Quelle:
Rai Sender Bozen, Mittagsmagazin vom 15. Februar 2013
O-Töne: Christian Mair, Herbert Frisch, Anton Bernard, Stefan Zisser
Bericht: Peter Treibenreif
Es dürfte in der Zwischenzeit bekannt sein, dass ich kein Freund von aufgeblähten Spielmodi und mit Gewalt herbeigeredeten Höhepunkten bin. Es dürfte bekannt sein, dass ich kein Freund von herbeigeschriebenen Emotionen bin. Aber es dürfte definitiv bekannt sein, dass ich ein Freund von geilen Eishockeyspielen bin. Das Spiel Pustertal gegen Bozen dürfte so eines sein. Definitiv!
Die Ausgangslage ist klar: Der HCB muss endlich wieder einmal gewinnen, um Selbstvertrauen für die kommende Woche beginnenden Playoffs zu sammeln. Und der HCP muss gewinnen, um zu bestätigen, dass das Spiel gegen Valpellice keine Eintagsfliege war. Wenn man so will: Das Duell zwischen den Wölfen und den Füchsen ist ein Spiel, das zukunftsweisend sein wird. Oder bei dem Ritten der Gewinner sein kann, obwohl die Mannschaft vom Hochplateau spielfrei ist.
Die Akte Delmore wartet auf einen Dreier
Über den Wechsel von Andy Delmore nach Bozen ist viel geschrieben und noch mehr diskutiert worden. Fakt ist: Seit der ehemalige Superstar in Bozen ist, warten die Weiß-Roten auf einen Sieg. Einige sprechen schon von einer Krise zur falschen Zeit. Soweit würde ich nicht gehen: Denn Bozen hat nicht gegen Anfänger verloren. Sondern gegen Mannschaften, die zurecht in der Masterround spielen. Und Bozen zollt immer noch dem Kräfteraubenden Konzept Tribut, für das sich die Vereinsleitung entschieden hat. Irgendwie ist es fast ein Wunder, dass Bozen zu diesem Zeitpunkt noch um Platz eins kämpft: Mit einer so kurzen Spielerdecke wäre jede andere Mannschaft bereits seit Weihnachten k.o. gegangen.
Freilich hat Bozen auch Glück gehabt: Nämlich weil die Key Player verletzungsfrei geblieben sind und immer einsatzbereit waren. Das beweist, dass die Mannschaft clever genug ist, Materialschonend zu spielen.
Die Akte Kavanagh unter Zugzwang
Pustertal hat die erste Phase der Meisterschaft dominiert und hat sich praktisch ohne Gegner durch die Spielzeit gepflügt. Dann kamen die Verletzungen und mit ihnen der Krampf. Nun endlich scheinen sich die Wölfe gefangen zu haben. Es war eine starke mannschaftliche Leistung, wie das Team gegen Valpellice nach dem ersten Drittel aus der Kabine gekommen ist. Während die Pusterer die ersten zwanzig Minuten über das Eis stolperten und teilweise nicht wussten, wie sie sich wehren sollten, hat man den Rest der Partie souverän in die Hand genommen. Hat sich nicht entmutigen lassen sondern hat die richtige Antwort gefunden. Wobei Pat Kavanagh einen guten Eindruck hinterlassen hat.
Sicher: Auf Druck antwortet man am besten mit Gegendruck. Valpellice ist gewiss keine schlechte Mannschaft. Aber Valpellice ist eine Mannschaft, die ohne Defensive agiert. Gewisse Spieler warten einfach an der roten Linie auf eine Konterchance. Eine riskante Taktik, vor allem, denn sich der Gegner taktisch darauf einstellt.
Der Schachzug, Rok Paijc zu verpflichten war von der Vereinsleistung ein kluger Schachzug. Nicht, weil der Slowene ein überragender Eishockeyspieler wäre. Aber, weil man nun das restliche Personal unter einen gewissen Druck und gegebenenfalls auf die Tribüne setzen kann. Das kann Wunder wirken. Nicht nur, was die Leistung einzelner, sondern vor allem, was den Mannschaftsgeist betrifft.
