Der Anspruch eines jeden Vereines ist es, das Beste aus
dem theoretisch möglichen heraus zu holen. Wobei es gar nicht so leicht ist,
das theoretisch mögliche zu bewerten. Im Eishockey geschieht das anhand von
Statistiken. Und Erwartungen, die man in diese Statistiken hinein
interpretiert.
Doch wie kann praktisch das Beste heraus geholt werden?
Wie wird Leistung gemessen? Reicht es wirklich aus, ein Tor mehr zu schießen,
als zu kassieren? Oder geht die Erwartungshaltung weiter – und fordert das
Umfeld mehr, als nur drei Punkte aus jedem Spiel?
Fakt ist, dass wenn am Ende einer Saison der Titel – oder
zumindest die Finalteilnahme – steht, alles richtig gelaufen ist. Dann ist es
unwichtig, was unter der Saison geboten worden ist. Theoretisch zumindest.
Freilich: Wenn man mit den Kassieren der einzelnen Vereine spricht, dann wäre
es schon wünschenswert, dass eine überzeugende Show geboten wird – wenn möglich
bei jedem Heimauftritt. Denn nur diese Show lässt die Zuschauer kommen.
Zweifellos ist das Spielsystem für die Show
mitverantwortlich. Und Mechanismen, die funktionieren. Denn ein gutes
Spielsystem bedeutet, überraschende Spielmanöver, und begeisternde Szenen. Auch
ein ausgesprochen defensives Grundkonzept kann attraktiv sein – wenn die sich
bietenden Chancen ausgenützt werden. Damit diese erfolgreich sein können,
müssen die überraschend, schnell, unberechenbar sein. Das ist der Schlüssel zum
Erfolg. Übrigens nicht nur im Eishockey.
Beim HC Pustertal funktioniert der Überraschungseffekt:
Zumindest meistens. Die Mannschaft kann sowohl kompakt verteidigen, als dann
auch wie aus dem Nicht zuschlagen. Es ist eine Panzertruppe, die mit viel
Wasserverdrängung nach vorne stürmt, und die gegnerische Defensive überläuft.
Und die Mannschaft ist reif genug, nicht den Kopf zu verlieren, sondern auf den
richtigen Moment zu warten. Um dann zuzuschlagen.
Bei Sterzing funktioniert es teilweise:
Weil die
Mannschaft kompakt ist und die spielerischen Defizite über Kampfgeist
ausgleicht. Keine Scheibe wird verloren gegeben. Und dann kommen Konter – wie aus
dem Nichts. Zwar sind die nicht immer erfolgreich – und vor allem an der
Chancenauswertung muss man im Wipptal noch arbeiten – aber es ist doch ein
ausgesprochen interessanter Ansatz zu erkennen.
Bei Ritten funktioniert er kaum:
Die Mannschaft ist talentiert,
und das weiß sie. Doch sie ist zu verspielt und aus diesem Grund zu
berechenbar. Sie erarbeitet sich in den meisten Spielen einen Vorteil in der
Offensivzone – allein die Abschlussversuche sind ausrechenbar. Die
Abschlussversuche passieren meist über Weitschüsse, die noch nicht einmal von
einem gut platzierten Stürmer verdeckt werden. Aus diesem Grund machen die
meisten Torhüter, die gegen Ritten spielen müssen, eine gute Figur. Es fehlt
kein Sniper – es fehlt die Kreativität – nicht der Spieler, sondern des
Systems.
Es ist erst eine Runde in der ersten italienischen Liga
gespielt. Und alle Mannschaften haben noch Luft nach oben. Was durchaus legitim
und nachvollziehbar ist. Ich bin überzeugt, dass die System Macher das
Potential erkannt haben. Ob sie es auch bis in die letzte Konsequenz ausreizen
können, das wird entscheidend sein bei der Frage, ob das Saisonziel erreicht
werden kann.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen