Samstag, 27. Oktober 2012

Bozen - Pustertal: Dieses Spiel ist Ehrensache



Weiß- Rot trifft auf Gelb-Schwarz, Füchse auf Wölfe, Rekordmeister auf Fast-Meister, Bozen auf Bruneck. Es ist das Spiel, wo zwei absolute Selbstverständnisse aufeinander treffen. Was für Zündstoff im Vorfeld sorgt: Die einen sind überzeugt, die unbestrittene Nummer eins im italienischen Eishockey zu sein, Ligaentscheidungen beeinflussen dürfen und sollen, weil  Eishockey mit der Muttermilch aufgesogen, die anderen meinen zu wissen, die besten Fans der Liga zu sein, Eishockey neu erfunden und ein allgemeingültiges Erfolgsmodell zu sein. Am Abend treffen also nicht nur zwei Mannschaften aufeinander, die in der gleichen Provinz angesiedelt sind, sondern vor allem treffen zwei Einstellungen aufeinander, die nicht wirklich harmonieren. Wer recht hat, lässt sich objektiv nicht wirklich feststellen. Sondern muss am Eis ausgespielt werden.

Die Meisterschaft 2012-13 ist atypisch. Denn in dieser Saison ist die graue Maus haushoher Favorit in einem Spiel, das der HCB medial bereits im Vorfeld abgeschrieben hat. Weil die Personaldecke in der Landeshauptstadt sehr dünn ist. Und die Spieler, vor allem in der Hintermannschaft, Überstunden am laufenden Band leisten müssen.
Wobei: Was kann die Konkurrenz dafür, wenn dass der HCB nur mit drei Ausländern spielt? Was kann die Konkurrenz dafür, wenn die Bozner Vereinsführung die eigenen Spieler auspresst wie Zitrusfrüchte am Frühstücksbuffet? Können diese Tatsachen als Ausreden herhalten? 
Nein: Weil wer die Nummer eins sein möchte, der muss entweder seinen Ansprüchen gerecht planen oder klar kommunizieren, dass Mittelmaß Trumpf ist.

Die Wölfe werden motiviert auftreten. Und untermauern wollen, dass der eingeschlagene Weg, sportlich wie marketingtechnisch, der richtige ist:
Die Mannschaft aus dem Osten des Landes ist sportlich erfolgreich, weil die Mannschaft der Star ist, und man nicht auf Einzelkönner angewiesen ist. Die einheimische Jugend integriert sich prächtig ins Spiel und wird von Spieltag zu Spieltag selbstbewusster und dementsprechend besser. Und die Fans sind fanatisch, unterstützen ihr Team, auch wenn es einmal nicht wie erwartet läuft. Nehmen Auswärtstouren auf sich, und sind, abseits des Spiels, angenehme Zeitgenossen, die durchaus zum positiven Gesamtimage des HC Pustertal beitragen.

Die Bozner Fans hingegen hoffen: Auf eine Leistungsexplosion der Spieler, die zum besten gehören, was am italienischen Markt zu haben ist. Aber: leider sind sie zu wenige. Sie hoffen auf eine Trotzreaktion einer Mannschaft, die in letzten Zeit jedoch eher resignierend aufgetreten ist. Es scheint fast so, als sei der Funke erlöscht, der noch in Vorfeld der Saison für so viel Zuversicht und positive Stimmung gesorgt hatte.
Beim Spiel Bozen gegen Pustertal geht es irgendwie um ein Duell, in dem sich zwei Zeiten treffen: Die glorreiche Vergangenheit und die erfolgsversprechende Gegenwart. Es ist ein Duell der Systeme und Selbstverständnisse.
Was langfristig erfolgreicher sein wird, lässt sich nicht von einem Spiel ablesen. Trotzdem ist für Spannung gesorgt. Und für Zündstoffe, der das Duell zu etwas besonderem macht.

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