Divas überleben in Mannschaften nicht lange. Vor allem dann nicht, wenn Ersatz im Nacken sitzt.
Mission Punktegewinn
Die Rechnung ist schnell gemacht: Will Pustertal Gruppenerster werden, so muss gegen Bozen ein Sieg her. Denn nur so kann Ritten überholt werden. Und nur dann hat man es im letzten Spiel gegen Alleghe selbst in der Hand.
Für Bozen ist es das letzte Vorrundenspiel und daher gilt: alles andere als ein Sieg verdonnert zum Zusehen am letzten Spieltag. Mit einem Dreier setzt man Ritten unter Zugzwang, die Erzrivalen vom Hochplateau, denen man die oben angesprochene Akte zu verdanken hat, sollen sich schon anstrengen müssen, um ganz oben zu bleiben und das vermeintlich leichteste Los in den Viertelfinals zu ziehen.
Auch wenn ich kein Freund der Zwischenrunde bin, in der man im Grund um die goldene Ananas spielt: Die Dramaturgie vor dem Spiel morgen stimmt zumindest schon mal. Weil für Spannung gesorgt ist. Und für die notwendige Rivalität sowieso. Denn auch wenn es das X-Te Derby der Saison ist: Keines stand bisher unter so Spannungsgeladenen Vorzeichen.
Ritten gewinnt Derby gegen HC Bozen mit 3:0 und übernimmt Tabellenführung.
Valpellice verliert 10. Auswärtsspiel in Folge und ist seit 24. November 2012 auswärts sieglos.
HC Pustertal bewahrt sich mit Sieg gegen Valpellice Chance auf Sieg der Masterround.
Nächste Gegner der Südtiroler Mannschaften:
Bozen schließt sein Zwischenrundenprogramm gegen den HC Pustertal ab.
Ritten ist spielfrei uns trifft am Samstag auf Valpellice.
Pustertal muss nach dem Derby noch in Alleghe antreten.
Quelle: Rai Sender Bozen Mittagsmagazin.
Interviewpartner: Armin Helfer, Ingemar Gruber, Alexander Egger
Bericht: Peter Treibenreif
Uncut Interviews aus Bruneck:
Interviewpartner: Armin Helfer, Paul Adey
Interviewer: Traube
Derbys sind
Highlights. In jedem Sport. Die Frage ist nur, wie viel Höhepunkte ein Markt
verkraften kann. Die fast schon philosophische Frage stellt sich, ob Highlights
nur als solche gelten, wenn ihnen eine gewisse Seltenheit zu Grund liegt.
Fasching ist ja auch nur schön, weil er nicht jede Woche stattfindet…
Am
Dienstag treffen Bozen und Ritten aufeinander. Am Donnerstag muss Bozen nach
Bruneck. Nachdem vor der Pause Ritten gegen Pustertal gespielt hat. Und im
Halbfinale treffen, wenn alles so läuft, wie es laufen sollte, wieder zwei
Südtiroler Mannschaften aufeinander. Das ist der Fluch des diesjährigen
Spielplans. Und der Preis, weil die Südtiroler Mannschaft ganz vorne
mitspielen.
Abgesehen vom Derbygedanken: Jeder Punkt zählt.
Das ist
auch der Grund, wieso diese Derbys trotzdem voller Brisanz sind. Oft habe ich
geschrieben, bei Derbys zählen mehr als die Punkte. Dieses Mal ist es nicht so:
Alle die noch ausstehenden Spiele in der Masterround sind für die Südtiroler
Teilnehmer von großer Wichtigkeit. Weil alle drei noch im Rennen um die beste
Ausgangslage für die Playoffs sind. Die beste Ausgangslage, das ist Rang eins.
