale Faktor im Leben.

Dienstag, 4. September 2012

Da läuft was falsch im Lande Südtirol


Kann sein, dass ich etwas falsch verstanden habe, heute Morgen in den Nachrichten. Einerseits wird bei unseren Kindern gespart. Und auf der anderen Seite wird Geld ausgegeben für eine Sache, die Südtirol nix bringt. Es wird höhere Mathematik sein. Und vielleicht kann es mir jemand erklären. Denn ich blicke nicht durch.






Das Wort Wirtschaftskrise wird zum Wort des Jahres werden. Weil in aller Munde. Jeder muss sparen. Und nun sogar das Land. Und die Landesregierung. Da müssen sich die armen Landesräte die Autos teilen. Müssen bei den Maturabällen aus der eigenen Tasche bezahlen, was bedeutet, dass man wohl nicht mehr so leicht zu einem Ehrenschutz kommen wird. Ausgabenkürzung um 20 Prozent. Schmerzhaft, aber notwendig. Und meiner Meinung nach längst notwendig und richtig.
Auch in der Schule soll gespart werden. Bei den Überstunden der Lehrer. Ob notwendig weiß ich nicht. Wobei: wahrscheinlich waren die Überstunden notwendig, damit unsere Kinder etwas lernen. Sozusagen eine Investition in die Zukunft. In der Wirtschaft würde man sagen eine notwendige Investition. Weil die Kinder von heute die Leistungsträger von Morgen sind. Und uns im Alter werden finanzieren müssen.
Eine bittere Kürzung- keine Frage. Aber wahrscheinlich war der alte Standart nicht mehr finanzierbar. Und so müssen wir in den sauren Apfel beißen. In der Hoffnung, dass bessere Zeiten kommen.

In den gleichen Nachrichten die Meldung, dass das Land (!!!) 6 Millionen Euro für den Ausbau des Drususstadions zur Verfügung stellt. Nicht etwa, weil es die Bozner Jugend braucht (in diesem Falle wäre es legitim), sondern weil der Retortenclub FC Südtirol eine Heimstätte braucht. Ein Club, der ursprünglich gegründet worden ist, um heimische Fußballtalente zu fördern, letzten Endes aber ein Verein geworden ist, der Spieler aus ganz Italien ausbildet. Spieler, mit Südtiroler Mitteln bezahlt, damit sie hier spielen können. Spieler, die im Besitz von millionenschweren Vereinen bleiben.
Also, vielleicht bin ich zu blöd, zu beschränkt, sehe die Zusammenhänge nicht. Aber: bei unseren Kindern, der Zukunft unseres Landes und unserer Wirtschaft wird gespart, für Kinder aus anderen Regionen wird eine Menge Geld ausgegeben, um sie zu fördern, und ihnen eine Zukunft zu geben.

Ich bin zwar sportbegeistert. Aber gewisse Prioritäten sollten doch gesetzt werden!

Freitag, 31. August 2012

Preseason 2012-13 oder Vom Schauen und Lernen



Die Preseason der Meisterschaft 2012/13 hat begonnnen. Endlich, werden einige sagen. Denn so hat die eishockeyverrückte Seele endlich wieder Halt gefunden.

Die ersten Testspiele werden mit viel Begeisterung angenommen. Auch, weil sich die Südtiroler Mannschaften attraktive Gegner aus anderen Ligen ausgesucht haben. Aus Ligen, von denen man der Meinung ist, dass sie wesentlich stärker als die heimische Serie A1 sind.

Die Kräfteverhältnisse kann man bei diesen Testspielen freilich nicht feststellen. Das ist der berühmte Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Weil beide Mannschaften voll im Training sind und die Spieler, wenn sie ihren Job und Trainer ernst nehmen, schwere Beine haben müssen. Und weil man zu diesem frühen Saisonszeitpunkt unmöglich die neuen Linienpartner schon kennen kann. Und auf keinen Fall die Laufwege. Oder das System des neuen Trainers. Das gilt für die heimischen Mannschaften. Und das gilt für die Gegner aus der Bundesliga und der EBEL.

