Freitag, 8. März 2013

Halbfinale Fiat Professional Wölfe vs. Asiago

Während sich die Fans nach dem Spiel weitestgehend zufrieden und überraschend positiv eingestellt präsentierten, so als handle es sich bei dieser Niederlage nur um einen Ausrutscher, kommen in den Fachkommentaren von Kurt Platter und Thomas Laconi (Uncut Interviews) durchaus auch kritisch hinterfragende Töne zum Tragen.

Radiobericht:
Rai Sender Bozen, Mittagsmagazin vom 08.03.2013
O.T.: Armin Helfer, Kurt Platter



Uncut Interviews:
Thomas Laconi, Armin Helfer, Roman Erlacher, Kurt Platter


Donnerstag, 7. März 2013

Vier Mannschaften – Ein Ziel



Über dem enttäuschenden Ausscheiden von Ritten und Bozen, derzeit in aller Munde, käme man fast in Versuchung zu vergessen, dass die Eishockeymeisterschaft der Serie A1 noch im Laufen ist. Und wie! Die Halbfinalserien stehen an. Und alle Südtiroler Augen sind auf ein Duell gerichtet: Fiat Professional Wölfe gegen Asiago. Weil Pustertal die letzte Südtiroler Hoffnung ist. Der einzige Grund, wieso es sich noch lohnt, diese Meisterschaft weiter zu verfolgen.
Freilich, ob die Motivation der Rittner und Bozner, die dahintersteht wirklich das Daumendrücken ist, das kann bezweifelt werden.


Ausweichmanöver: Favoritenrolle an Asiago

Im Interview mit Sportnews versucht Roman Erlacher geschickt, die Favoritenrolle an die Mannschaft der sieben Gemeinden weiterzuschieben. Wieso so bescheiden? Mit Bescheidenheit hat man noch nie einen Titel gewonnen!
Freilich: Damit versucht der sportliche Leiter Druck von seiner Mannschaft zu nehmen. Was meiner Ansicht nach wenig zielführend ist: Der HCP steht die ganze Saison schon unter Druck. Und hat diesem, im großen und ganzen, auch stand gehalten. Auch wenn nicht alles wirklich perfekt war. Zumindest haben die Ergebnisse ausgereicht, um noch um die Entscheidung mitspielen zu können.

Ob Asiago wirklich zu favorisieren ist, kann getrost bezweifelt werden. Zwar hat die Mannschaft Bozen aus dem Bewerb geschossen. Aber: Bozen war in dieser Phase nicht das Maß aller Dinge. Kein wirklicher Gradmesser. Auch wenn man von Bozen sagt, man sei jederzeit in entscheidenden Spielen in der Lage, noch einen Gang höher zu schalten. Heuer war dem definitiv nicht so.
Asiago hat zweifellos eine ausgeglichene und gefährliche Mannschaft. Durchaus zu vergleichen mit den Wölfen, im Sturm vielleicht sogar noch ein klein wenig stärker. Aber vor allem auf der Torhüterposition gibt es ein Fragezeichen, das noch aufgelöst werden muss. Und in der Vorschlussrunde übernimmt der Torhüter eine noch wichtigere Rolle, als er sie das ganze Jahr über zu übernehmen hat.

Fakten vor der Serie sprechen für Pustertal

Für die Wölfe spricht die Heimkulisse, die wie in keinem anderen Stadion der Liga hinter der Mannschaft steht. Zudem drei ausgeglichene Angriffsformationen, wo kein Star heraus sticht, aber jede Linie für Tore gut ist. Ein bisschen wackliger ist da schon die Defensive einzuschätzen und mehr als bei anderen Mannschaften ist ein aggressives Forechecking notwendig, um die Gegner gar nicht erst ins Spiel kommen zu lassen. Denn die Pusterer Defensivabteilung hat ihre Stärken eindeutig im Spiel nach vorne und weniger im konstruktiven Zerstören und Betonmischen.
Ein klarer Vorteil vor allem auf der Einser-Position, wo J.S. Aubin eine Bank ist, die schon das ganze Jahr über mehr als nur überzeugt hat.
Wenn es gelingt, die gegnerische Offensive so in Griff zu bekommen, dass diese nur zu Abschlussversuchen aus der Distanz kommt, dann sollte die Mission Finale machbar sein. Weil Distanzschüsse kein Mittel sind, Aubin zu überwinden.