Was logisch klingt, aber nicht immer logisch war. Der Schlimmste Rang, der auf
eine Mannschaft zukommen kann: Das ist Rang drei. Denn hier wartet mit allergrößter
Wahrscheinlichkeit Asiago als Gegner. Und der könnte der Grund sein, wieso es
in einem Halbfinale nicht zu einem Derby kommt.
Wie haben
die Mannschaften die Meisterschaftspause genutzt? Eine Frage, die rein
rhetorisch ist. Weil die Antwort auf diese Frage keine Relevanz hat. Weil es
nun definitiv zu spät ist, noch Korrekturen vorzunehmen. Die Meisterschaft geht
endlich in die entscheidende Phase. Und die ausstehenden Spiele haben fast
schon Playoff Charakter. Ich bin der festen Überzeugung, dass nach dieser Woche
definitiv schon relativ exakte Prognosen abgegeben werden können, wie denn das
Meisterschaftsfinale aussehen wird.
Bozen
gegen Ritten
Es ist
das Big Match um Platz eins. Wer diese Partie gewinnt, dem wird der Platz an
der Sonne wohl nicht mehr zu nehmen sein. Bozen geht als leichter Favorit ins
Rennen. Weil die Weiß-Roten zu Hause spielen und weil sie in taktischer
Hinsicht besser als Ritten sind. Die Frage, ob Tyler Sexsmith sein Debüt in der
Talferstadt feiern wird und in welcher Form er sich präsentiert ist nur eines
der Fragezeichen, die am Faschingsdienstag aufgelöst werden wird.
Pustertal
gegen Valpellice
Diese
Partie verspricht unterhaltsam zu werden. Weil Valpellicespiele in dieser
Saison immer unterhaltsam waren. Weil die Mannschaft aus dem Piemont taktisch
unkonventionell spielt und ihr Aktionsvektor nur auf eine Richtung zielt: Nach
vorne.
Die Wölfe
werden in diesem Spiel zeigen müssen, wie sie die Pause genützt haben und ob
sie endlich wieder zu der spielerischen Form zurückgelangen, die sie zu
Saisonsbeginn ausgezeichnet hat. Ansätze hat man schon im letzten
Meisterschaftsspiel gegen Ritten erkannt. Aber: Ansätze allein reichen nicht
aus, um im Meisterschaftsalltag bestehen und überzeugen zu können.
Ein
richtungsweisender Spieltag?
Auf alle
Fälle. Bereits am Faschingsdienstag könnte die Masterround entscheiden sein.
Wenn nämlich Bozen die Aufgabe gegen Ritten gewinnt, steht zumindest Platz eins
fest. Sollte der HC Pustertal gegen Valpellice verlieren, dann ist davon
auszugehen, dass die Wölfe Rang drei belegen werden.
Sollten
Ritten und Pustertal ihre Aufgaben erfolgreich lösen, dann ist für Spannung
gesorgt. Und dann bleibt der Ausgang der Masterround bis zum allerletzten
Spieltag spannend…
Nichts ist aus der
Sensation geworden und Italien wird nicht zu den olympischen Spielen 2014 nach
Sotschi fahren. Doch knapp ist es geworden. Es ist müßig darüber zu
diskutieren, was gewesen wäre wenn. Wenn die „neue“ Mannschaft zumindest ein
Vorbereitungsspiel hätte bestreiten können. Und nicht im ersten Spiel schon das
wichtige Match gegen Österreich hätte bestreiten müssen.
Das
erste Spiel war die einzige Niederlage im Rundspiel. Und die wäre durchaus
vermeidbar gewesen: Mit ein bisschen mehr Abschlussstärke und einem Tormann,
der ein bisschen weniger nach vorne abprallen lässt – Österreich wäre zu
knacken gewesen.