Trotzdem sind diese Freundschaftsspiele ein Quantensprung zu dem, was noch vor wenigen Jahren geboten worden ist. Man erinnert sich an die Testspiele gegen unterklassige italienische Mannschaften oder Gegner aus der eigenen Liga. Gegner also, die man bis zum Ende der Saison mindestens sechs Mal wird spielen sehen. Diese Testspiele waren alles andere als Werbung für den Sport: Weil wirklich nur getestet worden ist und weil man gegen die Ligakonkurrenten nicht alle Karten aufdecken wollte.

Bei den Internationalen Testspielen ist das ein klein wenig anders: Da können beide Mannschaften frei aufspielen. Die körperliche Komponente wird zwar nicht ausgespielt, weil man sich ja nicht selbst schon in der Preseason schwächen will, und auch die Passstaffetten laufen noch nicht so, wie sich das so manchen Verantwortlicher Übungsleiter wünschen würde. Das Niveau der Spiele ist objektiv gesehen nicht viel höher, als wenn ein Serie A1 Club gegen einen A2 Club antreten würde. Trotzdem sind die internationalen Tests ein großer Fortschritt: weil neue Namen auf den einheimischen Eisflächen auftreten und weil einmal Mannschaften hier antreten, die man aus Jahrbüchern oder Internetforen kennt. Und das erweitert den Horizont der Eishockeyfans. Bringt den Sport definitiv weiter. Und beweist, dass auch im Ausland nur mit Wasser gekocht wird.

Dienstag, 21. August 2012

Drei Mannschaften - drei Wege - ein Ziel.


Die Vorbereitung auf die Eishockeymeisterschaft 2012/13 ist so interessant wie schon lange nicht mehr. Auf der einen Seite wird von Wirtschaftskrise gesprochen und von Problemen, wie die finanziellen Herausforderungen gemeistert werden können, auf der anderen Seite geht es um Sport, wo nur die Erfolge zählen, wo das Mittelmaß schon lange nicht mehr genug ist. Die drei Südtiroler Teilnehmer an der Meisterschaft haben drei total unterschiedliche Herangehensweisen an das Problem, und alle drei Wege sind interessant - und erfolgsversprechend.


HC Pustertal
Die Vereinsführung im östlichsten Verein des Landes hatte im Vorfeld angekündigt, ein Sparjahr einlegen zu müssen. Trotzdem: nach zwei Vizemeistertiteln in Folge ist die Erwartungshaltung groß und die Fans möchten die Wölfe endlich im Eishockeyolymp sehen. Ein Drahtseilakt war gefordert: Weil man auch weiterhin ein volles Stadion haben möchte (Pustertal ist Italienmeister zumindest was die Stimmung im Rienzpalast angeht) und weil das langfristig nur möglich ist, wenn man eine schlagkräftige Truppe aufstellt.
Bei der Einkaufstour ist man dieses Jahr ein relativ hohes Risiko eingegangen und hat ehemalige große Namen verpflichtet von denen man der Meinung ist, dass sie in der Serie A1 für Furore sorgen können. Aubin ist zweifellos ein bekannter Namen im Eishockeygeschäft. Doch die letzte Saison in der DEL war alles andere als berauschend. Die Verpflichtung ist insofern ein Risiko, als dass der Tormann keine großen Karriereziele mehr vor sich hat, weil er im Prinzip schon alles erreicht hat, was für einen Eishockeytorhüter in seinem Lebenslauf zählt.
Pat Kavanagh ist ein Spieler, der vom Curriculum von jedem italienischen Verein umgarnt werden würde. Wäre da nicht der Umstand, dass er charakterlich nicht ganz einfach sein soll. Letztes Jahr in Wien war er lange Zeit suspendiert. Weil der Spieler anscheinend ein Problem hat, sich unterzuordnen. Aber: Er könnte ein Leitwolf sein und sich zu einem absoluten Führungsspieler entwickeln.
Dann hat man sich in Bruneck entschieden, Pat Iannone wieder zurück zu holen. Ein etablierter Italo - ohne Zweifel - der als Torschütze bekannt ist. Mit seinen 30 Jahren ist er im besten Eishockeyalter. Er ist eine Verpflichtung, die, zumindest auf dem Papier, kein Fehler sein wird.
Man hat sich im Pustertal in diesem Jahr entschieden, auf bekannte und große Namen zu setzen. Ob das Kollektiv allerdings weiterhin so harmonieren wird wie in der Vergangenheit, das bleibt abzuwarten, vor allem, weil man mit Jensen und Cullen zwei Spieler behalten hat, die in die dritte Saison beim HCP gehen und damit die Platzhirsche im Team sind. Einen Status, den sie nicht so schnell verlieren werden wollen.
Ein Fragezeichen steht noch hinter dem ausländischen Verteidiger. Da will sich der HCP noch ein bisschen Zeit lassen. Wahrscheinlich wohl auch, um zu sehen, ob in der NHL gespielt wird oder nicht.
Auch wenn das von offizieller Seite dementiert werden wird: Das Ziel mit diesem Kader kann eigentlich nur der Finaleinzug sein. Für jedes andere Ziel wäre der Kader überproportioniert. Und das Geld falsch investiert: Denn um ins Halbfinale zu gelangen kann auch das Risiko eingegangen werden, unbekannte Spieler aus Übersee zu verpflichten, zumal man mit Paul Adey einen Trainer verpflichtet hat, der schon öfters bewiesen hat, dass er sehr gute Imports holen kann.