Überraschungshalbfinale: Valpellice gegen Cortina

Schwieriger ist die Prognose für die zweite Halbfinalpaarung. Mit Valpellice und Cortina treffen zwei unterschiedliche Spielauffassungen aufeinander. Cortina hat vor allem gegen Ritten gezeigt, dass taktische Disziplin konsequent eingehalten werden kann – Valpellice spielt nach wie vor aus dem Bauch heraus und ist damit ausgesprochen erfolgreich.
Einen leichten Vorteil sehe ich bei Cortina – weil vor allem nach der Rückkehr von Ryan Dingle neue Kreativität in die zweite Reihe zurückgekehrt ist. Und weil die Mannschaft Selbstvertrauen getankt hat – in allen Mannschaftsteilen, ausgehend von J.P. Levasseur.

Traube's Finaltipps:

Der Tipp fürs Finale: Pustertal gegen Cortina.
Auch wenn dieser noch nicht in Stein gemeisselt ist.
Und der Faktor erste Partie schon einiges daran ändern könnte…


Mittwoch, 6. März 2013

Radiobericht vom Ausscheiden von Ritten Sport & Uncut Interviews inkl. Bonus Track

Rai Sender Bozen, Mittagsmagazin vom 6.3.2013


Uncut Interviews: Clayton Beddoes, Lorenz Daccordo.
Inklusive Bonus Track: Sir Henry


Ritten Out: Außer Spesen, nix gewesen?



Und so ist es gekommen, wie es sich keiner wünschte, dass es kommen würde. Ein bisschen habe ich mir schon überlegt, ob ich diesen Artikel überhaupt schreiben soll: Denn immerhin wird mir unterstellt, ich hätte noch eine Rechnung offen mit Ritten. Aber dem ist nicht so: Ich selbst hätte mir nichts mehr gewünscht, als dass Ritten in die Vorschlussrunde einzieht. Und, wieso nicht, endlich einmal Meister wird. Denn eine schlagfertige Truppe hat man heuer tatsächlich zusammen gestellt.



Die Auswahl der Spieler: Allererste Sahne. 

Da wurde nicht gekleckert. Da wurde richtig geklotzt. Es war ganz sicher eine der teuersten Mannschaften, die Ritten je ins Rennen geschickt hat. Und dementsprechend hoch waren die Erwartungen, die in die Truppe gesteckt wurden. Sowohl vom Vorstand, als auch von den Fans.
Und nun, da das Aus gekommen ist, muss eine Analyse gemacht werden. Weshalb es nicht gereicht hat. Weshalb die Enttäuschung das einzige Ergebnis der Saison ist. Wieso kein Ziel erreicht worden ist, das man sich gesteckt hat.

Es wäre zu einfach, einen einzigen Namen zu nennen, weshalb es nicht gereicht hat. 



Eishockey ist ein Mannschaftssport. Und da gewinnt das gesamte Team. Und da verliert das gesamte Team. Jeder einzelne hat seinen Beitrag geleistet, dass es letzten Endes nicht gereicht hat.
Nur eine einzige Ausrede lasse ich nicht gelten: Die Ausrede vom Pech.

Ryan Ramsay war mit großen Vorschusslorbeeren auf den Ritten gekommen. Und die ersten Meisterschaftsspiele hat er die Erwartungen auch voll erfüllt. Doch dann spielte er nicht mehr. Weil er verletzt war. Als er zurück gekommen ist war er meilenweit von seiner Form entfernt. Und er konnte seiner Mannschaft nicht weiter helfen.
Im Nachhinein zu sagen, es wäre besser gewesen, sich nach Bekanntwerden seiner Verletzung von ihm zu trennen, ist altklug. Fakt ist: Jeder Trainer hätte Ramsay im Playoff eingesetzt. Auch wenn schon nach dem zweiten Spiel klar war, dass er keine entscheidenden Akzente mehr setzen kann.
  