Teamgeist
Das
Turnier in Bietingheim Bissingen hat vor allem eines gezeigt: Eishockey gewinnt
man nicht nur mit den größeren Talent – sondern vor allem mit der richtigen
Einstellung. Wenn eine Mannschaft eng zusammenrückt, dann können talentiertere
Teams, die an Selbstläufer glauben, in arge Bedrängnis gebracht und geschlagen
werden. Fragen Sie einfach unsere bundesdeutschen Freunde. Die hatten sich den Freitag abend sicher entspannter vorgestellt. Und erfolgreicher.
Bei
der italienischen Nationalmannschaft hat man das Gefühl, dass da ein ganz
starker Haufen zusammenwächst. Spieler, die sich beweisen wollen. Weil da ein
neuer Trainer hinter der Bande steht, der neue Wege geht. Und der sich einen
Dreck darum schert, was vor ihm Gang und Gäbe war. Die Zeit der goldenen Kälber
scheint endgültig vorbei zu sein.
Das
gute an der Vergangenheit: Dass sie vorbei ist
Endlich
wurde dieser Weg eingeschlagen. Ein zukunftsweisender Weg.
Manchmal
braucht es ein bisschen Zeit um richtige Entscheidungen zu treffen. Ein
bisschen schade ist es um die Jahre, die man verloren hat. Die Ära Micky Goulet
und Rick Cornacchia – das war eine alles andere als glanzvolle Zeit. Vor allem
aber war es eine Zeit, in der man einen Neustart verabsäumt hat. Und eine ganze
Spielergeneration in der Nationalmannschaft verhindert hat. Und über
Vetternwirtschaft gewisse Italokanadier gezüchtet hat, die unter normalen
Umständen nie hätten auflaufen dürfen.
Die
Auswirkungen spüren auch die Clubs, die ja geradezu vom Verband in Richtung
Italos getrieben wurden. Wer erinnert sich nicht an die Nieten Ryan Watson
& Co.
Vor allem aber das Signal für die einheimische Jugend war fatal: Dass
nämlich ein unterdurchschnittlicher Doppelstaatsbürger eingeladen wurde während
talentierte Einheimische sowieso chancenlos waren.
Der
erste Schritt ist gemacht. Die Richtung: Richtig!
Egal,
diese Zeit scheint überwunden zu sein.
Es
ist schon wahr: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und eine gescheiterte
Olympiaqualifikation noch keinen Neustart. Aber: Irgendwie hat man das Gefühl,
der gemachte Neustart könnte schon recht bald Früchte tragen.
Gewiss
muss auch Mr. Pokel noch einiges lernen. Und berücksichtigen, dass italienische
Nachwuchshoffnungen auch im Ausland durchaus erfolgreich Eishockey spielen. Doch
ich bin überzeugt, Mr. Pokel wird Mittel und Wege finden, herauszufinden, ob
und wie die in sein Konzept passen.
Einen
Wunsch hätte ich allerdings: Nämlich möglichst bald den Vertrag mit Tom Pokel
zu verlängern. Denn wer weiß, wer sonst noch auf ihn aufmerksam wird. Und da
könnte April schon zu spät sein…
Mission impossible?
Viel Geld würde ich nicht auf das Blue Team und dessen Qualifikation für die
Olympischen Winterspiele 2014 wetten. Eine Kleinigkeit aber schon. Weil ich
irgendwie das Gefühl habe, dass die Nationalmannschaft im Februar 2013 um
einiges besser aufgestellt ist, als Konkurrenz und Fans selbst glauben.
Auftritt
ohne Druck
Der
Neue Coach hat eine Mission Impossible vor sich. Das nimmt Druck von ihm. Und
von seiner Mannschaft. Ohne Erwartungen erfüllen zu müssen antreten zu können:
Das ist eine gute Voraussetzung, um überraschen zu können.
Außerdem
hat Tom Pokel als Neuer einen großen Vorteil auf seinem Habenkonto zu
verbuchen: Er ist unbelastet und kann Neues probieren, ohne dafür durch den
Fleischwolf getrieben zu werden.