HC Bozen
Der Italienmeister hat in diesem Jahr einen neuen Weg eingeschlagen: man hat verkündet, dass man mit nur vier Ausländern die Meisterschaft bestreiten wird. Dafür kann man sich erwarten, dass die Verstärkungen Bombenspieler sein werden. Von den italienischen Spielern her ist der HCB sowieso Top, erfahrene und trotzdem noch relativ junge Spieler stehen der Landeshauptstadt zur Verfügung.
Interessant in diesem Jahr ist, dass sich der HC Bozen so volksnah wie noch nie präsentieren will: die Abo Politik ist vorbildlich und für kleines Geld wird viel Eishockey geboten.
Was die Ausländer betrifft ist noch kein Vollzug gemeldet. Kann sein, dass der HC Bozen auf den NHL Lockout spekuliert, um dann richtig zuzuschlagen und mit First Class Spieler zu überraschen.
Ziel des Titelverteidigers kann nur der Finaleinzug sein: Denn ähnlich wie beim FC Bayern München zählen beim Rekordmeister nur Titel. Auch, wenn man das von offizieller Seite (vorerst) bestreiten wird.

Ritten Sport
Nach zwei Saisonen, die zum Vergessen waren, will es Ritten Sport in dieser Saison richtig wissen. Bei ihrer Einkaufstour haben Thomas Rottensteiner und Co. richtig zugeschlagen und interessante und sehr gute Fische an Land gezogen.
Justin Pogge kann der Torhüter des Jahres in der Serie A1 werden. In der Verteidigung wurden mit  Kevin Mitchell und T.J. Kemp gleich zwei Verteidiger geholt, die sowohl offensiv als auch defensiv stark sind.
Im Sturm ist Ryan Ramsay der Überraschungscoup und der Center, der die vergangenen Jahre bei Ritten Sport gefehlt hat. Greg Jacina wurde zurück geholt, über die Qualität von Dan Tudin, wenn er sich wohlfühlt, braucht nicht diskutiert zu werden.
Rence Coassin und Dominic Perna sind zwei Ergänzungsspieler, die für Überraschungen sorgen können, die einheimischen Cracks sind großteils bestätigt worden und werden (hoffentlich) im Sommer nichts von Kampfkraft verloren haben.
Die Marschroute am Ritten ist klar: am Hochplateau soll wieder hochklassiges Eishockey geboten werden und damit die Fans ins Stadion gelockt werden. Das sollte gelingen. Und angesichts der hochkarätigen Verpflichtungen ist auch der stolze Abopreis von 250.- Euro nicht übertrieben.
Einziger Wehmutstropfen ist der Aderlass bei den einheimischen Spielern, vor allem in der Verteidigung.
Auf dem Papier ist Ritten so stark wie schon lange nicht mehr. Ziel dieser Investitionen kann nur der Finaleinzug sein, auch wenn das von offizieller Seite niemand zugeben wird.