Fehler 1: Mannschaftszusammenstellung

Irgendwie ist die Zusammenstellung der Mannschaft falsch gelaufen. Es wurden zwar prominente Namen gekauft. Auf die einzelnen Mannschaftsteile hat man aber kein Augenmerk gelegt. Einen einzigen Center hat man geholt, obwohl man bereits aus den vergangenen Saisonen hätte lernen müssen, dass ein guter Center allein zu wenig ist. Vielleicht wiederhole ich mich: Aber Tudin ist kein Center. Auch wenn er gerne einer sein möchte.
Und als dann Ramsay verletzt war, hat man sich nicht etwa entschieden, sinnvoll Ersatz für ihn zu holen: Nein, man bediente sich im Abfalleimer der EBEL und recycelte einen Spieler, der seine besten Tage schon lange hinter sich hat und der beim HCB wohl das letzte Spiel als Aktiver gemacht hat. Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendein Verein Andy Delmore als Spieler verpflichten wird.
Das Delmore Theater war aber nicht nur ein Fehleinkauf, sondern vor allem auch ein Element, wo Ritten versucht hat, sich über die Regeln hinweg zu setzen. Irgendwie wollte man Bauernschlau sein und als das nicht gelungen ist, hat man die Trumpfkarte des Beleidigtseins gezogen.
Diese personalpolitischen Entscheidungen waren, im Nachhinein, wohl mitentscheidend, dass man ausgeschieden ist. Weil man eine Position offen gelassen hat, obwohl man wusste, dass sie zentral ist.

Fehler 2: Taktische Fehleinschätzungen

Klar hat ein Trainer immer die Verantwortung zu tragen, wenn eine Mannschaft ausscheidet. Rob Wilson hat ohne Zweifel Stärken. Und diese liegen im Team Building. Allerdings hat der Coach auch eklatante Schwächen: Und die liegen im taktischen Bereich. Man hatte das vermutet, weil er bereits die letzten zwei Saison mit einer guten Mannschaft gescheitert war. Dieses Kunststück hat er auch in dieser Saison fertig gebracht: Weil er es nicht geschafft hat, Cortina zu lesen und aus dem Gelesenen zu lernen.
Andrerseits hat seine Stärke im Teambuilding dazu geführt, dass man vor Play Off Beginn die Illusion hatte, dass es etwas werden könnte, mit dem Rittner Traum: Weil da die Mannschaft gekämpft hatte und über diesen bedingungslosen Kampf Spiele für sich entschieden hat, die, der Papierform nach, nicht zu gewinnen waren.
Dem Trainer alleine die Schuld zu geben: Das wäre zu einfach.

Fehler 3: Fehlende Kommunikation?

Auch, weil er ja nicht isoliert im Raum steht, sondern ein Vorstand da ist, der den ganzen Spaß finanziert. Und wenn man der Meinung gewesen wäre, dass da was nicht passt, dann hätte man früher aktiv werden müssen. Und nicht nach dem Ausscheiden in der entscheidenden Phase.
Auch wenn ich mir für Ritten wünsche, dass man die richtigen Lehren aus dem Ausscheiden zieht: Ich hoffe, man ist vernünftig genug, um einzusehen, dass ein Trainerkumpel nicht ausreicht, um erfolgreich eine Saison zu gewinnen. Denn irgendwie steht das im Mittelpunkt: Weil die getätigten Investitionen nur den Schluss zulassen, dass am Ende der Titel hätte stehen müssen.
Schade um das ganze schöne Geld.
Und: Bozen hat in dieser Saison ein Sparjahr eingelegt, und ist in der Meisterschaft weiter gekommen.



Die positiven Erinnerungen, die an diese Saison bleiben werden? 

Ganz sicher die Entwicklung einiger einheimischer Spieler. Ganz sicher die Leistung, die Ingemar Gruber gezeigt hat. Ganz sicher Justin Pogge, der auf ganzer Linie überzeugt hat.
Die Überraschung der Saison war Domenico Perna, der sich der Liga angepasst hat, auch wenn man fairerweise zugeben muss, dass er von seinem Trainer gedeckt wurde. Und Mitchell, Kemp und Durno? Von Spielern in dieser Preisklasse muss man erwarten können, dass sie überzeugen und auf dem Eis hervorstechen. Alles andere wäre eine Überraschung gewesen.

Weshalb es nicht zum Titel gereicht hat?

Weil kein stimmiges Gesamtkonzept hinter der teuren Mannschaft gesteckt hat.
Weil mit Rob Wilson ein Trainer engagiert worden ist, der seine Schwächen nicht über seine Stärken ausgleichen konnte.
Und weil man auf Umstände, die sich aufgrund von Verletzungen ergeben haben nicht angemessen reagiert hat.




Montag, 4. März 2013

Nach dem Bozner Aus: Ein Fazit

Nachdem ich den HC Bozen vor der Saison so über den Klee gelobt habe, bleibt mir nix anderes übrig, als mein ganz persönliches Saisonsfazit zu ziehen, nachdem Bozen im Viertelfinale ausgeschieden ist.
Am Anfang stand die Trikotaffäre: Bereits damals hätte ich schalten müssen, dass nicht alles, was angekündigt wird, wörtlich zu nehmen ist…

Der Neue Weg – Ein Fake?

Vollmundig hatte man im Sommer im Clubhouse versprochen, einen neuen Weg einzuschlagen. Einen revolutionären Weg mit weniger Ausländern und mehr einheimischen Spielern. Man hat versprochen, eine neue Fankultur zu kultivieren. Ich war begeistert, weil ich daran geglaubt habe.
Man hat zwar mit weniger Ausländern gespielt. Doch das Ziel, um den Titel mitzuspielen ist meilenweit verfehlt worden. Weil sich herausstellte, dass der eingeschlagene Weg etwas mit Totsparen zu tun gehabt hat. Es hat sich herausgestellt, dass man die Saison tatsächlich mit fünf Verteidigern und nur einem Tormann bewältigen wollte. Ein Vorhaben, das zu keiner Zeit erfolgversprechend war. Weil: Wenn man nur einen Kilo Orangen hat, kann man daraus nicht unendlich viel frischgepressten Saft bekommen.
Dabei hatte man noch Glück gehabt, dass sich keiner der Schlüsselspieler im Laufe der Saison ernsthaft verletzt hat.

Die Illusion Niklas Hjalmarsson und der Folgefehler Delmore

Er war eine Bereicherung für die gesamte Liga. Es war schön, einen solchen Ausnahmespieler bewundern zu können. Allerdings war er eine Fata Morgana. Und sobald der NHL Riese Bozen verlassen hatte und der letzte Rest von Glanz gegangen war, schlug man in Bozen wieder auf dem Boden der Realität auf.
Was folgte war eine Posse: Denn man wusste, in der Verteidigung Verstärkung brauchte. Gekommen ist ein Spieler, der nicht wirklich weiterhelfen konnte, was man auch vorher schon hätte abschätzen können, weil Andy Delmore ja kein unbekannter ist und weil er ja auch einige Spiele beim Ligakonkurrenten Ritten bestritten hatte.
Delmore war nicht die Lösung der personellen Probleme. Im Gegenteil.
Was Delmore gebracht hat? Vermeidbare Konflikte und Spannungen.