Einen
neuen Weg hat er schon eingeschlagen: Nämlich bei den Einberufungen. Da hat er
die Courage gehabt, goldene Kälber vom Sockel zu stoßen. Und durch neue
Gesichter zu ersetzen. Was er sich davon erhofft ist ganz klar: Nämlich, dass
es ihm die Neuen mit Leistung danken. Die Einberufung in das Nationalteam ist
kein Selbstläufer mehr. Sondern die Spieler müssen sich die Einladung mit
Leistung erarbeiten. Ein Novum für Italien. Ein Grundkonzept, das aufgehen
könnte.
Unterschätzte
italienische Liga
Für
die italienische Auswahl spricht auch der Umstand, dass die heimische Liga
maßlos unterschätzt wird. Ganz klar: Die Serie A1 macht im Ausland den
Eindruck, eine Amateurliga zu sein. Manchmal nicht nur im Ausland.
Aber:
Das Niveau darf nicht unterschätzt werden. Landshut war im November mit der
Überzeugung in Bozen angereist, dass die Gastgeber kein Gegner sein würden. Weil
die eigene Liga um Klassen besser sei. Das Ergebnis kennen wir.
Sicher:
Landshut spielt zweite Liga. Die DEL ist ein anderes Kaliber. Aber
unerreichbar, vor allem in einem einzigen Spiel ist auch diese Liga nicht.
Und
die österreichische Liga ist zwar professioneller und besser vermarktet, aber
spielerisch ganz sicher mit der Serie A1 zu vergleichen. Was ein Fakt beweist:
Die Ausländer, die von Italien nach Österreich kommen, zählen zu den besten in
der Liga. Umgekehrt ist das, was aus Österreich nach Italien kommt nur ganz
selten überirdisch gut.
Auch
wenn sich viele Experten darüber einig sind, dass sich Italien und die
Niederlande den dritten Rang beim Turnier ausspielen werden, ich bin mir nicht
so sicher, dass es nicht für Österreich oder Deutschland ein böses Erwachen
geben wird.
Die
Chance: Das Team
Es
wird nicht zuletzt darauf ankommen, wie viel Team Tom Pokel aus seiner neuen Truppe
schaffen kann. Denn eines ist sicher: Ein starkes Kollektiv kann Mannschaften,
die aus wesentlich talentierteren Einzelteilen besteht, ganz schön unter Druck
bringen.
Aus
diesem Grund lohnt es sich, gespannt nach Deutschland zu schauen und die Spiele
der italienischen Nationalmannschaft zu verfolgen. Denn Überraschungen wird es
ganz sicher geben. Ob es zum großen Wurf reichen wird, muss allerdings erst
noch bewiesen werden…
Der Spielplan der italienischen Mannschaft:
Donnertstag, 7. Februar um 16 Uhr: Österreich vs. Italien
Freitag, 8. Februar um 19,30 Uhr: Deutschland vs. Italien
Samstag, 9. Februar um 11,45 Uhr: Niederlande vs. Italien
Nein, keine Angst. Das wird keine
Liebeserklärung. Aber ein bisschen ins Schwärmen werde ich kommen. Denn was
Ritten gegen den HCP gestern gezeigt hat, das war eine eindrucksvolle Leistung.
Nicht nur wegen des Sieges. Der war das Sahnehäubchen auf eine mannschaftlich
ausgezeichnete Leistung.
Ich bin dagegen, dass man Ausfälle zum
Hauptthema der Eishockeyberichterstattung macht. Denn Ausfälle gehören, wie bei
jedem Sport, zum Tagesgeschäft. Und Ritten hat gestern bewiesen, dass Ausfälle
nur bedingt als Ausreden gelten dürfen. Voraussetzung: Das verbleibende
Personal muss umso enger zusammenrücken. Was bei Ritten gestern passiert ist.
Eindrucksvoll. Und wortwörtlich.
Ein Vorgeschmack auf Playoff Eishockey
Die Mannschaft war hervorragend taktisch
eingestellt und stand tief. Rob Wilson hatte seine Hausaufgaben gemacht und
erkannt, dass Pustertal vor allem bei schnellen Tempogegenstößen Probleme hat. Und
das hat er seine Spieler ausnützen lassen.
Einzige Schwächephase der Buam: Nach dem
Ausfall von Chris Durno im ersten Drittel wirkte die Heimmannschaft ein
bisschen verunsichert. Vielleicht aus geschockt. Weil ein weiterer wichtiger
Spieler ausgefallen ist.
Ein anderer ist in die Presche gesprungen,
einer, der so viel kritisiert worden war hat Verantwortung übernommen und das
Spiel an sich gezogen: Greg Jacina. So ein Spiel wie gestern: Bitte mehr davon!
Kontereishockey vom Feinsten, das haben die
Rittner aufs Eis gezaubert. Und die Konterspieler ausgenützt, die im Kader
stehen: Allen voran der pfeilschnelle Lollo Daccordo, der ansatzlos seine
Schnelligkeit in Torgefahr umsetzt. Der zwischenzeitliche Führungstreffer zum
3:2 durch Jacina geht zum Großteil auf ihn.
Und Matteo Rasom? Sein Laufpensum ist
unglaublich und gestern abend holte er viele Pucks – wodurch er einerseits
Konter einleitete, aber, und das ist noch viel wichtiger, die Angriffe der
„Wölfe“ unvermittelt unterbrach.
Powerplay als Schlüssel
Special Teams können eine Meisterschaft entscheiden. Ritten hat gestern abend drei von vier Toren in Überzahl gemacht, beim ersten Treffer war eine Strafzeit angezeigt. Und sie haben die Nerven nicht verloren, sondern geduldig das Spiel zu Ende gespielt.
Dass eine Mannschaft zusammensteht und sich
auch nach leichten Fehlern nicht aus der Bahn werfen lässt, bewiesen die „Buam“
nach dem unglücklichen 3:3 Ausgleich, der aus einem kapitalen Fehlpass von
Markus Hafner resultierte. Diesem Spieler merkt man am ehesten seine lange
Verletzungspause an: Er wirkt unsicher und teilweise überfordert, wird noch ein
bisschen Zeit brauchen.
Für die Wölfe war das kein Spiel, an dem sie sich aufbauen können
Die Gäste? Wenn man bedenkt, dass die
Mannschaft so gut wie komplett war, zumindest was die Transfercardspieler
betrifft, dann muss man sich schon fragen, was im Pustertal los ist. Pat
Kavanagh hat zwar stark begonnen, dann aber ebenso stark nachgelassen. Iannone
hat praktisch nicht stattgefunden, Ben Guite war ebenso unauffällig.
Was bleibt sind Joe& Joe, die immer
wieder für Druck sorgen, und ein Max Oberrauch, der immer für ein Tor gut ist.
Rok Pajic als Lösung des lauen Lüftchens im
Angriff? Wohl kaum! Pustertal muss vor allem eines: Sich der eigenen Stärken
bewusster werden. Denn eine Niederlage gegen eine stark dezimierte Truppe ist
nichts, woran man sich aufbauen kann.
Andy Delmore vergessen? Nun ja, spielerisch sicher. Mannschaftlich noch nicht ganz. Dass das Klima innerhalb der Truppe vom Hochplateau einfach stimmen muss wurde spätestens dann klar, als Andy Delmore in der Bar eingetroffen ist, um mit seinen ehemaligen Teamkollegen und einem kühlen Blonden den Abend ausklingen zu lassen...
Bericht Mittagsmagazin Rai Sender Bozen
Interviewpartner: Ingemar Gruber, Fabian Hackhofer, Herbert Frisch
Interviews und Bericht: Peter Treibenreif
Gelesen von Andreas Feichter