Die Messer sind gewetzt und man kann auf eine spannende Saison hoffen, bei der alle drei Südtiroler Mannschaften sehr stark eingeschätzt werden können, und das, mit drei unterschiedlichen Ansätzen:
einmal Mischung aus vergangenen Erfolgsjahren mit neuen, großen, aber riskanten Komponenten,
einmal das Setzen auf Volksnähe und einheimische Facharbeiter,
und einmal das Setzen auf richtig große (und wohl auch teure) Spieler, die absolut den Unterschied in der Liga machen können.
Bleibt abzuwarten, was die Konkurrenz aus dem Süden macht. Und welchen Strich ein eventueller NHL Lockout durch Kaderplanungen der Südtiroler machen könnte.

Freitag, 17. August 2012

Südtiroler Hoffnung in DEL

Die Eishockeysaison 2012/13 beginnt mit den ersten Vorbereitungsspielen. In der Deutschen Eishockey Liga stehen die ersten Testspiele an, Testspiele für Mannschaften und Spielleiter. Die Chancen, dass ein Südtiroler in der kommenden Saison in der deutschen Profiliga mitmischt stehen gut. Mit David Tschirner wagt ein Südtiroler Schiedsrichter den Sprung in den Norden.
Ich habe mich mit David getroffen um mit ihm über diese Chance zu sprechen.


Steckbrief:
Name: David Tschirner
Alter: 29
Beruf: Tennislehrer - Eishockeyschiedsrichter
Herkunft: Leifers

Traube: Wie kommt man als junger Mensch zu der Entscheidung, Eishockeyschiedsrichter werden zu wollen?
David Tschirner: In meiner Jugend habe ich Eishockey gespielt. Und neben Eishockey auch andere Sportarten aktiv ausgeübt: Tennis und Fußball. Ich war praktisch jeden Nachmittag auf den Sportplätzen und beim Training. Mit 19 hatte der HC Leifers dann keine Mannschaft mehr und ich hätte nach Auer ausweichen müssen, um weiter zu spielen. Ein großer Aufwand, vor allem für meine Eltern, die mich herumkutschieden mussten. Ein Freund von mir hatte zu dieser Zeit den Schiedsrichterlehrgang schon gemacht. Über ihn bin ich auf die Idee gekommen.
(lacht) Im nachhinein betrachtet: Ich hatte mir oft gewünscht, ich wäre Spieler geblieben!

Traube: Wie läuft eine Schiedsrichterkarriere ab?

David Tschirner: Nach dem Lehrgang, der drei Tage dauert, wirst du praktisch ins kalte Wasser geworfen: Man beginnt mit Jugendspielen, meist an der Seite von erfahrenen Schiedsrichtern. 2003 habe ich schon die ersten Spiele in der A2 gemacht, seit 2006 bin ich in der Serie A1 als Linesman. In der U18 und U20 war ich als Hauptschiedsrichter im Einsatz. Ich pfeife aber auch International beim Continentalcup oder war auch bei der U18 WM im Einsatz.

Traube: Was ist das Schwierigste daran, Schiedsrichter zu sein?

David Tschirner: Man muss lernen, nicht mehr hinzuhören und sowohl Fans als auch Spieler und Trainer zu überhören. Gleichzeitig sollte man sich aber auch in das Spiel hineindenken können, um gewisse Situationen einordnen zu können. Da tut man sich natürlich leichter, wenn man selbst aus diesem Sport kommt.
Dann, im Spiel, ist es das Schwerste, über 60 Minuten die Konzentration hoch zu halten. Denn eine einzige Entscheidung oder Nicht Entscheidung können ein Spiel kaputt machen. Spiele, die nicht so intensiv sind oder scheinbar leichte Spiele sind sind da oft die Schwersten. Bei Entscheidungsspielen oder intensiven und knappen Kisten ist es leichter, konzentriert zu bleiben.

Traube: Was macht einen guten Schiedsrichter aus?

David Tschirner: Ein guter Schiedsrichter muss vor allem fit sein. Er muss zu jeder Zeit die bestmögliche Position auf dem Feld haben, um jede Aktion genau verfolgen zu können.
Dann muss ein Schiedsrichter ruhig bleiben können, auch wenn die Situation noch so nervös wird.Er muss eine gute Körpersprache haben und Respekt den Spielern entgegenbringen, gleichzeitig aber auch respektiert werden.

Traube: Welche Probleme hat das Schiedsrichterwesen deiner Meinung nach in Italien?

David Tschirner: Die Vereine in der Serie A1 und A2 sind professionell geführt und sie verlangen diese Professionalität auch von den Schiedsrichtern. Man darf aber nicht vergessen, dass man vom Spiele pfeifen allein hier nicht leben kann. Weshalb die Schiedsrichterkollegen auch einem regulären Job nachgehen und dementsprechend doppelt belastet sind. Klar sollen keine Fehler passieren: aber durch die Doppelbelastung können solche passieren. Das sollte man verstehen und auch respektieren.
Insgesamt gesehen sollte man aber schon einmal anerkennen, dass das Niveau der nationalen Eishockeyschiedsrichter im Internationalen Vergleich gut ist. Wir passen uns in Italien nicht nur spielerisch, sondern auch von der Spielleitung von Saison zu Saison mehr dem Internationalen Niveau an - und ich meine da die Nationen, mit denen wir uns wirklich vergleichen können - von den Topligen sind wir noch weit entfernt.
Und ein ganz großes Problem ist, dass es keinen Nachwuchs gibt: es gibt zu wenig Alternativen. Wenn jemand wirklich einen kapitalen Fehler macht dann wird er trotzdem wieder eingesetzt, weil es einfach keinen Ersatz gibt.
Man müsste sehen, wie man das Schiedsrichterwesen attraktiver macht - vor allem müsste man ehemalige Spieler dafür gewinnen, Spiele zu leiten. Die haben die notwendige Erfahrung, verstehen das Spiel, wissen, worauf sie achten müssen. Das sind Dinge, die jemand, der nicht aus diesem Sport kommt, nur sehr schwer lernen kann.

Traube: Die Chance Deutschland: Wie ist es dazu gekommen?

David Tschirner: Ich war bei der U18 WM in Sofia und habe den Obmann der Deutschen Schiedsrichter kennengelernt und bin mit ihm ins Gespräch gekommen. Über ihn habe ich die notwendigen Kontakte bekommen. Letzte Woche war ich in Deutschland auf dem Lehrgang der DEL Schiedsrichter und habe die Prüfung abgelegt und bestanden.
Ich bin eingeladen worden, das Spiel Rosenheim gegen Innsbruck zu pfeifen und dann am Sonntag das Spiel München gegen Linz. Sollte ich da eine gute Figur machen, werde ich in der DEL eingesetzt werden. Ansonsten pfeife ich in der Bundesliga.
Ich werde in Deutschland als Linesman eingesetzt - auf meinen eigenen Wunsch: ich möchte Erfahrung sammeln und ein oder zwei Jahre Assistent sein.

Traube: Welches Ziel möchtest Du als Schiedsrichter erreichen?

David Tschirner: Wie gesagt, ich möchte als Linesman in der DEL beginnen. Dann gibt es das System der Förderlizenzen, über welche junge Schiedsrichter zu Headschiedsrichtern ausgebildet werden. Es wäre eine tolle Sache, in ein solches Förderprogramm hineinzukommen.

Traube: Sind die Schiedsrichter in Deutschland Profis?

David Tschirner: Teilweise. Es gibt drei Vertragsschiedsrichter in der DEL.

Traube: Kennst Du die Deutschen Ligen schon?

David Tschirner: Ich keine einige Mannschaften, die ich bei Freundschaftsspielen und beim Dolomitencup gepfiffen habe. Was ich noch nicht kenne und wo ich schon gespannt bin ist die Atmosphäre in den Stadien, die mit italienischen Verhältnissen nicht zu vergleichen ist.

Traube: Angst vor den deutschen Fans?

David Tschirner: (lacht): Nein, kein bisschen. Ich bin seit zehn Jahren im Geschäft und weiß, wie man weghört.

Traube: Alles Gute für dein Abenteuer...

Traubes Hockeyblog bleibt natürlich dran und wird David Tschirner bei seiner Deutschland Karriere weiter verfolgen.
Und wir hoffen, dass wir nicht zu viel von David Tschirner hören: Denn ein Schiedsrichter ist dann wirklich gut, wenn er nicht auffällt und nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Ein Schiedsrichter ist dann gut, wenn man nicht über ihn zu diskutieren beginnt.