Die Tormannposse

Zu Saisonsbeginn hatte es aus dem Clubhouse getönt, dass der beste Tormann der Liga kommen würde. Gekommen ist Tomas Duba für ein paar Spiele. Dann lange nix. Und dann kam ein Mr. Sexsmith, der ohne Spielpraxis und im Alleingang hätte die Rettung bringen sollen. Sparkurs? Nein, das war wohl eher eine Verzweiflungstat.
Was sich zeigte war ein fehlendes Gesamtkonzept.
Zwar hat man in Bozen den besten Trainer der Liga. Doch ohne ausreichend Personal und ohne Unterstützung kann auch der nix ausrichten. Und leider hat man es verabsäumt, Brian McCutcheon bei Personalentscheidungen einzubinden. Was keine Vermutung meinerseits, sondern leider Fakt ist.

Das Highlight: Continentalcup

Es war nicht alles schlecht, was in Bozen im Laufe der Saison passiert ist. So war der Continentalcup in Bozen ein absolutes Highlight der Saison. Ein volles Haus, gute Spiele, ein überzeugender HCB.
Ehre, wem Ehre gebührt.
Und: Hätte man nach dem internationalen Cup weitergemacht und weiter aufgebaut, Bozen wäre Meister geworden.
Ohne wenn und ohne aber.
Aber: Die Mannschaft ist in ein Loch gefallen. Und man hatte den Eindruck, sie wäre in diesem Loch alleine gelassen worden.
Ob das nur an einem Kommunikationsproblem liegt?

Die Zukunft

Was wird in Bozen kommen? Irgendwie hat man den Eindruck, der Mäzen ist müde geworden. Die Angriffe gegen Dr. Knoll sind lauter geworden. Was nicht fair ist. Weil er immerhin der ist, der in den letzten Jahren Spitzeneishockey in Bozen möglich gemacht hat. Vielleicht ist der HCB tatsächlich eine One Man Show. Was vielen nicht gefällt. Aber besser eine Einmannshow als gar keine.
Was wird kommen?
Ist es wahr, dass die Mannschaft, die so viele Titel, wie sonst niemand in Italien gewonnen hat, finanziell vor einem Scherbenhaufen steht?
Ist es wahr, dass der Traditionsclub vor dem Aus steht?

Die Enttäuschung

Ich muss zugeben, ich bin enttäuscht. Ich war naiv genug an den Neubeginn zu glauben. Ein Neubeginn, der groß angekündigt worden ist aber nur halbherzig umgesetzt wurde. Weil man die Kommunikation hinten angestellt hat und die Weichen Faktoren, die einen Verein belebt und sympathisch, hinten angestellt hat. Ich hatte ja das Glück, einige Leute aus dem Verein und seinem Umfeld kennen zu lernen. Es sind Charaktertypen, sympathisch und interessant. Aber in Bozen wird alles nur am sportlichen Erfolg gemessen. Was nicht immer fair ist. Und dadurch werden an sich gute Konzepte in der laufenden Meisterschaft über Bord geworfen. Was Glaubwürdigkeit kostet.
Ich denke, ich werde nicht mehr allzu schnell in die Falle tappen, alles zu glauben, was im Vorfeld verkündet wird. Schade eigentlich. Weil Nachhaltigkeit langfristiger ist, als irgendein gekaufter Titel.


Samstag, 2. März 2013

Traube's Philosophiestunde: Das Märchen vom Glück

Es gibt einige Märchen, die Sport betreffen. Doch, wie alle Märchen, gibt es nur wenig Wahres daran. Die Mythen das Glück betreffend, die zählen nicht. Weil sich im Grunde zeigt: Glück ist im Sport ausgeschlossen.

Puckglück, was soll das denn bitteschön sein? Wenn eine Scheibe über Umwege zu einem Auswechselspieler kommt, dieser allein aufs Tor stürmt und zwei Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit das Meisterschaftsentscheidende Tor schießt, obwohl die andere Mannschaft die restliche Spielzeit haushoch überlegen gewesen ist. Es gibt einige, die daraus Glück ableiten würden. Auch, weil die Überlegene Mannschaft dreimal Alluminium getroffen hat, zweimal aus einem diskussionswürdigen Abseits zurückgepfiffen wurde und ein Wechselfehler nicht geahndet worden ist.

Fanbrille ab - Analysemodus an.

Das hat nix mit Glück zu tun. Sondern wahrscheinlich mit einer Einstellungssache. Und mit Nervenstärke. Und: Mit Unvermögen. 
Wer trotz optischer Feldüberlegenheit nix daraus machen kann, der hat nicht Pech gehabt, sondern der hat einfach nur selbst versagt. Pfostenknaller sind zwar spektakulär und erzeugen eine Illusion von einem knappen Fehlschuss. Doch Lattenknaller sind genauso vergebene Chancen wie Schüsse, die fünf Meter neben dem Tor in der Bande einschlagen. 

Wenn Tyler Plante sich die Scheibe selbst ins Tor legt, dann hat das nix mit Glück zu tun. Sondern mit Unvermögen. Und mit fehlender Konzentration. Das hat nix mit Glück für Bozen oder Pech für Asiago zu tun. Sondern einfach nur mit vermeidbaren Fehlern. Nur weil es nicht eine alltägliche Situation ist und nur, weil es sich um ein Playoffspiel gehandelt hat, war ganz sicher nicht Fortuna in der Eiswelle anwesend.

Ist schon einmal aufgefallen, dass immer dieselben Mannschaften das sogenannte Puckglück haben? Die Bezeichnung Glück im herkömmlichen Sinn hat etwas mit Zufall zu tun. Statistisch gesehen trifft der Zufall jeden Beteiligten gleich oft. 
Da trifft es schon eher das Sprichwort: "Jeder ist seines Glückes Schmied." Nicht nur in der Lebensplanung. Sondern, beim Sport, bei jedem einzelnen Spielzug: Wer mit ausreichend Selbstvertrauen in den Zweikampf geht, der wird ihn gewinnen. Auch wenn es manchmal nach einem glücklich gewonnenen Zweikampf aussieht. Puckglück hat vor allem mit dem Vertrauen in den eigenen Erfolg zu tun.

Nein, ich bin kein Anhänger der Scientology-Theorie. Oder wie diese Selbstfindungskasperln sich auch immer bezeichnen mögen. Ich bin ein Beobachter. Und diese Beobachtungen kann jeder für sich selbst machen - vorausgesetzt die Fanbrille bleibt im Schrank.

Es gibt kein Abschlussglück oder -Pech. Was es gibt ist Unvermögen, fehlende Kaltschnäuzigkeit, fehlender Glaube daran, dass der Puck einschlägt. Und es gibt ausgezeichnete Defensivarbeit, die nur Slots zulässt, die keinen Erfolg versprechen. Wenn also Mailand gegen Pustertal gewinnt, dann liegt das nicht daran, dass Mailand "Glück" hat, sondern daran, dass die Wölfe die sich ergebenden Chancen nicht nützen.

Laufbereitschaft und Kampfwillen sind ein gutes Mittel, das "Glück" auf die eigene Seite ziehen zu wollen. Denn wer in einer Mannschaft kämpft, der stellt sein eigenes Ego zum Nutzen der Mannschaft hinten an. Wodurch mehr Instinkt als Kalkül entstehen kann. Und: Dadurch ein intuitiver Spielfluss entstehen kann. Und der wiederum schaut danach aus, als hätte Fortuna zugeschlagen. 

Aber: Nun wissen wir, dass Fortuna besseres zu tun hat, als Eishockey, Fußball oder Eisstockschießen zu schauen...  


Freitag, 1. März 2013

Viertelfinale 2012/13 - Spieltag 5

Rai Sender Bozen,
Mittagsmagazin vom 01.03.2013
Interviewpartner: Anton Höller und Kurt Platter (Tageszeitung Dolomiten), Ruben Rampazzo (Ritten Sport)


The Uncut Interviews mit Anton Höller und Ruben Rampazzo: